13.06.358 a. c. – Tief in der vergessenen Zitadelle dringen plötzlich schwere, schlurfende Schritte an unsere Ohren. Nachdem wir uns schon mit Skelettkriegern konfrontiert sahen, verheißen diese Geräusche nichts Gutes. Instinktiv nehmen Murgrosch und Gortrek in dem engen Gang Kampfhaltung ein. Eldoril und Fuchsohr halten sich hinter den Zwergen bereit.
Aus der Dunkelheit vor uns tritt eine große Gestalt, deren Körper von grau-braunen, zerschlissenen Roben verhüllt wird. Der Unbekannte stützt sich auf einen knorrigen, schmucklosen Holzstab, den er mit bandagieren Händen umklammert hält. Seine Fingerspitzen sind mit scharfen, schwarzen Nägeln versehen, die durch das Verbandszeug hindurch stechen. Als der Fremde mit einer Handbewegung seine Kapuze zurückschlägt, entblößt er nicht nur eine kleine Ansammlung an Medaillons, die um seinen faltigen Hals hängen, sondern auch sein Gesicht, das nicht menschlich ist. Die Kreatur hat den Schädel einer Eidechse, der von grauer, schrumpeliger, schuppenloser Haut bedeckt wird. Mit klauengleichen Fingern führt das Wesen eine komplexe Geste aus, wobei ihm eine lange, spitze Zunge schlängelnd aus dem Maul fährt.
„Es sucht nach Magie“, bemerkt Eldoril, der die Handbewegung erkennt.
Zischelnd will das Wesen das Wort an uns zu richten. Doch ein Hustenanfall unterbricht diesen ersten Versuch. Dann jedoch fragt es mit heiserer Stimme, wer wir sind und was wir in der Burg zu suchen haben. Gotrek stellt sich und seine Gefährten vor, worauf die Kreatur auf sich selbst deutet und „Nr. 2“ sagt. Auf unserer Nachfrage gibt er an, dass „Nr. 1“ tot sei. Gotrek will wissen, wie viele Echsenmenschen es hier insgesamt gab. Die Kreatur hebt seine rechte Klaue und zeigt etwas an, das wir als „drei“ interpretieren.
Nr. 2 erklärt, dass er uns nach Draußen geleiten wird. Er glaubt, dass wir uns durch pure Neugier in seine Burg verirrt haben. Als jedoch Murgorsch fragt, ob er Gadar diene, wird Nr. 2 plötzlich misstrauisch.
Fuchsohr erkennt, dass der knotige Holzstab der Kreatur von der selben feinstofflichen Essenz durchdrungen ist, die sich auch von den erschlagenen Skeletten gelöst hat und dann irgendwo in der Zitadelle gesammelt haben muss.
Nr. 2 richtet sich drohend auf, ein langer Eidechsenschwanz, der hinten unter seinem Gewand hervorragt, wird sichtbar. Rasch versuchen wir, die Situation zu entschärfen. Wir erklären, dass wir einen Kender suchen. Doch als Murgrosch Nr. 2 fragt, ob dieser ein Drakonier sei, stößt das Wesen erneut seine Klaue in die Luft.
„Magie!“, ruft Fuchsohr warnend seinen Gefährten zu und wirft sich zur Seite.
Murgorsch fackelt nicht lange sondern lässt die Axt sprechen. In einem weiten Bogen führt er die Waffe gegen den Echsenmenschen. Die Luft flimmert um das Wesen, das einen Schutzzauber um sich gewirkt hat. Doch die Axt durchdringt die Magie und schneidet tief in die Kutte und das darunter liegende Fleisch des Wesens. Eldoril und Gotrek hingegen können sich nicht mehr rühren. Sie wurden durch einen Zauber von Nr. 2 paralysiert. Fuchsohr hingegen flankiert den Echsenmenschen und schlägt mit seinem Kampfstab zu.
Nr. 2 stößt seinen knorrigen Stecken auf den Boden – bläulicher Qualm steigt auf und legt sich eiskalt und schmerzend auf Fuchsohr. Murgrosch gelingt es, den Echsenmenschen erneut zu verwunden. Zischend führt Nr. 2 einen weiteren Zauber aus. Seine Gestalt schimmert und ist plötzlich verschwunden. Wir bleiben allein zurück.
Eldoril und Gotrek sind immer noch erstarrt. Doch unter der Haut des Elfen kann Fuchsohr dessen Puls fühlen. Da die beiden unverletzt sind, heilt der Druide zunächst seine eigenen Wunden. Kurz darauf fällt der Zauber von den beiden Gefährten ab.
