Die Wacht am Heideland – Teil 4: Erinnerungen eines Schatzsuchers

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26. Dezember 2948 D.Z. – Wachturm zur Dürren Heide

Nachdem der Geist des alten Bürgermeisters von Seestadt verschwunden ist, stehen wir einen Moment unschlüssig herum. Dann aber wird unsere Aufmerksamkeit auf etwas gelenkt, dass wir noch nie gesehen haben: einen leibhaftigen Drachen. Wobei zunächst nur Earendil mit seinen scharfen Augen etwas sieht und uns darauf aufmerksam macht: in der Dürren Heide, die wir von hier aus zwischen den Bergen gut sehen können, schiebt sich etwas aus einer Rauchwolke.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Eidechse, aber bei der Entfernung wird uns schnell klar, dass das Vieh mindestens 15 Schritt lang sein muss. Zum Glück scheint es nicht flugfähig und braucht daher noch 30 bis 60 Minuten, um am Turm anzukommen. Earendil kann sich erinnern, dass ein Drache dieser Art vor Jahrhunderten wohl schon die Graugrube angegriffen und zerstört hat.

Wir entscheiden, so schnell wie es die Heimlichkeit zulässt, zum Turm zu kommen. Deckung suchend bewegen wir uns so schnell es geht, als Earendil bemerkt, dass der Drache uns gesehen zu haben scheint. Wir kommen aber unbehelligt am Turm an und suchen nach der beschriebenen Geheimtür. Zwar steht das Haupttor offen, das scheint uns aber keine gute Alternative. Sicherlich wird dort keine Armee versteckt sein, so groß ist der Turm nicht, aber zwei bis drei Dutzend Orks und anderes Geschmeiß wird dort sicherlich auf den Drachen warten.

Roderic zückt seine Axt, poliert sie und schaut hinein. In der Spiegelung sieht er ein paar Meter weiter den Umriss einer Tür im Gestein, an die wir anklopfen. Und sie öffnet sich tatsächlich. Vor uns öffnet sich ein schmaler, dunkler Gang.

Leider ist auch der Drache schon ziemlich nah. Roderic schlägt vor, mit dem Drachen zu reden. Reden? Mit einem Drachen? Mir will das nicht einleuchten, auch Earendil guckt zweifelnd, aber Roderic ist fest entschlossen und stiefelt bereits los. Ferdibrand zögert kurz, folgt ihm dann aber, während Earendil und ich warten und den Gang bewachen. Roderic und Ferdibrand verschwinden aus unserem Blickfeld. Tatsächlich hören wir kurze Zeit später Stimmen und keine Kampfgeräusche, so dass wir den beiden folgen.

Der Anblick des Drachen ist beeindruckend. Mindestens 15 Schritt lang und wenn er sich auf den Vorderbeinen aufrichtet fünf bis sechs Schritt hoch. Er stellt sich als Raenar vor, „Geißel des Nordens“ oder etwas in der Art. Der Körper ist komplett mit Schuppen bedeckt, die nicht den Eindruck machen, dass man den Drachen verletzten könnte. Sein Kopf ist riesig und er sieht aus, als könnte er nicht nur den Hobbit mit einem Haps verspeisen.

Was auffällt ist eine Narbe um seinen Hals, als wenn dort einmal eine Kette angelegt war. War er vielleicht schon mal ein gefangener der Kette von Thangorodrim?

Raenar spricht fließend Westron und ist, nun ja, durchaus kultiviert. Soweit man das für einen Drachen sagen kann – ich kenne ja sonst keinen. Arrogant ist er allerdings auch nicht zu knapp, was er sich allerdings auch leisten kann.

Auf jeden Fall ist er neugierig und spricht mit uns. Ich schätze, seine Goldgier ist momentan größer als sein Hunger, wobei er anmerkt, dass Elfen ihm zu zäh sind. Wir unterhalten uns mit ihm und schaffen es zumindest, seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Unsere Geschichte hört er sich an, tut die Gefahr mit der Kette allerdings als ungefährlich ab. Dass Smaug der Goldene tot ist, wusste er noch nicht, die Aussicht auf den Schatz des Erebor lenkt ihn kurz ab.

