Grabeshauch

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2. November 2946 DZ, Morgens

Der Junge war erwürgt worden, wie vermutet. Eine verdammte Schande. Aber seltsamerweise waren es wohl nicht die Orkse. Wir fanden nichts, aber Odo konnte mal wieder Spuren aus dem Stein schälen. Er wäre vielleicht ein brauchbarer Zwerg geworden. Ich muss mir das bei Gelegenheit abgucken. Naja er fand halt Spuren von 6 Orks und 2 Wargen, aber nur am Rand des Plateaus. Der mutmaßliche Mörder muss sich über die Felsen bewegt haben – wie, wissen wir nicht. Auf jeden Fall sah es ganz schön glitschig aus, als die anderen hoch und wir unten rum sind, um nach Spuren zu suchen. Wahrscheinlich ist der Kerl den Orks nach.

Wir trennten uns dann kurz. Die Stadt muss Bescheid bekommen und naja, wir konnten den Knaben ja auch nicht für die Geier liegen lassen. Also hatten Arien und ich uns die zwei Stunden Weg zum Drachenkopf zur Aufgabe gemacht, Ohtar wachgeklopft und den Burschen samt Nachricht für die Stadt abgegeben. Wenigstens kann ich diese Zeilen also im warmen Schreiben. Die anderen sind den Orks nach. Noil und Arien haben vereinbart, dass Noil eine Spur aus Elbenrunen hinterlässt. Mal sehen ob wir sie finden. Gibt es hier eigentlich gar kein vernünftiges Bier?

2. November 2946 DZ, Vormittags

Wir haben die anderen eingeholt. Sie sprachen von einer Gestalt, die sie getroffen hatten, einem sogenannten Grimwulf. Wohl ein Beorninger. Der Kerl muss riesig gewesen sein, denn die Spuren von dem Warg, den er jagte, waren das auch. Selbst gesehen hab ich ihn leider nicht. Schade. Vielleicht wäre er ein gutes Modell für eine Statue gewesen? Er erzählte auf jeden Fall zwei interessante Dinge: Erstens dass hier ein Kauz namens Thorn wohnte, zusammen mit seinen Ziegen. Seltsamerweise ließen die Orks ihn wohl in Ruhe. Und zweitens, dass dieses Pack sich wohl ins Hügelgrab zurück gezogen hatte. Verdammter Kalkstein, ein Grab zu betreten behagte mir nicht besonders, aber das behalte ich wohl lieber für mich.

Wir hatten Thorn getroffen, ein alter, hagerer Mann in den 60ern mit einem interessanten Rundhaus, nur durch einen Kriechgang zu betreten. Daher kann ich das hier in Ruhe und Trockenheit schreiben. Komischer Kauz, kompetenter Kräutermeister, königlicher Schnapsbrenner! Das Zeug spült einem die Kehle durch dass es eine wahre Lust ist. Er hat uns erlaubt hier ein wenig zu ruhen, da wir die Nacht durchgewandert sind, und erzählte außerdem noch von einem Hintereingang ins Hügelgrab. Da muss wohl was eingestürzt sein. Keine Zwergenarbeit, sowas schlampiges. Aber gut für uns. Außerdem erwähnte er, dass dieser Grimwulf wohl Grimbold sein könnte, ein Sohn des Beorn. Außerdem beobachten die Elben Thorn so argwöhnisch, ob sie etwas wissen? Aber naja, da bringe ich eher Granit zum singen als Elben zum Reden, wenn sie nicht wollen. So der Kessel ist geflickt, die Zeilen geschrieben, Zeit am Ziegenfell zu horchen!

2. November 2946 DZ, Abends

Was für ein Tag. Bei Thorn hatten wir prima geschlafen, wenn auch nur kurz und mit dem Traum von einem riesigen Wolf verbunden. Arien meinte, es sei der Werwolf vom Düsterwald gewesen. Ich meinte, Wölfe gehören an Mäntel oder vor den Kamin, aber nicht in Träume.

