August 2955 D.Z. in Bree, nachmittags
Wir waren auf dem Weg zur Herberge, als Annúngildor auffiel, dass Hans Farning und zwei weitere zwielichtige Gestalten uns unauffällig folgten. Er schlich sich in einer Seitengasse weg und wartete bis die drei an ihm vorbeigegangen waren, während wir weiter zum Pony gingen. Auf Annúngildor machten die drei Gestalten eher den Eindruck, und aus Neugierde zu folgen und nicht gezielt. Im Pony begannen wir, unsere Sachen zu packen. Sigmar ließ Berelas derweil nicht aus den Augen. Sie machte einen unsicheren Eindruck. Wir aßen schnell noch etwas und machten uns dann auf den Weg. Draußen wollte sich Eduin noch persönlich von Berelas verabschieden, was für uns eher amüsant war. Als wir uns auf den Weg machten, sahen noch wir Mirabar, der gerade zum Pony ging. Was er wohl vorhatte?
Wir wandten uns auf der alten Straße gen Osten, wo wir bis zum Abend schnell und unbehelligt vorankamen. Als wir unser Nachtlager aufschlugen, riet Annúngildor zu einer sichereren Stellung. Er hatte ein Gefühl, dass wir vielleicht behelligt werden könnten. In Bree hatte er den Geier mit merkwürdigen Gestalten sprechen sehen. Vielleicht Söldner mit finsteren Absichten.
Berelas war die ganze Zeit angespannt. Auf Nachfrage von Sigmar meinte sie, dass sie sich unsicher wäre, was sie tun sollte. Gorlanc wollte den Ring, was sie zu verhindern suchte. Aber mit dem Ring brachte sie andere in Gefahr, die ihr eigentlich helfen wollten. Später am Lagerfeuer erzählte sie ihre Geschichte.
Sie war in jungen Jahren mit Radagast in Kontakt gekommen und hatte sehr viel von ihm gelernt. Irgendwann wurde sie von Orks gefangen und nach Dol Guldur verschleppt. Dort überlebt sie zwei Jahren den Schrecken und konnte dann fliehen. Sie wurde dann von Gorlanc gefunden, der sie gesund pflegte. Er zog sie völlig in seinen Bann, auch weil er ganz anders als Radagast war, tatkräftig, zielstrebig, willensstark. Und er schien auf der richtigen Seite zu sein. Er erzählte ihr, dass er aus Minhiriath kam. Und dass er auf der Suche nach einem alten Elbenring war. Diesen zu suchen sollte Berelas Aufgabe sein, er hatte andere Aufgaben, wie er erzählte. Für den Fall, dass sie den Ring fand, lehrte er sie einen Zauber. Der Ring war verflucht und der Zauber entfernte den Fluch. Gorlanc nannte den Ring „Ring der sieben Juwelen“.
Nach vielen Jahren der Suche fand sie den Ring in einem Massengrab in Eregion. Wie geheißen wirkte sie den Zauber und fühlte sich sofort erleichtert. Allerdings merkte sie schnell, dass sie selbst verflucht war. Jedes Mal, wenn sie meinte, in Gefahr zu sein, tauchte dieser Geist auf und tötete Menschen. So auch in der Herberge, wo sich Pechmantel auffällig verhalten hatte und sie Angst bekam. Sie fühlte sich schuldig an seinem Tod. Aber damit war ihr auch klar, dass sie von Gorlanc belogen worden war und er mit dem Ring nichts Gutes vorhatte. Daher ging sie nicht zu ihm zurück, sondern ihm aus dem Weg. Irgendwann fand sie Hirlinion, der sie zurück zu Gorlanc bringen sollte. Was wir verhindert hatten. Sie wusste auch, dass Gorlanc irgendwo in den Nordhöhen eine versteckte Festung und viele Anhänger hatte.
Irgendwann legten wir uns schlafen und die Nacht verging ereignislos. Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem kurzen Frühstück wieder zurück auf den Weg nach Westen. Unser Ziel war Cirdan, der mit seiner Macht hoffentlich den Fluch auf dem Ring brechen konnte. Das war zwar ein weiter Weg, aber die Grauen Anfurten waren leichter zu erreichen als Bruchtal, wo die Elben mit Sicherheit auch helfen könnten.
Da wir Ärger auf der Straße buchstäblich aus dem Weg gehen wollten, machten wir nördlich von Bree einen Bogen durch den Chetwald. Am Nachmittag erreichten wir eine Lichtung, auf der wir recht neue Spuren eines Lagers fanden. Vor nicht allzu langer Zeit hatten hier Menschen und Tiere gelagert und es gab auch Spuren von Karren. Die Spuren an sich waren unspektakulär, aber ein so großes Lager mitten im Wald und dann Karren? Das machte nur jemand, der etwas zu verbergen hatte. Alle anderen hätten die Straße genommen. Also durchsuchten wir die Umgebung und faden unweit einen toten Bilwiss im Gebüsch. Bliwisse so nah an Bree? Das verhieß nichts Gutes. Er trug das Zeichen Angmars und offensichtlich hatte ihm ein Wolf die Kehle durchgebissen.
Als wir rätselten, was das zu bedeuten hatte, tauchte plötzlich Haleth auf der Lichtung auf. Irgendwie hatte sie ein Gespür, uns im richtigen Moment zu treffen. Sie sah erschöpft aus und trug Kampfspuren. Sie berichtete uns, dass sie Orks verfolgt hatte, die einen großen Karren mit Waffen transportiert hatten. Sie hatten sich hier mit den Gesetzlosen aus dem Chetwald getroffen und mit denen die Waffen gehandelt hatten. Sie wusste auch, dass die Wölfe der Gegend von einem weißen Warg aus dem Norden angeführt wurden und dass die Gesetzlosen mit den Wölfen kommunizieren konnten. Des Weiteren waren die Waldläufer auf der Suche nach Gorlancs Festung.
Als sie hörte, dass wir auf dem Weg zu den Grauen Anfurten waren und auch den Grund dafür, meinte sie, dass Galdor in Kürze erwartet wurde. Vielleicht hatte der eine bessere Idee. Daher bezogen wir zunächst Lager in einem alten Waldläuferversteck auf dem Breeberg.



