Nebel des Grauens I

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Anfang Mai im Jahre des Herrn 1733  – nördliches Württemberg

Endlich wird es wieder sonnig, nachdem es einige Tage geregnet hat. Seit ein paar Tagen reise ich wieder mit Karl Auenthal zusammen. Wir hatten vor einiger Zeit einen merkwürdigen Fall eines zu Unrecht Verurteilten, der als Wiedergänger seine Henker tötete.

Danach trennten sich unsere Wege bis wir uns vor kurzem wieder trafen. Wir haben beide das gleiche Ziel: Waldenau. Dort soll es immer etwas zu tun geben, ist doch das Dämonenreich dort nah. Wir schätzen, dass wir bis dort noch zwei Wochen brauchen.

Die Landschaft, durch die wir laufen, ist bewaldet und man sieht immer mal wieder Sümpfe. Die Gegend hier wirkt sehr friedlich als wir nachmittags in einiger Entfernung ein Dorf sehen. Es gibt hier viele Äcker, allerdings sieht man nicht viel Vieh. Als wir näherkommen, sehen wir, dass dieses Dorf einige verlassene Häuser aufweist, sonst aber bewohnt ist. Wahrscheinlich leben hier wenige hundert Menschen. Der Ort heißt Jakobsheim und hat zu unserer Freude ein Gasthaus, das den Namen „Zum Ochsen“ trägt. Bis wir den nächsten Ort erreichen können wird es mit Sicherheit schon dunkel, sodass wir uns entschließen, hier zu nächtigen.

Als wir den Gastraum betreten, werden wir vom Wirt, der sich als Siegfried Kühn vorstellt, freundlich begrüßt. Neben einigen Dorfbewohnern, die hier ihr Bier trinken, fallen uns drei Personen auf: ein aristokratisch gekleideter Mann, der alleine an einem Tisch sitzt und später von Siegfried als irgendein Baron bezeichnet wird sowie zwei Personen, die nicht nur aufgrund ihrer Waffen auffallen. Beide sehen aus wie Jäger, einer mit gewaltigem Zweihänder, das hinter ihm an der Wand lehnt und der andere wirkt auf den ersten Blick eher wie ein Mönch, ist allerdings auch bewaffnet.

Wir buchen ein Zimmer im Schlafsaal, setzen uns und nehmen eine deftige Mahlzeit zu uns. Wir kommen mit den beiden Jägern, als das stellen sie sich auch heraus, ins Gespräch. Beide sind ebenfalls auf dem Weg nach Waldenau und da wir uns alle nicht unsympathisch sind, beschließen wir später, zusammen weiter zu ziehen. Beide stellen sich vor als Michel von der Schanz (er führt den Zweihänder) und Christian de Brues, einem Franzosen.

Später am Abend, wir sitzen zusammen und trinken noch etwas, heizt sich die Stimmung im Gasthaus langsam auf. Die Einheimischen bechern kräftig und spielen leider Glücksspiele. Das geht denn auch nicht lange gut; irgendwann fliegen erst Worte („Falschspieler!“) und dann Fäuste.

Christian ist eher der zurückhaltende Typ und verzieht sich Richtung Schlafsaal, Karl rutscht mehr in seine Sitzecke und ich, da ich auch nicht unbedingt auf Ärger aus bin, rücke meinen Stuhl Richtung Wand.

Michel hingegen ist einer zünftigen Kneipenkeilerei offenbar nicht abgeneigt, krempelt seine Ärmel hoch und schnappt sich gleich den Größten aus der Menge. Bruno ist sein Name, in seiner Ahnenreihe war irgendetwas ziemlich großes und er beschäftigt die halbe Meute im Raum. Michel macht einigermaßen kurzen Prozess mit ihm woraufhin Bruno hinausgeworfen wird und es kehrt wieder Ruhe ein.

Denke ich noch, als Karl aufspringt und plötzlich hinausrennt und mir zuruft: ‚Komm mit!‘. Er scheint irgendetwas gesehen zu haben, das ihn beunruhigt. Ich folge ihm so schnell ich kann und auch die anderen beiden folgen uns.

An der Straßenecke stehen der betrunkene und recht übel zugerichtete Bruno und der Aristokrat. Letzterer redet auffällig vertraut mit Bruno und will mit ihm zusammen eben ein Haus (das des Barons) betreten. Karl beschuldigt den Baron unvermittelt nicht rechtschaffener Machenschaften aber da der Baron das äußerlich unberührt und redegewandt abschmettert und wir zudem keine Beweise haben, ziehen wir uns wieder zurück. Zumindest weiß der Baron nun, dass er beobachtet wird.

