Adhara „Iye“ Citlali

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Name: ADHARA CITLALI „Ferner Stern“
Neuer Name: IYE, übersetzt „Rauch“
Dämmeralbin, 23 Jahre

Zwillingsbruder: MAKARAH „Tierfriede“
Vater: CHAKORA AKIOLA „Der Weitsichtige“
Mutter: APONI TAUMETOPEIA „Tausendschwinge“
Großvater mütterlicherseits: CALO TAUMETOPOS „Blutrot“
Zieh-Schwester mütterlicherseits: EREBIA „Mohnblüte“


Wie es begann….

Damals war alles gut.

Ihre Eltern umsorgten die Zwillinge wie junge Baumfinken. Sie schützen sie vor allem Äußeren. Ihr Vater Chakora führte ein gelehrtes, ruhiges und besonnenes Albenleben. Er studierte täglich den Vogelflug indem er etliche Stunden auf den höchsten Baumriesen des Dämmeralbenwaldes oder am Rand desselbigen an den Klippen der großen Schluchten zubrachte.

Wenn er nach Hause gekommen war sang er Lieder über den Flug der Sonnenschwalbe, die Jagd des Flatterfalken und das große Sterben der Mückenkolibri. Diese sammeln sich am Tag der Sonnenwende an der Skrischlucht, um sich zu Tausenden gemeinsam in den tödlichen Strom hinabzuwerfen.

Ihren Abend verbrachte die Familie zusammen während der Vater sang und rezitierte tanzten Adhara und ihr Zwillingsbruder Makarah den Albenschwerttanz mit ihren fließenden Liandia dazu. Adhara besaß die fragile Leichtigkeit ihrer Mutter. Doch darüber hinaus glich sie in wenigem ihrer Mutter Aponi, welche stets wie von Feenstaub überzogen in allen Farben des Blumenmeeres glitzerte. Nein, Adhara war dunkel wie ein schwarzer Fleck am Sternenhimmel und damit entsprach sie nicht ihrem Namen CITLALI, Stern der am Himmel strahlt. Doch dieser Stern mochte noch aufgehen… eines Tages, dachte ihr Vater vorausahnend.

Makarah hingegen war das Bild eines jungen Alben. Ehrlich, friedvoll, konzentriert in all seinem Tun. Gewissenhaft studierte er die Worte des Vaters und vollführte jeden kunstvollen Wink ihrer Mutter. Sein weiches bronzenes Haar umspielte seine Schultern wie ein seidener Umhang und seine Kleidung aus rötlichem Leder lag wie eine zweite Haut auf seinem schlanken gebräuntem Körper.

Ihre Muter Aponi liebte die Farben der Natur. Wenn die Kinder tanzten, taten sie das in den bunten Bildern ihrer Mutter die ihre Körper mit geschenkten Farben der Feen und magischen Welten verzierte. Nach dem Dank für Aands Sonnenlicht begrüßten sie die Nacht.

So waren sie zufrieden und vermissten nichts.

An jenem frühen Abend war noch Zeit. Aand ruhte schwer über den Baumwipfeln. Aponi hatte mit den Feen gesprochen und die Vögel hatten Ihnen ein Mahl gebracht. Chakora hatte sich den Federmantel umgelegt und verfasste die letzte Zeile eines neuen Liedes. Da versagte ihm ein Schatten in der Tür die Gunst der Sonnenstrahlen. Er erhob sich und verbeugte sich. Aponi erhob sich ebenfalls und wurde steinern.

„Tochter“ sprach Calo „ich komme im Namen des Rates. Deine Kinder müssen nun mit uns kommen. Du kannst sie nicht weiter in der Einsamkeit verstecken“.

