Die nicht mehr warten wollen – Teil 2

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Von Orks und Adlern

6. August 2947 Drittes Zeitalter

Morgens sitzen wir entspannt in Gelviras Halle an der Alten Furt beim Frühstück und gönnen uns eine ausgiebige Mahlzeit während uns Gelvira und Cilric aktuelle Gerüchte erzählen. Zwerge, die den Hohen Pass überquerten, erzählten, dass sich der Weg verändert und sich Steine und Felsen verschoben haben sollen. Das klingt seltsam, aber nach den Abenteuern der letzten zwei Jahre glaube ich inzwischen sogar solche Geschichten. Kurz darauf betritt Osred mit ein paar seiner Leute den Gastraum. Er setzt sich zu uns und erzählt von größeren Orkbanden die überall herumstreifen und dass im Wolfswald Verstärkung eingetroffen ist. Dazu machen die Viglundinger weiter Ärger. Es scheint, als sei Beorns Land von Feinden umzingelt.

Wir brechen auf und überqueren die Furt, als Irimee stehen bleibt und etwas verklärt von alten Zeiten erzählt. Von einer prächtigen Brücke über den Anduin und stattlichen Armeen die darüber zogen. Da wir nicht einmal Ruinen einer Brücke sehen, muss das sehr, sehr lange her sein. Um Orkbanden möglichst aus dem Weg zu gehen, halten wir uns südlich vom Weg, wo das Gelände sumpfig ist. Dank Roderic kommen wir aber gut und sicher voran. Bei der nächsten Mittagsrast berichtet Roderic von Orkspuren, mindestens zwei Dutzend. Was machen die hier? Zu plündern gibt es hier nichts. Irimee stimmt derweil ein elbisches Lied an. Ich verstehe nichts, aber es klingt sehr melancholisch. Und irgendwie ist es nicht nur schön anzuhören, sondern entspannt und motiviert mich ungemein. An den Gesichtern der anderen erkenne ich, dass es ihnen auch so geht.

Nachmittags nehmen wir zwischendurch den Geruch eines Lagerfeuers wahr. Leudast und ich schleichen hin und entdecken den Schänkler, diesen Haderlumpen. Der alleine hier? Zwischen den Orks? Wir sind neugierig, aber entscheiden, ihn weder zu befragen, noch ihn gefangen zu nehmen, sondern einen großen Bogen um ihn zu machen. Abends findet Roderic einen geeigneten Lagerplatz, an dem wir sicher rasten können. Nachts hören wir entfernt Wolfs- und Warggeheul aus Richtung der Berge.

7. August 2947 Drittes Zeitalter

Morgens brechen wir früh auf. Irimee schlägt vor, dass wir in die alten Ruinen gehen sollen, was wir vehement ablehnen. Die Geister dort verheißen nichts Gutes! Doch sie überzeugt uns, dass es dort sicher sei und wir uns vor den Schatten nicht zu fürchten brauchen. Etwas missmutig stimmen wir letztendlich zu. Ansonsten verläuft der Tag recht ereignislos, bis auf ein paar entdeckte Orkspuren passiert nichts auffälliges. Nachts hören wir wieder Wölfe und Warge, welche schon unangenehm nah sind.

8. August 2947 Drittes Zeitalter

Morgens berichtet Roderic von Ork- und Wargspuren in der Nähe, die kreuz und quer gehen. Offensichtlich suchen sie etwas. Oder jemanden? Wir hören jetzt auch tagsüber Warggeheul und wir haben den Eindruck, dass wir verfolgt werden. Leudast lässt sich etwas zurückfallen und verwischt unsere Spuren. Nach einer kurzen Mittagsrast gehen wir weiter und hören nach einiger Zeit Wortfetzen, die der Wind zu uns trägt. Der kommt fast von vorn, so dass wir uns verwundert ansehen. Eigentlich sollten dort Roderic und Earendil Fährten lesen. Leudast und ich schleichen vorsichtig voran, während Irimee und Ferdibrand zurückbleiben.

Wir erreichen den Rand eines Wäldchens auf einem Hügel und sehen zunächst die Ausläufer des Nebelgebirges. Und noch etwas: Orks! Es sind etwa zwei Dutzend, dazu ein Dutzend Warge und Ghor auf seinem weißen Warg. Das Schlimmste: sie haben Roderic und Earendil! Aber zumindest scheinen die beiden zu leben, denn sie liegen gefesselt auf dem Rücken von Wargen. Gefangene der Orks, das fehlte uns gerade noch. Ghor gibt Befehle, aus denen Leudast zumindest heraushört, dass er die Herrin Irimee sucht und der Galgenkönig erwähnt wird. Dann laufen einige Warge mit unseren Gefährten Richtung Gebirge und die Orks schwärmen in unsere Richtung aus, offensichtlich um uns zu suchen.