Zurück im Gasthaus erzählt uns Siegfried, dass der Baron wohl „Geron von Freyberg“ oder ähnlich heißen soll, was uns aber nichts sagt. Und wir erfahren, dass Bruno gerne trinkt und dann Ärger macht. Wir trinken noch aus und gehen dann zu Bett.

Nachts wird Karl wach, er hat irgendetwas gehört und weckt mich. Wir vernehmen einen Schrei aus dem Dorf, es splittert Holz. Beim Blick aus dem Fenster sehen wir Nebel auf den dunklen Straßen. Wir wecken die anderen, greifen uns unsere Waffen und eilen nach draußen. Die Sichtweite ist aufgrund des Nebels gering, aber wir hören mehr Lärm uns Schreie, denen wir folgen.

Aus dem Nebel wanken uns plötzlich einige Gestalten entgegen- Zombies, halb zerfallen! Und es sind verdammt viele. Nach einigen kurzen Gefechten ringen wir alle nieder, die wir sehen. Die Scharmützel überstehen wir ohne große Blessuren und auch Siegfried, der gut mit seiner Axt umgehen kann, trägt keine Wunde davon. Die Zombies scheinen früher Soldaten gewesen zu sein, denn man erkennt noch Uniformteile.

Der Nebel lässt nun nach, als uns auffällt, dass die Kirchenglocken nicht läuten, was in diesem Fall sehr ungewöhnlich ist. Die Zombies haben bei vielen Häusern die Türen eingeschlagen und die Bewohner bedrängt; es gibt Tote und Verletzte. Da sich die Überlebenden schon um sie kümmern, eilen wir zum Haus von Bruno, den wir hinter diesen finsteren Machenschaften vermuten. Doch das Haus ist leer. Aber es ist auch nicht von Zombies angegriffen worden, möglicherweise war er schon nicht mehr im Haus, als es anfing. Also gehen wir zur Kirche, dessen Tür aufgebrochen wurde, aber eher kontrolliert und nicht blindwütig eingeschlagen wie von den Zombies im Ort.

Wir sehen niemanden und gelangen zum Glockenturm. Hier stoßen wir auf ein Archivzimmer mit vielen Schriften, das völlig durchwühlt wurde. Und es liegt eine Leiche am Boden: der Pfarrer, dessen Name Eduard Schöffen ist. Dieser wurde verprügelt, ist aber scheinbar durch einen Sturz gestorben. Er hat eine schwere Wunde am Kopf und an einer Tischkante sehen wir Blut. Wir vermuten, dass jemand irgendwelche Informationen wollte, doch was kann ein kleiner Pfarrer in so einem Ort schon wissen? Also durchsuchen wir den Raum und werden fündig.

Die meisten der Bücher hier sind Kirchenchroniken. Eines liegt offen, die Chronik von 1691-94, geschrieben von August Schneider. Auf den aufgeschlagenen Seiten steht eine Geschichte über einen Baron Friedrich von Freyberg, der Zauberei beging. Siegfried kann sich an die Geschichte erinnern, aber er kennt sie nur vom Hörensagen. Aber ein alter Bewohner namens Gerald soll damals schon gelebt haben und kann sich vielleicht erinnern.

Gerald hat den Angriff zum Glück überlebt und kann uns ein paar Fragen beantworten. Der Zauberer hieß Friedrich von Freyberg und hat Wiedergänger auferstehen lassen und diese auf das Dorf gehetzt. Die Dorfbewohner zusammen mit einigen Soldaten haben ihn besiegt und die Leiche des Barons auf einem alten Friedhof außerhalb bestattet.

Wir vermuten, dass Geron von Freyberg wohl ein Nachfahre von Friedrich ist und entweder in seine Fußstapfen treten will oder ihn rächen will. Oder beides. Dazu erfahren wir noch von Siegfried, dass vor zwei Tagen ein Trupp der Faust-Gesellschaft hier durchkam.

Wir beraten, was nun zu tun ist. Ob sich der neue Baron auf dem Friedhof aufhält? Und was hat er vor? Hat Karl ihn durch seine Beschuldigung aus der Reserve gelockt oder hat das seine Pläne beschleunigt?

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