Aponi schwieg auch als das Gesicht des stattlichen Alben gegen die Abendsonne sichtbar wurde. Er hatte sein Haar zurück gebunden, eine Flaumfeder lag wie eine Stola um seine Schultern gelegt. Die Feder eines gewaltigen Vogels. Ihr Vater sprach weiter:

„unser Volk wartet bereits zu lange auf das Licht und den Frieden – du kannst das prophezeite Schicksal nicht abwenden“

Da trat Aponi zu ihm „Aand lasse ihr Angesicht leuchten über Dich, Vater, alle Tage, alle Jahre, alle Leben lang. Doch erst nach dem Dunkel kommt das Licht und nach dem Krieg der Friede. So ist der Kreislauf des Lebens.“ Sie küsste ihn leicht auf die hohe Wange und sprach „wo du nun da bist komm herein und sieh was Licht und Friede für uns bedeutet.“

„Tochter, ich liebe dich und ehre deine Weisheit.“ Calo trat hinein „doch du irrst dich.“

Schweigen trat ein. Aponi, einst eine mutige Albin schaute besorgt hinaus über die Baumwipfel. Stetig senkte sich Aand ihrem Untergang entgegen, kein Einhalt, keine Abwendbarkeit, nur Gewissheit blieb, dass sie wiederkehren würde nach der Nacht.

Der ewige Kreislauf der Natur.

„Du bist nicht allein gekommen.“ das Gefühl von Enge legte sich über alle Anwesenden.

„Nein. Erebia ist bei mir und alle Notwendigen.“ „Warum verrätst du uns Vater?“ Chakora war einen Schritt zurück getreten und spähte ebenfalls hinaus und warf dann einen Blick zurück in den Raum.

„ein Bannzauber? Du sperrst uns ein?“

„Ja Weitsichtiger. Ihr müsst verstehen, dass es um mehr geht als euer Glück. Ihr benehmt euch unreif wie Menschen!

Gerade Du Chakora, der die Natur studiert, du siehst das Schwinden jeden Tag. Die Blätter welken, die Vogelschwärme ziehen fort und der Regen fällt schwach im Land der Asati. Der Rat hat entschieden, dass die Kinder nun kommen müssen. Ob ihr zustimmt oder nicht.“

Seine Worte waren hart und ohne Liebe gesprochen. Hier stand der alte Krieger und nicht der Vater vor ihnen und es war klar, dass auch Erebia die irgendwo dort draußen ihren Bann gesprochen hatte für den Rat und damit für die Albengemeinschaft war.

Sie hatten diesen Tag erwartet. Er war unabwendbar wie das Sinken der Sonne. Sie hatten nie darüber gesprochen, doch sie wussten wer auch immer vor ihrer Tür stehen würde, sie würden nicht nachgeben und nie aufgeben. Auch wenn einige Kreaturen die Nacht nicht überleben – viele erblicken den Schein des nächsten Sonnenlaufs – vielleicht sie selbst.

„Komm Makarah“ sie schwangen in den Höhen der Bäume um die Wette, wie Vögel die im Aufwind gleiten.

Dawon und Daria glitten unsichtbar neben ihnen, unter ihnen oder über ihnen. Wie Seidengespinste flochten sich die Bahnen ihrer schlanken Körper zwischen die pflanzlichen Stege des Dschungels.

Lautlose und tödliche Wesen – Schattenpanther.

Die Herrscher des Dschungels ließen sich aufs freundlichste beherrschen, denn sie waren von Geburt an verbunden mit Makarah und Adhara. Es war eine Übereinkunft ihrer Mütter die die vier zusammengebracht hatte. Aponi hatte die hochträchtige Schattenpantherin geschützt und ihr Vertrauen über viele Monate gewonnen. So kam es, dass Kinder und Panther eines Tages aufeinander trafen und nach kurzer Zeit ein wortloses Verständnis herrschte.  Die Zwillingsgeschwister hatten ihr Ebenbild gefunden. Makarah in dem verspielten muskulösen Dawon und Adhara in der wilden intelligenten Daria.

Zusammen waren sie ein tödliches Quartett.

