Der Waidmann – Teil 2

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Wir schlagen uns durch die magischen Felder zum Dorf durch. Von nun an begegnen uns diese Felder bei jedem Weg zu und vom Tempel weg, richten aber keinen weiteren Schaden an.

Im Haus des Dorfschulzen Gernot ist die Feier noch im Gange. Hier treffen wir unseren Gefährten Karakal wieder, der ebenfalls nach Andrafall aufgebrochen war und, wie es scheint, durch Zufall ebenfalls in dieses Dorf gestolpert ist. Auch er ist an der einsamen Hütte des Jungen Gero vorbeigekommen. Wir erzählen uns kurz das Erlebte und wenden uns dann wieder an Gernot.

Gernot sieht auch weiterhin nicht ein, warum das Dorf dem strengen Freiherrn Marek von Billingen Tribut zahlen sollte. Da wir keine guten Erfahrungen mit seinem Verwandten, Eichwart von Billingen gemacht haben, belassen wir es vorerst dabei, da auch Agrawan alleine hier über keine Gerichtsgewalt verfügt.

Wir befragen Gernot zu den Verschwundenen. Außer dem Onkel von Gero und den zwei Botenreitern war vor etwa einem Monat ein Geweihter des menschlichen Sonnengottes im Dorf. Sein Name war Bruder Marvin und er war ein einfacher Akolyth. Er übernachtete hier und ist dann abgereist. Wir befragen Gernot auch zu Nella, die wie er sagt von Firun selbst geweiht worden ist. Es hat also keine der üblichen Weihen gegeben. Auch das erscheint uns werkwürdig zu sein.

Wir sind noch mitten in der Unterhaltung, als die Tür heftig aufgestoßen wird und der Jäger Halrik, der Karakal ins Dorf geführt hat, mit einem blutüberströmten Jungen auf dem Arm den Raum betritt. Es handelt sich um den 12 jährigen Sohn von Erlwin, der auf den Namen Vitus hört. Wir räumen schnell einen Tisch frei und legen den stark aus der Brust blutenden Jungen darauf. Die Wunden sehen nicht so aus, als ob sie von einer einfachen Waffe stammen könnten. Vielmehr sieht es so aus, als ob der Junge von einem übergroßen Hirsch auf die Hörner genommen wurde. Vitus ist sehr schwer verletzt, doch es gelingt mir, ihn mit meinem Mandra zu stabilisieren. Leider kann er uns keine Fragen beantworten, denn er wird sofort ohnmächtig.

Während Karakal und ich im Haus verbleiben, suchen meine übrigen Gefährten die Stelle ab, an der Vitus gefunden wurde. Der Junge wurde offenbar beim Jagen im Wald von einem Tier angefallen. Sein verbrochener Bogen und einige Pfeile liegen verstreut auf dem matschigen Waldboden. Latu findet einige Spuren, die nach Hirschspuren aussehen. Diese Spuren sind allerdings extrem groß und tief und lassen vermuten, dass sich dieses Wesen auf zwei Beinen fortbewegt.

Nachdem die Gruppe wieder im Gasthaus versammelt ist, fällt uns die bedrückte, aber gefasste Stimmung der Dörfler auf. Keiner scheint von diesem Angriff überrascht zu sein. Vitus wird zu seiner Familie gebracht, um sich zu erholen. Gernot sagt jedoch aus, dass solche Angriffe noch nie zuvor passiert sind. Auch von dem abergläubischen Verdacht Latu´s “Euer Gott straft die Dörfler für das übermäßige Jagen in den Wäldern!“ will er nichts wissen. Die Jagden würden nur dazu dienen, Vorräte für den strengen Winter anzulegen.

