Schwingen aus Schnee V – Der Palast der Himmelslichter

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29. Rahja 1022 BF
Am Abend erreichten die Abenteurer mit ihren Hundeschlitten den Ausläufer der Brecheisbucht, der in die Grimmfrostöde hineinragte. Aufgrund der außerordentlichen langen Sommertage im Norden hatten sie noch einige Stunden Tageslicht und betraten das Innere der Palastruine der Himmelslichter. Es war ein pittureskes Gebäude am Ende einer Klippe hoch über dem Wasserspiegel, dessen schlanke Türme sich dem Himmel entgegenstreckten. Weder gab es Schutzzauber noch trafen sie auf Bewohner. Lyoscho war gleichermaßen erfüllt von Panik wie von Euphorie.

Mit einem Odem Arcanum erkannte er noch immer das Nachklingen des Schutzbannes, der einst hier gewirkt hatte. Das Innere des Palastes war vielfach mit Zauberei aus Eis ausgestaltet worden. Er spürte das Leid der Elfen, die ihr Leben verloren hatten, als ihre Zuflucht gestürmt wurde. Obwohl er zum ersten Mal hier war, fühlte sich alles vertraut an.

Sie richteten ihr Nachtlager bei einer heißen Quelle in den Tiefen des Palastes ein. Kunstfertige Elfenmöbel wurden kurzerhand zu Feuerholz. Wulfen von Iberod berichtete von Nagrachs Wilder Jagd, die ihnen während der Namenlosen Tage bevorstand. Fenew zeichnete eine Arkanoglyphe an den Eingang. Seine latenten magischen Kräfte traten immer deutlicher zutage.

Lyoscho fragte Telyrion, ob dieser Ort auf ihn Einfluss nähme. Daraufhin führte dieser ihn weiter in die Tiefen zu der Totengrotte – einer nach Norden offenen Höhle. Teils saßen, teils standen hier die gefrorenen Leichen der Elfen und blickten gemeinsam hinaus nach Norden. Telyrion setzte sich in Ihre Mitte und sang von seiner Sippe. Lyoscho sah vor seinem geistigen Auge, wie jeder dieser Elfen getötet worden war. Telyrion erklärte ihm, dass er diese Verbindung hatte, weil Lyoscho auch zur Sippe der Himmelslichter gehörte. Diundavar Wo-Schneegänse-ziehen hatte eine norbadische Hexe als Gefährtin gehabt und konnte sein Vater sein. Ab und an könne man ihn in Glyndhafen treffen.

Zurück bei der heißen Quelle erwähnten die anderen, dass auch sie das Leiden spürten, aber keiner so wie der Halbelf. Während der Nacht verstärte sich der  Wind – wer Nachtwache hatte konnte den Palast „singen“ hören.

30. Rahja 1022 BF
Am letzen gottgefälligem Tag des Jahres nahmen Sie den Eissegler in Augenschein. Er war in gutem Zustand. Im Nordosten sahen sie die erste der Bäreninseln. Die östlichste hieß Nualauki und beheimatete das Ifirnheiligtum, zu dem die verbliebenen Teilnehmer der beiden früheren Expeditionen gereist waren. Telyrion sagte, dass sich weit dahinter die Klirrfrostöde befand. Dort lebte seine Schwester mit ihrem Kind bei der Sippe der Lichthüter. Sie war eine Eiswandlerin – und Lyoscho zugewandt sagte er „Wie Du es bist.“.

Wulfen erzählte, dass Ifirn von vier Silberschwänen namens Aidari, Lidari, Yidari und Nidari begleitet wurde. Telyrion erzählte eine wenig von der elfischen Variante der vier Himmelslichter. Danach verbarrikadierten sie die drei Zugänge zur heißen Quelle mit Eisquadern. Telyrion und Lyoscho schlossen die Fugen magisch mit Eis. Hier wollten Sie nächsten fünf Tage ausharren und die Wilde Jagd aussitzen.

1. Namenloser Tag 1022 BF
Sheanna spürte, wie sie abrupt vom Göttlichen abgeschnitten wurde. Die Raumtemperatur sank auf den Gefrierpunkt, aber noch blieb alles ruhig.

2. Namenloser Tag 1022 BF
Im Laufe des Tages ertönte Shirr’Zachs Stimme und warnte vor Ankömmlingen. Dies war das Wirken von Fenews Glyphe gewesen. Zumindest waren alle alarmiert. Von hinter einer der drei Eiswände war ein Kratzen und Schaben wie von Klauen zu vernehmen, aber dies hörte nach einigen Stunden wieder auf. Nicht jeder bemerkte es, aber ihre Körper verließ schleichend die Lebenskraft.

3. Namenloser Tag 1022 BF
Sie begannen Albträume zu haben, und mit der Zeit sollten diese immer dämonisch pervertierter werden. Dumpf war von draußen das Gebrüll von Dämonenhunden zu vernehmen. Tsaekal wähnte Halman von Gareth vor dem Palast und wollte hinaus, um ihn zu erschlagen.