Der Baumgigant und damit ihr Heim wurden auf der nächsten Höhe sichtbar. Ihre schlanken Körper warfen bereits lange Schatten auf dem Boden vor ihnen. In täglicher Gewohnheit fuhren die beiden Katzen in ihrem Revier auseinander um das Gelände zu durchstreifen welches sie den ganzen Tag zurück gelassen hatten – vielleicht fand sich noch ein leckeres zartes Kinu als Abendschmaus.

Makarah straffte die Schultern und richtete seine stattliche Albengröße voll auf. Bereit einen Tag voller neuer Erkenntnisse nach Hause zu tragen. Adhara beobachtete ihn dabei. Sie hatten den Tag über eine Gruppe Varge beobachtet. Ein grobschlächtiges minderes Volk, deren Gespräche einsilbig und von keinerlei Tiefe gewesen war. Krieg, Kampf, Überleben…. diese Dinge machen keine Kultur aus.

Schon lange zogen die Zwillinge auf ihrer Suche nach Neuem immer weitere Kreise. Sie waren es Leid auf die Vogelbotschaften des Vaters zu warten die selten spannend und meist nur tragisch von Windstärken, Böen und Absturz berichteten.

So drangen sie zu anderen Alben vor, diese waren ebenso langweilig in ihrem jahrhundertelangem Dasein und schon bald hatten ihre Panther andere „Dinge“ wie lautstarke Menschen,  stinkende Gnome, polternde Zwerge und eben Varge gewittert. Interessant kennenzulernen. Doch wie man Tiere studiert – man beobachtet und führt geistige Notizen – für einen Kontakt mit den Zwillingen waren diese Wesen nicht qualifiziert genug.

Adhara reichte dies schon lange nicht mehr. Sie wäre längst mit Daria losgezogen, um andere Alben-Großkulturen aufzusuchen. Aus Gesprächsfetzen ihrer Eltern hatte sie geschlossen, dass es eine größere und weiterentwickelte Albengesellschaft gab als die versprengten Einsiedler in ihrem Teil des Dschungels.

Doch Makarah hatte großes Pflicht- und Ehrgefühl ihren Eltern gegenüber. Er ertrug ihre Ausflüge wie eine Last weil sie sich geschworen hatten, diese als Geheimnis zu bewahren. Nicht, dass sie ihre Eltern nicht liebten und ehrten, sondern weil sie die Gemeinschaft mit ihnen nicht in Frage stellen wollten. In Adhara lösten diese Umstände großen Wiederspruch aus.

Über den Wald wanderte ein Schatten. Ein Vogel weit oben zog seine Kreise im Aufwind. Merkwürdig exakt lag die Mitte seiner Spirale über ihrem Heim. Ein Adler.

Erebia trat ein “ es ist vollbracht Ziehvater. Schwester und Schwager ihr werdet hier ruhen und uns nicht folgen bis alles vollbracht ist. Ihre grauen Augen waren wie immer seelenruhig und kalt. Der Bann wird euch keinen Schaden zufügen sondern euch schützen denn niemand soll verletzt werden.“ Bei diesem Worten strich sie leicht ein Blatt von ihrem weißen Haar welches sich in ihrer Frisur verfangen hatte. Sie trug einen weiten Mantel der sie silbrig umhüllte.

„Außer meinem Herz.“ sprach Chakora. Ein enttäuschter Blick trat in Calos Augen „So menschlich seid ihr? Warum? Was haben diese Kinder getan?“

„Sie sind Kinder, Vater, lerne von ihnen und nun lasst uns lebewohl sagen. Erebia, lass mich dich zum Abschied küssen wie Schwestern dies tun wenn die Trennung auf ewig sein wird.“ Erebia schaute  ihre Stiefschwester verunsichert an doch die Etikette verbat ihr die Worte  zu hinterfragen.

