Schrecken im Eis V – Von Schmied und Hammer

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Aus Styrvakes Journal – 17. Rondra 1023 BF – Abends – Lyosho musste Fenew stützen, als sie das Kloster verließen und wieder zu mir ins Gasthaus kamen, in dem ich alleine zurück geblieben war. Fenew sah in der Tat nicht gut aus und verzog sich direkt in seine Kammer. Wir anderen berieten, wie wir die anstehende Strecke zum Stamm der Doppeläxte am besten bewältigen könnten. Wir leierten Fenew eine beträchtliche Summe aus den Taschen, die er uns einigermaßen bereitwillig überließ. Wir besorgten zwei Hundeschlitten und versuchten auch noch Mietlinge zu finden, die auf die Schlitten aufpassen sollten. Aber es fand sich niemand mit ausreichend Schneid in dieser von den Göttern verlassenen Stadt. Als wir am nächsten Morgen aufbrechen wollten, kam Fenew zu uns in den Gastraum und beichtete, dass er sich nicht reisetauglich fühlen würde. Da wir eh planten wieder hierher zurück zu kommen, wünschten wir ihm gute Besserung und brachen auf.

24. Rondra 1023 BF – Mitten in der Nacht – Und auf einmal waren da tatsächlich Mammuts! Unsere Reise aus Glyndhaven war bisher absolut ohne Probleme verlaufen. Sigdur hatte uns die ersten drei Tage in Richtung des Gletschers geführt und war dann nach Westen abgebogen. Wir hatten alsbald einen Bachlauf entdeckt, der stark nach Schwefel roch und dementsprechend wahrscheinlich von irgendeinem Vulkan erhitzt wurde. Diesem Bachlauf waren wir drei weitere Tage gefolgt und kamen schließlich durch eine Eishöhle in eine kleine grüne Oase.

In dieser Oase stand ein intakter Steinkreis aus Pfeiler- und Deckgraniten. Hier war es merklich wärmer und wir erkundeten vorsichtig das Areal, vor allem weil eine kleine Herde Wollnashörner hier weidete. Lyosho und Sigdur wussten zu berichten, dass die Kreise von Riesen oder Titanen errichtet worden waren und sie als Portale dienten. Sie erzählten eine aberwitzige Geschichte über Mammuts, die hier aus dem Nichts auftauchen würden. Gemeinsam mit Balthasar begab ich mich zum zentralen Bauwerk. Der Druide war sich ziemlich sicher, dass hier irgendwelche magischen Ströme sich kreuzen würden. Außerdem fand er tatsächlich aus dem Nichts auftauchende Spuren von sehr großem Getier. Mir war nicht so ganz wohl innerhalb des Kreises, aber wir übernachteten trotzdem nicht unweit davon. Und dann tatsächlich wurden wir mitten in der Nacht geweckt. Eine Herde Mammuts schritt durch das Tal. Eigentlich müsste man sie nur noch in Richtung Glyndhaven lenken und sie dann vor der Stadt anstacheln.

25. Rondra 1023 BF – Nachmittags – Tsaekal  hatte schon gestern die Beobachtungsposten der Fjarninger gewittert, die uns seitdem unablässig verfolgt hatten. Sigdur mahnte uns Stärke zu zeigen, denn Schwächlinge hätten keinen Platz in der Stammeskultur. So langsam bekam ich immer mehr Lust diesem schwätzenden Sigdur mal Stärke zu zeigen. Bevor wir allerdings das Dorf der Doppelaxt Sippe  erreichten, witterte Tsaekal in einer Höhle einen seltsamen Wolfsgeruch. Er ging der Sache aber nicht weiter auf den Grund.

Das Dorf war mit einigen gut platzierten Schutzwällen recht effektiv gesichert. Ein kleiner Trupp der hier ansässigen Eisbarbaren nahm uns in Empfang. Sigdur brachte sein Anliegen vor und verhandelte kurz mit seinen entfernten Verwandten.  Wir gaben unsere Gastgeschenke ab und wurden in die Höhle der Schmiedin Fyrveig Doppelaxt geleitet. Die Schmiedin musterte mich und meine Begleiter, wechselte mit jedem von uns ein paar Worte bevor sie sich Sigdur widmete. Sie wurden sich recht schnell einig, dass sie den Fjarninger in das Geheimnis des Geisterschmiedens einweisen würde.

