Besessen III – Luzi, der Schrecken der Kröten

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29. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Gasthaus Straußenfeder zw. Kronau und Waldenau

Abends

Nachdem wir uns von Werner von Schönstadt und Heinrich, der im Gasthaus bleibt, verabschiedet haben, gehen wir zur Umfriedung im Nordosten. In dieser Richtung liegt die Kapelle und angesichts der immer zahlreicher werdenden Kröten, die inzwischen einen dichten Ring um das Gasthaus geschlossen haben, wollen wir den kürzesten Weg zur Kapelle nehmen.

Wir klettern über die kleine Mauer und stehen Angesicht in Angesicht mit den etwa 15 Meter entfernt sitzenden Kröten. Oder sind es Unken? Karl versucht, uns den Unterschied zwischen Kröten, Unken und Froschlurchen zu erklären, erntet dafür aber nur verständnislose Blicke unsererseits.

Die Kröten sitzen einfach nur da und machen sonst nichts. Unschlüssig sehen wir uns an. Ob die uns angreifen, wenn wir weitergehen? Sicher, dass ich das nicht ausprobieren möchte, lege ich kurzerhand an und treffe eins der Mistviecher, das mit einem PLOPP platzt. Das war einfach denke ich, als ich sehe, wie der Rest der Kröten zusammenrückt und die Lücke so schließt. Fünf Schüsse, fünf PLOPP und einer ziemlichen Sauerei am Boden später: das gleiche Ergebnis. So werden wir nicht weiterkommen und die rote Monsteruhr tickt.

Zeit für die Luzifer Breitfeuerkanone, die ich in Anschlag bringe und nach einer Salve gleichermaßen beeindruckt wie hocherfreut bin: das Ding schlägt eine beachtliche Schneise, so dass eine große Lücke in der Reihe der Kröten klafft. Unangenehmerweise ist es nicht nur eine Reihe Kröten, sondern es sind gleich mehrere dahinter. Wir können in der zunehmenden Dunkelheit hunderte Mistviecher erkennen. Und von denen wird die nun große Lücke von hinten geschlossen.

Daher machen wir folgenden Plan: Luzi schießt, wir rücken in die Lücke vor und dann kommt Luzi wieder zum Einsatz, dann wieder schnell vorrücken. Das funktioniert im Großen und Ganzen gut. Leider rücken die Kröten schneller heran, als Luzi schießen kann, sodass wir die doch unangenehme Erfahrung eines Handgemenges mit diesen Dämonenkröten machen. Die paar hundert Meter zur Kapelle dauern fünf bis sechs Salven mit der Breitfeuerkanone, dann haben wir die Kapelle mit ein paar leichten Blessuren erreicht.

Vom Gebäude stehen nach dem Brand mehr oder weniger nur noch die Grundmauern, das Dach ist kaputt. Zum Glück sind Tür und Fenster vorhanden, daher retten wir uns schnell ins Gebäude, wo wir die Tür verrammeln. Die Hintertür erreichen wir nicht mehr rechtzeitig, es drängen ein paar Kröten herein, die wir aber schnell erlegen und auch diese Tür sowie ein paar der Fenster ebenfalls notdürftig verrammeln können.

Wir sollten uns aber beeilen, die Geräusche von draußen lassen uns vermuten, dass die Kröten mit aller Macht in die Kapelle drängen. Wie lange Tür und Fenster dem Druck standhalten, wissen wir nicht.

Wir machen uns an die Untersuchung der Kapelle. Für eine Kapelle ist das Gebäude recht groß, aber viel ist hier nicht mehr vorhanden. Der Altar wurde bei genauerer Untersuchung offenbar von einem Blitz in mehrere Teile gespalten. Unter dem Altarrest ist ein Loch im Boden, wo man den Deckel eines Sarkophags erkennt. Das große Holzkreuz ist ebenfalls zerstört. Roland untersucht es und findet in der Mitte ein Fach. Auch dieses ist kaputt, aber mit etwas Gewalt kann er das Fach öffnen. Darin befindet sich eine Aussparung, in die ein Schlüssel passt; dieser ist aber nicht mehr an seinem Platz.

Plötzlich erscheint in der Mitte der Kapelle hinter uns ein Geist. Um den Hals erkennt man die Silhouette eines Holzkreuzes, das Gesicht kann man sonst nur erahnen. Roland holt sein eigens Holzkreuz heraus und zeigt es dem Geist, der daraufhin zu ihm bewegt und vor ihm schweben bleibt. Der Geist scheint seine Lippen zu bewegen, nur hört man nichts.