Am Ende des Gespräches lässt er sich zumindest darauf ein, dass wir den Turm von innen besteigen und er von außen. Nachdem wir uns verabschiedet haben, merkt Earendil an, dass er im Brustbereich eine fehlende oder halb abgebrochene Schuppe bemerkt hat. Ein vielleicht später noch hilfreiches Detail.

Wir wenden uns nun wieder dem Geheimgang zu, machen Licht und betreten den Turm. Die Luft ist etwas stickig und wir hören orkische Gesprächsfetzen, die aber etwas entfernt sind. Am Ende des Ganges ist eine Tür, die wir geräuschlos öffnen können. Es ist erstaunlich warm dahinter.

In dem Raum dahinter zweigen drei Gänge ab, der rechte führt zu ehemaligen Lagerräumen, die aber nur noch verrottete Reste von Regalen und Fässern enthalten. Der mittlere Durchgang führt zu einem größeren Raum, in dem ein kräftiger Ork, augenscheinlich ein Uruk, und ein Bilwiss Holz und Kohle auf ein Feuer werfen. Der Schlot führt oben aus der Decke heraus. Der Bilwiss erinnert uns an eine Sorte aus Dol Guldur, die etwas mächtiger zu sein scheint als das übliche Pack, das einem – leider viel zu häufig – über den Weg läuft. Die beiden bemerken uns nicht und werfen immer mal wieder Gold und Schmuck aus einer Kiste in einen Kessel über dem Feuer, wo es geschmolzen wird. Hier also entsteht der Rauch, der oben aus dem Turm kommt.

Der linke Durchgang schließlich führt erst zu einer Treppe nach oben und weiter in einen kleinen Raum, in dem ein weiterer Ork und ein Bilwiss ein weiteres Feuer schüren. Ich habe zwar ungerne Feinde im Rücken aber die anderen überzeugen mich, dass wir möglichst leise und unauffällig vorgehen sollten. Also lassen wir die Kreaturen zurück und gehen über die Treppe ins nächste Stockwerk.

Hier landen wir in einem Treppenhaus mit einer weiteren Treppe nach oben und mit zwei Türen. Die rechte verschließt einen Raum, in dem nichts ist. Die linke öffnen wir geräuschlos und kommen in einen Vorraum mit einer weiteren, nur angelehnten, Tür. Es ist recht dunkel dahinter, aber durch den Spalt kann ich einige Dinge erspähen. Es ist offensichtlich der Hauptraum mit einem kleinen Thron in der Mitte. Die Decke ist sehr hoch und kuppelförmig und es sieht aus, als wenn dort Bilwisse drunter hängen. Zwei Gänge kann ich noch erkennen, von denen der eine zum Haupteingang führt und man hört von dort Orks reden. Zwischen den Durchgängen ist ein Absatz, auf dem eine große Steinkugel mit einer Kette gesichert liegt. Einen Hebel daneben kann ich sehen, der wahrscheinlich die Kette löst. Das wird die Kugel sein, die den Haupteingang verschließen kann. Noch etwas bemerke ich: den Gestank eines Trolls!

Da wir hier nichts machen können, beschließen wir, die Treppe nach oben zu nehmen. Hier kommen wir wieder in einen Raum mit zwei Durchgängen, links und geradeaus, und einer Wendeltreppe dazwischen in der Ecke. Die Tür geradeaus ist verschlossen, man hört aber Orks. Die Tür links lässt sich geräuschlos öffnen und führt in einen kleinen Raum, in dem nur Säulen stehen.

