Bestehen und Vergänglichkeit – Teil 2

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8. Peraine abends

Wir marschieren in Richtung Andraquell und schlagen abends unser Lager auf. Leif erzählt Einskaldir seine Geschichte: Sein Vater wurde von Thorwalern erschlagen und seine Mutter und er flohen ins zwischen Thorwal und Nostria umkämpfte Kendra.

Alriko fürchtet, der Jerganer könnte uns angreifen, da wir alle auf seiner Todesliste stehen. Wir müssen also Wachen aufstellen. Während der Wache von Einskaldir und Leif hören die beiden ein langsames, dumpfes Knarren und Stampfen wie von Holz. Da sich die Geräusche entfernen, unternehmen die beiden zunächst nichts.

9. Peraine morgens

Kurz bevor wir Andraquell erreichen, lernen wir auf einer Lichtung das Mädchen Varena (etwa 15) kennen, die hervorragend (sogar besser als ich) Flöte spielen kann. Durch ihr Spiel werden die Tiere des Waldes in ihren Bann gezogen und ziehen sich erst zurück, als wir schon näher herangekommen sind.

Sie begleitet uns nach Andraquell. Im Dorf gibt es zum Glück noch keine Krankheitsfälle. Für Aufregung sorgte aber der Brand im Sägewerk, der entstand, als ein Dieb ein Stück Holz eines vom Blitz gespaltenen Baumes stahl. Das Sägewerk wurde dabei zerstört.

Der Sume Gwendon warnte der Dorfbewohner davor, allein in den Wald zu gehen, da dort Böse Mächte am Werk seinen. Außerdem ist der Bereich 3 Meilen nördlich des Dorfes für die Bewohner tabu, da er von den Sumen beansprucht wird.

Das Dorf mit 20 Holzhäusern versprüht einen rustikalen Charm und wir werden freundlich empfangen. Im Gasthaus Harvels Stube könnten wir im Schankraum übernachten, wenn wir wollten, oder den Bewohner Bodiak fragen, ob er eine Bleibe für uns hat. Es ist offensichtlich, dass Gäste hier selten sind. Die Kräuterfrau Iffirgunde könnten wir nach den gesuchten Kräutern fragen. Der Sume Gwendon weilt derzeit nicht im Dorf, wie uns der Wirt und Dorfältester Harvel mitteilt.

Wir entscheiden uns dafür, im Schankraum zu übernachten.

10. Paraine, nachts

Mitten in der Nacht weckt uns Alriko, der als erster auf ein merkwürdiges Phänomen aufmerksam wurde: Trotz geschlossener Türen und Läden, erhellte sich der Raum merklich immer weiter. Wir treten vor die Tür uns baden im blutroten Licht des Madamals, während eine schwach magische Aura den ganzen Ort durchflutet. Die Bewohner reagieren besorgt und ängstlich, bereifen das Phänomen als ein böses Omen. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht: Unser Magier Naramis ist genauso verdächtig, wie das Mädchen Varena mit ihrer Flötenkunst. Varena wird für eine Hexe gehalten, die Unheil bringt.

Bevor das rote Leuchten endlich nachlässt, entkommt ein Bulle aus dem Stall und rennt mich fast über den Haufen. Das Tier ist so aufgebracht, dass ich es nur schwer beruhigen kann, doch dann führe ich es zurück in den Stall.

Währenddessen beobachtet Alriko eine merkwürdige elementare Erscheinung: Aus einer Schlammpfütze erhebt sich eine schweinsähnliche Gestalt, rennt um eine Hausecke und zerfließt wieder zu Schlamm. Alriko ist sich sicher, dass dies keine Illusion war.

Naramis hat den Verdacht, hier könnte ein machtvolles Ritual abgehalten worden sein, wofür die Asche des Praios Geweihten aus Andergast und der vom Blitz gespaltene Stamm aus dem Sägewerk verwendet wurden.

Leif klopft an die Tür, in der Varena mit Ihrer Familie wohnen soll. Die Mutter öffnet und behauptet, es gehe ihr gut.

Leif spricht mit Naramis und Alriko, als er 3-4 Minuten lang mitten im Satz einfriert. Ich komme vom Stall hinzu und als sich Leif endlich wieder regt, stehen viele Dorfbewohner um uns herum und Harvel organisiert die Leute, die Wachen halten sollen, da etwas unheimliches vor sich geht.

Die Quelle der temporalen Magie scheint Leif selbst gewesen zu sein. Er faselt irgend etwas davon, die Zeit an diesem Ort wäre rückwärts gelaufen…

Wir schnappen Gerüchte und Getuschel auf: Varenas Vater, ein Holzfäller, und Varena selbst, wurden vor 9 Jahren von einer Harpye angefallen. Ein weiterer Holzfäller kam zu Hilfe und konnte Sie retten, doch nachdem er mit Varenas Vater die Bestie erschlagen hatte, starb auch dieser an seinen Wunden. Varenas Mutter ist die Kräuterfrau Iffirgunde.

