Die Ruhe vor dem Sturm

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Siebter Tag, Abends

Hammer und Mut, haha. Wohl eher Schweiß und Blut. Diese dreckigen Sumpflinge mit ihren steinverlassenen Flatterviechern. Mögen all ihre Wände zu Kalk werden und über ihnen zusammen brechen!

Wir hatten die Sumpflinge, gut ein halbes Dutzend unter dem Kommando dieses Orks Rigurz, gesichtet und uns in Position geschlichen, während der stinkende Grünling noch mit seinem Meister sprach. Irgendein Hokuspokus, bei dem dieser „Meister“ aus der verrottenden Leiche eines Sumpflings mit ihm sprach. Das war in etwa so als würde dir Egel im Bart herumkriechen. Schauderhaft! Scheinbar hat der Meister diese Menschenorks Ghor und Magog ausgeschickt und Ghor wiederrum Rigurz um diese unglaublich wichtige Karte zu holen. Das haben wir jetzt schon mehrfach gehört. Leider konnten wir nicht mehr viel Weiteres mitkriegen, da irgendjemand von uns bemerkt wurde. Beim Barte Dains, nicht ich, ich schwöre es, diesmal war ich es nicht!

Aber ich könnte meine neu erworbenen Schleichkünste ja mal daran testen, an den Schlauch mit Schnaps zu kommen aus unserem gemeinsamen Vorrat…

Was für eine dämliche Idee von mir, als ob ich von unseren Vorräten stehlen müsste. Die anderen haben mich angeguckt, als wäre ich eine beleuchtete Langhaarziege mit rotem Fell. Ich neige der Vermutung zu, dass sie mich gesehen haben, trotz meines großen Geschicks! Aber warum schleichen, wenn man einen Hammer hat. Ach ja genau. Hammer. Kampf. Hah. Voller Vorfreude warfen wir uns also auf das Pack, nur um dann dieses gute halbe Dutzend kreischender, wie wahnsinnig wirbelnder Grubenkobolde mit Flügeln um uns herum zu haben. Diese kleinen Sumpfratten hatten doch wirklich abgerichtete Fledermäuse. Und was für Kaliber, bestimmt so groß und breit wie meine Brust. Diese kleinen Teufelchen waren im Nu an uns vorbei – verdammt nochmal, wer kann auch schon mit einem Hammer eine Fledermaus aus der Luft holen? Die Mistviecher warfen sich auf Odo und Arien und wir konnten nicht helfen, da diese bartlosen Stinker von vorne in uns hinein rannten. Nur der feine Herr Rigurz hatte wohl die Hosen voll, der kroch nur langsam näher. Wenn man sich hinter Männern verstecken muss, kann man nicht anführen, bei Thorins Axt! Aber es ist, besser gesagt war, ja auch nur ein kleiner Orkling.

Da ich hier kein episches Lied schreiben muss kann ich ja unelbisch einfach mal die Wahrheit sagen: Wir haben derbe Prügel bezogen. Odo konnte nur einmal vernünftig schießen, dann verbiss sich eine der Fledermäuse schon in seiner Seite. Tolle Flüche, ich hätte sie nur lieber zu einem anderen Zeitpunkt kennen gelernt. Ich hatte scheinbar den geschicktesten Krieger der Sumpflinge erwischt, der jemals das Licht Mittelerdes erblickte. Das Miststück wollte sich einfach nicht von mir ins Grab befördern lassen. Musste meinen Hammer fallen lassen, diese Schande, diese Schande! Ich brauch meinen Tabak!

Also, Schild gezogen und dann wurde ich auch schon zurück gedrängt. Das einzige was ich peinlicherweise geschafft habe, war dafür zu sorgen, dass möglichst viele Sumpflinge auf das leichte Opfer, also mich, den bärtigen Trampel mit zwei linken Füßen, einschlugen. Was hatten sie Glück, dieses kreuzverfluchte Schlachtenglück, diese von einem Schwein zerfressene Hure des Siegers, die…

Also, wie ich schon schrieb, ich hatte Pech und die Sumpflinge verdroschen mich. Ich muss meinen widerstrebenden Respekt für die Elben bekennen. Nicht nur dass Arien uns unermüdlich antrieb und uns Mut schenkte, die andere Bohnenstange mit Elb daran hackte sich durch diese Sumpflinge als wären es Übungspuppen. Selbst Folkmarr schien sichtlich beeindruckt, und der robbte nicht wie ich die halbe Zeit durch den Dreck.

