Der König in Rot 5 – Schreie in Pfeilersruh

Schreibe eine Antwort

Samstag, der 07. Tag des VII. Montags, 888 n.G. Nach dem Ausflug in die verlassene Werkstatt gingen Krätze, Melina und Joran zurück zu Wilburs Haus und trafen da aber nur den Jungen Pell an. Seine Mutter war unterwegs, wo genau wusste er nicht, aber er spielte unbekümmert weiter durchaus zufrieden mit sich und der Welt. Wenig später sahen die drei Jenni die Straße herunter kommen, allerdings mit blutüberströmten Armen und Kleidung

Sie war eigentlich unterwegs gewesen ein paar Besorgungen machen, da hatte sie die Schreie der Fischersfrau gehört. Die Wehen hatten eingesetzt, und wie es aussah würde es eine sehr komplizierte Steißgeburt werden. Da hätte sie einfach helfen müssen. Es war aber alles gut gegangen, Kind, Mutter und Vater waren alle wohlauf und Jenni war sichtlich stolz auf sich selber, verschwand aber dann zum Waschen ins Haus.

Wenig später wankte auch Wilbur in Richtung der Veranda. Dem Goblin fielen beinah die Augen aus dem Kopf, als er den schwer verletzten Druiden die Straße hinunter kommen sah. Die Verbände von Bauer Schinke, die ein bisschen auch so rochen, wurden von Jenni gekonnt gewechselt und der Halbling berichtete dabei allen, was geschehen war. Der Halbling insistierte, dass man sich um das Monster im verfallenen Turm kümmern müsste. Pfeilersruh wäre nicht sicher und es war unvorstellbar was passieren würde, wenn noch von diesen Wesen den Weg hier her fänden. Darüber waren sich alle einig. Es war allerdings notwendig, dass sich Wilbur erst einmal von seinen Wunden erholen musste. In der Zwischenzeit könnte man sich noch um Olmor Kemp kümmern und natürlich bei der Bewachung des Dorfes unterstützen, wie es mit Harald Kray abgesprochen war.

Dementsprechend brach Melina am Abend auf zum Hof der Kemps. Krätze begleitete sie ein Stück des Weges aber am Rand von Pfeilersruh verabschiedete er sich. Melina ahnte dass der Goblin irgendetwas vor hatte und mahnte ihn, dass er nichts ausfressen sollte. Melina erreichte den Hof deutlich nach Sonnenuntergang und inspizierte ihn zunächst sorgfältig. Vor den Hunden hatte der Halbling sie bereits gewarnt. Das Wechselbalg wählte einen Weg über den Hühnerstall in das Hauptgebäuden. Leider brach bei der Kletterpartie eine der Dachlatten des Hühnerstalls, aber niemand wurde dadurch aufgeschreckt. Im Haus angelangt arbeitete sie sich gekonnt zunächst durch die erste Etage und dann das Erdgeschoss. Dabei fand sie ein Liebespaar (vermutlich Aldemar mit einer neuen Flamme), den siechenden Olmor, der leise vor sich hin greinte (und vielleicht sogar versucht hatte mit Melina Kontakt aufzunehmen) und eine Magd im Nachbarzimmer des kranken Bürgermeisters. Ohne jemanden zu wecken, verließ Melina wieder den Hof; die Aufklärungsmission war erfolgreich.

Unterdessen tat sich Krätze im Dorf um. Zunächst ging er wieder zur Werkstatt. Das Uhrwerk war faszinierend, aber er hörte dann doch auf Jorans Ratschlag, es lieber nicht zu wecken. Den Schlüssel, den der Jäger auf der Werkbank zurück gelassen hatte, versteckte er wieder sicherheitshalber. Er nahm ein paar Bücher über Mechanik an sich und verließ dann die Werkstatt. Das Vorhängeschloss ließ er nicht wieder einschnappen, aber präparierte es so, dass es auf den ersten Blick als geschlossen aussah. Danach ging er zur Kirche, unterhielt sich kurz mit der Wache im Turm und drang aber dann in die Gemächer von Brajan ein. Dort war nichts interessantes, was auch nicht verwunderlich war, denn der Priester hatte bestimmt alles wertvolle wieder mitgenommen auf seinem Weg nach Kreutzing. Allerdings spürte der Goblin einen kleine magischen Schimmer aus der Krypta kommen. Ein geknacktes Schloss später blickten die Goblinaugen auf den Knöchelfinger der heiligen Astrid herab. Das Stück Knochen strahlte einen Heilzauber aus. Krätze überlegte kurz, ob er den Finger mit zu Wilbur nehmen sollte, um den Heilungsprozess zu beschleunigen, befürchtete aber dass der Halbling das nicht unbedingt wohlwollend aufnehmen würde. Also hinterließ er alles so wie es war und ging heim.

Sonntag, der 08. Tag des VII. Montags, 888 n.G. Um Mitternacht begann Jorans Wache im Kirchturm. Der Krieger hatte beschlossen einfach bis dahin wach zu bleiben, denn danach könnte er sich ja in Ruhe ausschlafen. Dicker Nebel waberte vom See hinauf ins Dorf. Der Posten, den Joran ablöste, meinte ebenfalls, dass er in den letzten Stunden nichts anderes gesehen hatte als graue Nebelschwaden. Jorans Wache verging ereignislos. Er hatte die Kirche schon ein Stück hinter sich gelassen, da hörte er das Schreien eines Babys. Seltsamerweise kam es aber nicht aus dem Dorf, sondern vom See. Joran ging runter zum Steg und hörte dort wieder das Schreien des Babys. Das Klagen schallte eindeutig über den See. Verstärkung holen würde zu lange dauern, also entschied er sich dazu direkt ein Ruderboot zu nehmen und der Sache auf den Grund zu gehen. Da immer noch undurchdringlicher Nebel auf Land und See lag, konnte sich Joran nur auf sein Gehör verlassen und nahm die Verfolgung auf. Lange Zeit änderte sich der Abstand in keiner Weise, obwohl Joran sich mächtig ins Zeug legte. Und dann auf einmal stieß etwas gegen Jorans Boot. Eine Schlange oder ein Aal allerdings von etwa vier Meter Länge und in Oberarmdicke tauchte unter dem Kiel durch. Seltsame Laute stiegen aus den Tiefen des Sees auf. Aber Joran hielt Kurs. Ein zweiter Aal gesellte sich zum ersten. Und dann noch ein dritter. Nun wurde es auch dem Krieger zu unheimlich und er brach die Verfolgung ab. Die Schreie des Babys verklangen dumpf im Nebel als Joran versuchte wieder einen Weg zurück an Land zu finden. Stunde um Stunde verging und die Kräfte schwanden ihm aber er fand kein Ufer. Das Ruderboot kam zum stehen und vier Schlangen stiegen aus dem Wasser auf und griffen Joran an. Unter ihren Bissen verlor er das Bewusstsein…. Mit den ersten Sonnenstrahlen kam er wieder zu sich. Der Nebel hatte sich verzogen und keine 500 Meter entfernt lag ein Dorf. Allerdings war es nicht Pfeilersruh sondern es sah ganz nach Avelten aus.

In Pfeilersuh hingegen wurde das Dorf unsanft durch das Wehklagen der jungen Mutter geweckt. Das Baby war fort.

Print Friendly, PDF & Email

Teile diesen Beitrag

0 0 votes
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments