Angus Mackenzie – Zwei Leben

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Es gab zwei Geburtstage im Leben von Angus Mackenzie, der erste war am 3. Dezember 1880 in dem Fischerdorf Kirkwall auf den Orkney-Inseln vor Schottland. Es war ein Leben voller Entbehrungen am Rande der Gesellschaft, aber auch mit vielen Höhepunkten. Der zweite war in der Nacht des 23. März 1916 in einem verlassenen Fischerdorf nahe Brügge an der Küste Belgiens. Dieses Leben begann sehr verwirrend und änderte einfach alles.

Als Kind einer Großfamilie, Angus hatte 5 Geschwister, wuchs er im schottischen Fischerdorf Kirkwall auf. Einige würden es einen trostlosen Flecken am Ende der Welt nennen, andere aber würden darin ein idyllisches Paradies sehen. Seine Familie hielt Rinder und Schafe und ernährte sich vom Fischfang. Seine Zeit verbrachte er, zumeist mit seinem Zwillingsbruder Allan, mehr mit Rinderhüten und Wölfe vertreiben als mit Schule und Bildung. Das Leben auf den Orkneys war rauh und voller Entbehrungen, aber es war in seiner Schlichtheit auch voller Glück und Zufriedenheit.

Mit 16 Jahren beschlossen Angus und Allan mehr von der Welt zu sehen und verließen die Orkneys, um nach Edinburgh zu gehen. Vielleicht war der Ärger mit dem katholischen Pfarrer von Kirkwall ein weiterer Grund für den schnellen Aufbruch der Zwillinge. Um Geld zu verdienen, arbeiteten sie in Gerbereien und am Hafen, Kneipenschlägereien gehörten zu ihrem Alltag. Eines Tages wurden sie von Edward Jenkins entdeckt, einem Mann der Faustkämpfe und die dazugehörigen Wetten in ganz Edinburgh organisierte. Er erkannte das Talent der beiden und formte sie zu Preisboxern. Bald schon kämpften sie nicht mehr in billigen Hafenpubs, sondern an geheimen Orten, bei denen die Schönen und Reichen ihr Vergnügen in Wetten suchten. Angus und Allan wurden zu Publikumslieblingen und verdienten viel Geld und Ruhm.

Dann geschah das Unausweichliche, Jenkins überredete die beiden zu einem Kampf unter Brüdern. Lange Zeit lehnten sie ab, doch als zwischen ihnen ein heftiger Streit über eine Frau ausbrach, beide verliebten sich zugleich in eine junge irische Tänzerin, nahmen sie die Herausforderung an. Am Tag des Kampfes waren beide angetrunken und Wut und Zorn beherrschte ihr Gemüt, so dass der Kampf einzigartig brutal war. Keiner wollte nachgeben, sie kämpften bis zur Erschöpfung, verdrängten die Schmerzen.

Bis Allan, von einem mächtigen Hieb am Kopf getroffen, wie ein Sack zu Boden fiel. Blut strömte aus einer Wunde und sein Körper zuckte. Er sei tot, hörte Angus die Betreuer rufen. Dann überkam ihn Panik und er floh völlig von Sinnen aus der Kampfarena. Dabei rannte er alles und jeden um, was in seinem Weg stand und schlug Personen nieder, die ihn aufhalten wollten.

Als er wieder zu Sinnen kam, war die Nacht vorbei, er hatte einen schrecklichen Kater, leere Flaschen lagen neben ihm und er befand sich am Hafen auf einem abgelegenen Pier. Seine Fäuste waren voll getrocknetem Blut, seine Kleidung war zerrissen und ebenfalls blutverschmiert. Seine Erinnerungen an die Nacht und den Kampf gegen seinen Bruder waren vage, doch dann kam die Erinnerung wie ein Fausthieb zurück. Er hatte Allan getötet…

Ohne sich Umzudrehen floh er Hals über Kopf aus Edinburgh, Gerüchte über einen toten Preisboxer und eine am Ring erschlagene Frau begleiteten seine Flucht. Erst in der Wildnis fernab der Zivilisation fand er bei Jagd und Einsamkeit wieder Ruhe und innere Einkehr. Ein Jahr verbrachte er allein.

