Gestrandet am Ende der Welt (Prolog Teil II)

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Am Abend meiner Ankunft in der Stadt Andergast machte ich dem König meine Aufwartung. Mittlerweile hatte sich Ernüchterung breitgemacht. Die Hauptstadt des Königreichs, in der ich mich nun befand, war nicht viel mehr als eine Ansammlung von Holzfällerhütten. Die Straßen waren noch nicht einmal gepflastert, und da es hier sogar im Sommer regnete, watete man durch Schlamm und Unrat.
Der Anlass des Empfangs bei König Efferdan erschloss sich mir nicht. Zumindest zum Teil schien es darum zu gehen, nach einem Turnier, das vor einiger Zeit stattgefunden hatte, einen der Ritter, einen gewissen Prinzen Wendelmir, Sohn des Wenzeslaus, öffentlich zu demütigen. Nun ja, wenigstens bekam ich einen Überblick über die bedeutendsten Würdenträger. Da war Königin Varena, die letzte direkte Verwandte des vorigen Königs. Sie wirkte irgendwie traurig auf mich. Prinz Wenzeslaus, der Vater des Verspotteten, war auch anwesend. Ihm schien nicht zu gefallen, was vor sich ging. Dann waren da noch der Archivar Harvel, Sohn des Harbel, ein Zwerg, die Bardin Amber Zahrajan vom Hofe Kaiserin Rohajas und einige Vertreter der hiesigen Magierakademie: Spektabilität Aljawa Walseraffnaja (wirklich ein Mischblut, halb Elfe, halb Norbardin), Magister Marbo Morgentau und die Zwillinge Hildegard und Brunhild, von denen man mir sagte, dass sie über eine herausragende Begabung verfügen sollten.
Wirklich gefreut hatte mich ein Wiedersehen mit der lieblichen Irina, Tochter Efferdans und eine Geweihte Hesindes, welche ich bereits vor vielen Jahren im Horasreich kennen lernen durfte. Ihr berichtete ich von den unheimlichen Vorkommnissen während meiner Reise von Havena hier her. Natürlich war es der gelehrten Frau nicht verborgen geblieben, dass es seit den namenlosen Tagen einige Veränderungen am nächtlichen Firmament gegeben hatte. Sie bestätigte meine Vermutung, dass es sich bei den fehlenden Sternen der Legende nach um Karfunkel von alten und mächtigen Drachen handeln soll. Den Geschichten nach fehlten seit dem Sternenregen die Seelensteine von Ankarion, Marschall des großen Pyrdacor, Vater aller Kaiserdrachen, welcher 7.200 v. BF gestorben sein soll und der eines seiner Enkel namens Ferakinor. Darüber hinaus noch zahlreiche weitere Karfunkel, deren Träger noch nicht namentlich bekannt waren. All das war ein ausgesprochen schlechtes Omen.

Am nächsten Tag brach ich nach Andrafall auf. Der König hatte, zur Erfüllung meines Kontraktes, mich an die Magierakademie verwiesen. Dort sollte ich meine Schuld abarbeiten, erhielt aber freundlicherweise einen Aufschub um einige Tage, damit ich den Herrn Agrawan aufsuchen konnte. Dieser war, wie Pher Dodront bereits sagte, ebenfalls ein Splitterträger und hatte in der Zeit der namenlosen Tage Ähnliches wie ich erlebt. Gemeinsam mit ihm reiste ich nach Burg Dragenstein.

(aus: Naramis ya Spinosa ODL, Esq. – “Erinnerungen einer Reise: Die Rückkehr der Drachen”)

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Über thd

1984 DSA 1 zum Geburtstag gewünscht und wider Erwarten die Basis-Box bekommen. Nachdem ich Silvana drei mal befreit hatte, merkte ich, dass ich Mitspieler brauchte, um mit der Box weiter etwas anfangen zu können. Glücklicherweise sah ein Freund aus der Nachbarschaft die Bücher bei mir herum liegen und meinte, sie würden in einer Runde etwas ähnliches Spielen, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Klar hatte ich das, und so bin ich mit Dungeons & Dragons angefangen. Zahlreiche Runden, Systeme und eine Vereinsgründung später, findet sich auf THORNET ein ziemlich großer Ausschnitt meiner Rollenspielerlaufbahn.

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