Der Weiße Berg: Die Zuflucht – Teil 2

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Der erste Turniertag

Es ist der 12. Praios und die Spiele beginnen heute bei bestem Praios Wetter. Nachdem wir uns alle auf dem Turnierplatz versammelt haben, sehen wir, wie sich die Burgtore öffnen und eine Prozession den Berg hinab zum Turnierplatz reitet. Neben der Braut Traverike reitet allerdings nicht, wie es eigentlich zu erwarten wäre, der Bräutigam, Ritter Ysgol, sondern der uns allen mehr als nur unsympathische Prinz Wendelmir. Wie für alle unschwer zu erkennen ist, versucht er immer wieder, mit Traverike ins Gespräch zu kommen und bedrängt sie teilweise recht heftig, sehr zum Leidwesen Ihres Verlobten Ritter Ysgol.

Nachdem alle auf dem Turnierplatz Aufstellung genommen haben, hält der Praios Geweihte Urichslaus von Andrafall eine Andacht. Während der ganzen Zeit bemühe ich mich redlich, meine immer stärker aufkommende Langeweile zu unterdrücken. Was finden die Menschen nur daran für einen Gefallen, nicht existierende Wesenheiten anzubeten, die keinerlei Einfluss auf die diesseitige Welt haben? Würden die Menschen mit uns die Erfahrung der Hochelfen teilen, dann gäbe es deutlich weniger oder gar keine “Götter“, zu denen Sie aufschauen müssten. Nunja, zum Glück gibt es im Publikum genügend holde Menschenfrauen, an deren Anblick ich mich erfreuen kann. Ich sehe auch die Menschenfrau, offensichtlich eine Magd, wieder, die mir schon einmal begegnet ist. Wir lächeln uns an. Ich nehme mir vor, Sie heute Nachmittag nach Ihrem Namen zu fragen.

Nach der Andacht folgt eine Rede des Turniermarschalls Wolorion von Kolburg. Er hält eine gute, scharfzüngige Rede und fordert faire Wettkämpfe ein. Insbesondere sei die Anwendung von Magie in jeglicher Form untersagt. Ob er damit auch die Anwendung unseres mandra meint?!? Was verstehen Menschen schon vom mandra? Gar nichts! Der Turniermarschall Wolorion kündigt an, dass die Wettkämpfe in 30 Minuten beginnen werden. Alle Teilnehmer des Wettkampfes zu Schwert und Schild werden aufgerufen, sich zu rüsten. Mit Missfallen beobachten viele Anwesenden, dass Prinz Wendelmir weiter Traverike von Bärental bedrängt. Ganz offensichtlich kann aber keiner der Anwesenden, noch nicht einmal der Bräutigam oder der Freiherr selbst, etwas dagegen unternehmen.

Endlich werden Holzschwerter und Schilde ausgeteilt und der Schreiber erklärt die Regeln des Wettkampes. Es wird jeweils Duelle geben, bei denen der höherrangige einen anderen Wettstreiter zum Kampf herausfordert. Derjenige Kämpfer gewinnt, der zuerst drei Wertungstreffer erzielt. Wolorion verkündigt die Namen der Teilnehmer an diesem ersten Wettkampf gemäß der Rangfolge:

1. Prinz Wendelmir von Andergast
2. Vartan von der Eich
3. Osgar von Otternpfot
4. Eichward von Billingen
5. Ysgol von Tatzenhain
6. Karakal von Andergast
7. Knappe Ulrick von Nibquell
8. Knappe Krusold von Ornibs Mund
9. Knappe Ulf von Bitterbach
10. Knappe Havel von Uckel
11. Knappin Koscha von Egelingsfenn
12. Krieger Aelfwin Bilburgh
13. Einskaldir Thoralfson
14. Xargrosch
15. Söldner Gwen Eisenhand
16. Söldnerin Nadjescha Oleg
17. Söldner Marek
18. Söldner Ollmar
19. Fran der Blutige
20. Firunz der Hüne

Wie uns Karakal zuvor erklärt hat, entspricht es den guten Sitten, als hochrangiger Wettbewerber zunächst einen Wettbewerber mit niederem Rang herauszufordern, damit die Wettbewerber der höheren Ränge sich erst in den späteren Runden begegnen. Nun ist es also an Prinz Wendelmir, einen Wettbewerber herauszufordern. In seiner prachtvollen Rüstung schreitet er langsam mehrfach die Reihe der Wettbewerber auf und ab und kennt nur Verachtung und Spott für den einen oder anderen, die sich diese Frechheiten leider klaglos gefallen lassen müssen. Wendelmir wählt dann in eklatanter Dreistigkeit und mit aus jeder Pore seines Körpers ausströmenden Überheblichkeit den Bräutigam Ritter Ysgol als seinen Gegner aus. Ein Raunen geht durchs Publikum. Der Konflikt der beiden ist den wenigsten anwesenden entgangen. Wie gerne würden wir alle diesen aufgeblasenen Prinz Wendelmir im Staub liegen sehen !

