Der König in Rot 6 – Bauer Schinke

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Sonntag, der 08. Tag des VII. Monat, 888 n.G. Absolut entkräftet schleppte sich Joran ins Gasthaus Apfelblüte und wurde dort vom wirklich besorgten Wirt mit Trank und Speis erstmal wieder etwas aufgepäppelt. Kurze Zeit später tauchte Bruder Brajan im Schankraum auf. Der Gottesmann wollte sich eigentlich nur ein paar Stullen für die Weiterreise nach Kreutzing besorgen, war aber sichtlich verwundet über Jorans Anwesenheit.

Joran berichtete über das Geschehen der letzten Nacht und der ehemalige Archivar spekulierte über Sirenen. Er meinte, dass es möglich wäre, dass gar keine Kindesentführung stattgefunden habe. Vielmehr hätte eventuell eine Sirene dem Krieger den Kopf verdreht und ihn eben mit diesen Babyschreien aufs das vermaledeite Wasser des Düstersee gelockt. Und damit in sein Verderben. Der Archivar verabschiedete sich und setzte seine Reise nach Kreutzing fort. Kurze Zeit später betrat Terence Hügel die Wirtschaft. Er erkundigte sich nach Befinden von Herrn Keller. Joran berichtete abermals über die Entführung woraufhin der Aveltener Ordnungshüter scheinheilig fragte, ob er darüber schon mit anderen Leuten im Dorf geredet hätte. Joran verneinte, was Terence offensichtlich sehr Recht war. Hügel bot an, dass Joran mit der nächsten Kutschlieferung nach Pfeilersruh mitreisen könnte, die, wie der Zufall es wollte, schon heute morgen abfahren würde. Und so fand sich der Krieger unversehens wieder auf der Ladefläche einer Ladung Aveltener Äppelwoi wieder.

Am frühen Nachmittag passierte die Kutsche den Hof von Olmor Kemp. Joran beobachtete eine junge Frau, die etwas abseits vom Weg Blumen pflückte und in Trauerschwarz gekleidet war. Er rief zu ihr herüber, ob der Bürgermeister gestorben sei, doch die junge Frau schüttelte stumm mit dem Kopf. Da die Kutsche weiter nach Pfeilersruh rumpelte, konnte Joran nicht erfahren um wen die Frau trauerte.

Während Joran auf dem Weg nach Pfeilersruh war, wurde die sonntägliche Morgenstille jäh von den Schreien der jungen Mutter gestört. Wilbur ging als erstes zum Haus der Fischer und nach und nach auch die anderen. Dort hatte sich bereits eine beachtliche Menschenmenge versammelt. Aus Gesprächsfetzen erfuhren wir, dass der Mob voller Bedauern gegenüber Talina, der jungen Mutter, war, aber nichts als Verachtung für Ulf, ihrem Ehemann, über hatte. Es wurde spekuliert, dass die Necker das Neugeborenem geholt hätten oder Ulf es im See ertränkte. Wilbur inspizierte das näher Umfeld der Hütte und konnte die Spur eines Bootkiels noch ausmachen und Spuren die zum Haus führten und zurück führten. Das besondere war allerdings, dass die Spur vom Boot aus Barfuß, aber dann auf dem Rückweg mit glatter Sohle war.  Unter den missbilligenden Blicken der Mercurio Blanche ging Wilbur ins Haus. Dort war bereits Harald Kray, der den desolaten Ulf befragte, allerdings nicht besonders erfolgreich dabei. Der Dorfsheriff raunte das sicherlich Rauschmittel im Spiel waren bei dieser Gräueltat und Ulf sein eigenes Kind auf dem gewissen hatte.

Ulf selber war in Decken gehüllt. Man hatte ihn morgens nackt unweit der Hütte gefunden, wo seine Kleidung abgeblieben war, konnte er nicht sagen. Tatsächlich wirkte er irgendwie erschüttert und fahrig. Er machte den Eindruck, als wüsste er selber nicht genau was passiert war. Behutsam entlockte Wilbur dem Fischer was vielleicht in der vergangenen Nacht geschehen war. Ulf hatte eine Traum, vielleicht. Er konnte nicht sagen, ob es ein Traum oder ob es sich so zu getragen hatte. Er hatte einen Singsang gehört, der ihn magisch zum See und zum Wasser gezogen hatte. Dort hatte er eine Frau getroffen. Überirdisch schön und nackt. Und er wüsste gar nicht wieso, denn er liebte seine Frau, aber es war quasi direkt zur Sache gegangen. Ab da verloren sich die Details und der Halbling war daran auch nicht besonders interessiert. Als Ulf aber wieder zu sich kam nach dem Rausch der Sinne, sah er noch, dass die Frau zu einem Boot ging und das Kind dabei hatte.