Im Jahre 1912, inzwischen hatte er seine Heimat in Manchester gefunden, trat er in die British Army ein. Alle sprachen von einem Krieg in Europa und so sah Angus eine Chance auf ein neues Leben. Als Rekrut wurde er dem Royal Regiment of Scotland zugeteilt. Er hatte militärisches Talent für Kampf und Führung und wurde schnell vom Private zum Corporal und später zum Sergeant befördert. Doch aufgrund Disziplinproblemen gab es auch immer wieder Degradierungen. Der Kommandant seiner Einheit, Lieutenant Sir Errol von Rackham, machte ihm das Leben zur Hölle. Als er eines Tages ganz plötzlich verschwand, gab es Gerüchte von Desertation bis Mord, aber sein Verschwinden wurde nie aufgeklärt.

1914 folgte die Versetzung in das British Expeditionary Force (Britische Expeditionskorps) im Rang eines Sergeants mit direkter Landung am 11. August 1914 in Le Havre, Frankreich. Es folgten zwei schlimme Jahre Stellungskrieg in den Gräben Frankreichs gegen die Deutschen. Hier in dieser Hölle voller Leid und Verzweiflung fand Angus seinen Frieden und neuen Sinn in seiner Existenz, gewann neue Freunde. Neben der Beförderung zum Staff Sergeant wurde ihm nach der Schlacht um Verdun als höchste Ehre des Empires das Victoria Cross verliehen.

Noch während des Waffenstillstandes, als Soldaten zu Weihnachten Lieder in den Schützengräben sangen, erhielt Angus einen Auftrag von einem Major des französischen Geheimdienstes. Mit einer kleinen Spezialeinheit bestehend aus kampferfahrenen Veteranen sollte er einen Logistikoffizier der Franzosen, Jean Monnet, nach Brügge eskortieren und an der Küste einem britischen Marineschiff übergeben. Der Mann schien von großer Wichtigkeit für den Generalstab zu sein.

Der Weg nach Brügge verlief einfacher als gedacht, es gab nur wenige Verluste und Angus freundete sich mit Jean Monnet an, er schien ein einfacher Mann mit guter Gesinnung zu sein, deshalb waren beide auf einer Wellenlänge. Auf dem letzten Stück des Weges, bis zu einem verlassenen Fischerdorf vor Brügge, schlugen sie sich zu Fuß durch. Dort sollte der Treffpunkt mit dem Marineschiff sein.

Die Einheit wartete noch immer auf das Schiff, als urplötzlich Nebel das Lager flutete. Angus und sein Kamerad Patrick „Paddy“ O’Malley waren gerade auf Streife, als der Angriff ohne Vorwarnung über das Lager kam. Es war ein blutiges Gemetzel, augenscheinlich waren nur 6 Männer nötig, die ganze Einheit auszulöschen. Kugelhagel gingen auf sie nieder, zwangen sie aber nicht in die Knie, schienen keine Wirkung auf sie zu haben, sie wirkten wie Geister die aus dem Nebel kamen.

Alle waren tot, die Leiber von Klauen zerfetzt, nur der Franzose, Jean Monnet, blieb am Leben, die Fremden nahmen ihn mit. Das war bis dato das letzte Mal das Angus ihn sah. Die meisten seiner Freunde waren in Sekunden an diesem Strand ausgelöscht worden.

Nur Paddy und er lebten noch. Sie wollten beide sofort ins Gefecht stürzen, als die ersten Schüsse am Strand fielen, doch etwas hinderte sie daran. Sie wurden aus dem Hinterhalt angegriffen, eine dunkle massive Gestalt sprang Angus an und streckte ihn mit einem wuchtigen Hieb nieder. Schwärze…

Angus erwachte gefesselt an einen Stuhl in einem Keller, Blut lief ihm das Gesicht hinab und der Kopf schmerzte. Zwei Männer waren im Raum, ein drahtiger Schotte, der Akzent war unverkennbar, mit langen roten Haaren und grünen Augen, sprach ihn an. Andrew bot ihm eine Chance, faselte etwas von einem Neuanfang und fragte, was Angus wolle. Er verstand nicht und Andrew wurde ungeduldig und zornig.