Daraufhin erschall aus der Schmiede eine Stimme. Niemals würde das Geheimnis weiter gegeben. Die Stimme kam unverkennbar aus dem Schmiedehammer. Fyrveig stürzte in die Schmiede, griff nach dem Hammer und befahl ihm ihr zu gehorchen. Doch mit einem Mal schwang die Schmiedin den Hammer herum, traf sich selber am Kopf und ging bewusstlos zu Boden. Der Kopf des Hammers begann leicht zu glühen. Auch Sigdur versuchte sein Glück, griff nach dem Hammer, doch dieser zertrümmerte das Schienenbein seines Trägers. Das Glühen des Hammers wurde intensiver. Wir zogen die Verletzten aus der Schmiede in die Wohnhöhle und ließen den Hammer dort wo er lag. Das Leuchten wurde heller und heller und schließlich zerbarst der Hammer. An seiner Statt stand ein elementarer Meister des Feuers. Damit sein Geheimnis wirklich sicher war, schien er beschlossen zu haben uns alle umzubringen, denn er kam zu uns in die Wohnhöhle, die leider keinen zweiten Ausgang hatte.

Swafnir sei gepriesen, dass wir ein paar Tage Erholung hatten, denn mit vereinten Kräften rangen wir den Meister nieder. Lyosho meinte gesehen zu haben, dass kurz bevor der Meister starb, Lystramon versucht hatte die Kontrolle über den Meister zu übernehmen. Fyrveig verstand die Welt nicht mehr. Noch nie hatte der Hammer ihr den Dienst verweigert. Trotzdem wollte sie Sigdur in das Geheimnis einweihen. Doch nun bräuchte sie einen adäquaten Ersatz und bat uns auf dem Weg zu Frunus Thron an einer Art Friedhof vorbei zu gehen und dort einen Austausch vorzunehmen und gab uns eine Waffe für den Tausch mit. Wir nahmen die Waffe an uns, versprachen aber erstmal nichts.

Wie abgesprochen schlugen wir unser Lager außerhalb der Siedlung auf (wirklich sehr gastfreundlich diese Fjarninger). Sigdur kam auch zu uns und bat uns für ihn den Hammerersatz zu besorgen und zwar möglichst schnell. Mir riss der Geduldsfaden. Dieser wimmernde Schwächling, der sich noch nicht einmal alleine getraut hatte zu seinen Vettern zu reisen, der quasi für unsere beinahe Einäscherung verantwortlich war, dankte uns nicht dafür dass wir ihm gerade seinen Arsch gerettet hatten sondern flennte dass seine neue Freundin ein neues Hämmerchen bräuchte. Von mir aus konnte er sich seinen Hammer in seinen Arsch stecken bis es im Rachen kitzelte. Wulfen mischte sich ein und faselte was von ehrbar und dass dieser Friedhof doch auf dem Weg liegen würde. Ich schlug ihn nieder und ging mich dann auf Geheiß von Sheana erstmal etwas abkühlen.

Nachher beratschlagten wir die Situation. Lyosho hatte dann abermals einen Gedankenblitz. Vielleicht bestellte es sich um Sigdur ja in ähnlicher Weise wie damals mit dem Gestaltwandler Imanuel von Brabak. Für mich erklärte das auf jeden Fall sofort eine ganze Menge. Blieb die Frage wie wir weiter vorgehen wollten und wie man Sigdur entlarven könnte. Für mich war klar, dass ich zunächst auf Frunus Thron wollte, da das meiner Meinung nach unser Hauptanliegen war. Unterdessen hatte sich auf Anweisung von Fyrveig auch ein junger Fjarninger namens Radulf bei uns vorgestellt, der uns mindestens zu diesem Friedhof führen würde.

Mittlerweile war es Nacht geworden und ich hatte Wache und bewachte das Feuer. Aus welchen Gründen auch immer erschien Ghonech und bat mich darum, dass er von der Schmiedin in die Axt gebannt werden wollte. Dies sei Thorulfs Wille. Vielleicht doch ein Grund dieses vermaledeite Hämmerchen zu besorgen.

 

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