Daraufhin zeigte ihnen Telyrion mit Zauberei, was draußen vor ging. Es war ein blutiges Schneetreiben, in dem ein gehörnter Reiter auf einem Dämonenross saß und von Horden anderer Dämonen umringt war.

4. Namenloser Tag 1022 BF
Ein Eisbeben ließ den Palast erzittern und die Temperatur sank deutlich unter den Gefrierpunkt.

5. Namenloser Tag 1022 BF
Stille kehrte wieder ein, und die Temperatur sank unter Firunskälte. Gegen Mittag herrschte Grimmfrostkälte in der Höhle, so dass die heiße Quelle zufror. Lyoscho zauberte den ganzen Tag über, um die Temperatur um sich herum stabil bei Firunskälte zu halten, aber abends war seine Astralkraft erschöpft. Und alle mussten ein paar Erfrierungen hinnehmen.

1. Praios 1023 BF
Ab Mitternacht spürte Sheanna wieder ihre Verbindung zur Göttin und die Temperatur stieg an. Mittags öffneten sie die Ausgänge und traten die Weiterreise auf dem Eissegler an. Die Brecheisbucht war nun wie angekündigt vollkommen zugefroren und bildete eine ebene Fläche. Alsbald erspähten sie wieder einen Gletscherwurm, der hoch über ihnen flog.

2. Praios 1023 BF
Die Bäreninseln erwiesen sich im Vorbeifahren als weitestgehend schneefrei. Im Zentrum jeder Insel war ein aktiver Vulkan, dessen Fuß in Nebel gehüllt war. Gelegentlich sahen sie Lavaströme, die sich ins Meer ergossen. Sie umrundeten Nualauki und landeten nahe Ifirnsort an. Telyrion und Ulfgard richteten am Ufer das Lager ein. Die anderem folgten einem Flusslauf ins Innere.

Sie stießen auf einen kleinen Ort mit halbverfallenen Steinhäusern. In der Mitte des Dorfplatzes war ein Mosaik aus Vulkanglas in der Form eine Schneeflocke – ein Ifirnsstern – eingelassen. Darauf war ein Nest aus Stein, und daneben lag eine umgestürzte und zerbrochene Schwanenstatue.

Wulfen sagte, die Siedling wäre vor zwei Jahrhunderten von Mittelreichern gegründet worden. Voller Überzeugung verkündete er, dass dieser Ort nicht mehr Ifirn geweiht wäre, und sie hier nicht die erhofften Hinweise auf die Schwanenflügel finden würden.

Abseits der Häuser entdeckten sie zwei frische Gräber. Eins mit Pfeil und Bogen, das andere mit einem Korzeichen versehen. Hier waren vermutlich zwei weitere Expeditionsteilnehmer begraben. In einem der Häuser fanden sich Spuren von sechs Personen. Dort richteten sie sich für die Nacht ein. Die vier Überlebenden schienen vor ihnen abgereist zu sein.

3. Praios 1023 BF
Tsaekal witterte während seiner Wache einen Drachen, und er erblickte auch eine große Person. Er weckte Sheanna und sah sich um. Gleich hinter der nächsten Hügelkuppe stieß er auf einen Gletscherwurm, und dessen Reiter griff ihn hinterrücks an. Tsaekal war auf einen Nachtalb gestoßen und erwehrte sich seiner Haut. Der Nachtalb zog sich zurück und erhob sich auf seinem Wurm in die Luft.

Sheanna weckte alle, doch bevor sie zu Hilfe eilen konnte, erschien der Geist der begrabenen Bogenschützin Luta. Dieser warnte vor einem Feind, der ihnen folgte, und zeigte nach Nordosten. Der Geist wandte sich Balthasar zu und warnte ihn vor den Augen ohne Seele. Sheanna erlöste den Geist daraufhin mit einen Grabsegen.

Bei Tageslicht kehrten Sie zum Eissegler zurück. Telyrion hatte Spuren eines anderen Eisseglers entdeckt, mit dem acht Nachtalben gekommen und vier Menschen fortgefahren waren. Scheinbar nach Nordosten, möglicherweise zu den Lichthütern. Fenew protestierte dagegen noch weiter weg zu fahren, und unkte, dass die Festung der Lichthüter auch bereits gefallen sein könnte. Trotzalledem fuhren sie mit ihm den vier Expeditionsteilnehmern hinterher.

5. Praios 1023 BF
Gleich drei Gletscherwürmer erschienen am Himmel, nachdem sie am Vortag im Schutz schlechter Sicht gereist waren. Diese drehten sogleich ab. Abends erschienen Nachtalben im Nordwesten und machten mit ihren schnelleren Eisseglern Jagd auf die Abenteurer.

7. Praios 1023 BF
Die Verfolger waren bis auf eine Meile herangekommen. Balthasar und Lyoscho bereiteten sich darauf vor, sie abzuwehren.

 

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