Dann folgte die zweite Geburt von Angus Mackenzie. Der Schotte, Andrew, sprang ihn an, riss seinen Kopf zurück und biss ihm mit unmenschlicher Kraft in den Hals. Trotz Gegenwehr hatte Angus keine Chance, der Schotte war viel zu stark und er trank sein Blut, bis nichts mehr übrig war…

Mit dem nächsten Erwachen am 23. März 1916 war Angus Mackenzie ein Vampir, vom Schotten zu unsterblichem Leben verdammt.

Der Schotte war verschwunden, er war noch immer am Stuhl gefesselt. Der andere Mann saß ihm gegenüber auf einem Stuhl. Angus konnte sein Blut riechen und fühlte es in seinen Adern pulsieren. Er war ein Mensch und Angus hatte unbändigen Hunger.

Der Mensch, Lothar Eggert von Winfield, ein Deutscher, schien ihm helfen zu wollen. Seine Sprache wirkte gebildet und aristokratisch, er trug lange schwarzgraue Haare, einen gepflegten Vollbart und hatte für sein fortgeschrittenes Alter eine stattliche Größe und sportliche Statur.

Von ihm erfuhr Angus erstes Wissen über seine neue Existenz und das Leben eines Vampirs in den Schatten. Die Angreifer waren Vampire, wahrscheinlich vom Sabbath, einer anarchistischen Sekte unter den Vampiren. Deshalb hatten die Soldaten keine Chance. Was sie von Jean Monnet wollten konnte Lothar nicht sagen und da Andrew verschwunden war, er hatte offensichtlich kein Interesse mehr an Angus, bot er ihm an, ihn nach Berlin zu bringen und in die Obhut eines Vampirs zu geben.

Doch nun überkam ihn der Hunger und machte ihn rasend, Lothar brachte ihm seinen Freund Paddy. Er hatte ebenfalls überlebt, wurde aber nicht zum Vampir gemacht. Unter großer Selbstbeherrschung trank Angus sein Blut und rang Lothar das Versprechen ab, das Patrick O’Malley am Leben bleibe und er sich um ihn kümmern würde.

Auf der Reise mit Lothar in einem Planwagen nach Berlin, freundeten sich die beiden verschiedenen Männer an, für Angus war Lothar seitdem immer eine väterliche Figur, der er vertraut. Während der Reise kamen ihm Erinnerungen aus seinem alten Leben, schöne Erlebnisse aus der Kindheit auf den Orkneys, das Gesicht seines Bruders Allan kurz vor dem tödlichen Faustschlag, die impulsive Flucht aus Edinburgh, die Verleihung des Victoria Cross. Dabei fiel ihm etwas auf, das Gesicht des Schotten hatte ihn schon lange begleitet und verfolgt, bei allen wichtigen Ereignissen in seinem Leben ist er in der Nähe gewesen. Aber warum?

In Deutschland stiegen sie auf einen LKW um und Lothar brachte ihn in seine Villa in Berlin. Direkt in der nächsten Nacht suchte eine blasse attraktive Frau Ende 20 mit rotblonden Haaren Lothars Villa auf. Lydia Schneider war eine Vampirin aus der Gesellschaft Berlins aus dem Clan der Malkavianer. Offiziell war sie die Leiterin eines Mädcheninternats, inoffiziell war sie die Geißel der Stadt. Sie war bereit, mich als ihre Brut anzunehmen, mir alles beizubringen was ich als Neuling lernen musste und die Verantwortung für mich beim Prinzen zu übernehmen.

Dann erfolgten die Vorstellung beim Prinzen und den Ahnen der Stadt, Angus wurde begutachtet wie auf einem Basar. Dann folgte die Zeit, in der Lydia ihn Maskerade, Camarilla und Disziplinen lehrte. Und wieder war es für Angus Zeit, ein neues Leben zu beginnen. Seine Anpassungsfähigkeit half ihm, sich schnell einzufinden. Bald erhielt er eine eigene Domäne, erschuf sich einen ersten Ghul, knüpfte Kontakte in Berlin und wurde von Lydia zum Bluthund erwählt. Ihre gemeinsamen „Jagdausflüge“ genoss Angus sehr, so begann das zweite Leben des Angus Mackenzie

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