Man könnte denken, wir werden immer wichtiger

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Schriftliche Aufzeichnungen von Alanus vom Fischteich vom 01. November 2512

Dafür, dass wir in den letzten Tagen viel erlebten, ziehen sie sich aber auch stark in die Länge. Mir erscheint es aber als wichtig, weiterhin regelmäßig die Erlebnisse niederzuschreiben, da man vielleicht in naher oder ferner Zukunft von dem Aufgeschriebenen profitieren könnte. Ich glaube, meinen Kumpanen geht es ähnlich. Wir merken alle Entwicklungen bei uns. Meistens sind es auch positive. Wobei jeder für sich selbst einschätzen muss, was positiv oder negativ für ihn ist. Für mich erscheint es schon positiv, dass meine Angst vor grässlichen Kreaturen immer weniger wird und ich auch kein großes Problem mehr habe, sie zu töten. Wenn mir das jemand vor noch einem Jahr bei uns im Dorf gesagt hätte, wäre ich kopfschüttelnd weggegangen. Die angsteinflößendsten Kreaturen waren dort die Tiere aus dem Wald. Aber nun, zu den neuesten Erlebnissen.

Wir trafen uns am 1. November am Mittag nach unseren Erledigungen wieder am Zinnsporn. Wie gewohnt waren wieder diese durchgedrehten Tierschützer der TVÜ vor Ort. Ich ignorierte sie, so wie ich es schon von Anfang an getan hatte. Wir gingen direkt in unsere Kammer und legten unsere Sachen ab. Hier äußerte Konrad auf einmal, dass es ihm nicht gut ginge und er sich lieber hinlegen wollte. Also suchten wir dann zu dritt den Essenssaal auf. Während wir das wieder einmal schmackhafte Essen zu uns nahmen, tauchte Felix Eisenseite an unserem Tisch auf und fragte nach unserem Empfinden. Wir erzählten ihm die Details des letzten Tages, die man ihm berichten konnte. Wie ließen aber auch erlebte Begebenheiten weg, die ihn erstmal nichts angingen. Wir alle wissen immer noch nicht, ob er ganz Freund oder Feind ist. Aber von wem kann man in dieser Stadt auch behaupten, dass er ganz Freund ist. Da reichen zwei Finger.

Wir kamen dann aber doch auf das Treffen vom Rudelvater und Reikhart zu sprechen. Felix schien überrascht von dem Erzählten über das Treffen zu sein. Am Ende unserer Unterhaltung betonte er noch einmal, dass wir sehr aufmerksam sein sollten. Ein toller Tipp, wäre ich allein nicht drauf gekommen. Nach dem Essen ging es zu Reikhart. Ich muss noch einmal auf die Mahlzeit zurückkommen. Die Verpflegung ist hier echt gut. Besonders die Himbeertörtchen hatten es mir angetan. Wie macht dieser Koch das bloß?

Wir gingen noch einmal in unsere Kammer. Konrad schlief weiterhin wie ein Stein. Irgendwie, wie betäubt. Nachdem Ruben aber keine Absonderlichkeiten bei ihm feststellen konnte, entschlossen wir uns, ihn einfach schlafen zu lassen. Dann gingen wir zum Champion. Wir wurden sofort in seine Gemächer gelassen. Er war aber noch beschäftigt. Es hörte sich in den angrenzenden Räumlichkeiten nach einer Art Mittagsmesse an. Wir hörten sowas wie sakrale Gesänge, während wir auf ihn warteten. Während des Verweilens in seinen Gemächern, hatten wir nun einmal etwas Zeit, uns dort genauer umzuschauen.

Ruben und Kruger nutzten die Zeit, um an den Öffnungen in der Wand zu horchen und auch reinzuschauen. Ich hatte meine Neugier im Griff und wartete in der Mitte des Raumes. Auf einmal erschien es mir, als ob Ruben vor dem rechten Schacht einen Schritt zurückwich. Es war eine Art von vorsichtiger Bewegung, um möglicherweise etwas ausweichen zu können, was aus der Öffnung aus der Tiefe kommen könnte. Er erzählte uns später, dass er zuerst etwas Unheimliches hörte und dann nach seiner Erinnerung in leuchtende Wolfsaugen sah.

