Der verschollene Pfad – Teil 1

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26. August des Jahres 2954 des Dritten Zeitalters
Schwarzhall, Wilderland

Obwohl wir hier eigentlich wohl bekannt sein sollten, schlug uns dennoch nahezu paranoides Misstrauen entgegen und wir mussten erst einmal außerhalb der Palisade lagern, während Roderic zu Ameleoda vorgelassen wurde. Mit seinen Heilkünsten vermochte er zum Glück ihr Fieber recht schnell zu lindern und so wurden wir dann doch noch am Abend in das Dorf eingelassen.

Unserer Gemeinschaft wurden drei leerstehende Häuser zugewiesen, wo wir uns erst einmal einen Augenblick ausruhten. Dann hielten wir Rat mit Ameleoda, Amrik, Wulfhart und Baldac. Schnell erfuhren wir, was hier in den letzten Wochen und Monaten vorgefallen war und woher das Misstrauen der Bewohner rührte. Nicht nur, dass die Umgebung zusehends versumpfte und es immer weniger Fische im Schwarzen See zu fangen gab, auch verschwanden immer wieder Menschen im Wald und man musste sich Horden von wandelnden Leichen erwehren. Die Grabhügel vor dem Dorf hatte man bereits geöffnet und etwaige Unholde vertrieben, aber das Problem weitete sich aus, als dunkle Geister in Gestalt von bekannten Personen innerhalb der Palisade für Tote sorgten. Auch die Verbindungen nach Sonnstatt und den nördlichen Städten der Waldmenschen waren zum Erliegen gekommen. Außerdem erfuhren wir, dass Radagast vor fast einem Jahr dringend zu den Flussjungfern wollte, aber bisher nicht wieder aufgetaucht sei.

Gemeinsam berieten wir, welche Möglichkeiten zur Verfügung standen und fassten dann recht schnell einen Plan. Wulfhart würde sich, nachdem er sich noch etwas ausgeruht hatte, auf den Weg machen und versuchen nach Rosgobel durchzukommen. Wir würden uns, nachdem wir am Morgen einen Versuch unternehmen würden mit den Flussjungfern in Kontakt zu treten, mit Hilfe einiger alter Karten der Engstelle des Waldes, auf den Weg Richtung Sonnstatt machen und versuchen einen gangbaren Weg zu finden.

Da Earendil, kurz bevor wir Schwarzhall betreten hatten, aus dem Augenwinkel einen Geist in unserer Reisegemeinschaft wahrgenommen hatte, stellten wir sicherheitshalber unsere üblichen Doppelwachen auf.

Mitten in der Nacht wurde ich dann von Wulfhart geweckt. Hergrimm hatte Alarm gegeben und so stürmten wir auf den Platz vor unseren Hütten. Während ein gleißend heller Lichtpfeil von Earendil das Dorf erleuchtete, gab ich mit meinem Kriegshorn Alarm um den Rest des Dorfes zu wecken. Wie sich schnell herausstellte waren zwei Wachen an der Palisade und eine Familie in ihrem Haus durch einen Kehlenschnitt umgebracht worden. Hergrimm hatte eine Gestalt aus eben jenem Haus flüchten sehen, sie aber auf dem Weg zu unseren Häusern ob ihrer unmenschlichen Geschwindigkeit verloren.

Unsere erste Vermutung, das die verzauberten Elben etwas damit zu tun haben könnten, ließ sich nur bis zu einem gewissen Grad beweisen, da die Spuren in der Hütte nur einige Schritte weit erkennbar waren und ihre Dolche nicht zu den Wunden passten. Während der Untersuchung fand aber Roderic die Leiche einer Frau unter den Dielen des Hauses. Eine ehemalige Bewohnerin wie wir später herausfanden, welche vor drei Wochen verschwunden war. Ihr Mann, ein Waldläufer, war nun seit einer Woche im Wald verschollen.

Dann brachte sich Carantier selbst in das Visier unserer Ermittlungen, indem er berichtete, dass ihm sein Messer abhanden gekommen sei. Ein Erbstück seiner Familie, dessen Klinge sehr gut zu den Verletzungen der Toten passen würde. Hergrimm konnte die Klinge nach eingehender Suche im Matsch an einer Hausecke ausfindig machen, um die er die Gestalt verfolgt hatte. Mit der Hilfe von Elbenmagie, dem Wissen der Waldläufer des Nordens und der Kunst des Spurenlesens, gelang es Earendil und Roderic gemeinsam den Hergang soweit wie möglich zu rekonstruieren und Ruithel als Täterin auszumachen.

Ziemlich ratlos berieten wir einige Zeit im kleinen Kreise, welche Möglichkeiten uns nun zu Verfügung stünden. Keinesfalls konnten wir die beiden verzauberten Elben auf den beschwerlichen Weg in Richtung Sonnstatt mitnehmen, aber sie hier im Dorf zurück zu lassen, erschien unter den aktuellen Umständen auch keine weise Entscheidung zu sein.

27. August des Jahres 2954 des Dritten Zeitalters
Schwarzhall, Wilderland

Es muss gerade Mitternacht gewesen sein, als eine Glocke aus dem Sumpf ertönte und einige der Dorfbewohner ihrem Klang erlagen. Wie damals Gaìn und Ingvar in den Langen Sümpfen, setzten sie sich wie wandelnde Tote in Bewegung. Warum es Earendil hingegen diesmal gelang den Zauber abzuschütteln, ist mir bisher ein Rätsel, denn eigentlich ist er ja doch sehr anfällig für solcherlei Dinge.

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