Die Spiegelwelt

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Nach reiflicher Beratung fassten wir den Entschluss, als nächstes die verfallene Kapelle auf unserem Anwesen wiederherzustellen. Doch ehe ihre Mauern erneut geweiht werden können, muss sie von „Komplikationen“ befreit werden. Sie ruht tief im gigantischen Garten des Anwesens. Ist sie erst wiederhergestellt, soll sie uns als Zufluchtsort dienen. Dort wird es möglich sein, den gequälten Geist zu beruhigen, Weihwasser herzustellen und Gottesdienste abzuhalten.

Doch bevor wir dieses Vorhaben angehen konnten, wurde unsere Aufmerksamkeit an anderer Stelle benötigt. Es gelang uns, Ingrid aus der Nervenheilanstalt zu befreien. Auf dem Rückweg jedoch gerieten wir auf unerklärliche Weise in eine Welt jenseits des Spiegels, ein fahles Ebenbild der Wirklichkeit. Alles erschien spiegelverkehrt, jeder Farbton war in trostloses Grau getaucht. Wilma trug Ingrid auf ihren Armen, während wir den Weg zum Königsturmzimmer suchten. Zunächst gingen wir in die Bibliothek.

Mit einem markerschütternden Kreischen stürzte sich eine Kreatur auf unsere Fährte, eine Mahr. Allein ihr Anblick erfüllte selbst erfahrene Seelen mit lähmender Furcht. Das Wesen bewegte sich mit unnatürlicher Geschwindigkeit, ihr Leib war von Rauch umhüllt, und wo immer es sich hinbewegte, zog es dunkle Schwaden hinter sich her wie ein Schornstein.

Noch ehe wir uns sammeln konnten, hauchte die Mahr Mattis den Mahrenkuss zu. Augenblicklich erfüllte sich dessen Geist mit der Vision einer unvergleichlich schönen Frau, deren Anblick seine Vernunft verdrängte. Fortan war er bereit, diese Erscheinung um jeden Preis zu verteidigen. Bezaubert zog er seinen Revolver.

Sven fasste einen sehr guten Plan. Er schleuderte eine Flasche Whiskey nach der Mahr, in der Hoffnung, das Wesen in Brand zu setzen. Doch die Flasche glitt wirkungslos durch den geisterhaften Leib der Kreatur, als bestünde sie aus Nebel.

Wilma zog eine Flasche Weihwasser hervor und warf sie entschlossen auf die Mahr. Doch auch ihr Wurf verfehlte das Ziel. Kirsti stürmte mit gezogenem Messer vor, fand jedoch ebenfalls keinen Treffer.

Noch während der Kampf tobte, geschah etwas Seltsames. Durch den Spiegel glitt ein mittelalterlicher Streitkolben, als wäre dessen Oberfläche nichts weiter als die Haut eines stillen Sees. Sven zögerte nicht und riss die Waffe an sich. Die Mahr schlug mit ihren scharfen Klauen zu und verwundete Kirsti. Dann ließ Sven den Streitkolben auf das Wesen niedersausen, doch sein erster Hieb ging fehl.

Das eigentliche Unglück jedoch geschah durch Mattis. Noch unter dem Einfluss des Mahrenkusses richtete er seine Pistole auf Kirsti und traf sie. Sie brach schwer getroffen zusammen. Nur Friederikes raschem medizinischen Geschick war es zu verdanken, dass Kirsti wieder auf die Beine kam und dem Tod entrissen wurde.

Währenddessen erwachte Anders endlich aus seiner starren Reglosigkeit. Doch sein Geist musste sich zunächst in der albtraumhaften Spiegelwelt zurechtfinden. Erneut durchbrach etwas die Oberfläche des Spiegels. Diesmal war es ein Rabenschnabel, dessen dunkle Spitze zu uns gelangte.

Trotz all unserer Bemühungen kamen wir keinen Schritt weiter. Da erschien auf der Oberfläche des Spiegels eine rätselhafte Schrift, welche uns den einzigen Ausweg offenbarte. Wir sollten den Spiegel selbst durchschreiten. Diese Aufforderung musste niemand zweimal hören.

Denn die Mahr begann nun auch ihre unheiligen Zauber zu wirken. Eine Welle übernatürlicher Furcht legte sich über den Raum, sodass selbst die Standhaftesten unter uns dem Zittern verfielen. Friederike wurde als Erste durch den Spiegel gestoßen, vermochte ihn jedoch nicht vollständig zu durchdringen. Auch Kirstis Versuch, der Spiegelwelt zu entkommen, misslang zunächst.

Schließlich packte Sven den noch immer verzauberten Mattis und schleuderte ihn mit aller Kraft gegen den Spiegel. Zu aller Erleichterung gelangte dieser hindurch, und in demselben Augenblick fiel der Bann des Mahrenkusses von ihm ab.