In dem gleichen Augenblick öffnete sich das Tor und Reikhart trat ein. Es folgten ihm zwei seiner Gefolgsleute. Er begrüßte uns und bat uns wie immer etwas von seinem komischen Wein an. Anschließend berichteten wir drei ihm über das Treffen mit dem Rudelvater. Die Morgenhöhe als Treffpunkt erschien ihm als geeigneter Platz. Denn wie wir erfuhren, war es für Anhänger des Ulric ein gesegneter und legendenreicher Ort. Denn der Geschichte nach empfing dort zu einer vergangenen Zeit ein Gläubiger den Segen Ulrics, verwandelte sich in einen Wolf, der dann die feindlichen Horden aus Übersreik vertrieb. Ich dachte mir, was für eine großartige Geschichte. Eignet sich hervorragend für Nächte am Lagerfeuer.

Dann wurde es aber noch besser. Im Nachhinein könnte ich jetzt aufschreiben, dass ich es schon vorhergeahnt hatte. Aber bei meinem Leben, es war so. Als es um die Begleitung des Champions ging, fielen natürlich unsere Namen. Wie sollten also zu seiner achtköpfigen Ehrengarde gehören. Nicht, dass hier im Zinnsporn keine starken Kämpfer sind, die für diese Aufgabe geeigneter wären. Da kam mir plötzlich wieder die Aufforderung zur Wachsamkeit von Felix in den Sinn. Reikhart gab uns dann den Auftrag, seine Zustimmung zum Ort an den Rudelvater zu überbringen und die Zeit des Treffens um Mitternacht vorzuschlagen.

Beim Verlassen des Zinnsporns begegnete uns wieder Felix und nach einer kurzen Zeit des Bedenkens, erzählten wir ihm die Details des Treffens. Auf dem Weg zum Ulrictempel fielen uns einige Gruppen von Menschen auf und der Tratsch berichtete uns, von möglichen Angriffen auf den Magnusturm und von weiteren Altdorfer Soldaten, die in der nächsten Zeit eintreffen sollten. Nicht unser Problem, wir hatten wie immer andere, eigene Sorgen.

Im Tempel angekommen, erzählten wir dem Rudelvater, dass der Champion uns in seiner Ehrengarde sah. Er schien nicht begeistert, akzeptierte es aber genauso wie die Uhrzeit. Wir gingen also zurück in den Zinnsporn und bereiteten uns auf das Treffen vor. Konrad war nicht wach zu kriegen. Aber er schien nicht unglücklich in seinem Schlaf zu sein. Dann sahen wir auch den Geist von Tilo Bärmarder wieder in unserer Unterkunft. Er erzählte uns wieder von den Gefangenen in den unteren Ebenen und über den Stand der Durchbruchsarbeiten im Bereich der Kanalisation. Wir berichteten ihm von unseren Plänen und baten ihn, weiter für uns die Ereignisse in den Katakomben zu beobachten.

Dann wurden wir von Reikhart für das Treffen ausgerüstet, auch mit Wolfsumhängen. Anschließend tranken alle außer uns das Blutgemisch aus der Schale, welches er uns schon einmal angeboten hatte. Wir sahen zeitgleich eine Wolfsilhouette aus einem der Schächte. Nun fingen er und alle seine Gefolgsleute eine Art von Wolfsgeheul an. Ich wusste in dem Moment nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Es war jetzt etwa drei Stunden vor Mitternacht und wir verließen seine Gemächer. Aber nicht durch den normalen Eingang, sondern nahmen den mittleren Schacht und gingen in die tieferen Ebenen. Auf unserem Weg sahen wir einige Rudel von größeren Wölfen und auch die Gefangenen, von denen Tilo uns bereits berichtet hatte. Ich wählte für mich den Begriff „Aderlassmenschen“, als ich sie sah. Das Merkwürdige für mich war, dass sie nicht nur gequält aussahen, sondern auch eine gewisse Art von Zufriedenheit ausstrahlten. Einer von ihnen war auf alle Fälle der gesuchte Bruder Yannick. Ich dachte mir: “Wieder einmal haben wir einen Auftrag erfolgreich abschließen können.“ Nur ist die Frage, ob wir nach dieser Nacht noch in der Lage sein werden, jemanden von ihm zu berichten. Schauen wir mal.