Gotrek versucht, die mit Runen geschmückte Tür zu öffnen. Doch sobald er am Knauf zieht, beginnen die arkanen Zeichen aufzuglühen. Fuchsohr schlägt vor, der Spur von Nr. 2 zu folgen. Diese führt die Gruppe zurück in die Schreibstube und von dort durch eine offen Tür in einen Quergang. Hier stoßen die Gefährten auf einen silbernen Torbogen, der in das Mauerwerk eingelassen worden ist und ein weiteres magisches Portal markiert. Es ist geschlossen, so dass wir nur die dunklen Steinquader sehen können, aus denen die Zitadelle errichtet worden ist.
Also gehen wir zunächst zurück zur Schreibstube. Murgrosch nimmt die Schriftstücke auf dem Arbeitstisch in Augenschein. Es handelt sich Berechnungen, Sternenkonstellationen und Mondphasen. Die Tabellen werden durch Notizen ergänzt, die nicht die Zeichen der Handelssprache verwenden. Eldorin runzelt missbilligend die Stirn; denn es handelt sich um Nerakisch, die Sprache der Anhänger ihrer dunklen Majestät. Murgosch will die Schriften verbrennen, verschiebt dies jedoch auf später. Im Schrank hat Gotrek zerschlissene, ehemals prächtige Roben gefunden. Der Wohn- und Schreibstube ist ein Bad angeschlossen, das über eine Wanne mit fließendem Wasser und eine Latrine verfügt. Eldoril und Fuchsohr untersuchen die Bücher im Regal. Der Elf findet einen Text, den Gadar selbst über die Erschaffung der Drakonier verfasst hat. Fuchsohr hingegen findet eine Schriftrolle, mit der sich Nahrung und Wasser erschaffen lassen.
Gotrek geht zurück auf den Flur und öffnet mit dem Zauberwort „Moppelpopp!“ das magische Portal. Es enthüllt einen kurzen Gang, der in eine große Halle zu führen scheint. Von unserer Position aus können wir jedoch nur zischelnde Laute und den großen Schatten eines Echsenwesens an der Wand sehen.
Bevor wir die Halle betreten, wollen wir unser Glück nochmal an der Runentür versuchen. Besser, Gotrek soll sein Glück an der mit magischen Zeichen geschützten Tür versuchen, während seine Gefährten in Deckung gehen. Fuchsohr stimmt sich auf ein heilendes Gebet ein, falls der Zwerg in Kürze Bedarf anmelden sollte. Gotrek stellt fest, dass die Tür fest verschlossen ist. Folgerichtig wirft er sich mit all seinem Gewicht gegen die Bohlen. Krachend bricht das Holz.
Die Runen glühen rot auf. Eine Flammenwolke löst sich aus der aufgebrochenen Tür. Gotrek wirft sich zur Seite, doch die Hitze versenkt ihm Haar und Kleidung. Weil Zwergenfleisch zäh ist, spart Fuchsohr seine Heilmagie für später auf und behandelt die Brandblasen mit einer kühlenden Salbe.
Wir betreten einen kurzen Gang, von dem ebenfalls zwei Türen abgehen, in der rechten Wand eine weitere Runentür, am Ende eine ohne arkane Zeichen. Gotrek schlägt Murgosch vor, diese Tür mit einem gemeinsamen Schulterstoß zu öffnen. Zwischen den Vettern kommt es jedoch zu einer Unstimmigkeit, ob sie die Tür „auf drei“ – also bei „drei“ oder erst nach „drei“ – aufbrechen.
So prallt Murgrosch bei „drei“ allein gegen das dicke Holz. Resultat: eine weiterhin geschlossene Tür, eine geprellte Schulter und ein finsterer Blick in Richtung Gotrek.
Gotrek gibt der Tür allein den Rest. Dafür hört Murgosch ein leises Klicken von der Runentür und stellt fest, dass diese nicht verschlossen gewesen ist. Er blickt hindurch und sieht eine große Halle. Dort bewegt sich Nr. 2 auf ein Podest zu, auf dem neben einem Altarstein auch ein Sockel steht. Auf dem Sockel wiederum ruht ein funkelnder Edelstein auf einem Kissen. Weiter befinden sich in der Halle vier offene Steinsarkophage und vier mit Unleben erfüllte Skelette. Eines ist das Gerippe eines Echsenmenschen, zwei sind menschliche Skelette in schwarzen Magierroben gehüllt, eines weiblich, eines männlich. Das vierte Gerippe scheint von einem großen, hundeartigem Wesen zu stammen. In ihren leeren Augenhöhlen nisten kalte, bläuliche Funken. An einer Seite wird der Raum von einem großen Fallgatter begrenzt.