Was folgte, war ein zermürbendes Hin und Her zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Nach und nach gelang es allen, den Raum zu verlassen, mit Ausnahme von Anders. Erst nach weiteren verzweifelten Versuchen brachte Sven schließlich auch ihn durch den Spiegel in Sicherheit.

Doch kaum war dies gelungen, traf den tapferen Sven selbst der Mahrenkuss. Für einen schrecklichen Augenblick geriet auch er unter den Bann des Wesens. Erst später gelang es ihm, sich aus dessen Einfluss zu lösen und den Raum endgültig zu verlassen.

Während der gesamten Auseinandersetzung stand uns Algot unerschütterlich zur Seite und unterstützte uns mit all seinen Kräften. Ohne seine Hilfe wäre unser Schicksal womöglich weit düsterer ausgefallen. Er berichtete uns, dass das Wesen mit archaischen Waffen zwar verletzt werden kann, aber nicht vernichtet. Man ist der Meinung, dass das Wesen etwas mit dem Schloss zu tun hat. Es handelt sich bei Mahren um Frauen, denen im Leben etwas Schlimmes passiert ist. Er empfiehlt uns, uns gut vorzubereiten.

Wir fanden auf der Krankenstation Gelegenheit, unsere Wunden zu versorgen. Trotz der schlimmen Verletzung am Ohr trug Kirsti glücklicherweise keine bleibenden Schäden davon. So endete unser erster Kampf gegen die Mahr, erschöpft, verwundet und doch lebend.

Unser nächstes Ziel war Linnea, die wir noch aus der Nervenheilanstalt retten wollten. Wir planen nun den Fälscher zu beauftragen, die Verwandtschaft zwischen Linnea und Sven auch aktenkundig zu machen.

Als wir aufwachen, liegt unter unseren Kopfkissen eine Goldmünze, ein Unterpfand der Gnome? Die Münze ist allerdings sicher nicht aus Gold, sondern einem sehr viel härteren Material, und Friederike hatte das Gefühl, dass die Münze kribbelt.

Wir entscheiden uns, die Kapelle näher anzuschauen, nachdem wir einen Boten zu dem Privatdetektiv Olaus Klint gesendet haben, um ihn nach einem Fälscher zu fragen. Wir sprechen entsprechend Nils in der Gasse an, der den Auftrag gern übernimmt. Er ist weiterhin sehr dünn angezogen, Kirsti nimmt sich vor, Schal, Mütze, Handschuhe und bessere Schuhe und Socken zu besorgen, die er tragen kann.

Der Garten ist riesig, hat Statuen, Ställe, Gebäude, oft halb verfallen, viele Tiere, einen Bootsanleger, ein Springbrunnen. Bei Tag sieht alles ganz freundlich aber nach viel Arbeit aus.

Es gibt eine Kapelle mit Friedhof und Gräbern und einem Grabmal. In der Kapelle gibt es einen Altar mit silbernem Kreuz, das nicht oxidiert ist. Der Marmorblock ist ganz sauber, kein Staub. Die Bleiglasfenster zeigen die heilige Birgitta von Schweden, eine Nonne die 1373 verstorben ist und heilig gesprochen wurde. Sie hat den Erlöserorden gegründet und ist Schutzpatronin der Kapelle. Das Zeichen des Erlöserordens ist ein Malteserkreuz mit einer Flamme am Fuß sowie ein Ouroboros. Hinter dem Altar ist ein Zugang zur Sakristei und es gibt dort keine Tür mehr. Neben dem Altar an der Wand ist ein Weihwasserbecken. Wir untersuchen die Kapelle weiter. Der Altar scheint verschiebbar zu sein.

Mattis schaut sich auf dem Friedhof um und findet 3 Gräber. Alfred, Kaja und Hilda steht auf den Gräbern, die den Namen von den drei Anführern des Ordens sehr ähneln. Es steht auch ein Sinnspruch auf Latein auf einem Stück Holz „Die Esel sollen begraben und als Dünger auf der Erde verteilt werden.“ Möglicherweise wurden sie unter falschen Namen im Rahmen eines Eselsbegräbnisses verscharrt auf nicht geweihtem Boden. Meist wurde diese Praxis bei Selbstmördern durchgeführt. Mattis findet auch noch eine schwarze Feder mit grünlich-bläulicher Färbung. Er hatte unter der Erde Krähen- oder Rabengeschrei gehört. Wir erinnern uns daran, dass die merkwürdigen Vögel auf der Zugfahrt nach Uppsala genau solche Federn gehabt haben. Anders kannte sich mit diesen Tieren aus.

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