Ewiger Hass I

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Aus den Anekdoten von Mentor Rubinion Salinder:

4. Travia 1033 BF – Die Gefangenen
Dieser merkwürdige Wald, der von einer Kuppel aus Wurzeln begrenzt wurde, machte uns zunehmend Sorgen. Sie verdeckte die Praiosscheibe, und am Boden herrschte ein schummriges Zwielicht. Wir luden uns bei dem alten Rondra-Geweihten Odoran von Honingen ein, der alleine in einer kleinen Hütte wohnte, um von ihm mehr über diesen Ort in Erfahrung zu bringen. Er war einst an einem See in der Mitte der Waldwildnis von der Fee Marandel mit heißen Liebesschwüren in diese Welt gelockt worden. Laut seiner Zählung weilte er bereits seit drei Jahrzehnten hier, aber er sagte, dass er um 200 BF geboren worden war. Wir schienen wieder einmal in einer Globule zu sein, in der ein Tag einem Monat auf Dere entsprach.

Er hatte sich weder den hiesigen Andergastern noch den Nostriern angeschlossen, und die Fee hatte nur kurz Gefallen an ihm gefunden. Seitdem trauerte er ihr verbittert nach. Es wunderte ihn, dass wir nicht von demselben See in der Waldwildnis gekommen waren, denn das war der Ort, von dem die Fee alle Bewohner in ihre kleine Welt verschleppt hatte. Larja sagte, dass eine Magierin der Grauen Stäbe ihr den Weg gewiesen hatte. Niemanden war es vergönnt, wieder zurückzukehren. Diejenigen, die bei den täglichen Schlachten starben, wurde wiederbelebt. Nur wer sein Lebensende erreichte, für den hatte dieses Dasein ein Ende.

Wir zogen los, um den Herolden – grotesken Käferwesen – das Horn zu entwenden, damit nicht mehr zur Schlacht gerufen werden konnte. Wir kamen an der Hochmotte der Andergaster vorbei, die uns aufforderten auf die Burg zu kommen, denn der Kampfplatz sollte noch nicht betreten werden. Wir warfen ihre Warnungen in den Wind und gingen in den Wald zu dem Schlachtfeld. Ich versuchte, mit einigen Satyren ins Gespräch zu kommen, aber es waren scheue Gestalten.

Ein Hügel erhob sich in der Mitte, vom dem Wurzeln empor bis zur Kuppel wuchsen. Hier waren auch Tafeln mit den Siegern der Schlacht. Die unwirkliche Situation und das Gefühl, Hesinde fern zu sein, zehrte an mir. Larja hatte etwas belangloses gesagt, aber an diesem Platz verlor ich meine Beherrschung und beschimpfte sie wüst.

Es kamen sechs Herolde und forderten uns auf, zu gehen. Wir änderten unseren Plan. Während Trevor versuchte, ihnen den Weg zu versperren, griffen Larja und Kirigam die Wurzeln an. Doch diese wehrten sich und schlugen ihnen tiefe Wunden. Trevor konnte nur zwei aufhalten, die anderen kamen zu uns. Die drei und Erich schlugen sich tapfer, aber bald lagen sie tot am Boden – drei dieser Wesen mit ihnen. Ich ergab mich und verließ den Wald in Richtung der nostrischen Burg.

Erich, Kirigam und Larja wurden geheilt und mussten den Wald in die Richtung verlassen, von woher wir gekommen waren. Dort trafen sie auf Ritter Gisbrand von Gerstenbrock, der sie schalt, seinen Befehlen nicht gehorcht zu haben. Er nahm sie mit auf die Festung der Andergaster. Von Trevor, der wie ich aus Nostria kam, gab es keine Spur. Ein in sich gekehrter Druide erweckte die Neugierde Erichs, so dass er von Wachen zum Freiherrn Alfward von Rosswall geschleift werden musste. Diesem erzählten die drei eine Lügengeschichte von einer nostrischen Hexe, die die Siegessäule – das Wurzelgeflecht, das sie versucht haben zu zerstören – verzaubert hatte. Das glaubte der Mann sogleich und verpflichtete sie, ihm in den kommenden Schlachten beizustehen.

Erich und Kirigam verließen die Burg wieder, um nach mir zu suchen. Sie mieden den Kampfplatz und trafen mich, wie ich mit einigen Satyren redete. Hesinde war nicht gänzlich fort und hatte mir die Gabe der Sprache gegeben, so dass ich das Vertrauen von Turkus erlangen konnte, dem ich mein Albuminer Pfeifenmännlein und meinen Tabakvorrat geschenkt hatte. Die Satyre hatten früher für Marandel gekämpft, aber nachdem sie immer weniger geworden waren, hat Marandel andere Wesen geholt, die sich an ihrer statt bekriegten. Er warnte uns vor dem Baum, den wir gesehen hatten, als wir dort angekommen waren, und vor einem Ork.

Zu dritt gingen wir weiter. Die Nostrier ließen wir links liegen, denn unweit davon lag ein L-förmiges Anwesen. Es muss einst ein prächtiges Anwesen gewesen sein, aber nun lag es heruntergekommen dar. Beltoro Paligan empfing uns brüsk in seinem verwilderten Garten. Dann bat er uns herein, und wir erzählten uns gegenseitig unsere Geschichten. Er war ein weiterer abgelegter Liebhaber der Fee, die ihm dieses Liebesnest geschenkt hatte.

In seiner guten Stube hingen drei Gemälde an den Wänden. Das erste stellte den Kampf von zwei Feen in der Natur dar, und nirgends waren irgendwelche Ranken und Wurzeln. Auf dem nächsten sah man kämpfende Satyre. Das Geflecht aus Wurzeln war teilweise zu sehen. Neben der Siegessäule fiel Erich eine Spalte im Boden auf. Auf dem letzen Bild sah man, wie sich Andergaster und Nostrier gegenseitig erschlugen, und das Wurzelgeflecht sah so aus, wie es seit unserer Ankunft war. Zusammen mit Beltoro mutmaßten wir, dass die zweite Fee im Hügel begraben lag.

Derweil schaute die andergaster Magierin auf der Burg dem Druiden zu, wie dieser Bilder in den Sand zeichnete.

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