Aponi trat auf Erebia zu, fasste zart an ihre Wangen und küsste den tödlichen Kuss fest  auf die schmalen fahlen Lippen ihrer Stiefschwester. Während Chakora die verborgene Klinge gegen Calo stieß, fielen die zwei Schwestern umschlungen wie Blätter einer Blüte in die Tiefe des sich verdunkelnden Dschungels.

In der Ferne erklang der Schrei eines Adlers.

Der Himmel über Makarah und Adhara verdunkelte sich schlagartig. Wie eine Sturmwolke fegte ein gewaltiges Wesen über die Wipfel und raste ihrem Baumgiganten entgegen.

Auro“ hauchte Makarah „Kriegsadler“.

Der Boden erzitterte als das ungeheure Geschöpf mit voller Wucht gegen den Baum krachte und ihn umschlang wie eine Beute. Dinge stürzten herab.

Adhara raste los. Im Geiste rief sie Daria „Gefahr!“. Makarah war ihr auf den Fersen, doch sie nahm ihn nicht wahr. Soeben zerfetzte der monsterhafte Adler, der nur Auro der Kriegsadler Calos des Helden der Schlacht von Ansguir sein konnte, das zarte fragile Heim ihrer Familie.

Makarah erwischte sie am Arm und riss sie herum „Nein!“ schrie er gegen das Tosen der schlagenden Flügel „Komm mit mir.“ er drehte um und sprintete davon.

Zerissen stand sie dort. Sie sah Dawon schattenhaft neben ihm gleiten. Daria erreichte sie und zögerte ihren Schritt da sie nicht reagierte. „Ihre Eltern? Warum?“ ihr Herz schrie. Verzweifelt versuchte sie sich zu konzentrieren um die Situation zu verstehen und einen Weg der Rettung zu finden. Waren ihre Eltern dort? Wie sollten sie den Adler bekämpfen?

Mittlerweile begann der uralte Mammutbaum sich unter dem Druck und dem Gewicht des Vogels zu neigen. Ein Geräusch wie reißender Stoff ließ das Mark erfrieren.

Da hörte auch sie in ihrem Geist das Krippenlied von vor so langer Zeit:

„…und wenn die Zeit gekommen ist – zögre nicht,
dann lauf geschwind hinfort zum Licht,
Was auch dein Herz dir immer sagt,
Dein Geist dir wohl zu raten wagt,
Vertrau dem Lied und diesen beiden nicht.
Lauf geschwind hinfort zum Licht.“

Sie blickte zu Daria. Die verbleichenden Strahlen Aands fielen auf das Schattenfell der Katze die nervös um sie herumtänzelte.

„Lauf“ hauchte Adhara. Wie Blitze flogen sie zum Licht davon. Sie blickten nicht zurück. Auch nicht als die letzten Wurzeln aus der Erde rissen und der Stamm mit einem Ächzen wie das eines sterbenden Riesen zu Boden ging.

Holzsplitter schossen in alle Richtungen als die Äste der Krone unter dem Gewicht zerplatzten. Auro hatte sich erhoben und stieß einen siegreichen Schrei aus. Er trug ein weißes Bündel mit sich.

Sie hatten Makarah und Dawon erreicht und waren in einen schnellen aber sparsamen Lauf übergegangen der ihre Ressourcen sparen würde. Sie liefen in einer Spur – Dawon mit den scharfen Augen voraus und Daria zum Schluss.

Um Mitternacht hielten sie inne.

Wortlos öffnete Makarah das Bündel welches sie morgens ahnungslos für ihren Streifzug am Tag gepackt hatten. Es enthielt nicht viel, nur das Notwendigste für ein paar Tage und eine erfolgreiche Jagd. Decken zum Wärmen benötigten sie nicht, denn dafür sorgten die Schattenpanther.

„Wir haben sie im Stich gelassen“ Adhara hatte als Erste ihre Stimme wiedergefunden dann brach diese.

