Der Drache III – Einsatz knapp verpasst

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Es war allen klar, dass der Kampf gegen Brakador die größte Herausforderung ihrer bisherigen Reise sein würde. Am Abend saßen die Gefährten zusammen mit der Hexe Katjenka und dem Bannstrahler Gerion und berieten ihre Taktik. Fenew und Tsaekal sollten in die Krypta hinabsteigen, präpariert mit einer Paste, die ihren Geruch verdeckte. Wenn der Drachen dann wieder aus dem Dorf zurück war und sich in der Kapelle niedergelassen hatte, würden Rowin, Styrvake und Gerion einen Frontalangriff beginnen. Die anderen blieben im Wald und sollten mit ihrer Magie nur im Bedarfsfall eingreifen. Wenn der Plan gelänge, käme der Drache nicht aus dem Gebäude heraus und Nivese und Norbarde könnten mit Spießen die weiche Unterseite des Monsters bearbeiten.

Alsbald machte sich die Hexe daran, zahlreiche Tinkturen zu brauen. Einige davon waren zur Heilung und Stärkung, eine Paste sollte den Geruch überdecken. Außerdem wollte Katjenka noch einen Zauber wirken, um die Nahkämpfer vor dem Feueratem des Drachen zu schützen. Darjew hatte in der Zwischenzeit einen Jäger aus dem Dorf gefunden, der am nächsten Morgen mit einer Nachricht nach Irberod aufbrach. Rowin gegenüber bekräftigte er auch noch einmal, dass es eine angespannte Stimmung gegen Katjenka unter den Dorfbewohnern gab und sie sich besser in der Nähe der Gruppe aufhielt.

Am nächsten Tag, dem 6. Travia 1022 BF, machte sich Tsaekal auf, den Schrein auszukundschaften. Die Hexe kochte weiter ihre Tränke. Rowin hatte die ganze Nacht gewacht und gebetet, und den Erntefestmassaker-Gedächtnistag nachträglich (eigentlich 4. TRA) begangen. Er legte sich bei Sonnenaufgang hin, wohl wissend, dass er bei Brakadors Ankunft automatisch aufwachen würde. Und so war es dann auch. Der Drache landete kurz vor Mittag zwischen Dorf und Burg. Man brachte ihm eine Kuh, die er genüsslich verschlang. Aber auch dieses Mal hatte er an der Qualität der Speisen etwas auszusetzen und wollte einen Blick auf die Frauen aus Drachenzwinge werfen. Er konnte nur mühsam mit einigen Ziegen besänftigt werden. Bevor er davon flog, entzündete er das Dach eines der letzten noch stehenden Hütten. Der Odem fraß sich so schnell durch das Gebälk, dass innerhalb kürzester Zeit das Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt war. Spätestens jetzt war allen klar, dass Brakador nur noch wenige Tage seine Freude mit den Drachenzwingern haben und dann das Dorf und alle Einwohner auslöschen würde.

Tsaekal kehrte eine Weile nach dem Verschwinden des Drachen vom Schrein zurück. Er hatte das Innere ausgekundschaftet und dort die Leichen der beiden anderen Grabräuber, Gudwinja Hitzacker und Gerrik Daske, entdeckt. Die Frau hatte einen Rucksack bei sich, den der Nivese bergen konnte. Auf ihm war Ailgur Ornalds Weiheschwert gebunden. Siegelring und Bernsteinkette des Theaterritters fanden sich allerdings nicht in der Tasche. Rowin untersuchte den Rondrakamm. Er lag gut in der Hand, und nach einigen Schwüngen mit der Klinge war der Geweihte von einer großen Zuversicht erfüllt. Es handelte sich um ein heiliges Schwert, da war er sich sicher. Auf dem Blatt war in ur-tulamidischen Schriftzeichen der Weihename eingraviert: „Chadar achmar al‘Amha“, was übersetzt „Blutrote Klinge der Ehre“ bedeutete.

Bei Sonnenaufgang des nächsten Tages begaben sich Rowin, Lyoscho, Styrvake, Gerion, Fenew, Katjenka und Tsaekal zum Rondra-Schrein. Als der Drache gegen Mittag Richtung Drachenzwinge davonflog, bezogen alle ihre Positionen und präparierten sich nach und nach mit Tränken und Zaubern. In der Krypta durchsuchte Tsaekal noch einmal die Leiche der Grabräuberin und fand Ailgur Ornalds Siegelring und die Bernsteinkette, die allerdings mit dem Fleisch der Frau verwachsen war und recht unappetitlich entfernt werden musste.

Dann kam der Drache zurück. Den Zwölfen sei Dank, bemerkte er den Hinterhalt nicht und legte sich im Schrein zur Ruhe. In diesem Moment begannen Gerion, Rowin und Styrvake mit dem Angriff. Der Kampf war heftig, aber nach und nach wurden Brakador immer mehr Wunden geschlagen. Vor allem Tsaekal konnte aufgrund seiner taktischen Position eine Menge Schaden anrichten. Das Monster zog alle Register, beherrschte Styrvake und spie seinen Flammenatem. Doch nichts davon wollte einen anhaltenden Erfolg bringen. Die Zauber wurden zum Teil unterbrochen und der Odem wurde durch den Feurbann der Hexe oder, wie in Rowins Fall, durch den Ring der Ornaldinen und dem Schutz seiner Göttin wirkungslos. Kurz vor seiner endgültigen Niederlage rief Brakador einige Taschendrachen als Ablenkung zu Hilfe und erhob sich in die Luft. Dabei brachte er den gesamten Schrein zum Einsturz. Mit einem letzten Odem, der aber nur seine Schergen verbrannte, floh das Monster Richtung Drachensteine.

In diesem Moment sah man im Wald den Karren und das Gefolge des Ritters Hetgar Wulfjes und hörte seine Stimme, als er rief: „Das Ungetüm muss hier irgendwo sein! Seid wachsam und haltet Augen und Ohren offen. Ich will ihn zur Strecke bringen!“

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