Wirklich vorbei?

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Wir machten uns noch am 29.08.1030 BF zurück auf den Weg nach Kölke, weil nur dort genau bekannt war, wo sich die Hütte des vermeintlichen Vampyrs befand. Das Dorf am Abend schon in Sichtweite, hörten wir aus dem Wald schreie. Ein Mädchen kam uns entgegen gelaufen, verfolgt von zwei riesenhaften Jagdhunden mit rot leuchtenden Augen. Und dieses Leuchten war keine Einbildung! Flugs schoss ich ein paar Pfeile auf die Hunde ab, doch obwohl ich traf, richteten die Geschosse kaum Schaden an. Dennoch führte unser beherztes Eingreifen dazu, dass eine der Bestien von uns erlegt wurde, die andere schlugen wir in die Flucht. Zumindest dachten wir das. (Ich war mir nicht ganz sicher, aber bevor die Hunde flüchteten, meinte ich, einen Pfiff aus den Tiefen des Waldes gehört zu haben.) Wir brachten das Mädchen zurück zum Dorf. Es erzählte uns, dass es beim Pilze suchen im Wald von den Hunden überrascht und dann von ihnen zurück zum Dorf getrieben worden war. Augenscheinlich wollten sie das Mädchen nicht töten, denn dazu hätten sie alle Gelegenheit gehabt.
Im Dorf sprachen wir mit dem Vorsteher Siegbert und kamen rasch überein, dass er uns am kommenden Tag einige Männer und zwei Kessel mit Herdfeuer mitgeben sollte.
So erreichten wir mit sieben Bewaffneten aus Kölke gegen Mittag des folgenden Tages Bertholds Hütte im Wald. Bei dem Haus stand ein Zwinger. In ihm fanden wir den Kadaver eines Hundes. Vorsichtig näherten wir uns dem Eingang des Hauses und öffneten ihn. Sofort sprang uns der zweite Hund, der der gestern fliehen konnte, entgegen. Aber in der Hütte war noch eine weitere Kreatur: Berthold, der sich hinter dem Eingang versteckt hielt und uns in den Rücken fiel. Der Kampf mit beiden war heftig, da, wie schon am Vortag, die Wunden, die wir ihnen schlugen, heilten und sich wieder schlossen. Während wir auf die beiden Monster einhackten, zündeten die Dorfbewohner das Haus an. Nachdem Hund und Berthold zerstückelt in der Hütte lagen, brach das Gebäude in einer Funkenwolke zusammen und verschlang alle Überreste die sich noch darin befanden.
Während die anderen noch Wache standen und dafür sorgten, dass die Flammen nicht auf die umstehenden Bäume überschlugen, schaute ich mich ein wenig im Wald um. Dort fand ich nach einigem suchen seltsame Spuren von Panzerstiefeln, etwa vier Tage alt. Das komische daran war, dass sie von der Lichtung mit Bertholds Hütte wegführten und nach einigen Metern einfach verschwanden. Ich behielt dies erst einmal für mich und kehrte mit den anderen zurück nach Kölke, wo man uns am Abend ein rauschendes Fest bereitete.
Am nächsten Morgen gingen wir noch einmal zum Haus. Wieder fand ich im Wald die Spuren der Panzerstiefel, die sich der Lichtung näherten und wieder zurück in den Wald verliefen, wo sie dann nach einigen Metern einfach verschwanden. Diese Spuren waren frisch, vielleicht von Mitternacht. Ich machte die anderen darauf aufmerksam und berichtete auch von den alten Spuren.
In den Trümmern der Hütte fanden wir nur noch eine kleine Vorratskammer unter dem Haus, in der sich aber nichts besonderes mehr fand. Und so spekulierten wir auf dem Rückweg, ob Bernhard der einzige Vampir in der Gegend war, oder ob der Plattenstiefelträger vielleicht sein Herr und Meister sei. Zurück in Kölke besprachen wir diese Theorie mit Siegbert, der uns sagte, dass der Waffenmeister des Barons eine Garether Platte tragen würde und vor allem recht jung noch aussehe obwohl er schon an die sechzig Jahre alt sein müsste.
Bis auf ein paar Gerüchte hatten wir aber nichts handfestes, zumindest nicht genug, um eine Legitimation zu haben, dem Baron und seinen Schergen auf die Füße zu treten. So warteten wir ab, um mit Bruder Gregor, der in Kölke erwartet wurde, noch einmal zu sprechen. Vielleicht würde sich durch ihn noch ein besserer Hinweis ergeben. Außerdem reisten wir auch noch einmal zu der Hütte in den Wald, fanden dort aber keine neuen Spuren mehr.
Es war der 3. Efferd als zwei Soldaten des Barons nach Kölke kamen. Sie hätten von dem Kampf gegen den Vampyr gehört und wollten einmal nach dem Rechten schauen. Wir unterhielten uns länger mit ihnen, und ich glaube einer unserer Magier hatte auch ein wenig gezaubert, denn die Soldaten waren sehr redselig. So bekamen wir noch einmal bestätigt, dass der Waffenmeister des Barons wohl eine seltsame Gestalt ist und vor allem einigen Einfluss auf den Baron hatte. Er war auch dagegen, dass man eine Depesche nach Angenburg schickte, um in den Mordfällen um Hilfe zu ersuchen.
Am nächsten Tag traf dann auch Bruder Gregor von Peraine in Kölke ein. Er bestätigte die Eindrücke, die wir in den letzten Tagen über den Waffenmeister des Barons schon gewonnen hatten. Dennoch reichte es noch nicht aus, zur Burg zu reisen und ihn zu stellen, auch wenn wir erfuhren, dass der Waffenmeister noch ein Anwesen abseits der Burgmauern haben soll, auf das er sich gelegentlich zurück zieht. Wir beschlossen nach einiger Diskussion, doch erst nach Angenburg zurück zu kehren und von unseren Erkenntnissen zu berichten. Vielleicht würde man uns dann ja noch ein weiteres mal ausschicken, damit wir uns des Waffenmeisters annähmen, dann aber mit offiziellem Auftrag.
Am 8. Efferd erreichten wir Angenburg. Die drei Tage Reise verliefen ereignislos. Die einzige Frage die uns die ganze Zeit beschäftigte: Ist diese Geschichte wirklich schon vorbei?

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Über thd

1984 DSA 1 zum Geburtstag gewünscht und wider Erwarten die Basis-Box bekommen. Nachdem ich Silvana drei mal befreit hatte, merkte ich, dass ich Mitspieler brauchte, um mit der Box weiter etwas anfangen zu können. Glücklicherweise sah ein Freund aus der Nachbarschaft die Bücher bei mir herum liegen und meinte, sie würden in einer Runde etwas ähnliches Spielen, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Klar hatte ich das, und so bin ich mit Dungeons & Dragons angefangen. Zahlreiche Runden, Systeme und eine Vereinsgründung später, findet sich auf THORNET ein ziemlich großer Ausschnitt meiner Rollenspielerlaufbahn.

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