Das war schon eine verdammt knappe Geschichte. Während wir uns mühsam den größten Teil der Sumpflinge vom Hals schafften, uns gegenseitig anfeuerten und deckte und auch noch versuchten, die Fledermäuse mit Drohgebärden von unseren Fernkämpfern wegzuhalten, kam Rigurz angestapft. Noil warf sich dem Kerl entgegen, während hinten diese mutterlosen Hundefliegen, die sich Fledermäuse schimpfen durften, unsere Elbin zu Fall brachten. Wir warfen alle Kräfte gegen den Anführer des Packs, Rigurz wehrte sich mit Axt und Schild. Ah das ist eine Stelle über die man sogar in einem Lied schreiben könnte, bei der Esse der Alten! Wie die Funken des glühenden Eisens warfen wir uns nach vorne und prallten ab, und wieder war es Noil, der die tödlichen Stöße setzte. Odos Bogen hielt uns die Fledermäuse von Hals, während Folkmarr, voller Zorn und mit feuriger Inbrunst, nun allein uns anspornte, nicht nachzulassen. Ich tat das einzig sinnvolle und heroische, wozu ich in der Lage war: Ich benutzte meinen Schild damit Noil frei kämpfen konnte und drängte heroisch…ach du bist mein verdammtes Tagebuch, ich hab das zweite Mal derbe Prügel kassiert damit Noil ihn abstechen konnte. Nicht heroisch, aber nützlich. Was er übrigens auch tat. Sehr heroisch und nützlich. Durchbohrte ihn einmal glatt mit seinem Speer.

Das war der Moment wo ich wirklich dachte, jetzt einen Schinken und ein Pfeifchen neben einem guten Krug Bier, aber wir waren immer noch von Feinden umringt. Zu unserem Glück verlor der letzte Sumpfling den Mut und floh, doch Noil stellte ihn vor der Türe. Dafür wurde er seinerseits von einer Fledermaus umgerissen und stand nicht mehr auf. Wir Verbliebenen – Odo, Folkmarr und ich – kämpften zäh weiter. Die Welt schien jede Form von Erz und Stein zu verlieren, alles verkleinerte sich auf diese Flatterviecher. Wir hatten Blei in den Knochen und Stein in den Muskeln und ich war so müde wie selten zuvor in meinem Leben. Nur der brennende Zorn über unsere blutenden Kameraden und das Wissen, dass sowohl ihr Leben als auch das der gefangenen Zwerge davon abhing, dass wir jetzt nicht nachgaben, ließ uns weiterkämpfen. Ich glaube es waren nur ein paar Minuten bis wir einige Viecher niedergemacht hatten und andere flohen, aber ich schwöre, jeder Schlag war wie ein Jahr Dienst am Blasebalg. Ewiger Erebor, ich bin jetzt noch müde wenn ich nur daran denke.

Dann war es vorbei, einfach vorbei. Odo begann die beiden Elben zu versorgen und wir schnitten die Zwerge los und nahmen die elbische Karte und einen groben Schlüssel – Orkmachart, simpler Bart, sehr klobig, unreines Eisengemisch, würde ich tippen – an uns. Arien (das Buch mit Ohren, wie man sie auch nennen könnte) wusste doch tatsächlich, dass auf der Karte alte Elbensprache Quenya steht und sie daher wohl älter als 500 Jahre ist. Sie konnte es zwar nicht selber lesen, aber sie kennt da wohl jemanden. Die kennt ziemlich viele Leute, habe ich so den Eindruck. Wir hielten uns aber nicht mehr lange damit auf, nur raus hier, bevor der Rest der Sumpflinge – die Lager reichen ja locker für ein Regiment der Viecher! – auftauchen würde. Das einzige was wir aber zum Glück in der großen Halle vorfanden war eine Münze im Kamin.

Als wir zurücktauchten, empfingen uns gleich unsere lieben netten Krähenfreunde mit einem Konzert das Steine zum Heulen bringen würde! Ekelhafte Drecksviecher! Sollten sie sich doch mit den Fledermäusen vergnügen, wir machten uns auf Richtung Boot. Tja und nun schreibe ich hier am Feuer meine letzten Zeilen für heute. Wir sind schon wieder auf dem Rückweg. Mir tut alles weh, aber ich denke den anderen geht es nicht viel besser. Morgen reisen wir in aller Frühe weiter, zurück nach Esgaroth.

