Trügerische Fluten – Teil 3

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18. August 2954 DZ – Südlicher Düsterwald

Der Wald, durch den wir laufen, wirkt stellenweise undurchdringlich, fast wie ein Dschungel. Aber düster und bedrückend. Wegen der Verletzten müssen wir häufiger Pausen machen und kommen nur sehr langsam voran. Den ganzen Tag hören wir immer wieder Geräusche von Spinnen, über uns, neben uns, hinter uns. Zu Gesicht bekommen wir allerdings keine.

Abends suchen wir uns einen geschützten Lagerplatz. Während meiner Wache höre ich irgendwann eine größere Spinnengruppe genau auf uns zukommen. Und mit der Gruppe scheint etwas sehr Großes mit zu laufen. Ich wecke die anderen. Es sind um uns herum und auch über uns sehr viele Geräusche von Spinnen, angegriffen werden wir aber nicht. Nach einer Weile verschwinden die Spinnen und es wird wieder ruhig.

19. August 2954 DZ – Südlicher Düsterwald

Roderic sucht nach einem kargen Frühstück den Weg, auf dem sich aber zwischen den Bäumen gewebte Spinnennetze befinden. Diese haben mehrere Meter Durchmesser und bestehen aus ziemlich dicken Fäden. Diese Netze sind um uns herum und teilweise in mehreren Reihen hintereinander. Wenn man durch eins hindurch käme, hätte man immer wieder welche vor sich. Aber nicht überall sind Netze; es wirkt, als wären sie so gewebt, dass ein bestimmter Weg frei bleibt. Haben die Spinnen das vielleicht letzte Nacht gemacht?

Ich bemerke ein Rotkehlchen auf einem Ast. Das zwitschert und merkwürdigerweise verstehe ich etwas: Tauler ist hier. Interessant, diesen Jäger haben wir ja schon kennen gelernt.

Wir entscheiden, uns Richtung Schwarzhall durchzukämpfen und fangen an, das erste Netz zu bearbeiten. Er stellt sich als ziemlich mühsam heraus, egal ob man versucht, das Netz zu verbrennen, was nicht ungefährlich ist, da der Wald sehr trocken ist, oder ob man versucht, das Netz durchzuschneiden. Wir schaffen es mit einigem Aufwand, aber nur, um vor dem nächsten Netz zu stehen. Nach einiger Zeit langsamen Vorankommens lichtet sich der Wald.

Wir erreichen eine Lichtung, auf der, zwar wenig überraschend, dennoch ziemlich furchterregend, Tauler sitzt. Uns ist klar, dass wir nicht kämpfen müssen; hätte er uns töten wollen, hätte er das einfacher haben können. Und tatsächlich: er spricht uns an.

Tauler schlägt uns ein Geschäft vor. Wir sollen seine Schwester Tyulqin töten. Er selber kann oder will es aus irgendwelchen Gründen nicht, dafür braucht er uns. Dazu verlangt er einen Wegzoll. Was das ist, wissen wir; einen Edelstein.

Die Brutschwestern stehen wohl in sehr starker Rivalität; zudem arbeitet Tyulqin mit dem Geist des Waldes zusammen, der die Geister im Hügelgrab erweckt. Die Jäger von Tyulqin verschleppen Menschen und liefern sie dem Geist aus. Ein paar werden wohl auch verspeist. Diesen Geist mag Tauler nicht.

Zudem wurden die Orks aus dem Düsterwaldgebirge vertrieben, von der Vampirin vielleicht? Tyulqin hat sie wohl in den südlichen Düsterwald geführt. Außerdem sollen ihre Jägerspinnen Schwarzhall bewachen.

Mangels Alternativen und weil wir damit wahrscheinlich auch dem Geist schaden willigen wir ein. Tauler gibt uns den Rat, auf gar keinen Umständen Tribut an seine Schwester zu zahlen. Nachdem Roderic ihm einen sehr wertvollen Diamanten gegeben hat, den er wieder genüsslich verschlingt, zeigt er uns den Weg nach Schwarzhall. Er verspricht, dass wir von seinen Jägern in Ruhe gelassen werden. Sobald wir in die Nähe Tyulqins  kommen, wird Tauler uns finden und weiter instruieren. Auf der weiteren Reise, die ruhig verläuft, sehen und hören wir keine Spinnen mehr.

23. August 2954 DZ – Südlicher Düsterwald

Heute sehen wir wieder die ersten Spinnen in Bäumen sitzen und auch einige Netze entdecken wir. Die Spinnen hier sehen anders aus, vermutlich ist es Tyulqins Brut. Nachmittags stehen wir plötzlich vor einem undurchdringlichen Dickicht, sodass wir einen anderen Weg suchen müssen. Nach kurzer Zeit stehen wir vor einer größeren Jagdhütte, die zwar gut in Schuss ist, aber nach Roderics Aussage in einem sehr alten Baustil errichtet wurde. Spuren vor der Hütte sind keine zu entdecken. Stattdessen verspüren wir ein großes Verlangen, die Hütte zu betreten. Ist das vielleicht die legendäre „Stille Halle“, aus der niemand mehr herauskommt? Wir gehen schnell weiter und widerstehen dem Verlangen.

25. August 2954 DZ – Südlicher Düsterwald

Gegen Abend erreichen wir den See, an dem Schwarzhall liegt. Doch als See ist das kaum noch zu erkennen, was vor uns liegt. Der See versumpft, es wächst Galgenkraut, die noch vorhandenen Wasserflächen sind pechschwarz und ich sehe einige Sumpflinge. Wir erkennen den See kaum wieder.

26. August 2954 DZ – Südlicher Düsterwald

Eine gute Tagesreise gehen wir um den See herum, als wir endlich Schwarzhall erreichen. Das Hügelgrab kurz vor der Stadt ist gut zu erkennen und wir sehen noch weitere Gräber. Wir gehen aber weiter und nähern uns nicht.

Schwarzhall selbst hat inzwischen eine Palisade, die an manchen Stellen rußgeschwärzt ist. Normalerweise fahren immer Boote auf dem See, aber es ist keines zu sehen. Man sieht überhaupt niemanden. Vorsichtig nähern wir uns dem Tor.

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