Aus den Aufzeichnungen von Therion Veyloran – Taman Busuk nahe Neraka – 18.07.358
Noch vor drei Tagen saß ich vertieft in meine Studien in der Bibliothek von Gwynned, doch es kam mir vor, als wäre es bereits vor Wochen gewesen.
Doch die Wellen hatten mich fortgerissen, sie ließen mir keine Zeit zum Atmen oder Denken und spülten mich an einem Fleck von Krynn an Land, auf den ich trotz meiner Reiselust niemals einen Fuß gesetzt hätte. Hinfort gespült und in einer kargen Öde wieder ausgespuckt. Die See wirkte ruhig, doch in meinem Inneren tobte ein Sturm.
Hieronymus Delafaire war tot, mein Mentor und Freund. Mit Staunen starrte ich auf den prächtig gestalteten Zauberstab meines Lehrmeisters. Wie oft hatte ich mir vorgestellt, ihn zu tragen, seine Macht zu nutzen. Doch jetzt erscheint es mir fast grotesk, ich empfand keine Euphorie, nur eine endlose Leere in mir, als würde mich die See in die Tiefe ziehen.
Alles wirkte surreal, das Land, die Nähe zu Neraka und die Gestalten, die ohne Vorwarnung zu meinen Reisegefährten geworden waren. Wer waren sie? Mein Mentor war bei ihnen, also hatte er ihnen zumindest im Grunde vertraut. Das musste mir für den Anfang reichen. Hatte diese Zweckgemeinschaft einen tieferen Sinn? Folgten sie ihren Idealen oder nur ihren Instinkten? Die Wellen der Zeit werden ihre Motive an die Oberfläche tragen und sie blank polieren wie die Zeit einen Felsen im Ozean.
Waren dies die Vorboten eines großen Sturms, der mich an noch entferntere Gefilde tragen sollte? Bei aller gesunden Skepsis, die mich mein Verstand in solcher Situation lehrte, war ich überzeugt ich sollte genau hier an diesem Ort sein. Also ließ ich mich von den Wellen treiben.
18.07.358
Da stand ich nun, zusammen mit zwei Zwergen, einem Daewar und einem Hylar, einem Druiden der Que-Shu und einem Silvanesti, einem Priester des Paladin, dem ein Fluch übel mitgespielt hatte, tief unter der Erde und folgte einem uralten Tunnel zu einer unbekannten Zwergenstadt, die vermutlich schon vor langer Zeit aufgegeben wurde. Die Situation wirkte genauso seltsam wie die Reisegemeinschaft.
Wir machten uns auf den Weg Richtung Taxtharken, es ging abwärts in die Dunkelheit. Die Zwerge schienen Freude am stumpfsinnigen Marschieren durch die dunklen Tunnel zu haben. Während einer Mittagsrast diskutierten wir über Ursprung und Auswirkungen des Fluchs von Eldoril. Erneut musste ich den Zwergen die einfachen Grundlagen der Magie erklären, doch es war hoffnungslos. Es waren keine Zaubernetze auf dem Elfen. Vermutlich sollte der Fluch die Transformation nur einleiten. In einem unbemerkten Moment griff der Elf nach einem Käfer und verspeiste ihn. Das sollte ich im Auge behalten. Den Rest des Tages schienen wir auf der Stelle zu laufen, die Tunnel sahen überall gleich aus.
Am Abend fanden wir eine Plattform in der Nähe eines alten Wartungstunnels und schlugen unser Lager auf. Eldoril betete und rief Nahrung und Wasser herbei. Für sich selbst bestellte er nur rohes Fleisch, doch es schien ihm zu bekommen. Paladin erhörte seine Gebete, das war immerhin ein gutes Zeichen.
Fuchsohr verwandelte sich in eine Schlange und erkundete den Lüftungsschlacht. Während ich die erste Wache hielt, schickte ich meinen Vertrauten ebenfalls zur Erkundung. Gotrek hatte Eldoril überzeugt, sich während der Nacht fesseln zu lassen. Azyr berichtete mir von einem Schachtausgang auf dem Berggipfel und von der abnehmenden Luftqualität in Marschrichtung. Dann weckte ich Gotrek für die nächste Wache. Murgrosch und Fuchsohr folgten ihm, die Nacht blieb ereignislos.
19.07.358
Nach dem kargen Frühstück ging es weiter durch die trostlosen Tunnel. Nach 1 oder 2 Stunden öffnete sich der Tunnel in eine Höhle. Vor uns erstreckte sich eine Holzbrücke 400m weit über einen Abgrund. In 20m Tiefe unter uns befand sich ein Geflecht von übelriechenden Pilzen. Azyr flog zu den Geräuschen die Murgrosch zuvor in der Ferne gehört hatte. Wir überquerten die Brücke und marschierten den Rest des Tages weiter durch endlose Tunnel.
