Junge komm bald wieder nach Haus

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Der Saal ist von dem unheimlichen Brummen erfüllt und wir hören von außerhalb das Knacken von Eis. Die Kälte nimmt deutlich zu. Wir laufen vorsichtig am Thron der Riesin vorbei und frieren immer stärker. Clara und ich verbeugen uns vor der Riesin. Hinter dem Thron eröffnet sich ein unfassbar kaum noch auszuhaltender kalter und zugleich wunderschöner riesiger Saal mit einem unbesetzten Thron aus Eis. Neben dem Thron steht ein riesenhafter Hundekorb, der mich entsetzte Blicke mit Ida austauschen lässt, der Jäger aus der Schneekugel und sein monströser Hund? Sind sie hier?

Hinter uns hat sich eine Eiswand gebildet. Ich gebe mehrfach meiner Hoffnung Ausdruck, dass wir vielleicht eine Abkürzung nach Hause in unser Schloss durch die Schneekugel und den Brunnen nehmen könnten, doch wir wollen die überlebenden Menschen hier nicht ihrem Schicksal überlassen. Während wir noch über unser weiteres Vorgehen lamentieren wird uns durch das plötzliche Erscheinen des Jägers die Entscheidung abgenommen. Wir rennen voller Angst und mit all unserer Kraft gegen die Eiswand und bringen sie zum Einsturz.

Zurück im Thronsaal kommt Bewegung in die riesige Eiskönigin. Sie erhebt sich und kommt auf uns zu. Wir werfen uns vor ihr nieder und eine Stimme von nah und fern gleichzeitig fragt wer die Ruhe der Herrin des Eises stört. Bengt stellt uns als die Gesellschaft der Artemis vor und sie will daraufhin wissen, ob er als Jünger der Artemis bei der Ausrottung ihres Volkes in Finnland beteiligt gewesen ist. Wir atmen alle auf als er dies verneint anstatt plötzlich einem törichten Täuschungsimpuls zu folgen (siehe Linda Kratzweib – geschiedene Larelund).

Mein spontanes Gastgeschenk sorgt bei der Eisriesin leider nicht für Begeisterung, tote alte Männer scheinen auf dieser Insel doch kein gängiges Gastgeschenk zu sein, einen Versuch war es wert. Doch es gibt etwas anderes, das wir für die Herrscherin des Eises tun können. Sie schickt uns aus, um ihren Sohn zu finden und ihn zu ihr zurück zu bringen. Wir müssen ihr ewige Treue schwören (hoffen wir, dass sich Bengts Schwüre noch miteinander vereinbaren lassen) und haben bis zum nächsten Herbst Zeit.

Als Zeichen ihren guten Willens lässt sie die Menschen auf der Insel frei, warnt uns aber, dass die Schergen der Bergbaugesellschaft fern zu bleiben haben, denn diese haben ihren Zorn entfacht. Dann schwingt sie ihr Schwert und verschwindet. Als wir aus der Höhle kommen beginnt es zu tauen, die Sorländer erwachen wieder. Die Sonne bekommt nun Kraft und der überfällige Frühling bricht nun auch auf Sorland an. Die Menschen Sorlands und auch die letzten Mitglieder der Mannschaft der Freya und des Eisbrechers Miss Paulina überleben.

Nur die Mitarbeiter der Svea-Bergbaugesellschaft sind bis auf den letzten Mann verstorben. Der Dorfälteste Vigfur Oddsson berichtet uns von dem bisher friedvollen und einträchtigen Zusammenleben mit der Herrin vom Eis, das seit Jahrhunderten durch ein gepflegtes jährliches Menschenopfer gestaltet wurde und in Zukunft auch wieder gestaltet werden wird. Norvid vermutet, dass es sich bei der Herrin vom Eis um Björgan handelt, denn auf Vaeroy gibt es eine großen Eisklamm, der sicher nicht umsonst Björgan heißt.

Nach ein paar Tagen werden wir von der Miss Paulina abgeholt. Kapitän Harrok bietet uns an einen Abstecher ans Nordcap zu machen, da dort zurzeit das Riesen-Kraken-Paarungsspektakel zu bestaunen wäre. Bengt möchte uns unbedingt das Versprechen abringen, irgendwann mit ihm gemeinsam diesem Spektakel beizuwohnen (die Gründungsstunde der Konfrontations-Therapie), doch wir sind mit Schwüren und Versprechen nicht ganz so schnell wie er.

Als wir schließlich Sorland verlassen, steht eine Delegation schwarz gekleideter schweigender Insulaner zum Abschied am Hafen. Wir interpretieren diese Geste als freundlich und wertschätzend und haben damit hoffentlich Recht. Olof Dahl entlohnt uns wie vereinbart und möchte entschieden keinerlei Schilderungen zu den Vorkommnissen auf Sorland hören. Wir nehmen den Nachtzug nach Upsala. Wie bei der letzten Fahrt geraten wir auch diesmal wieder in eine Zeitschlaufe als wir den Ort des Zugunglücks passieren und sehen den Unfall vor Augen, als wären wir dabei, so etwas sind wir inzwischen ja gewohnt. Sunna findet heraus, dass der Zug durch eine Naturgewalt entgleiste, eine Art Erdbeben.