Gotrek gelangt durch „seine“ Tür in einen weiteren Gang, mit drei Türen auf der linken Seite. Zudem gibt es ein Fallgatter, durch das er ebenfalls in die Halle sehen kann, die Murgosch gerade grimmig mustert. Gotrek erkennt, dass dies der Raum ist, den er durch das magische Portal gesehen hat. Die Zwerge kehren zu Eldoril und Fuchsohr zurück. Kurzentschlossen wollen sie angreifen. Mit dröhnenden „Bei Reorx!“ stürmen die Vettern die Halle, gefolgt von Fuchsohr und Eldoril. Doch es kommt zu keinem großen Kampf. Nr. 2 zieht ein scharfes Langmesser unter seiner Kutte hervor. Mit einen raschen Schnitt schlitzt sich das Wesen den eigenen Hals auf. In einem Schwall dunkeln Echsenblut bricht Nr. 2 neben dem Altar zusammen. Die Gefährten begutachten misstrauisch den Körper von Nr. 2. Eldoril steckt sein Messer weg und dreht den Leib mit seinem Fuß auf den Rücken. Aus gebrochenen Augen starrt Nr. 2 zur Decke hinauf.
Die Kreatur ist tot, während sich die Blutlache um sie herum ausbreitet und schon Eldorils Stiefel besudelt. Fuchsohr, Gotrek und Murgosch weichen ein paar Schritte zurück. Murgosch positioniert sich schlagbereit bei den Gerippen. Doch die Skelette verharren reglos auf ihrem Posten.
„Bedauerlich“, spricht Eldoril mit seltsam dunkler Stimme, den Blick noch auf Nr. 2 gerichtet,
„aber vermutlich notwendig“.
Seine sonst reine, vitale Elfenhaut wirkt plötzlich grau und marmoriert. Gotrek hebt rasch den knorrigen Stab auf, den Nr. 2 im Sterben fallen gelassen hat. Doch bei dem Stab löst das Zauberwort „Moppelpopp“ keine Reaktion aus.
Murgosch will wissen, was wir nun tun sollen. Eldoril sagt: „Wir könnten damit beginnen, uns vorzustellen. Mein Name ist Gadar!“
Mit Schrecken müssen die Zwerge und der Que-Shu feststellen, dass der Geist des abtrünnigen Magiers all die Zeit überdauert hat. Durch das Blutopfer von Nr. 2 hat er die Stärke wiedererlangt, Eldorils Körper zu übernehmen. Auf sein Winken hin schließen sich alle Zugänge zur Halle. Doch als Gadar versucht, Gotrek den Stab abzunehmen, kann der Zwerg dagegenhalten.
Der Magier verlangt, dass wir ihn darüber aufklären, was sich in den letzten 100 Jahren auf Krynn ereignet hat. Murgorsch fängt an, von der Rückkehr der Götter zu berichten. Doch Gadar glaubt ihm nicht und lässt die beiden Zwerge versteinern. Fuchsohr jedoch gelingt es, Gadar überzeugend von der Wiederkehr der Götter und dem Krieg der Lanze gegen die Heere Ihrer Dunklen Majestät zu berichten. Gadar wird hellhörig, als es um die Drakonier geht, die auf der Seite des Bösen gekämpft haben. Er fragt, ob sie von einem Exemplar namens Khardras angeführt worden sind. Fuchsohr kennt nur einen Khardars: den „Erleuchteten“, der in Neuhafen gegen die Unterdrückung der Völker durch die Drachen predigt. Aber der ist ein Mensch. Oder?
Gadar besteht darauf, dass Khardars sein Geschöpf ist und ihn einst getötet hat. Der Magier offeriert uns einen Handel, den wir kaum ausschlagen können: Bringt mir Khardras lebend und erhaltet dafür Eldoril zurück. Er löst die Versteinerung von Murgorsch und Gortek auf und wir willigen trotz arger Bedenken in den Handel ein. Auf Gadars Anweisung hin gehen wir zum silbernen Torbogen zurück und öffnen das magische Portal.
Diesmal führ es uns in den Weinkeller eines Hauses. Eldoril haben wir für den Moment verloren. Wie sollen wir nun damit umgehen? Gotrek verstaut den erbeuteten Zauberstab in seinem Nimmervollen Beutel.