Nach einer langen Stille flüsterte Makarah „wenn Aand morgen zurückkehrt werden wir auch zurückkehren – hin zum Licht“

Damit wandte er sich ab, versank im Schweigen und im Dunkel der Nacht

Noch in der Stille des frühen Morgens brachen sie auf. Sie wählten versteckte Wege die nur ihnen und wenigen scheuen Waldtieren bekannt waren. Ein direkter Rückweg war zu riskant. Sie würden ihr Ziel in einem großen Umkreis vorsichtig umrunden und sich vom Norden von der Skrischlucht aus her annähern.

Als der Himmel sich erhellte und ein zartes rose die fernen Wolken färbte, erreichten sie die ersten Ausläufer der Schlucht. In der Tiefe schlängelte sich ein helles Band welches noch von den Schatten der steilen Wände verdunkelt wurde.

Die Schlucht breitete sich vor ihnen Kilometerbreit aus. Nur die begabtesten Kletterer konnten die kristallenen Wände hinabsteigen, ohne sich an den klingengleichen Vorsprüngen zu erstechen. Die Wände der Schlucht bestanden aus schwarzem Basiliskgestein. Entstanden in der Zeit weit vor dem Zersplittern der Monde. In der Zeit der Drachen.

Makarah warf ihr die Ausrüstung zu „Du bleibst hier“ „Das werde ich gewiss nicht tun.“ „Einer muss bleiben und das Erbe bewahren welches unsere Eltern uns geschenkt haben, AdharaMakarah sprach kraftlos.

„Gibst Du uns auf? Dann lass mich gehen und sehen ob sie überlebt haben und wenn nicht – ihre Körper dem ewigen Kreislauf übergeben.“

„Keiner von euch muss trauern, denn ihre Seelen leben wie alle Albischen Seelen in Ewigkeit und kehren zurück wenn Friede und Licht auf ganz Lorakis herrschen. Keiner von euch muss den anderen verlassen. Ihr könnt mit mir gehen und wir werden nach ihnen sehen.“

Vor ihnen stand ein hochgewachsener Alb mit schwarzweißem Haar welches zu einem Schweif gebunden war. Seine gelben Augen blickten scharf auf sie hinab. In seinem Blick war es klar und abwertend zu lesen „Kinder“.

„ich bin Calo. Ich bin geschickt worden, euch zu holen, zu beschützen und auszubilden.“

„von wem?“ fauchte Adhara. Wer Adhara kannte würde sich nun in Acht nehmen. Doch Calo hatte Hunderte von Jahren erlebt, Kriege mit vielen Völkern überstanden. Er war mächtig, voller Wissen und selbstsicher. Es gab keinen Alben, der Calos Rat nicht annehmen und sein Angebot ausschlagen würde. Nicht in seiner Welt.

„Vom weisen und allmächtigen Albenrat, meine Kinder. Ihr habt ab jetzt wunderbare Möglichkeiten eure ganze albische Kraft zu entfalten.“

„Wer gehört dazu“ bohrte Adhara weiter.

„Die Ältesten und Weisesten all unserer lebenden Vorfahren. Mächtige Alben, deren Wissen ihr nicht im mindesten erahnen könnt. Doch sie wissen alles über euch.“ er deutete mit dem Zeigefinger auf Adharas Brust.

„Das werden wir sehen“ warf ihm Adhara entgegen. Sie blickte zu Makarah, zu Dawon und zuletzt zu Daria. Alle hielten unverwandt den Blick auf sie gerichtet. Sie erwarteten eine Entscheidung von ihr.

Mit dem fremden Alben gehen, der ihnen dennoch so merkwürdig bekannt erschien, Oder sein Angebot abweisen?

Auch er blickte nun mit seinen gelben Augen bohrend auf sie hinab. In seiner augenscheinlichen Autorität und Selbstsicherheit lag leichte Nervosität.

‚Was würde geschehen wenn sie Nein sagte‘ dachte Adhara. Sie bekam das ungemütliche Gefühl, keine ernsthafte Wahl zu haben. Er hatte nicht vor sie alle irgendwo hin ziehen zu lassen. Mit ihrer Erfahrung mit anderen Alben wusste sie, dass er die Wahrheit sprach und sie zu ihren Eltern begleiten und dann mit zu den großen Alben nehmen würde, doch wenn sie nicht dorthin oder später diesen Ort und die Gemeinschaft verlassen wollten? Vielleicht auf ewig gefangen würden sie umgeben von mächtigen Alben nicht entfliehen können.

Weigerten sie sich jetzt in diesem Moment, würden sie die Möglichkeit verlieren nach ihren Eltern zu suchen, oder deren toten Leibern, wenn die Aussicht auf Flucht nicht in diesem Moment schon verstrichen war. Sie würden nicht nach Hause oder dem was davon übrig war zurückkehren können…

Daria senkte den Kopf. Scharfäugig hatte sie ein Ziel zwischen den Bäumen ausgemacht, welche mit Abstand den Rand der Schlucht säumten. Ihr Körper spannte sich und die Ohren fuhren blitzschnell herum um auch das winzigste Geräusch aufzunehmen. Auch Dawon und Makarah ließen sich davon anstecken. Kleinste Reaktionen die Adhara von vielen Jagden kannte.

Sie wusste Bescheid.

„Wir werden unseren eigenen Weg wählen, weiser Calo. Bitte verzeiht uns und lasst uns nun passieren, damit wir der Natur im Namen unserer Mutter und unseres Vaters danken können.“

Da er nicht auswich, drehte Adhara sich um und begann den Weg zurück zu gehen als Makarah hinter ihr den Atem scharf einzog. Fast zugleich war das Fauchen von Dawon.

Mehrere Alben waren an der Baumgrenze aus dem Wald getreten.

Ohne auf ihr Signal zu warten griff Daria Calo an. Die Schattenpantherin machte drei riesige Sätze. Ihre Fänge blitzten im Morgenlicht und der Schwanz peitschte als sie absprang. Mitten im Sprung ergriffen sie die scharfen Krallen von Auro und rissen sie mit ihm fort über die Klippen hinweg.

Der heftige Wirbel seiner Flügel riss alle außer Calo von den Füßen. Dieser stand wie ein junger fest verwurzelter Baum inmitten der umher wirbelnden Welt. Seine Haare fegten schwarzweiß um sein scharfes Gesicht.

Adhara lag wie auf dem Boden festgenagelt.  entsetzliche Furcht schlang sich eisern um ihre Brust – Darias Furcht und ihre eigene. In ihrem Geist suchte sie in Darias wilden Gedanken ein Bild vom Zustand und Position der Schattenpantherin.

Auro hielt sie noch in seinen Fängen. Er schwebte weit über ihnen.

Calo war im Moment der nachlassenden Strömung an Makarah heran getreten und hatte ihn fest am Arm ergriffen. Makarah wich zurück,  immer weiter und zog Calo mit sich – hin zum Abgrund. Noch bevor die restlichen Alben reagieren konnten sprang Dawon in Calos Rücken. Das Trio kam ins Stolpern. Wie in Zeitlupe sah Adhara zuerst Makarah, dann Calo über den Grat rutschen. Dawon hatte sich in Calos Arm verbissen, doch als Dawon begriff, dass Makarah bereits stürzte, ließ er den großen Alb gleiten und schnappte verschweifelt nach Makarah um ihn zu retten.

Adhara hörte wie durch ein Kissen gedämpft, Schritte und Schreie. Sie fühlte wie geisterhafte Schauer, dass Hände nach ihr griffen und fieberhaft Zauber gesprochen wurden, doch sie sah nur ihren Bruder und wie seine Hände sich verzweifelt in die lockere Erde auf dem schwarzen Gestein wühlten, um Halt zu finden.

