Kein Weg hinaus II – Flüchtige und Verräter

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31. Mai im Jahre des Herrn 1733  – zwischen Kronau und Waldenau, Nachts

Heinrich Junkers kniet vor der Kiste und stammelt nur „Nein, das kann nicht sein!“. Roland beruhigt ihn und legt ihm die Hand auf die Schulter. Wir sehen aus dem Fenster. Die Untoten sind noch da, aber immerhin laufen sie nicht mehr zielstrebig auf uns zu, sondern planlos umher. Die unmittelbare Gefahr ist angewendet. Uns fällt auf, dass es im Haus ziemlich widerlich stinkt.

Heinrich nimmt nun die Tasche seines toten Ichs aus der Kiste. Sie ist leer. Dann sieht er in seine eigene Tasche, diese ist voll mit Papieren. Wieder stammelt er vor sich hin: „Was ist das hier? Bin ich tot? Habe ich eine zweite Chance?“. Er steht auf und will hinausrennen, aber wir halten ihn auf, woraufhin er schluchzend zusammenbricht.

Da wir ihn vorerst nicht befragen können, widme ich mich der Kiste, die als einziges hier neu aussieht und als ob sie hier nicht hingehört. Wir holen die Leiche aus der Kiste, der ein vergilbter Zettel aus einer Tasche fällt.

Ich finde im inneren an der Wand ein Zeichen eingeritzt, das man „Das Getrübte Auge“ nennt. Dieses haben wir schon einmal gesehen: bei Waltrudis auf dem Lindenhof. Es ist ein Verhüllungszeichen, genutzt von Hexen und Schwarzmagiern. Angespornt, dass hier mehr zu finden ist, suche ich weiter und finde tatsächlich einen doppelten Boden in der Kiste. Man kann einen Teil des Bodens öffnen, wo ich einen plattgedrückten Beutel sehen kann. Aber auch einige Dornen, die vergiftet zu sein scheinen. Diese meide ich und ziehe den Beutel heraus. Darin befindet sich eine Ledertasche.

Derweil untersucht Roland den Zettel, den er vorsichtig auseinanderfalten muss, da dieser schon alt ist. Es handelt sich um einen Steckbrief. Gesucht werden Rudolf Schwarz, Henriette Fuchs, Heinrich Junkers (sic!) und Philipp Brandt. Sie werden gesucht wegen Einbruchs, Betrugs und ähnlicher Delikte. Die Beschreibung der Gesuchten trifft auf Heinrich zu und auf zwei andere Personen, die wir schon gesehen haben. Die tote Frau in der Kutsche und der Bewaffnete im Sumpf. Die vierte Person, Philipp Brandt, ist uns bisher unbekannt.

Ich sehe mir die Schriftstücke in der Ledertasche genauer an. Viele davon sind verrottet. Es gibt noch eine kleinere Kladde, die ich ebenfalls öffne, Auf dem Einband prangt das „Blutende Auge“. Es sind alles lose Blätter, auf denen Karl einige sehr finstere Zauber erkennt, zum Beispiel dunkle Beschwörungsrituale und auch ein Ritual zur Beschwörung von Akephalos!. Diese Blätter nimmt Karl murmelnd an sich. Muss ich mir Sorgen um ihn machen?

Des Weiteren fällt mir noch ein Brief in die Hände. Er ist in der Handschrift einer Frau verfasst und an eine Mordra gerichtet. Mordra soll von ihren Beschwörungen ablassen, die das Dornenreich und den großen Plan stören. Sie soll nicht zu sehr auf den Totenbeschwörer hören und die Vergangenheit ruhen lassen. Unterschrieben ist er mit Minerva.

Das restliche Haus ist ansonsten komplett leer und schon seit Jahren dem Verfall anheim gefallen. Karl und ich untersuchen die Leiche der Hexe und finden auf der Schulter eine Tätowierung: das Auge des Akephalos. Kann die Hexe das Mädchen gewesen sein? Zumindest waren sie wohl im gleichen Kult, die sich mit solchen Zeichen schmücken.

Don Ignacio untersucht die Kleidung der Hexe und wird fündig: im Umhang ist etwas eingenäht, dass er vorsichtig heraustrennt. Er findet ein zusammengeklapptes Stück Leder, auf das eine Karte enthält. Darauf sieht man keine Schrift, aber eingezeichnete Landmarken, darunter eine sehr deutlich markierte. Es sieht verschlüsselt aus. Man erkennt Berge, einen Fluss, vielleicht den Rhein, Hügel und Waldgebiete. Vielleicht gibt es in Waldenau ja Karten zur Einsicht, die wir mit dieser vergleichen können. Falls wir jemals in Waldenau ankommen sollten.

Don Ignacio versucht, Heinrich zu befragen, aber der stammelt nur vor sich hin. Er wirkt aber glaubhaft und scheint nicht zu lügen.

Wir beraten, was wir nun tun sollen. Anscheinend sind wir tatsächlich in unserer Zeit, nur die Hexe, Heinrich und die Kiste sind aus der Vergangenheit. Irgendetwas scheint sie an diesen Ort und an ein Ereignis zu binden. Die Diebesbande, zu der auch Heinrich gehörte, schien auf der Flucht verunglückt oder überfallen worden zu sein. Heinrich fiel dabei wohl in die Hände der Hexe Mordra, die ihn in der Kiste konserviert hat. Vielleicht, weil sie seinen Körper für ein Ritual gebraucht hat. Aber was es mit dem bewusstlosen Mädchen auf sich hat und warum dieses Ereignis hier stattfindet, wissen wir nicht.

Da wir vorerst nicht weiterkommen, machen wir ein Nachtlager hier. Wir teilen Wachen ein, damit wir auch Heinrich bewachen können, der die ganze Nacht wach bleibt, aber auch nicht wegläuft.

01. Juni im Jahre des Herrn 1733  – zwischen Kronau und Waldenau, Morgens

Am nächsten Morgen bemerken wir zwei Dinge: die Hexe scheint um 20 Jahre gealtert zu sein. Und die Untoten auf dem Hof sind weg. Draußen ist es diesig und auch noch nebelig, aber nicht mehr so stark wie letzte Nacht. Wir sehen viele frische Stiefelabdrücke – die Untoten waren also keine Fiktion.

Roland geht nun auf Nummer sicher und schlägt der Hexe den Kopf ab. Dabei hat er den Eindruck, als wenn diese kurz die Augen öffnet und ihn anblickt. Eine gruselige Erfahrung. Danach verbrennen wir die Leiche der Hexe. Wir wollen nun weiter Richtung Waldenau, um zu sehen, ob etwas mit Heinrich passiert.

Wir gehen zurück zum Hauptweg, den wir auch problemlos im Nebel finden. Nach ein paar Metern hören wir plötzlich eine Stimme: „Na, da ist ja das Verräterschwein!“ Abseits des Weges treten zwei Personen mit gezückten Waffen hinter einem Baum hervor. Wir erkennen ziemlich schnell Henriette und Rudolf. Henriette hat einen tiefen Schnitt im Hals und Rudolf ein Messer in der Brust. Beide sind offensichtlich tot beziehungsweise Untot.

Hat Heinrich beide im Schlaf ermordet? Warum, vielleicht im Auftrag der Hexe?

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