„Wir sollten Khardras zu Gadar bringen. Sobald Gadar seinen Körper übernommen hat, erschlagen wir beide Fliegen mit einer Axt“, knurrt der Zwerg.
Doch wie sollen wir Khadras gefangen nehmen und zur Zitadelle schaffen? Als wir nach oben schleichen, erkennen wir, dass es sich hier um das Anwesen von Hieronymus Delafaire handelt, der Roten Robe aus Neuhafen. Ein Zufall? Es gelingt uns, das Haus zu verlassen und schon stehen wir auf den geschäftigen Straßen von Neuhafen. Murgrosch spricht einen Passanten an und wir erfahren, dass Meister Khadras bereits mit einem großen Gefolge nach Haven aufgebrochen ist. Allerdings liegt sein Schiff noch in Neuhafen vor Anker. Also wird der „Erleuchtete“ wieder hierher zurückkehren.
Zunächst suchen wir die Pension Himmelfein auf und buchen ein Dreibettzimmer für die Nacht. Dann schieden wir einen Plan. Es wird uns dreien kaum gelingen, Khadras und seine gesamte Entourage zu überwältigen. Darum wollen wir Khadras auf der Straße zwischen Neuhafen und Haven abfangen, um das Gespräch mit ihm zu suchen. Wenn wir ihn nicht überwältigen können, können wir uns vielleicht mit ihm gegen seinen Schöpfer verbünden?
14.06.358 a. c. – Wir brechen früh am Morgen auf und verlassen Neuhafen. Am Vortag hatte Murgosch seinem Vetter noch einen Ersatz für den Schild gekauft, den Gotrek in der Drachenhöhle bei der Rettung seines Verwandten eingebüßt hatte. Über die Zwergenbrücke gelangen wir auf den Torwegpass, der uns entlang des Weißflusses in Richtung der Kharolisberge und Haven führen wird.
16.06.358 a. c. – In Solace erfahren wir, dass Caramon genesen ist. Der Held der Lanze hat sogar vorerst mit dem Trinken aufgehört und dankt uns für seine Rettung. Sein alter Freud Tolpan war vor ein paar Tagen zu Besuch. Das hat dem Krieger ebenfalls gut getan. Tika berichtet uns, dass Khadras und sein Tross in Solace einen Halt eingelegt haben. Der „Erleuchtete“ sei die meiste Zeit verhüllt gewesen und wirkte gesundheitlich angeschlagen. Tika hat noch zwei weitere Beobachtungen gemacht. Zur Gruppe gehörte ein hünenhafter Minotaurus, der Khadras als Leibwächter diente. Bei einem seiner Begleiter konnte sie einen kurzen Blick auf ein Medaillon erhaschen, das ein Medusenhaupt zeigte. Das Symbol von Artha…
17.06.358 a. c. – Die Gefährten erreichen den Anstieg zum Gnollpass. Seiner Intuition folgend, bittet Fuchsohr Gotrek und Murgrosch kurz zu warten. Dann verlässt er den Pfad und schaut sich im Wald um. Nach kurzer Weile gelangt er an einen Erdfall. Dort, oberhalb der Klippen, erhebt sich Gadars Zitadelle über den Düsterwald. Nun wissen wir genau, wo sich die Burgruine befindet.
18.06.358 a. c. – Endlich erreichen wir Haven. Doch nur um festzustellen, dass wir Khadras erneut verpasst haben. Der „Erleuchtete“ ist vor zwei Tagen aufgebrochen, um durch die südlichen Köhlersiedlungen zum Wald von Qualinost zu reisen. „Mitten ins Elfenreich“, murrt Murgrosch genervt in einen wallenden Bart.
19.06.358 a. c. – Wir überqueren den Weißfluss und lassen die Köhlersiedlungen hinter uns. Noch sind die Spuren des Trosses gut erkennbar. Fuchsohr schätzt, dass die Fährte vor uns gut drei Tage alt ist. Um die hundert Personen, teils mit Karren und Reittieren, sind hier entlang gekommen. Acht Leute scheinen etwas Schweres getragen zu haben. Gotrek und Murgrosch vermuten, dass es sich um eine Sänfte handelt, in der Khadras reist. Mit der Zeit werden die Bäume immer älter und das Unterholz immer lichter, weil weniger Sonnenschein den Waldboden erreicht.