Leider ist der Prinz dem ebenfalls nicht schlecht kämpfenden Ysgol in allen Belangen überlegen (was wohl zum Teil auch an seiner überlegenen Ausrüstung liegt) und gewinnt den Kampf mit 3-1 Punkten, woraufhin Ysgol wutentbrannt den Turnierplatz verlässt. Den zweiten Kampf gewinnt Vartan gegen den Söldner Ollmar. Im dritten Kampf geht die Rechnung des Osgar von Otternpfot nicht auf, der sich in Fran dem Blutigen einen leichten Gegner erhofft hat. Osgar verliert unter dem Spott seiner Begleiter mit 0-3 Punkten.

Als nächsten muss auch schon einer meiner Gefährten den Kampfplatz betreten, denn Xargrosch wird von Eichward herausgefordert. Nach langem, hartem Kampf gewinnt Xargrosch mit 3-1 Punkten, was Eichward so erbost, dass er sein Turnierschwert am Boden in Stücke schlägt. Wir jubeln Xargrosch zu und beglückwünschen ihn zu seinem Sieg. Eichward hingegen verlässt ohne dem Sieger zu gratulieren den Turnierplatz. Er humpelt, denn Xargrosch hat ihm hart zugesetzt. Sogar seine schwere Rüstung ist an einer Stelle eingebeult. Den nächsten Kampf verliert unser Gefährte Karakal gegen den Söldner Marek mit 0-3 Punkten. Der Kampf ist fair und Karakal beglückwünscht Marek zu seinem ungefährdeten aber überraschenden Sieg.

Während der nächsten Kämpfe erstehe ich etwas zu essen und zu trinken an einem der Stände und kehre zum Kampfplatz zurück, als gerade Aelfwin Bilburgh den Thorwaler Einskaldir herausfordert. Es stellt sich heraus, dass es eine sehr gute Idee war, eine Stärkung zu mir zu nehmen, denn dieser Kampf ist der längste und spannendste des bisherigen Turniers. Beide Kontrahenten setzten dem gegenüber hart aber fair zu. Ich beiße wieder in mein gekauftes Fladenbrot. Es ist wirklich ein sehr spannender und sehr langer Kampf. Schließlich gewinnt Einskaldir unter unserem Jubel mit 2-3 Punkten.

Der letzte Kampf dieses Wettbewerbs wird ausgefochten von Firunz dem Hünen gegen Nadjescha Oleg. Nachdem die Söldnerin leicht mit 0-2 in Führung geht und den Kampf schon fast gewonnen zu haben scheint, stürmt der Hüne mit vorgestrecktem Schild auf sie zu und rammt sie mit äußerster Brutalität. Nadjescha verliert Schwert und Schild und geht zu Boden. Firunz nutzt dies, um ihr sein Schwert an den Hals zu halten und den Kampf so zu gewinnen. Entspricht das wohl den Regeln?

Es folgt die Mittagspause, in der ich versuche, die schöne Magd wieder zu finden. Tatsächlich finde ich Sie vor einem Zelt wieder. Wir sind beide erfreut, uns wieder zu sehen und stellen uns vor. Ihr Name ist Dora. Sie ist Magd der Freiherrin und wird heute abend in der Burg helfen, das Festmahl zuzubereiten. Wir unterhalten uns einige Zeit und Ihr Interesse an mir ist nicht zu übersehen. Auch ich finde Sie anziehend. Leider ruft ihre zeternde Mutter sie sehr bald wieder zur Arbeit zurück, aber ich habe das Gespräch sehr genossen.