Sei es drum, das war ein anstrengender Marsch seitdem. Wir hatten das Hügelgrab ohne größere Probleme gefunden, aber der Eingang war schwer bewacht. Orks mit dem Symbol des Nekromanten, der Schwarzen Hand. Das hier war definitiv nicht einfach nur eine Räuberbande. Glücklicherweise hatte Thorn uns den Tipp mit der Spalte gegeben, diesen Hintereingang hatten wir direkt genutzt. Von dort aus gingen zwei Wege ab: Einer zum Ausgang (zu viele Orks da, wir haben sie in Ruhe gelassen) und einer tiefer ins Grab. Zudem scheint es hier kleine Tunnel zu geben, durch die wohl unser Mörder gegangen war. Aber verflixt, die sind sogar für mich eng wie ein junges Methorn. Also tiefer in das Grab hinein, mich fröstelt jetzt noch bei dem Gedanken daran, obwohl wir gerade einen heißen Kampf hinter uns hatten. Aber dazu gleich.

Noil schlich vor als Kundschafter, und je tiefer wir kamen, desto deutlicher wurde der Hauch des Schattens, der auf diesem Ort lag. Diese verdammte Kälte zog bis ins Mark und nagte wie eine Ratte an unseren Geistern. Doch wir ließen uns nicht unterkriegen! Was dann doch ebenfalls sehr verstörend wirkte, waren die Bilder an den Wänden. Die Ostlinge, die das Grab errichtet hatten, hatten wohl dem großen Verderber gedient, ihr Schilde zeigten das Wappen Saurons, und neben ihnen war eine hünenhafte dunkle Kreatur abgebildet. Widerlich. Ich wollte diese Bildnisse zerschlagen, aber die anderen hielten mich davon ab. Recht so, ich hatte wohl zu wenig Alkohol getrunken, das würde doch hallen und wir wollten ja nicht auf uns aufmerksam machen.

Wir fanden noch zwei tote Orks in einer der kleineren Kammern vor. Offenbar erwürgt. Unser Mörder zieht hier also immer noch umher. Na warte Bürschchen! Dann fanden wir diesen Raum hier. Er ist größer als die, die wir bisher gesehen hatten, und lag mit offener Tür am Gang nach unten und Noil könnten lauschen, ein Orktrupp befand sich darin. Sie sprachen davon, dass Ghor sich bereits in der Grabkammer befindet. Der entkommt uns nicht! Aber erst einmal mussten wir uns um diesen Raum kümmern. Also entweder wie die Katzen vorbei schleichen oder kämpfen war die Devise, denn der Trupp der Biester war mit Sicherheit als Wachposten stationiert. Wir nahmen natürlich den zwergischen Weg! Her mit dem Hammer!

Da wir die Überraschung auf unserer Seite hatten, war es ein wahres Schlachtfest. Arien fällte direkt beide Bogenschützen der Orks, während Odos Pfeile die Nahkämpfer in Schach hielten, so dass wir anstürmen konnten. Ich würde es ja niemals laut sagen, aber ich war froh diese Leute bei mir zu wissen, ja auch die Spitzohren. Wir arbeiteten gut zusammen. Umso größer war der Schreck, als die Warge einfach über uns herüber setzten, aber die beiden wussten sich zu wehren. Derweil kam es an der vorderen Kampfreihe zum Schlagabtausch zwischen Folkmarr, Noil und mir und 5 Orks. Hah! Die sind so schnell gefallen wie ich die Humpen leeren kann, und wie immer hat Noil sich einen Spaß daraus gemacht, den dicksten von ihnen wie ein Schwein auf seinen Spieß zu stecken. Ironischerweise war es auch noch ein Orkkrieger des Clans des Blutigen Speers. Das wird ein toller Witz für den nächsten Tavernenabend. Der hoffentlich bald kommt. Verdammtes kaltes Grab!

Arien hat übrigens den letzten Ork vor unserer Nase erschossen. Ich schwöre, sie hatte mit den Mundwinkeln gezuckt. So als wollte sie sagen „Kommt Jungs, ich mach das schon.“ Ich schwöre ich hatte es gesehen! Und jetzt hatten wir die Tür verriegelt und ein wenig Atem geschöpft. So mein Freund, jetzt kommst du wieder in den Rucksack und hältst mir das Bier warm. Wir sehen uns jetzt mal diese Grabkammer an und werden diesen Ghor fällen wie eine Eiche! Bei Dains Bart!

 

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