Wir verließen die Fischerhütte ohne großartig die gewonnen Erkenntnisse mit irgendjemanden zu teilen. Hier gab es irgendwie kein richtig und kein falsch und die Dörfler machten nicht den Eindruck als würden sie Ulf jeden Moment lynchen. Melina war schon in der Hütte aufgefallen, dass Joran gar nicht da war. Sie hatte schon mit der Wache auf dem Kirchturm gesprochen, aber letzte Nacht war es einfach nur nebelig gewesen. Joran hatte ganz regulär seinen Posten verlassen und war seitdem fort. Wilbur und Melina waren gedanklich immer noch bei dem verschwunden Säugling, aber ein quengelndes Menschenblag interessierte den Goblin nicht. Er machte sich Sorgen um Joran. Fluchs lief er zum Bauer Schinke. Krätze vermutete, dass vielleicht wieder ein Angriff auf die Sauen von Bauer Schinke verübt worden war und Joran das irgendwie mitbekommen und eingegriffen hatte. Der Hof war leer aber die Sauen quickten aufgeregt im Stall.

Krätze war das nicht geheuer und holte Melina und Wilbur als Verstärkung. Gemeinsam erkundete man den Hof. Im Stall fand man hungrige Sauen aber keine Kampfspuren. Eines der Wasserfässer wies eine kleine trockene Blutspur auf. Auf den ersten Blick war dort nur Wasser drin, aber einer Eingebung folgend stießen wir das Fass um. Heraus schwappten aufgedunsene Leichenteile eines Halblings, der mindestens schon eine Woche im Fass gelegen hatte und keine Ähnlichkeit mit Bauer Schinke aufwies. An ein paar Stellen der Leiche konnte man auch Wunden sehen, vermutlich die eigentliche Todesursache.

Wir stürmten zur Tür und hämmerten dagegen. Aber Bauer Schinke öffnete nicht. Krätze versuchte sein Glück mit dem Schloss, aber hier hatte er kein Erfolg. Schließlich drangen wir durch die Küchentür ins Bauernhaus ein. Auf einem Stuhl in der Küche saß Bauer Schinke, ebenfalls tot. Neben dem Stuhl lag eine Decke und ein Totschläger war anscheinend in eine Ecke des Raumes gerollt. Wir konnten keine Gewaltspuren entdecken, Vielleicht hatte einfach sein Herz aufgehört zu schlagen. In der Küche war ebenfalls eine gut gefertigte aber abgeschlossen Tür. In einer der Taschen von Schinke fand Krätze den Schlüssel. In der guten Stube von Bauer Schinke fand man einen weiteren Halbling, ohnmächtig. In seinem Gesicht verblassten mehrere Veilchen und auch sonst war er in einer schlechten Verfassung. Wilbur heilte ihn und sofort schlug er die Augen auf. Der Halbling entspannte sich sichtlich als er erfuhr, dass Bauer Schinke tot war und stellte sich mit Theodor vor.

Montag, der 09. Tag des VII. Monat, 888 n.G. Der Tag ist mit Aufräumarbeiten diverser Art gefüllt. Am vergangenen Abend war Joran zurück nach Pfeilersruh gekommen und wir hatten uns untereinander über das jeweils Erlebte ausgetauscht. Theodor hatte berichtet, dass Schinke ihn für seinen längst verstorbenen Sohn Gunther gehalten hatte. Sie waren einer freundlichen und unverfänglichen Einladung von Schinke gefolgt, aber dann hätte er sie eingekerkert.  Ein weiterer Scherbenhaufen um den sich Harald Kray kümmern durfte.

Wir entschlossen uns am morgigen Tag wieder zu der Ruinenanlage im Wald aufzumachen. Das Monster dort musste erledigt werden, um weitere Gefahr in der Gegend zu vermeiden. Da Joran sein Schwert verloren hatte, lieh er sich das von Kray aus. Von einer Hebamme erhielten wir einen Heiltrank nach Fürsprache von Harald. Und selbst den heiligen Knochen der Astrid verstauen wir in unserem Gepäck. Harald Kray meinte, wir könnten allen Beistand brauchen den das Dorf zu bieten in der Lage war.

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