Als wir ein Nachtlager aufschlagen wollten, es war schon recht spät, meinte Gotrek in einem Anfall von zwergischem Eifer, das wir noch weitergehen müssten, das Ziel wäre nah. Nach 2 weiteren Stunden erreichten wir eine große erleuchtete Höhle. Riesige Maschinen die wie Hochöfen aussahen waren zu erkennen. Die Lorenschienen endeten hier.
Es schien, als hätten wir die Vorläufer von Taxtharken erreicht. Am Ende des Bahnhofs führte eine Treppe nach unten. In der Ferne sahen wir Gebäude. Auch hier waren zahlreiche Pilze zu sehen. Aber kein Anzeichen von Leben, zumindest keine Zwerge.
Wir lagerten im Tunnel, um uns von der Reise zu erholen. Fuchsohr hatte überraschend Schorf hinter seinem Ohr entdeckt und betete zu Habbakuk, um ihn von Krankheit und Siechtum zu heilen. Nach dem Abendessen überkam mich die Müdigkeit.
20.07.358
Nach einem kurzen Frühstück begannen wir die Höhle zu erforschen und stiegen die Treppe hinab. Fuchsohr entdeckte Fußspuren auf der Treppe. Einige der Abdrücke zeigten nur 4 Zehen. Es gab Dutzende alte Gebäude, aber keine Anzeichen, dass hier noch jemand lebte. Die Gebäude waren leer und verlassen.
Wir banden uns feuchte Tücher vor die Gesichter, um uns vor den Pilzsporen zu schützen. In einer ehemaligen Trinkhalle fanden wir riesige Fässer. Eine kleine Gestalt mit einem Hut stand plötzlich auf dem Vorplatz und blickte zu uns hinüber. Fuchsohr hatte ihn entdeckt, aber als Murgrosch in seine Richtung blickte, verschwand er im Schatten, hinterließ allerdings Spuren.
Gotrek hatte derweil ein Fass entdeckt, in dem sich noch Bier befinden könnte. Er probierte davon und war sichtlich angewidert. Welch Überraschung. Im Norden führte ein Tunnelgang durch den dichten Pilzbewuchs. Bei den Hochöfen war ein großes metallenes Tor.
In der Nähe befand sich eine Treppe in einen Keller, dort unten war das Rauschen von Wasser zu hören. Ein Fluss kam aus einem Gitter hervor, floss in ein Becken und von dort wieder aus dem Keller heraus. Es waren Boote, anscheinend noch funktionstüchtig, an einem Anleger vertäut. Ich bat Azyr den Flusslauf zu erkunden.
Während dessen entfernten wir den Riegel vor dem Metalltor und versuchten die Tür zu öffnen. Gotrek wuchtete die Tür mit der Schulter auf. Sie war schwergängig. Frische Luft strömte uns entgegen und es waren Alkoven hinter dem Tor zu sehen. Der Gang schien unendlich weit in die Dunkelheit zu führen. Die Zwerge stritten über den besseren Weg aus den Höhlen.
Azyr kehrte zurück, der Fluss führte weit durch den Berg. Inzwischen hatte einer der Zwerge unangenehmerweise Schorf im Schritt und bat Fuchsohr um Hilfe. Gotrek schien sich wohl angesteckt zu haben. Fuchsohr konnte ihn heilen und entdeckte auch wieder Schorf an seinem Ellenbogen.
Wir entschieden uns, den Gang hinter dem Portal zu versuchen. Das Tor war magisch, auf ihm lag ein aktives Zaubernetz mit einem Verwandlungszauber. Der Tunnel stieg 2 Stunden lang an. Dann sahen wir Licht am Ende des Tunnels. Tageslicht und dazu eine erfrischende Brise. Wie wohltuend. Wir standen unter einem Berggipfel auf einem Balkon und sahen zwei Vulkane die Sanction einrahmten. Hier ging es nicht weiter.
Also gingen wir zurück und versuchten das Tor von dieser Seite zu öffnen. Leider war es zu schwer für einen Öffnungszauber. Wir mussten rasten. In der Nacht hörten wir wie jemand die schweren Riegel auf der anderen Seite wieder vor das Tor legte.
21.07.358
Am Morgen machten wir uns für den Aufbruch bereit und Fuchsohr verformte den Stein neben dem Tor, um einen Durchgang zu erschaffen. Auf der anderen Seite des Tores erwarteten uns bereits sechs Gestalten, ähnlich derer die wir bereits in den Tunneln gesehen hatten. Sie waren bewaffnet und kamen auf uns zu. Ein Kampf schien unausweichlich.



