Missetat in Freidorf 1 – Der Fremde mit dem Messer

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Montag, 2.4.888 n.G.
Ich kam vom Krämer in Freidorf zurück, als ein Mann, den ich noch nie gesehen hatte, aus unserer Kirche wankte. Er hielt ein Messer in der Hand, vom dem frisches Blut tropfte. Velten, Severin und Amir hatten ihn auch bemerkt und eilten aus verschiedenen Richtungen zu dem Fremden, der wirre Worte stammelte. Voller Sorge um Pater Salomon rannte ich durch die nur angelehnte Hintertür, schmiss den Einkaufskorb auf den Küchentisch und rief „Pater? Pater Salomon, geht es Euch gut?“. Doch ich bekam keine Antwort.

Velten kam durch den Saal zu mir in den Wohnbereich, den er noch nie betreten hatte. Aber ich lebte hier mit dem Pater, seitdem wir vor zehn Jahren nach Freidorf gezogen waren. Was für ihn wie eine schwere Kellertür ausgesehen haben mag, war die eisenbeschlagene Tür zur Gruft, die immer abgeschlossen war. Dort bewahrte Pater Salomon einen Fingerknochen der Heiligen Astrid auf. Die Tür stand leicht offen. Mit einer Kerze in der Hand ging ich, gefolgt von Velten, nach unten. Es war ein kleines, schlichtes Gewölbe mit einem Steinboden. Auf einem Steinblock stand sonst eine kleine Schatulle, die jemand geöffnet und auf den Boden hat fallen lassen. Die Reliquie war weg. Ich griff mir zwei Schriftrollen, die nicht heruntergefallen waren, und begann sie zu lesen.

Amir nahm dem Mann das Messer ab und kam zu uns in die Kirche. Severin versuchte, sich mit dem Fremden zu unterhalten, während er ihn zur Wachstube führte, aber der Fremde stand unter Schock. In die Kirche fand Amir hinter dem Altar etwas Erde, die feucht von Blut war. Er bemerkte einer Spur von blutigen Erdklümpchen, die zur Hintertür hinausführten. „Velten, Romin. Kommt wieder rauf und folgt mir.“ Wir rannten aus der Gruft nach oben, ich tauschte die Kerze gegen meinen Stecken, und wir folgtem ihm über den Gottesacker zum Waldrand. Mir war etwas mulmig zumute, wie ich in das finstere Dickicht blickte, aber mit den beiden Männern an meiner Seite würde sicherlich alles gut werden.

Als Severin in der Wachstube eintraf, richteten einige Gefangene – Männer, die letzte Nacht in eine Schlägerei im Gasthaus verwickelt gewesen waren – ihren Blick auf den Mann an seiner Seite. „Edgar, du Verräter! Warte nur, bis wir mit dir fertig sind.“

 

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