Die Kultstätte

Schreibe eine Antwort

Am 17. Ingerimm 1030 BF setzte der Heerzug sich von Gareth aus in Bewegung. Tausende Soldaten, eine schier unvorstellbare Anzahl, waren zusammen gekommen aus aller Herren Länder, um gemeinsam gen Oron zu ziehen und den Südosten Araniens zu befreien. Nach zehn Tagen erreichten wir Zorgan. Ich, Wendo, wurde einer Spähereinheit unter dem Kommando von Obrist Burgol Steinhammer aus Darpartien zugeteilt. Mit mir waren zweihundert weitere Männer und Frauen für das auskundschaften der Wege des Trosses abkommandiert.
Nach zwei Tagen Aufenthalt in der Stadt begann der Feldzug mit dem Überschreiten der Grenze zum Heptarchenreich. Wiederum zwei Reisetage später erging an mich der Befehl, dass ich Hauptmann Dargol Felsbrecher, zusammen mit Ansgar und einem weiteren Mann aus unserer Einheit, unterstellt werde. Unser neuer Kommandant, ein Ambosszwerg, hatte den Auftrag, mit einem Banner Soldaten eine Kultstätte Belkelels abseits des Weges zu sichern und zu zerstören. Man wollte damit verhindern, dass die Anhänger der Widersacherin Rahjas sich hinter dem Heerzug sammelten und uns in den Rücken fielen. So wurde abends noch ein Plan gemacht, und mein alter Weggefährte Gargrimmsch trat an Ansgar und mich heran. Er wurde abkommandiert, mit der Hälfte des Banners die Kultstätte zu umrunden und von Süden her den Feind in die Zange zu nehmen. Mich wollte er als Kundschafter dabei haben. Ich willigte ein.

Am  Morgen des 1. Rahja standen wir weit vor Sonnenaufgang auf. Ein Angrosch-Geweihter segnete unsere Waffen, dann begaben wir uns in den Wald in Richtung der Kultstätte. Neben einigen zwergischen Schützen und Kämpfern begleiteten uns auch Ansgar, der wie immer nicht von meiner Seite wich, Ragnar, dessen Kampfkraft wohl von Gargrimmsch hoch eingeschätzt wurde und auch Greifwin, der als Emissär der Magier, vor allem Meister Borgars, dabei war, da niemand von den Zwergen freiwillig einen Zauberer mitnehmen wollte. Dazu kamen noch ein Praios-Geweihter und eine Geweihte der Rahja.
Wir umrundeten das feindliche Lager, und Ansgar und ich setzten uns ein wenig von dem Rest der Truppen ab. So erreichten wir zur Mittagsstunde die Kultstätte. Sie befand sich auf einer vielleicht fünfzig Schritt durchmessenden Waldlichtung. Auf ihr sah man einen schlanken Monolithen. Darum waren aus schwarzem Stein Skulpturen aufgestellt, die sowohl fröhliche als auch in Qualen verzerrte Menschen zeigte. Man sah außerdem sechzehn Zelte, ein größeres Feldzelt und einen geschlossenen Bretterverschlag. Auf der Lichtung befanden sich vierzehn Bewaffnete und sechs Kultisten in schwarzen Gewändern. Zwei weitere feindliche Kämpfer patrouillierten ständig um das Lager. Im Norden der Lichtung sahen wir außerdem fünf weiße, hundeartige Kreaturen, denen aber grüner Geifer aus dem Maul und ebensolches Blut aus schwärenden Wunden floss. Augenscheinlich dämonische Kreaturen.
Just als wir uns einen Überblick verschafft hatten, wurde eine junge Frau von den Kultisten aus dem Bretterverschlag gezerrt und an den Monolithen in der Mitte der Lichtung gebunden. Dann begann eine unheilige Zeremonie. Da wir mit dem Schlimmsten rechnen mussten, kehrte Ansgar zu den Truppen zurück, um sie schnell her zu bringen. Ich blieb an der Lichtung, um das weitere Treiben zu beobachten und gegebenenfalls einzugreifen. Während ich auf Verstärkung wartete, musste ich mit ansehen, wie sich alle Kultisten nach und nach an der Frau vergingen. Dabei riefen sie immer wieder Belkelel an. Und jedes Mal erstrahlten auf dem Monolithen neue dämonische Zeichen.
Es dauerte eine Weile, bis Gargrimmsch mit den Zwergen die Kultstätte erreichte. Dann mussten wir auch noch einen Moment warten, bis wir von Norden die Trommeln und Sackpfeifen unseres restlichen Banners hörten. Erst als sich die meisten Bewaffneten von der Lichtung fortbewegten, um sich unseren anrückenden Truppen zu stellen, stürmten wir von Süden die Kultstätte. In einem kurzen aber heftigen Gefecht machten wir die verbliebenen Menschen und auch die fünf dämonischen Hunde nieder. Dabei verlor ein Zwerg sein Leben. Die Gefangene wurde befreit, allerdings war sie durch die Tortur ohnmächtig, und obwohl sie körperlich fast unversehrt war, würde sie so schnell nicht von dem, was sie hier durchmachen musste, genesen.

Die Geweihten kümmerten sich um eine fachgerechte Umwidmung des Ortes, während Ansgar und einige Zwerge die Leichen und die Ausrüstung der Kultisten zusammentrugen und alles verbrannten. Ich blieb derweil mit Greifwin bei der noch immer besinnungslosen Gefangenen. Darüber brach die Nacht herein, und wir errichteten unter dem Schutz der zwölfgöttlichen Segnungen ein Lager auf der Waldlichtung.

Print Friendly, PDF & Email

Teile diesen Beitrag

0 0 vote
Beitragsbewertung
thd

Über thd

1984 DSA 1 zum Geburtstag gewünscht und wider Erwarten die Basis-Box bekommen. Nachdem ich Silvana drei mal befreit hatte, merkte ich, dass ich Mitspieler brauchte, um mit der Box weiter etwas anfangen zu können. Glücklicherweise sah ein Freund aus der Nachbarschaft die Bücher bei mir herum liegen und meinte, sie würden in einer Runde etwas ähnliches Spielen, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Klar hatte ich das, und so bin ich mit Dungeons & Dragons angefangen. Zahlreiche Runden, Systeme und eine Vereinsgründung später, findet sich auf THORNET ein ziemlich großer Ausschnitt meiner Rollenspielerlaufbahn.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments