New Orleans bei Nacht – Kapitel 7: Angriff aus dem Nichts

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Im Zustand des Untodes erstarrt, hat das Verrinnen der Zeit für uns Kainskinder weniger Bedeutung als für die Sterblichen. Doch auch für uns bringt das Verstreichen der Jahre Veränderungen mit sich. Mir ist fast so, als sei es erst gestern gewesen, dass die Gespräche mit den Uktena am 12.04.1917 nicht zur Entspannung des drohenden Konfliktes geführt haben.

Machten wir uns nicht erst gestern Sorgen, weil Werwölfe durch unser New Orleans streifen, seien es nun Uktena oder Tänzer der Schwarzen Spirale? Erst vor Kurzem machten wir dem Boxer und seinen Abkömmlingen ein Ende. Wurde Marilyn nicht erst vor einem Augenblick sein letztes Opfer und durch eine unerlaubte Weitergabe von Kains Fluch in die Nacht geholt?
Sie sang im „Saints and Sinners“, brachte das Bluselokal zu neuem Glanz.
Eli übernahm die Bürde ihrer Ausbildung, doch dann kam es zum Zerwürfnis zwischen dem Gangrel, der Sängerin und dem Toreador, der Gefallen an ihr gefunden hatte. Ich weiß nur wenig darüber, doch schließlich verließ Marilyn auf Geheiß von Prinz Doran die Stadt. Eli und Etienne brauchten lange,
um ihren Zorn aufeinander zu überwinden, das ist mir nicht verborgen geblieben. Als Mitglied des Nosferatu-Netzwerkes hatte ich ein Auge auf die Grenze zu den Bayous und das Haus am See, vor dem Raymond wahrscheinlich von Magi angegriffen wurde. Doch es geschah nichts,
eine trügerische Ruhe schien sich über die Stadt gelegt zu haben.
Weder Wolflinge traten in Erscheinung, noch marodierten feindliche Vampire durch New Orleans. Vier Jahre lang … doch diese Jahre vergangen ebenso wie Sekunden … und mit ihnen die trügerische Ruhe …

Am Montag, den 02.05.1921 habe ich mich in die Sümpfe vor der Stadt vorgewagt, um mich mit meinen Alligator-Ghulen Rex und Zilla auszutauschen. Doch erst nach längerem Suchen finde ich Rex auf einer Sandbank liegend. Er ist seit Tagen tot, der Kadaver zeigt deutliche Spuren der Verwesung. Er kann unmöglich an Altersschwäche gestorben sein, äußere Verletzungen sehe ich keine. Vielleicht Gift? Ich sende Noahs Ruf in die Bayous, zahlreiche Alligatoren reagieren, doch Zilla bleibt unauffindbar. Ich spreche zu den Tieren, die großen Raubechsen ängstigen sich vor einem brutalen Feind. Was ist hier nur geschehen? Ich schneide ein Stück faulendes Fleisch aus Rex´ Kadaver und mache mich auf den Weg zurück in die Stadt.

Währendessen erhält M. Demond Besuch von Mr. Thomas C. Anderson.
Die letzten Jahre waren nicht gut zu dem einst erfolgreichem Zuhälter. Er ist von einem seiner Handlanger, Jean Galfrey, aus dem Geschäft verdrängt worden. Jetzt ist Anderson zu alt und abgekämpft, um sich in der Hackordnung der Unterwelt wieder nach oben zu arbeiten. Um sich zur Ruhe zu setzen, braucht der gescheiterte Lude Geld. Hierzu will er seine Immobilien und Geschäftskontakte an M. Demond für eine Millionen Dollar verkaufen. Da M. Demond interessiert ist, verabreden sie ein weiteres Treffen, zudem Anderson die entsprechenden Unterlagen mitbringen soll.

In der selben Nacht begeben sich Eli und Etienne um 23:00 Uhr zum Büro der Prinzen. Dort treffen sie auf Marilyn. Die junge Gangrel ist nach New Orleans zurückgekehrt. Prinz Doran erklärt, dass sie als Neugeborene offiziell in die Gesellschaft aufgenommen werden soll. Doran betont auch, dass die Unstimmigkeiten der Vergangenheit zu ruhen haben, damit ein Neuanfang für alle möglich ist. Eli stimmt zu und verlässt die Versammlung. Marilyn hingegen gesellt sich zu Etienne, um wieder in seinem „Saints and Sinners“ zu singen.

In seiner Kapelle wird Father Josef von seinem neuen Ghul-Priester gerufen. Oben in der Kirche ist ein Mann, der ihn zu sprechen wünscht. Der nächtliche Besucher stellt sich als Esam Grimes vor. Ein 50-60jähriger Mann mit kurzem, grauen Vollbart. Er trägt einen einfachen sauberen Mantel und Anzug. Father Josef erkennt, dass Grimes ein Mensch zu sein scheint.
Grimes erklärt, dass er von einem Bekannten namens Aaron Carson an Father Josef verwiesen wurde. Der Priester soll Informationen über einen Mann namens Raymond haben. Einem Freund, nach dem Mr. Grimes sucht und der seit geraumer Zeit vermisst wird. Father Josef erklärt, dass Raymond vor vier Jahren einige verlorene Erinnerungen zurückerlangte und die Stadt in Richtung Chicago verließ. Dort wollte er seine Vergangenheit erforschen.
Mr. Grimes bedankt sich für die Informationen und reicht Father Josef eine Visitenkarte mit Telefonnummer, falls dem Priester noch etwas einfallen sollte.

Nachdem sich Mr. Grimes verabschiedet hat, schickt Father Josef eine dringende Nachricht an Eli und bittet ihn, zu kommen. Er ist beunruhigt, denn einst hatte Aaron Carson – mutmaßlich ein Magi aus New York – Raymond zu seiner Kirche geschickt…

Als Eli von seinem Termin beim Prinzen nach Hause kommt, entdeckt er die Nachricht und macht sich auf dem Weg zur Kirche. Dort treffen wir aufeinander, da ich selbst den Tremere zu sprechen wünsche. Zunächst berichtet uns Father Eli von Mr. Grimes Besuch. Entgegen dem, was er Grimes erzählt hat, befindet sich Raymond, der nach Father Josefs Untersuchungen ein Caitiff mit Giovanni-Wurzeln ist, gepfählt unter der Kirche. Weil jetzt jemand nach ihn sucht, will der Geistliche ihn loswerden. Aber ohne, sich die Hände schmutzig zu machen. Weder Eli noch ich wollen Raymond für ihn umbringen. Also raten wir Father Josef, die Füße still zu halten und den Caitiff dort zulassen, wo er jetzt ist. Ein Blick auf die Visitenkarte sagt mir noch, dass es sich bei der Telefonnummer um einen Anschluss der Stadtverwaltung handelt.

Dann erzähle ich den anderen, dass ich Rex tot in den Bayous gefunden habe. Leider kann Father Josef anhand des mitgebrachten Fleischfetzens nicht feststellen, was den Alligator getötet hat. Er und Eli bieten an, sich die Stelle in den Sümpfen anzusehen, an der ich Rex gefunden habe. Auf dem Weg berichtet Eli, dass Marilyn nach New Orleans zurückgekehrt ist.
Dort angekommen untersucht Father Josef den Kadaver. Der Ghul ist seit vier oder fünf Tagen tot. Eli entdeckt im aufgeweichten Boden den Fußabdruck eines Werwolfs in Crinosform. Father Josef befragt die Mangrove, unter der Rex verwest, mittels des Rituals „Hölzerne Zunge“. So erfahren wir, dass mein Ghul von einem riesigen Werwolf mit räudigen, schwarzem Fell gegen den Baum geschmettert und ihm so das Genick gebrochen wurde. Eli merkt an, dass die Uktena in keiner ihrer Gestalten unter kahlen Stellen im Fell leiden.

Dienstag, der 03.05.1921: Ich lasse an alle Mitglieder des Klüngels Einladungen verschicken, dass wir uns um Mitternacht im Hauptquartier treffen sollen.

In den frühen Abendstunden erwartet M. Demond die Rückkehr von Mr. Anderson. Zwischenzeitlich konnte er in Erfahrung bringen, dass Jean Galfrey ein aufstrebender Unterweltboss sein soll. Als er sich auf das Gespräch mit Mr. Anderson vorbereitet, fallen auf der Straße vor seinem Haus plötzlich Schüsse. Rasch greift der Ventrue nach seiner Waffe und wirft einen Blick aus dem Fenster. Eine reglose Gestalt liegt in einer Blutlache.
Ein anderer Mann greift eine Aktentasche, die der Verwundete verloren hat. Dann springt er in ein mit laufendem Motor wartendes Auto und fährt mit quietschenden Reifen davon.
M. Demond stürmt nach unten, seine schockierte Sekretärin ruft ihm zu, dass jemand anschossen wurde und sie den Notarzt schon informiert hat.
Als M. Demond den Verletzten erreicht, ist der Mann bereits an seiner Schusswunde gestorben. Er steht vor Mr. Thomas C. Andersons Leiche.
Sein Geschäftspartner wurde quasi direkt vor seinen Augen erschossen. Diesen Affront kann der Ventrue nicht auf sich beruhen lassen. Wütend beauftragt M. Demond seine Leute, alles über Galfrey herauszufinden, was es herauszufinden gibt.

Um Mitternacht treffen wir uns im Hauptquartier. Ich berichte von dem Angriff des Werwolfs auf meinen Ghul und dass ich nicht an einen Zufall glaube. Meine Clansbrüder habe ich bereits über das Sheriffbüro informiert.

M. Demond informiert uns über den Mord an Anderson und dass er Jean Galfrey verdächtigt. Über Galfrey kann ich sagen, dass er ein mittlerer Unterweltboss ist und über Schergen von den Schwarzbrennern am Fluss Schutzgelder erpresst (die Prohibition begann 1920). Teile des Hafens gehören zur Domäne des Brujah Pierre Martiné. Ob Galfrey ein Ghul oder sonstiger Gefolgsmann von Martiné ist, weiß ich nicht. Aber ich biete an, weitere Nachforschungen anzustellen. Father Josef berichtet von seinem Erlebnis mit Mr. Grimes und von Raymonds Verbleib unter der Kapelle.

Während wir noch beratschlagen, peitschen plötzlich Schüsse durch das Untergeschoss. Wir eilen kampfbereit die Treppe nach unten. Die Tür nach Draußen steht offen, auf dem Boden liegt ein kräftiger Afroamerikaner.
Der Ghul Leon Griffin erklärt aufgeregt, der Mann wäre einfach hier eingedrungen und hätte auf seine Rufe nicht reagiert. Da habe er mit einem Angriff gerechnet und geschossen. Vorsorglich verschließe ich die Eingangstür. Keinen Augenblick zu früh. Plötzlich fährt ein Ruck durch die Leiche des Mannes und der Hühne erhebt sich. Dabei wurde er von mindestens zwei Kugeln in den Oberkörper getroffen! Teile seines Halses fehlen, sein Wams ist voller Blut. Schwankend dreht er sich um, blickt durch tote Augen in die Runde. Sein glasiger Blick haftet sich an Eli. Er packt den Gangrel an seiner Kleidung und aus seinem Mund quillt ein unheilvolles, langgezogenes Stöhnen. Dann bricht der Fremde zusammen und rührt sich nicht mehr. Er ist offensichtlich tot.
Father Josef ruft, dass der Mann über keinerlei Aura verfügte. Eli ist äußerst angespannt. Er sagt, dass er den Fremden kannte. Sein Name war Claude und er stammt aus Delacroix, einer Inselsiedlung in den Bayous, zu welcher der Gangrel enge Beziehungen hat. Er wurde als Zombie aus Delacroix nach New Orleans geschickt, um Eli eine Botschaft zu überbringen, die in seinem Stöhnen nur für den Gangrel hörbar war. Mit einem Messer schneidet er das Herz aus dem Leichnam heraus und konserviert es in einem Steintopf.

Später wird er es noch brauchen, erklärt Eli grimmig. Danach versenken wir die Überreste des Zombies mit Steinen beschwert im trüben Meer.

Anschließend verabreden wir uns für die morgige Nacht in den frühen Abendstunden zu einem erneuten Treffen im Hauptquartier.

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