20.06.358 a. c. – Irgendwie hat sich die Stimmung im Wald verändert. Es ist zu ruhig. Selbst der Gesang der Vögel ist verstummt. Angespannt pirschen wir tiefer in den Wald hinein. Doch auf den Anblick, der sich uns plötzlich vor uns auftut, sind wir dennoch nicht vorbereitet. Vor uns liegen umgerissene Zelte auf dem moosbedeckten Boden – und dazwischen mehrere dutzend Leichen. Aus den toten Körpern ragen Pfeile. Wir haben den Schauplatz eines gnadenlosen Massakers erreicht.
Sprachlos nähern wir und weiter an. Fuchsohr schätzt, dass die Opfer vor ungefähr zwei Tagen getötet worden sind. Alle starben durch den Pfeilbeschuss, andere Verletzungen sind nicht zu sehen. Wir sehen tote Männer, Frauen und leider auch Kinder. Bis auf drei Halbelfen und einen Gnom sind alle Toten menschlich. Insgesamt zählen wir 85 Leichen. Ein Minotaurus ist nicht dabei, doch dafür finden wir bei einigen Toten das Medaillon von Artha. Auch die Sänfte von Khadras ist nirgends zu sehen. Während Murgrosch und Gotrek die Medaillons in einem Erdloch verscharren, entzündet Fuchsohr etwas Räucherwerk. Dann spricht er ein leises Gebet und bittet Habbakuk, die Seelen der Toten mit dem Rauch ins Nachleben zu tragen und ihre sterblichen Überreste in den Kreislauf der Natur aufzunehmen.
Danach sehen wir uns am Rand des Leichenfeldes um. Fuchsohr findet die Spur der Sänftenträger und einiger weiterer Personen, die den Lagerplatz vor zwei Tagen in Richtung Osten verlassen haben. Die Spuren verlaufen gleichmäßig hintereinander, also wurden sie nicht von Flüchtenden hinterlassen. Nur ein kurzes Stück weiter südlich stoßen sie auf die Stiefelabdrücke von ungefähr 20 Personen, die nahe des Lager Stellung gezogen hatten. Hier und da sind noch Löcher an den Stellen zu erkennen, wo mehrere Pfeile in dem Boden gesteckt worden sind.
Zweifelsohne die Spuren der Angreifer. Doch wer waren sie? Elfen aus Qualinost, die ihr Territorium kompromisslos gegen Eindringlinge verteidigt haben? Oder ist hier etwas ganz anderes passiert? Wieso hatte Khadras mit einigen Getreuen den Lagerplatz verlassen, kurz bevor seine übrigen Anhänger ausgelöscht worden sind? Misstrauisch folgen wir ihrer Fährte, bis die Dunkelheit über den Wald hereinbricht.
21.06.358 a. c. – Es ist später Nachmittag, als wir den Waldrand erreichen und das Rauschen des Weißflusses hören. Gotrek vermutet, dass das Massaker von Khadras inszeniert worden ist, damit der „Erleuchtete“ Stimmung gegen die Elfen als Handlanger der Drachen machen kann. Dies würde aufzeigen, wie kaltblütig der Kerl vorgeht. Der Trupp um Khadras scheint den Torwegpass zurück nach Neuhafen gereist zu sein. Entschlossen folgen wir ihnen und machen auch nicht halt, als die Sonne untergeht. Zu groß ist uns das Risiko, dass Khadras uns mit seinem Schiff einfach davon segelt. So stehen wir tief in der Nacht wieder vor den Toren Neuhafens.
Vier Gardisten schieben dort Wache und wollen uns nicht vor den neuen Tag in die Stadt lassen. Fuchsohr versucht, sie davon zu überzeugen, dass wir eine wichtige Botschaft von Caramon Majere für den Tempelpriester Karon-Thor haben. Doch die Wachen fallen nicht darauf herein.
Gotrek schlägt kurzerhand den Knoten durch, in dem er Murgrosch auffordert, einen Bakschisch von acht Stahl auf das Tischchen mit den Spielkarten der Gardisten zu legen. Nun gewährt man uns doch noch den Zutritt. Rasch gehen wir zum Hafen und sehen, dass vor der Stadt eine große Galeere minotaurischer Bauweise vor Anker liegt. Das Schiff ist trotz später Stunde hell erleuchtet und kleine Boote fahren zwischen dem Kai und der Galeere hin und her. Offenkundig wird Khadras’ Schiff mit Proviant und anderen Vorräten beladen, um bald abzureisen.