Vom Gefühl her entfernten wir uns in diesem Höhlensystem immer weiter vom Zinnsporn. Und dann, nach etwa einer halben Stunde Marsch, kamen wir wieder an die Oberfläche. Kruger berichtete später, dass er in dem Moment, als wir wieder draußen waren und der Mond durch die Wolken brach, bei den Begleitern des Champions die Haare wachsen sah. Wir alle hörten aus allen Richtungen Wolfsgeheul. Es war schon eine einschüchternde Situation. Es wäre sehr interessant gewesen, was Konrad dazu gesagt hätte. Ruben zeigte uns auf dem Weg einige Zeichen von Tiermenschen an den Bäumen. Ein schöner Platz, um zu dieser Zeit da zu sein.

Dann gingen wir endlich die Serpentinen zur Morgenhöhe hoch. Warum mussten wir eigentlich gehen. Egal, hätte ich vorher klären müssen. Je höher wir kamen, desto stärker wurde die Bewaldung. Und dann sahen wir wieder etwas bekanntes, aber nichts, was wir vermissten. Es waren dort drei Steinkreise, wie in Gotheim oder am Grausee, nur größer und imposanter. Mir schoss sofort ein Gedanke durch den Kopf: „Werden dann auch mögliche Feinde diese Merkmale haben?“

Dann sah ich endlich die Hügelkuppe. Länger hätte der Marsch auch nicht dauern dürfen. Hoffentlich wird es jetzt etwas entspannter, dachte ich. Ich musste innerlich etwas schmunzeln. Denn auf der Fläche stand noch ein größerer Steinkreis. Zeitlich musste es bei unserer Ankunft etwa 11 Uhr gewesen sein. In der Mitte einer Senke sah ich eine Art Ulricschrein.

Reikhart und seine Gefolgsleute beteten dort. Die Behaarung nahm bei ihnen immer weiter zu, so dass sie leicht zu sehen war. Ich sah bei meinen Kumpanen genauso das unwohle Gefühl, welches auch ich an diesem Ort hatte. Überall diese unheimlichen Geräusche, die aus dem nicht einsehbaren Wald kamen. Ich versuchte, sie den möglichen Kreaturen zuzuordnen. Ruben flüsterte uns zu, dass er im Steinkreis einen magischen, schwarzen Wind spürte. Er nannte in Dhar. Wenn er meint, ich konnte mit dieser Information nichts anfangen. Nur „Schwarz“ ist erst einmal immer nicht gut. Glücklich sah er dabei jedenfalls nicht aus.

Und dann sah ich plötzlich am Himmel ein grünes Licht. Ich erinnerte mich sofort an das letzte Mal, als ich dieses Licht sah und fasste instinktiv an den Griff meines Schwertes. Und dann sah ich in die aufgerissenen Augen von Kruger, der auf Fußabdrücke zeigte, die etwa die Größe von Ginos Füßen hatten.

In diese komische Situation kam der Rudelvater mit seinem Gefolge aus der Baumreihe an der anderen Seite der Lichtung. Für einen kurzen Augenblick vergaßen wir die unheimlichen Entdeckungen, stellten uns mit allen in einer Art Kreis auf und beobachteten die Begrüßung.

Kruger sagte auf einmal leise zu mir, dass er ein bedrohliches Geräusch in unserer Nähe gehört hätte. Parallel sahen wir dann in seiner vollen Pracht Morrslieb am Himmel. Ich hatte in diesem Moment das Gefühl, dass ein weiteres prägendes Kapitel in unserer und auch meiner eigenen Geschichte begann.

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