Während Naramis sich in den Schuppen zurück zieht, sehen sich Karakal, Agrawan, Einskaldir und ich den Friedhof (in der Menschensprache oft Boronacker genannt) an. In den letzten zwei bis drei Jahren sind tatsächlich auffällig viele junge Jäger verstorben. Als ich kurz aufblicke, meine ich in weiter Entfernung im Wald in Richtung des Tempels eine Gestalt mit gelben Augen zu erkennen. Als sich meine Gefährten ihr zuwenden, ist sie aber auch schon verschwunden. Wir untersuchen erneut den Tempel, aber wieder ist Nella nicht zu finden. Karakal stellt fest, dass der Tempel tatsächlich gesegnet ist. Zumindest ist hier kein dämonisches Wirken feststellbar.

23. Efferd

Aufgrund der beunruhigenden Ereignisse halten wir in der Nacht Wache. Naramis, der die letzte Wache hält, hört Stimmen auf dem Marktplatz. Dort haben sich etwa zwei Dutzend Jäger versammelt, die gerade von Erlwin eine Art Jadgsegen erhalten. In der Menge kann er eine magiebegabte Frau ausmachen, die mit den anderen den Dorfplatz verlässt. Naramis weckt uns schnell und wir eilen, um die Frau zu befragen. Es ist tatsächlich die Firun-Geweihte Nella.

Die etwa 30 Jahre alte, kräftige Frau mit langen, braunen Haaren erzählt uns die Geschichte des Tempels genauer. Bevor der Tempel durch einen Erdrutsch frei gelegt wurde, stand das Dorf unter der strengen Knute des Freiherrn Marek von Billingen und den Dörfler ging es schlecht. Dann legte ein Erdrutsch den Schrein frei und Nella engagierte sich besonders für den Wiederaufbau und die Freilegung. Eines Nachts trat ein Schatten (ein Mann?) aus dem Dunkel und berührte Sie. Daraufhin konnte Sie Kranke heilen und andere Wunder wirken. Sie ist davon überzeugt, dass dieser Schatten Firun gewesen ist, der sie persönlich segnete. Wir sind davon nicht überzeugt, denn Naramis kann in ihr ein starkes mandra-durchwirktes Wesen erkennen. Wäre sie von einem “Gott“ berührt worden, könnte er das nicht feststellen.

Auch Nella bleibt bei der Geschichte, dass die zahlreichen Jagden nur zur Auffüllung der Wintervorräte dienen. Dabei kommt es immer wieder zu Unfällen mit angeschossenem Wild, womit Sie die bei den Jagden getöteten Jäger erklärt. Nach dieser Unterhaltung begibt sie sich wieder in den Tempel.

Wir beraten uns wieder im Gasthof, als sich die Ereignisse überschlagen: Eine Frau, Anfang 30 und mit zerzaustem Haar reißt die Tür auf und sinkt verweint hinter der Türschwelle zusammen. Sie gestikuliert aufgeregt: “Ihr müsst fliehen! Mein Mann hat ihn umgebracht! Unseren eigenen Sohn! Sie wollen Euch alle töten!“. Die Frau ist völlig verwirrt und hysterisch. Sie heißt Franka und ist das Eheweib Erlwins. In den folgenden Minuten erfahren wir die grausame und erschütternde Wahrheit hinter den Ereignissen in diesem Landstrich.

Seit der Freilegung des Tempels werden regelmäßig Menschenopfer dargebracht, die angeblich “Firun“ einfordern soll. Aus diesem Grund hat auch Erlwin seinen eigenen Sohn Vitus getötet, da er nach dieser Weltanschauung nicht gerettet werden dürfte. Wir vermuten, dass es sich bei diesem angeblichen Gott und etwas ganz anderes handeln muss und erinnern uns an die Gestalt, die wir vom Friedhof aus gesehen haben. Franka erzählt uns, dass nicht nur der Praios-Geweihte, Bruder Marvin, getötet wurde, sondern auch die Botenreiter und viele andere vor Ihnen. Mit den verzweifelten Worten: “Dies muss ein Ende haben!“, bricht sie vollends zusammen. Agrawan ist besondern aufgebracht, antwortet “Dies wird ein Ende haben!“ und will schon Hals über Kopf zur Tür stürmen, als wir anderen zunächst die Lage besprechen wollen.