Am Ableger steht ein wirklich großer Minotaurus und beaufsichtigt die Proviantierung.
Wir erkennen auch ein paar Menschen in seiner Nähe, die schwer nach Söldnern aussehen.
Als wir nähertreten, stellt sich der Minotaurus uns in den Weg. Gotrekt erklärt mutig, dass wir eine wichtige Botschaft für den „Erleuchteten“ haben: „Nr. 2 ist tot. Es wird nach Nr. 3 verlangt!“
Doch der gehörnte Muskelberg zeigt sich gänzlich unbeeindruckt und knurrt uns ein „Verschwindet!“ zu.
Wir ziehen uns zurück und warten ab. Um drei Uhr nachts kommt ein Matrose zu uns und berichtet, dass uns Bootsmann Korf, der Minotaurus, sprechen will. Doch als wir zu ihm gehen, macht Korf deutlich, dass nur Gotrek zur Galeere gerudert werden soll. Murgorsch und Fuchsohr bleiben mit unguten Gefühlen am Kai zurück.
Als seine Jolle die Galeere erreicht hat, kann Gotrek die Flagge des Schiffes sehen: eine Silberscheibe, umringt von schlängelnden Strahlen auf blauem Grund. An Bord treten zwei Söldner, ein Mann und eine Frau, an Gotrek heran und zwingen ihn, seine Waffen abzulegen. Dabei sieht der Zwerg, dass der Mann das Symbol von Artha um den Hals trägt.
Waffenlos wird Gotrek zur Kajüte des Kapitäns geleitet. An den wuchtigen Schreibtisch sitzt ein Mann in einem schwarzen Kapuzenmantel. Sein Gesicht und seine Hände sind mit Bandagen verhüllt. Zum Sehen wurden zwei kleine Spalte freigelassen, durch die Gotrek zwei schwarze Augen, hart wie Stahl, taxieren. „Ihr habt eine Botschaft für mich?“, fragt der „Erleuchtete“ mit rauher, markanter Stimme.
Gotrek sträuben sich die Barthaare. Er kennt diese Stimme. Sie gehört dem Vermummten, dem die Piraten bei dem zerstörten Zwergendorf Lot Bericht erstattet hatten.
Es gelingt Gotrek die Ruhe zu bewahren und unser Anliegen vorzutragen. Als Beweis seiner Worte zieht der Gadras Zauberstab aus seinem Nimmervollen Beutel. Khadras erkennt den knorrigen Stab seines früheren Meisters und verlangt nach ihm. Kaum hat Gotrek ihm den Stecken ausgehändigt, bezaubert Khadras ihn mit einer verlockenden Stimme. Dann wird Gotrek unter Deck gebracht und an eine Ruderbank gekettet. Nur seine Unterkleidung wird ihm gelassen, der Rest seiner Habe wird ihm abgenommen.
Etwas später werden Murgrosch und Fuchsohr ebenfalls zur Galeere gerudert, weil Khadras uns zu sprechen wünscht. Auch uns werden die Waffen abgenommen. Als Khadras zu sprechen beginnt, erkennt auch Murgrosch seine Stimme wieder.
„Wir haben ein Bündnis geschlossen. Morgen werden wir nach Port Schallsea aufbrechen. Wir werden uns vorbereiten und danach werden wir gegen Gadar ziehen!“, verkündet der „Erleuchtete“.
Die Reise zur Insel Schallsea treten wir allerdings nicht als seine Ehrengäste an. Während Gotrek bereits angekettet unter Deck hockt, werden Murgrosch und Fuchsohr ebenfalls an die Ruderbänke der Galeere gekettet. Auch Murgrosch ist dem Zauber von Khadras’ Stimme erlegen. Und Fuchsohr war schlicht zu überrumpelt, um sich gegen die Söldner des „Erleuchteten“ zu wehren.
Während der Überfahrt zu Insel bemerken Murgrosch und Fuchsohr, dass einer der Söldner in seinem Köcher die gleichen Pfeile hat, mit der Khadras’ Anhänger im Wald getötet worden sind.
Wo sind wir da nur hineingeraten? Eldorils Körper wurde von der Seele eines abtrünnigen Magiers in Besitz genommen. Und wir sind Gefangene an Bord des Schiffes seiner verfeindeten Schöpfung, die eigene, finstere Absichten hat. Das sind wirklich keine guten Aussichten, während sich Khadras’ Galeere durch die Wogen des Neumeeres auf die Insel zubewegt, auf der das nächste Kapitel geschrieben werden soll.