Beim folgenden Wettbewerb der 2-Handkämpfer sind nur Teilnehmer von Stand zugelassen, was die Anzahl der Teilnehmer sehr begrenzt. Die Teilnehmer sind:

1) Vartan von der Eich
2) Osgar von Otternpfot
3) Silvan von Geiselheim
4) Eichward von Billingen
5) Bogumil von Langenmar
6) Ysgol von Tatzenhain
7) Karakal von Andergast
8) Coran Bilburgh

Nun endlich zeigt Traverike auch einmal öffentlich Ihre Zuneigung zu Ihrem Verlobten, indem Sie ihm ein Ehrenband an seiner Rüstung befestigt. Gut so. Dem zusehenden Wendelmir scheint diese Geste nicht zu gefallen. Im ersten Kampf gewinnt Coran gegen Vartan mit 3-2 Punkten. Im zweiten Kampf wird Ysgol durch Osgar gefordert. Dieser ist so überheblich, dass er versucht, Ysgol das Ehrenband von der Rüstung zu schlagen, was ihm allerdings misslingt. Nachdem Osgar schon 2-0 in Führung lag, unterliegt er dennoch sehr zum Jubel des Volkes mit 2-3 gegen Ysgol. Im anschließenden Kampf gewinnt Bogumil (anscheinend ein Halbbruder des Prinzen!) gegen Silvan. Der Sieg Bogumils wird allerdings vom Gefolge des Prinzen kaum bejubelt. Im letzen Kampf dieser Runde setzt sich Karakal nach schwerem Treffer doch noch gegen Eichward mit 3-2 durch. Beide Kämpfer verlassen sichtlich gezeichnet den Kampfplatz.

Es folgt eine weitere Pause, bevor das Bogenschiessen beginnt. Am Bogenschiessen nehmen insgesamt 40 Teilnehmer teil. Die besten 12 kommen ins Finale. Unter den vielen Teilnehmern sind:

1) Der Zwerg Grimrog, Sohn des Grimbolg
2) Ysgol (mit einem Langbogen)
3) Vartan
4) Fran
5) Marek
6) Marik Meyler
7) Der Auelf Onardonor Traumsänger
8) Jotun Birkenbogen
9) Latu
10) Xargrosch
11) Knappe Krusold
12) Weitere 5 Knappen und andere Teilnehmer (vor allem Jäger)

Nachdem ich Onardonor während der ersten beiden Wettkämpfe nicht gesehen habe, bemerke ich ihn hier zum ersten Mal. Er strahlt ein geradezu übersinnliches Selbstbewusstsein aus. Als Glücksfee zieht Traverike jeweils 5 Teilnehmer, die gleichzeitig jeweils 5 Pfeile oder Bolzen auf eine kleine Zielscheibe in 40 Schritt Entfernung schießen. Der Wettkampf beginnt. Unter den ersten Schützen ist auch der Zwerg Grimrog, der mit einer Windenarmbrust schießt und 3 von 5 Treffern erzielt. Als Onardonar an die Reihe kommt, wird er noch einmal vom Turniermarschall angesprochen. Um was es geht, kann ich aber nicht hören. Onardonor scheint ein wahrlich meisterhafter Bogenschütze zu sein, denn er erzielt 5 Volltreffer, also 50 Punkte. Mir entgeht nicht, dass es vor jedem Schuss einige kleine Gesten und Lippenbewegungen durchführt, wahrscheinlich um den Falkenauge Meisterschuss Spruch zu weben.

Als ich an die Reihe komme, verzichte ich darauf, mein mandra einzusetzen, denn die erste Runde gedenke ich ohne Schwierigkeiten zu meistern. Ich erziele 41 Punkte und bin damit sicher qualifiziert. Auch Latu (24 Punkte) und Xargrosch (19 Punkte) nehmen an diesem Wettkampf teil. Während Latu knapp die nächste Runde erreicht, scheitert Xargrosch an der Qualifikation. Das Ergebnis der ersten Runde lautet:

1) Onardonar mit 50 Punkten
2) Jotun mit 41 Punkten
3) Grimrog mit 36 Punkten
4) Marik mit 35 Punkten
5) Vartan
6) Ysgal
7) Krusold
8) Andere Teilnehmer
12) Latu (mit 24 Punkten)

Diese Teilnehmer nehmen in 2 Tagen am Finale teil. Nach dem Wettkampf finde ich Onardonar am Lager und unterhalte mich etwas mit Ihm. Er scheint mir etwas verschlossen zu sein. Ich gratuliere ihm zu seinem grandiosen Ergebnis beim Bogenschiessen und erfahre von ihm dass er “den Menschen zeigen möchte, was die Einheit von Körper und Geist alles vermag“. Er nimmt sogar am Baumstammweitwerfen teil, was ich doch eher badoc finde. Im Gegenzug bezichtigt er mich, badoc zu sein, nur weil ich die mich anhimmelnden Menschfrauen nicht wie er ignoriere. [Hinweis für Nicht-Elfen: Alle Elfen fürchten den Weg ins badoc. Badoc ist ein komplexer Begriff, lässt sich aber grob mit der Anpassung eines Elfen durch die Einflüsse der Menschenwelt beschreiben. Wenn ein Elf zu sehr dem badoc verfällt, so kann es passieren, dass seine Sippe ihn ausschließt und er auch nicht mehr am Salasandra teilnehmen kann.] Onardonor und ich scheinen einander nicht sehr sympathisch zu sein. Ich frage ihn zunächst vorsichtig und dann offen, ob er auf seiner Reise nach Andrafall Nachtalben gesehen hat, doch er reagiert nur mit Unverständnis. Ich wünsche ihm noch weiter viel Erfolg bei den Wettkämpfen und wir gehen unserer Wege.

Es wird langsam abend. Ich versuche Dora wieder zu finden, doch Sie muss sich wohl schon im Schloss bei den Vorbereitungen für das Festmahl befinden. Leider hat man uns zu verstehen gegeben, dass nur Karakal und Xandros dort als Gäste willkommen sein werden. Ich spreche kurz mit Karakal und bitte ihn, Dora eine Nachricht von mir zu überbringen: Ich würde Sie gerne am morgigen Tag nach der zweite Runde des Schwertkampfes zum Mittagessen treffen. Karakal wird die Nachricht überbringen, sofern er Dora im Schloss begegnet.

In der Zwischenzeit schleicht Latu dem seiner Meinung nach zwielichtigen Gesellen Bran nach, wird jedoch entdeckt und zur Rede gestellt. Latu findet diesen Gesellen sehr unheimlich. In der Kneipe beginnt derweil das Wetttrinken, an dem Einskaldir und Xargrosch teilnehmen. Latu und ich begeben uns ins Lager der Gaukler und plaudern ein wenig mit unseren neuen Bekannten.

Zur gleichen Zeit im Schloss: Xandras und Karakal nehmen am Festmahl teil. Auch beim Festmahl bedrängt Prinz Weldelmir weiterhin die arme Traverike, die sich hilfesuchend an ihre Eltern wendet, doch diese können nichts tun. Während Xandros den alten und gebrechlichen Hofmagier Canogros von Kleefeldt kennen lernt, überbringt Karakal die Nachricht von Jotun an Dora. Sie scheint erfreut zu sein. Dann geschieht etwas unerwartetes: Dem Bräutigam Ysgol wird eine Nachricht überbracht, die ihn anscheinend sehr erzürnt. Sofort verlässt er mit 6 Wachen den Festsaal.

Im Lager der Gaukler ist die Stimmung gut. Dann tauchen Ritter Ysgol und 6 Wachen auf. Wir fragen uns, was sie wohl hier wollen. Ysgol zeigt auf Ugdalf und fragt ihn, ob er der Seiltänzer ist. Ugdalf bejaht diese Frage. Daraufhin wird Ugdalf des Diebstahls des Bechers des Turniermaschalls bezichtigt, gefesselt und festgenommen. Die Wachen durchsuchen die Wagen der Gaukler gründlich, können den Becher allerdings nicht finden. Trotzdem wird Ugdalf durch die Wachen abgeführt. Ihm drohen schwere Strafen. Latu macht eine Geste, die ich als Hand-abhacken interpretiere. Wie schrecklich und barbarisch!

Nachdem die Wachen und Ysgol verschwunden sind, reagieren die Gaukler sehr aufgebracht und beteuern die Unschuld von Ugdalf. Da uns die Gaukler als ehrliche Leute erscheinen, glauben wir an ihre Unschuld. Leider hat keiner von uns Einfluss auf die hohen Leute in diesem Land. Vielleicht kann uns Karakal weiterhelfen? Unterdessen in der Kneipe: Das Wetttrinken geht in die nächsten Runden. Der Alkohol erzielt die ersten Wirkungstreffer. Latu und ich kehren ins Zelt zurück und berichten Xandras und Karakal von den Vorfällen. Diese berichten uns gerade von den Ereignissen im Schloss, als ein ekelhaft nach Bier und Schnaps stinkender Xargrosch mit einem sich kaum auf den Beinen haltenden Einskaldir grölend unser Zelt betritt. Die beiden begeben sich zur Ruhe, während wir anderen die Lage diskutieren. Es stellen sich einige interessante Fragen:

1) Hat Prinz Wendelmir vor, die Hochzeit zu stören oder gar zu verhindern?
2) Ist Ugdalf wirklich der wahre Dieb des wertvollen Bechers? Wer könnte sonst noch dahinter stecken?
3) Welche Rolle spielt der zwielichtige Bran, der am Messerwerfen teilnehmen möchte?

Mit diesen Fragen im Kopf begeben auch wir uns zur Ruhe. Ich hoffe nur, der stinkende Zwerg hört endlich auf zu lallen und zu schnarchen!

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