Wir nehmen die Wendeltreppe und kommen oben in einen Raum, der wahrscheinlich der Rabenhorst gewesen sein wird. Er ist in einem relativ natürlichen Zustand und hat nach Süden eine ca. ein Meter große Öffnung. Des Weiteren sehen wir am Boden die beschriebene Öffnung, durch die man in den Windraum sehen können soll. Das tun wir dann auch und sehen etwas nicht ganz unerwartetes: eine aufgehängte Leiche an einem Gestell, die grünlich schimmert – der Galgenkönig. Um ihn herum stehen neun ziemlich kräftige und gut ausgerüstete Uruks, von denen zwei eine große Kette halten. Das ist dann wohl die Kette von Thangorodrim.

Weiterhin sehen wir Wandöffnungen, durch die der Rauch aus dem Keller aufsteigt. Von den acht Gängen mit Türen scheinen die im Norden, Nordosten und Nordwesten offen zu stehen, der Rest ist zu.

Roderic merkt an, dass der Wind sich langsam zu drehen scheint und in Kürze aus Norden kommen wird. Diese Gelegenheit müssen wir nutzen. Roderic ist der athletischste und erklärt sich bereit, den Gang im Nordosten von außen zu erklettern und die Tür zu schließen. Während er klettert sieht er, wie der Raenar gerade anfängt, den Turm zu erklettern. Ferdibrand soll die im Süden öffnen und wird dabei von mir mit einem Seil gesichert.

Als der Wind sich dreht, stehen die beiden bereit und nachdem Ferdibrand die südliche Tür geöffnet hat, schließt Roderic die Nordwestliche. Natürlich wird das von den Orks sofort bemerkt. Wir hören plötzlich etwas. Ein schriller Ton entsteht und wird immer lauter. Der Ton kommt aus dem Windraum, aus dem wir jetzt Schmerzensschreie der Orks hören. Der Ton tut auch uns fast weh, so dass wir uns die Ohren zuhalten müssen.

Ferdibrand kann mit meiner Unterstützung schnell zurückklettern, Roderic sieht sich jetzt allerdings einem Uruk gegenüber, der die nordwestliche Tür wieder geöffnet hat. Zum Glück hat er schon einen Pfeil aufgelegt und zielt.

Wir entschließen uns, die Wendeltreppe nach unten zu stürmen, während der Drache weiter am Turm hochklettert. Die Tür zum Vorraum ist schon geöffnet worden und zwei Uruks stehen uns gegenüber, die wir sofort attackieren.

Roderic schafft es, seinen Gegner mit wenigen schnellen Schüssen niederzustrecken. Alle Uruks scheinen vom schrillen Pfeifton, der jetzt wieder nachgelassen hat, stark mitgenommen zu sein. Zwei weitere wenden sich Roderic zu, während wir die beiden im Vorraum schnell legen können. Der Drache ist inzwischen oben angekommen und gräbt sich beinahe durch den nördlichen Gang. Da der zu eng ist, wird er durch den Drachen stark in Mitleidenschaft gezogen.

Wir stürmen jetzt auch in den Windraum, wo der Galgenkönig irgendeinen bösartigen Zauber zu wirken scheint, die Kette, getragen von zwei Uruks, fängt an zu leuchten. Zwei weitere Uruks stellen sich uns, während Roderic den ersten seiner beiden Gegner niederstrecken kann. Hinter uns hören wir schwere Schritte – der Troll kommt die Treppe hinauf.

Earendil versucht die beiden Orks an der Kette aufzuhalten, die sich jetzt auf den Drachen zubewegen. Einen kann er treffen, aber die beiden sind fast am Drachen angekommen. Der wiederum steckt nun halb im Gang und halb im Raum. Roderic streckt den zweiten Uruk nieder, während wir einen erschlagen.

Als die beiden Uruks die Kette über den Kopf werfen können, wird der erste mit Pfeilen von Roderic und Earendil getötet, der andere schafft es allerdings, die Kette über den Kopf zu streifen, bevor auch er erschlagen wird. Der Drache schreit vor Wut und vielleicht auch Schmerz auf.

Vor uns der Galgenkönig, wahrscheinlich mit einem Drachen unter seiner Kontrolle, hinter uns ein Troll und Roderic und ich ziemlich erschöpft – es sieht nicht gut aus.

 

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