Sie entriss sich den Griffen und in einer kraftvollen von Wut und Angst gespeisten Bewegung fuhr sie auf Händen und Knien wie ein Tier nach vorne, um seine Hand zu ergreifen.

Da fuhr ein Ruck durch die den Boden. Das Gewicht Auros beim Abstoß hatte einen jahrtausendalten Riss zwischen den Kristallen und dem Gestein aufgebrochen und nun begann die gesamte Erd-und Kristallscholle sich dem Abgrund zuzuneigen.

Wer konnte wich zurück.

Doch die Geschwister und Calo, der sich immer noch an Makarahs Gürtel geklammert hielt, stürzten unweigerlich mit.

Auro schrie als er Calo fallen sah und in seiner tierischen Wut zerdrückte er Darias Leib, bevor er in den Sturzflug ging um seinen Herrn zu retten.

Adhara verlor das Bewusstsein.

Sie erwachte mehrfach, dann wurde es wieder schwarz. Sie fühlte die leichte Berührung von Haar und eine große Wärme, Vertrautes.

Als sie völlig erwachte war es kühle Nacht und Dawon lag neben ihr. Er war schwach und hatte sich von ihr fortgerollt. Seine Brust hob und senkte sich schwer und langsam.

Irgendwie waren sie auf einen verdeckten Vorsprung gefallen. Doch Dawon hatte sich im Fall an den Klippen die Seite schwer verletzt. Ein armlanger Schnitt bis tief in sein Fleisch zog sich über alle Rippen.

Auch Adhara hatte sich einiges zugezogen. Einige Rippen gequetscht, ein Schnitt verlief über ihre rechte Wange und Arme wie Hände waren vom Blut verkrustet. Offensichtlich hatte sie nach Halt gesucht und sich an den skalpellscharfen Wänden beinahe die Hände abgeschnitten.

Der Beutel mit Proviant hing noch um ihre Schultern geschlungen. So schnell es ihr mit den steifen Fingern möglich war suchte sie den Wasserbeutel und die sauberen Verbände. Auch ein Heiltrank ihrer Mutter war, fest in einem Tuch eingeschlagen und damit geschützt, noch in seiner Glasphiole.

Dieser würde Dawon helfen. Sie durfte ihn nicht verlieren.

Auch wenn er mit Makarah verbunden war – sie waren immer ein Team aus vier Wesen gewesen in dem jeder mit jedem engste Beziehungen pflegte und jeder des anderen Gefühle spürte. War sonst niemand mehr über?

Sie gab Dawon aus dem Wasserbeutel zu trinken und verwendete den Heiltrank für seine Wunde. Nur zwei drei Schlucke würden ihr selbst genügen müssen, denn sie brauchte die Energie des Wassers für den nächsten Tag.

Dann legte sie sich zurück auf den unebenen harten Stein, ein paar Fuß entfernt vom sicheren Tod in der Tiefe und schlief.


Ende des ersten Kapitels von Iyes Geschichte.

 

Zusammenfassung der weiteren Geschehnisse:

Natürlich wird sie mit Dawon den Vorsprung an der Schluchtwand verlassen können. Sie hat ja ein Seil dabei und einiges Geschick im Klettern.

Danach verlässt sie mit Dawon schnell die Umgebung. Sie streifen zusammen mehrere Monate durch die Wälder und bauen dabei ihre enge Freundschaft auf.

Bald wird die Wut und der Zorn in Adhara so groß,  dass sie sich in Iye, das bedeutet „Rauch“ umbenennt.

Sie beginnen Städte und Siedlungen aufzusuchen, da Adhara nach den Schuldigen sucht.

Das könnte der Beginn eines großen Heldenepos sein…. :)

P.S.: Ob Eltern, Großvater und Bruder tatsächlich an diesen schicksalhaften Tagen umgekommen sind, bleibt ungewiss, genauso was sich hinter der Prophezeiung von „Friede und Licht“ verbirgt. Gutes oder Schicksalhaftes?

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