Als wir Mitte April in Upsala ankommen (15.04.1881) ist dort der Frühling in voller Blüte. Wir werden freudig von Nils, unserem Stallburschen, in Empfang genommen. Übrigens miit unserer eigenen Kutsche und unserem gepflegt integren Kutscher Franz-Johann Egberg, ja inzwischen sind wir schon wer….

Wir machen einen Abstecher in die Pension Paracelsius um einmal nach Linnea zu schauen. Frau Laukonen wundert sich über Bengts Schiffahrts-Geschichten und bietet uns jederzeit eine Sceance an. Als Rasgujev vor uns herschwebt, um uns zu Linnea zu geleiten, stolpert Sunna absichtlich und wird von Rasgujevs eiskaltem Händchen sicher aufgefangen.

Linnea wirkt auf uns deutlich erholt und ist durchaus gesprächig. Leider erhalten wir von ihr nicht einen einzigen guten Rat zum Schloss oder zum Umgang mit Vaesen, bedauerlich. Im Schloss werden wir von Harald Schönhaar begrüßt und ein köstlicher warmer Eintopf steht für uns bereit. Im Speisesaal liegt ein Brief für uns. Eine Einladung der geheimnisvollen Vanadisir zur Walpurgisnacht in den Hügelgräbern von Alt-Upsala.

Vielleicht eine gute Gelegenheit für Bengt seine Treueschwur-Sammlung zu erweitern? Wir entscheiden heute noch nicht, wie wir auf die Einladung reagieren werden, denn wir sind müde und kuscheln uns alsbald in unsere warmen gemütlichen Betten. Wir schlafen trotz des Lärms im Garten einen festen unruhigen Schlaf. Morgens vermissen wir den Frühling, der leider ausgerechnet in unserem Garten pausiert hat. Nur unser Grundstück ist verschneit, eine Erinnerung an unseren Auftrag durch die Herrin des Eises?

Im Speisesaal erwartet uns die unverschämte Ingrid Bäcklund, die natürlich versucht hatte ohne uns in ihr Haus einzusteigen und die Gefahr einging, wieder geschnappt und in der Geschlossenen sediert zu werden. Uns missverstehend, dass wir sie wieder unter Einsatz unseres Lebens retten wollen. Sie berichtet, dass der Geist ihrer Großmutter ihr erschien und sie von ihrem Plan abhielt. Sie vermute, dass Lady Mallory alle Eingänge mit schwarzer Magie vor Eindringlingen schützt. Ingrid hat gehört, dass sie aus einem uralten Hexengeschlecht stammen soll.

Da wir, meiner Ansicht nach, mit Schloss und Kutsche inzwischen zur respektablen Bürgerschicht von Upsala zählen dürften, halte ich es für angebracht, bei den Mallorys vorstellig zu werden, um sie auf unser Schloss einzuladen. Bengt schließt sich dieser Idee an und so staffieren wir uns entsprechend aus, ich entwerfe noch ein paar elegante Visitenkarten und während Clara beim Bürger & Bäcker eine Kuchenauswahl zusammenstellen lässt, machen Bengt und ich uns auf den Weg.

Ida, Sunna und Norvid (unbegeistert von meinen Plänen) recherchieren in der Bibliothek zu den Ereignissen in Finnland. Dabei stoßen sie auf ein loses Regal, hinter dem sie eine Tür finden, hinter der eine Treppe steil in die Tiefe führt, was irgendwie bedrohlich auf die Drei wirkt. Haben sie wohlmöglich die okkulte Bücherei entdeckt? Neben der Tür liegt auf dem Boden eine einzelne Buchseite auf der nur ein Wort steht: BLOT.

Clara und Sunna laufen ins Antiquariat und werden von Alexander Konradsson freundlich empfangen. Gerne sucht er die Lese-Empfehlung von Linnea, das Buch „Le Morte d’Arthur“ heraus, sogar als alte Originalausgabe, allerdings nur als Leihgabe. Clara lässt sich eine Abhandlung vom Autor Dr. Borrelius über den Massenmörder Mörk andrehen. Der Besitzer des Antiquariats lässt Grüße ausrichten und Sunna fühlt sich erneut von der Fotographie des Carl von Linne angestarrt.

Im Bürger & Bäcker treffen Clara und Sunna auf Olaus Klint und werden von einem Freak beobachtet, den sie zuvor dort und überhaupt in Upsala noch nicht bewusst wahrgenommen haben, sonderbarerweise riecht er nach Schwefel. Ich fahre mit Bengt zum Herrenhaus Mallorys (eigentlich zum Herrenhaus der Bäcklunds). Wir läuten am Tor und bekommen von einem sehr schottisch aussehenden Verwalter das Versprechen, dass er uns Jemanden zur Vereinbarung eines Termins senden wird. Ich lasse eine unserer Visitenkarten da und bin gespannt in welche Unbill wir heute wohl noch hereingeraten werden.

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