Alle fragen sich, warum der Sume nicht hier ist. Seine Hütte befindet sich eine Meile nördlich des Dorfes. Das Gebiet 3 Meilen nördlich ist eine regelrechte Sperrzone; dort darf sich kein Dorfbewohner (außer den Sumen) aufhalten.

Da das Phänomen mittlerweile abgeklungen ist, begeben wir uns erst einmal zur Ruhe.

11. Peraine

Leif berichtet beim Frühstück von seiner merkwürdigen Vision, als er für uns anderen eingefroren war: er sah die Zeit rückwärts laufen und das Dorf vor Jahrzehnten. Er sah den Dieb des Holzes, der sich vorwärts in der Zeit bewegen konnte! Der Dieb sah, dass Leif ihn sah.

Alriko will gerade in sein Brot beißen, da verschimmelt und zerfällt es in Sekunden. Ein Stuhl knarzt und fällt in sich zusammen; Holzwürmer und Sägemehl rieseln auf den Boden. Was passiert hier nur?

Wir wollen Varena und Iffirgunde befragen und klopfen erneut an der Tür. Iffurgunde kennt den Sumen Gwendon, weiß aber nicht, wo er ist. Zum Tod des Mannes befragt bestätigt sie die Fakten, die wir kennen. Der Holzfäller, der zu Hilfe kam, war Depold. Er lebt noch hier im Dorf mit seiner Frau.

Varena war schon vor dem Tod des Mannes magiebegabt. Sie ist seit Jahren der Sündenbock des Dorfes und Iffurgunde beschützt sie so gut sie kann.

Kräuter können wir auch westlich des Sees finden, da der Bereich nördlich ja durch die Sumen beansprucht wird. Haben hier alle Angst vor den Sumen?

Wir laufen zum Nachbarhaus, wo Depold mit seiner herrischen Frau wohnt. Er würde die Stelle finden, an der sie die Harpye vergraben haben, doch was sollte uns das nützen nach 9 Jahren? Dann erstarrt auch er mitten im Satz und erlebt ähnliches, wie Leif. Für ihn läuft die Zeit rückwärts – mindestens 20 Jahre. Er sieht Harvel den Wirt, als er selbst noch gar nicht im Dorf wohnte.

Dann bricht das Fass, auf dem Depold sitzt zusammen und er altert in Sekunden zum Greis. Fast glauben wir er würde gleich sterben, als sich der grausige Effekt umkehrt. Spätestens jetzt ist klar, dass diese Effekte gefährlich sind und umgehend untersucht werden müssen, bevor jemand zu Schaden kommt. Die Kräuter für die Erkrankten können wir vielleicht auch auf dem Weg einsammeln.

Harvel hält die Effekte für Hexenwerk von Varena oder Naramis, antwortet uns aber bereitwillig, als wir nach dem Sumen fragen: Vor 20 Jahren verschwand der Schüler Gwendons, Namris, spurlos und Gwendon nahm danach keinen Schüler mehr an. Nun ist Gwendon ebenfalls verschwunden und wir vermuten einen Zusammenhang mit den seltsamen Vorkommnissen.

Wir machen uns auf den Weg nach N zur Hüttes des Sumen und beobachten auf dem Weg dorthin weitere temporale Anomalien: So bleibt etwa ein Adler mitten im Flug einige Minuten stehen, oder ein Baum durchläuft in Minuten mehrere Vegetationszyklen.

Als ich an der Hütte nach Spuren suche, werde auch ich eingefroren und werfe einen Blick in die Vergangenheit. Ein älterer Mann um die 60 Sommer, dann derselbe Mann mit 40 Sommern mit einem Kind um die 12-14 Jahren (vermutlich der Geselle Namris). Ein Mann mit Kaputze (der Dieb) der sich vorwärts in der Zeit bewegt. Es ist für mich nicht möglich herauszufinden, ob Namris der Kaputzenträger sein könnte oder nicht.

Nach der Vision untersuchen wir die Hütte: In einem Topf sind Reste eines Mahles vorhanden (bei geplanter Abreise würde man diese vorher reinigen). Naramis findet einen Obsidiandolch, den Alriko mit seiner Gabe untersucht. Es ist der Dolch des Jungen! Er ist also ohne seinen gebundenen Dolch verschwunden. Da die Bindung nach dem Tod des Besitzers nach etwa einem Sonnenlauf erlischt, heißt dies, dass Namris wahrscheinlich noch lebt (und der Kuttenträger sein könnte). Ist Gwendon überstürzt aufgebrochen, um ihn zu suchen, nachdem die seltsamen Effekte anfingen, die Dorfbewohner zu beunruhigen? Oder begannen die Effekte erst nachdem Gwendon verschwand?

In 100 Schritt  Entfernung finden wir eine ältere Spur, der wir folgen könnten. Die Spur könnte in den Beriech des Waldes führen, der von den Sumen beansprucht wird. Was geht dort vor sich?

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