Offenbar ist Nella die Anführerin dieser unheilvollen Bewegung, die nun jetzt uns als Opfer für Ihren angeblichen Gott auserwählt haben. Wir müssen zunächst herausfinden, ob Franka die Wahrheit sagt. Wir rüsten uns und schleichen hinüber zur Scheune, in der angeblich einige der Opferungen stattfanden. Als wir das Tor öffnen, rieche ich bereits den bestialischen Gestank des Todes entweichen und ein widerwärtiger Schwarm aus Fliegen und anderen Insekten kommt uns entgegen.

Agrawan stürmt vor und findet den toten Vitus an den Füßen aufgehängt, aufgeschlitzt und ausgeweidet im Schuppen hängen. Der Anblickt ist grauenhaft und Ekel erregend. Dies kann nur die Tat eines Wahnsinnigen gewesen sein! Franka hat also die Wahrheit gesprochen.

Wir wollen versuchen, Nella zu überwältigen und gehen wieder zum Tempel. Sie kommt uns entgegen und fragt unschuldig, warum wir mit gezogenen Schwertern kommen. Die Taten Ihres Kultes streitet sie noch nicht einmal ab. Für Sie scheint es völlig normal zu sein, dass die Schwachen durch die Starken getötet werden. Als Agrawan verkündet, sie der Gerichtsbarkeit des Königs übergeben zu wollen, greift sie uns unvermittelt an uns stürzt sich mit einen “Ihr seid schwach!“ Schrei auf Einskaldir.

Nella ist eine unglaublich schnelle, verwegene und gewandte Kämpferin, die mit Ihren zwei Dolchen umzugehen versteht. Zum Glück haben Latu und ich unsere Pfeile bereits im Anschlag und können ihr Wunden in Oberschenkel und Schulter beibringen. Obwohl bereits nach kurzem Kampf unsere Pfeile in Ihrem Körper stecken, greift sie weiter verbissen an. Mehrfach wird Sie von unseren Schwertern getroffen und auch als sie von Naramis zusätzlich geblendet wird, will sie sich nicht ergeben. Sie muss wirklich völlig besessen sein und ist ganz bestimmt keine Geweihte des Jagd-Gottes!

Auch mit schwersten Verletzungen und Wunden übersäht will sie ihre Waffen nicht sinken lassen, und so haben wir keine andere Wahl, als sie niederzustrecken und zu entwaffnen. Naramis versucht noch, sie von der Schwelle des Todes ins Leben zurück zu führen, doch dies misslingt und sie stirbt kurz darauf mit gebrochenen Augen und verschmettertem Körper auf dem staubigen Boden liegend. Wir durchsuchen Nella und finden zwei gute Dolche und ein hölzernes Firun Amulett. Wer oder was ist nur für all diesen Wahnsinn verantwortlich? Der Gott der Jagd kann es nicht sein – oder etwa doch?!?

Als ich auf Ihren geschundenen und blutenden Leib schaue, meine ich kurz eine Stimme in mir zu hören, die flüstert: “Recht geschieht es ihr! Sie hat nichts anderes verdient!“ Dann ist das Flüstern auch schon vorüber und ich weiß nicht ob es Einbildung oder Realität war. Meinen Kameraden erzähle ich nichts davon.

Da wir in gut angreifbarer Position auf freiem Feld stehen, beschließen wir, die Tote als auch Vitus später zu bestatten und schnell den Tempel zu durchsuchen. Als wir uns nähern, sehen wir ein Dutzend Raben auf dem Hügel, in den der Tempel hineingebaut wurde, aufsteigen und davon fliegen. Der Tempel selbst ist leer doch auf dem Hügel finden wir einige grauenhaft zugerichteten Leichen. An einer Leiche sind noch die Reste einer Priesterrobe zu erkennen. Dies war wahrscheinlich der unglückselige Bruder Marvin. Auch Brenhelm und die Botenreiter scheinen hier ihr Ende gefunden zu haben.

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