Karl nimmt schnell einen Kohlestift und mal ein „ja“ und ein „nein“ auf den Boden. Dazwischen stellt er einen Becher, in der Hoffnung, dass der Geist diesen bewegen kann. Das kann der Geist zwar nicht, aber auf die Frage „kannst du uns verstehen?“ bewegt er sich zum „ja“. Dann schwebt er zu einer Stelle an der Wand und verschwindet in selbiger. Roland sucht dort und findet im Boden eine lockere Steinplatte. Diese öffnen wir und sehen darunter ein Loch, dass den Blick auf den Sarkophag freigibt.

Der Geist kommt aus der Wand zurück und erschreckt uns, aber tut sonst nichts. Vermutlich ist es der ruhelose Geist des Priesters dieser Kapelle.

Wir legen den Sarkophag, der im Boden eigelassen ist, weiter frei. Er ist offen und sieht aus, als wäre er von innen aufgeplatzt. Man sieht das Skelett einer riesigen Person, die etwa zwei Meter groß war. Der Kopf offenbart schreckliches: eine Art Wolfsmaul und zwei Hörner auf dem Schädel. Hier scheint ein Dämon begraben zu sein. Wir sehen weiteres: in den Trümmern des Altars sind weitere Knochen, die nicht zu diesem Dämon gehören. Im Sarkophag sehen wir an den Seiten zwei Griffe und ein Metallkästchen ebenfalls mit zwei Griffen. Das Material ist das gleiche wie das der Ketten von Jonas/Baluzius, das Karl als „Elektrum“ identifiziert. Es ist bekannt, dass man damit übernatürliche Wesen wirksam festbinden kann.

Die Situation stellt sich für uns momentan wie folgt dar:

Hier wurde anscheinend einst der Dämon Balizius beerdigt und mit Elektrumfesseln gebunden. Darüber wurde eine Kapelle errichtet. Der Schutz schien aber nicht vollständig gewesen zu sein oder vielleicht ist er auch schwächer geworden. Auf jeden Fall fuhr hier vor einigen Wochen der Blitz ein, wahrscheinlich kontrolliert durch Baluzius oder irgendeine andere Höllenkreatur. Der Blitz zerstörte den Altar, der Geist des Dämons entwich und fuhr in Jonas ein. Der Vater suchte Hilfe beim Priester, der ihm die Fesseln aus dem Sarkophag gab, um Jonas damit fest zu ketten.

So oder so ähnlich mag es sich abgespielt haben. Nur wo ist der Schlüssel?

Karl macht sich indes daran, den Kopf des Dämonen zu entfernen. Die Knochen sind hart und wie aus Stein. Es kostet ihm einige Mühe und den Einsatz seines chirurgischen Werkzeugs, doch nach und nach gelingt es ihm, Kopf, Füße, Arme und Hände abzutrennen. Einzeln nimmt Karl die Teile aus dem Sarg und legt sie etwas entfernt im Raum ab. Die Knochen sind ungewöhnlich schwer. Zuletzt widmet er sich der Kiste in den Knochenhänden. Sie ist etwa ein Fuß im Maß in alle Richtungen und mit Elektrum beschlagen. Ebenso versiegelt ein dünner Draht aus diesem Metall die Kiste. Karl durchtrennt ihn beim öffnen. Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass sich spätestens jetzt die Knochen des Dämons bewegen. Dann wäre es schlau gewesen, die gefährlichen Teile zuvor vom Körper abgetrennt zu haben. Doch nichts dergleichen passiert.

In der Schatulle ist ein schwarzes Buch und ein eiserner Helm. Um an das Buch zu gelangen, muss Karl zuvor den Helm herausnehmen. Dabei hat er kurz das Gefühl, dass etwas nach seinem Verstand greift. Karl ist bis ins Mark erschüttert und froh, dass dieses Unwohlsein sofort endet, als er das Ding los lässt. Als er das Buch aufschlägt und darin zu lesen beginnt, herrscht plötzlich totale Stille. Das Quaken der Frösche hat aufgehört. Dann donnert es krachend, und ein Blitz fährt in das Dach der Kapelle. Am schwarzen Himmel erscheint ein riesiger Sturmgeist.

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