Schnell laufen wir zu Ferdibrand und Irimee zurück und versuchen dann gemeinsam, den Orks auszuweichen. Leider endet der Weg, den wir nehmen, in einer Schlucht mit steilen Geröllhängen. Dank Leudasts Kletterkünsten und einem Seil schaffen wir es rechtzeitig vor den Orks hochzuklettern. Oben stehen wir auf einem bewaldeten Plateau und sehen für den Moment zwar keine Feinde, hören aus den umliegenden Bergen aber viele Warge heulen. Wir beeilen uns, voran zu kommen. Es dämmert schon langsam, als wir eine Schlucht finden, durch die sich ein kleiner Weg schlängelt. Der scheint weiter oben auf einen Hügel zu gehen. Von Überall hören wir inzwischen Verfolger. Wir folgen dem Weg und als wir oben ankommen sehen wir vor uns in einiger Entfernung links und rechts einen Schwarm Orks den Berg herunter kommen. Auch hinter uns hören wir sehr nah unsere Feinde, so dass ein Entkommen nicht mehr möglich ist.

Wir entscheiden, einen Felsen zu erklimmen, auf den nur ein Weg führt und der ansonsten ziemlich steile Wände hat. Der Felsen hat etwa vier Meter Durchmesser und ist einigermaßen gut zu verteidigen. Die Dunkelheit bricht herein. Wir sind jetzt von mindestens 60 Orks eingekreist, dazu dutzende Warge, Bilwisse und ein Schwarm Krähen. Und es werden mehr. Aber zumindest machen sie keine Anstalten, anzugreifen. Wir machen derweil ein Feuer, damit wir besser kämpfen können. Irimee setzt sich und beginnt ein melancholisches Lied. Dieses Lied scheint vom Wind davon getragen zu werden und kurze Zeit später setzt sich ein Rotkehlchen auf ihre Schulter. Mir kommt es so vor, als spräche sie mit dem Vogel.

Dann taucht plötzlich Ghor der Plünderer auf. Gut, dass es schon dunkel ist, dann sehen wir wenigstens nicht, wie hässlich er ist. Er macht uns ein Angebot: wir sollen ihm Irimee übergeben und wir dürfen gehen. Und wir dürften dann auch Roderic und Earendil mitnehmen, die weiterhin gefesselt auf Wargen neben Ghor liegen. Es ist ein wenig verlockendes Angebot, dass wir ablehnen. Angeblich interessieren wir ihn nicht, aber ihm vertrauen? Sicher nicht. Dann spricht Irimee leise zu uns. Sie will sich ergeben, um unsere Leben zu retten, aber auch das lehnen wir ab. Sie den dreckigen Händen Ghors übergeben? Nichts liegt uns ferner! Daraufhin stimmt Irimee ein markerschütterndes Lied an.

Ghor treibt nun seine Orks an, die den Felsen stürmen. Vier gegen bestimmt 100, ehrenhaft bestimmt, aber vielleicht das Ende. Grimmig stellen wir uns den Feinden. Zunächst müssen wir nur den Weg verteidigen, da die Seiten zu steil sind. Als die ersten Orks uns erreichen, hören wir Irimee etwas sagen. Eine Welle gleißenden Lichts strömt von ihr aus und erfasst die Orks, die voller Angst sufschreien und sich wegducken. Wir hingegen sind plötzlich mit Hoffnung und Zuversicht erfüllt, alle Angst ist aus unseren Herzen verschwunden. So motiviert metzeln wir die ersten Reihen nieder.

Doch wo einer fällt, taucht sofort ein neuer auf und auch wenn es nur Fußvolk ohne bessere Ausrüstung ist, treffen sie doch hin und wieder. Auch Bilwisse mit Pfeilen setzen uns zu und nachdem wir 20 der Orks erschlagen haben, sackt Ferdibrand von Pfeilen getroffen zu Boden. Inzwischen kommen die besser gerüsteten Orks nach vorne, wo Leudast und ich die Stellung knapp halten können. Weitere 10 Orks lassen ihr Leben als auch ich schwanke und zu Boden gehe. Da hört man wieder Irimees Gesang und es passiert ein kleines Wunder.

Der Mond wird von einer riesigen Schwinge verdeckt und plötzlich stoßen dutzende Adler aus dem Himmel herab. Sie sind gewaltig mit Flügelspannweiten von mehreren Metern! Die Adler fangen an, Orks und Warge zu schnappen, in die Luft zu steigen und sie dann fallen zu lassen, so dass sie am Boden zerschellen. Andere greifen sich Irimee, Leudast, Ferdibrand und mich und steigen auf. Auch Roderic und Earendil werden mitgenommen. Ghor brüllt herum, schnappt sich Pfeil und Bogen, schießt und trifft den Adler, der mich trägt. Dieser sackt von einem schwarzen Pfeil getroffen kurz ab, fliegt dann aber weiter.

Wir fliegen eine Weile und kommen sogar bis zu den Wolken. Leider ist es Nacht, so dass wir nicht viel sehen können, aber die Erfahrung ist einmalig. Am Ende des Fluges setzen uns die Adler in einem riesigen Nest ab. Irimee behandelt noch unsere Wunden, dann schlafen wir alle erschöpft ein.

9. August 2947 Drittes Zeitalter

Am nächsten Morgen wachen wir ausgeruht auf und blicken uns um. Das Nest ist an einer Felswand gebaut, nach unten geht es mehrere hundert Meter steil runter. Vor uns landet einer der Großen Adler, der eine kleine Krone aus Mithril auf dem Haupt trägt.

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