Fünfzehnter Tag, Nachmittags

Haha was ein Empfang. Sie haben ein verdammtes Boot aus glänzendem Gold! Es gibt noch Hoffnung für die Menschen in ihren Holzhäuschen! Auf diesem Prachtschiff, das wohl dem Meister der Stadt gehört, begrüßten uns bei unserer Rückkehr Ketill, die rechte Hand von eben diesem Meister, die Botschafter von Zwergen und Elben, Gloin und Rodwen, und die Stadträtin Linhild. Wir wurden mit den beiden geretteten Zwerge, Balin und Oin, fürstlich empfangen und als „Freunde Esgaroths“ geehrt. Ich glaube Folkmarr ist vor Stolz fast geplatzt. Er hat es sich verdient. Wir alle haben unseren jeweiligen Botschaftern oder Vorgesetzten Bericht erstattet und sind von einem glücklichen Botschafter Gloin mit fünf Gold entlohnt worden. Wir haben auch das Juwel zurück gegeben. Ein prachtvoller Stein, bestimmt seine 500 Gold wert. Der süße Ruf des Reichtums, man muss ihm lange folgen um so etwas zu sehen.

Fünfzehnter Tag, Abends

Stadträtin Linhild meinte, dass sie vielleicht einmal unserer Dienste bedarf. Wirklich beunruhigend sind allerdings die Nachrichten, dass die Streitmacht von Thal und Erebor den Amon Naugrim verlassen vorfand und die Bauern vermehrt Rauchsäulen im Osten sahen, wohl bei einem sogenannten Aal-Tümpel. Hauptmann Halfdan hätte wohl gerne, dass wir uns das bei Gelegenheit einmal ansehen. Loki berichtete mir von einer Orktruppe, die dort umher striff.

Nun können wir erst einmal durchatmen. In knapp zwei Wochen beginnt die Drachenzeit mit dem Tag des Schwarzen Pfeils. Na das sehe ich mir an. Bis dahin – nun mein schweigsamer Zuhörer, bis dahin werde ich viel Bier trinken und das ein oder andere Pfeifchen rauchen. Außerdem habe ich da eine Idee zur Verbesserung meines Kettenhemds und auf dem großen Markt hier muss sich doch vernünftiges Kartenmaterial finden lassen. Mal sehen.

1. November 2946, Nachmittags

Der Tag des Schwarzen Pfeils! Hätten wir mal direkt geahnt dass es eher ein Tag des dunklen Tümpels und schwarzen Schreckens wird.

Zuerst war alles bestens. Mein Kettenhemd ist fertig, wir haben unsere Sachen gekauft, nach denen wir gesucht hatten, ich eine feine Karte in einer stabilen Lederrolle. Aber der Wucherer hat mir zwei(!) Goldstücke abgenommen, dieser bartlose Holzfreund! Aber das ist gerade wirklich nicht unsere dringlichste Sorge.

Wir hatten uns das Turnier angesehen – Freundinnen von Odo und Folkmarr, Beranhild und Freya, traten auch an und kamen sogar in die Endrunde, aber so ein Schönling mit öligen Haaren, Sigmar aus Thal, hat dann gewonnen. War auf jeden Fall ein Heidenspektakel mit viel Bier.

Dann wurde es hässlich. Als sich Linhild, Ketill und Halfdan unterhielten kam ein Mann namens Egwin angerannt und war völlig aufgelöst. Sein Sohn war verschwunden. Der Junge, Edor hieß er, war gerade mal 12 und ging oft am Aaltümpel fischen. Da wo auch die Rauchsäulen waren. Essig mit der Feier, ab zu Hammer und Kettenhemd, die anderen waren ebenfalls sofort dabei. Lehren wir ein paar orkische Bastarde ein wenig Benimm, denn wenn ich mich recht entsinne hat Loki bereits von Orks am Aaltümpel erzählt. Armer Junge, aber falls ihm was passiert ist färben wir das Wasser auf jeden Fall rot mit ein bisschen Schweinchenblut. Hoffentlich lebt er noch…

1. November 2946, Abends

Sie haben uns mit dem Boot übergesetzt (hätte nicht soviel essen sollen). Danach haben wir einen Trampelpfad in die Hügel genommen, wobei Loki aus der Luft dafür gesorgt hat dass wir nicht fehl gehen, mein treuer Freund. Der Tümpel liegt erhöht und von Felsen umschlossen, wir sahen den Jungen also erst als wir fast schon am Wasser standen. Eine verdammte Sauerei, er ist erwürgt worden. Außerdem hat er Abschürfungen und Blutergüsse, er muss ziemlich Prügel eingesteckt haben. Aber Orks hätten Waffen benutzt. Während Odo ihn untersucht findet Folkmarr frische Abdrücke von Orks, aber sie reichen nicht auf das Tempelplateau. Sogar Orks meiden diesen Ort?

Gerade merken wir dass die Felsen leuchten. Odo meint just während ich seine Worte notiere, dass er noch nicht lange tot sei – erwürgt vor nicht einmal einer Stunde. Außerdem sind die Aale zerfetzt und gefressen. Und gerade…Spuren. Hobbitgröße, den Felsen hoch. Müssen ihnen nach.

 

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