Blut auf der Themse 1 – Der Gesandte

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Freitag, der 01.10.1880: in seinem Pub „Old Lady“ an den Docks erwacht der Brujah Thomas O´Ceallaigh aus seinem Schlaf. Nachdem er sich an einem seiner Schankmädchen genährt hat, teilt ihm seine Schwester Beth mit, dass eine Nachricht für ihn abgegeben wurde. Lady Ann Bowesley erwartet ihn zu 21:00 Uhr im Carlton Club, angemessene Kleidung wird vorausgesetzt. Der bärtige Ire sucht seine am Wenigsten abgetragene Kleidung heraus und erwartet die Kutsche, die pünktlich um 20:00 Uhr eintrifft. Die Fahrt führt als nächstes nach Southwark, wo der Kutscher, Mr. Smitty, vor einem victorianischen Haus mit Park hält. Auf einem Schild an der hohen Mauer mit schmiedeeisernen Tor stehen die Worte „Bethlem Royal Hospital – Psychiatrie“ graviert. Smitty kehrt mit einem seltsam verwirrten Zeitgenossen, Tomas Moonfield, augenscheinlich ein Malkavianer, zurück. Dann fährt die Kutsche zu einem Stadthaus in der Nähe des Britischen Museums. Ein vornehmer Herr im Smoking mit Zylinder steigt ein, Sir Cedrick Camberborough, einer der beiden Tremere der Stadt, die vor nicht allzu langer Zeit hier eine Kapelle errichtet haben. Sodann geht es nach Nordosten in ein nobles Viertel, wo ein ebenfalls galant gekleideter Herr mit Gehstock, Melone und Brille hinzu steigt; Sir William Byron Percy III., ein Ventrue und letzter im Bunde (das Beste kommt eben zum Schluss). Da der Klüngel nun vollständig ist, fährt die Kutsche nach Kensington, wo der renommierte Carlton Club liegt. Sie betreten den Club durch den Gesindeeingang und werden von Mr. Smitty nach oben geführt. Dort erwartet sie Lady Ann Bowesley, Senneschal von London. Nach einer kurzen, oberflächlichen Begrüßung und etwas höflichem Geplänkel eröffnet Lady Ann, warum sie die vier Kainskinder zu sich gerufen hat.
Die Veränderungen, die London in den letzten Jahrzehnten erfahren hat, haben die Stadt an der Themse zum Nabel der Welt werden lassen. In Folge dessen wurden vermehrt Anstrengungen unternommen, London nun doch an die Camarilla anzugliedern. Zu diesem Zweck erwartet Regent Valerius den Besuch eines Gesandten aus Heidelberg, dem Sitz des Camarillarates. Der Gesandte, ein Mr. Rory McAndrew (ursprünglich aus Schottland), wird in der morgigen Nacht per Fähre eintreffen. Soweit wurde alles für seine Ankunft vorbereitet. Aber es werden noch einige Personen benötigt, die für die persönliche Sicherheit des Gesandten verantwortlich sind. Nach Rücksprache mit den Ahnen der vier Kainskinder werden sie mit dieser ehrenvolle Aufgabe betreut. Hauptsächlich sollen sie den Zufluchtsort von McAndrew sichern, eine Liegenschaft in Kensington, das Remington House. Dort wurden sowohl für McAndrew als auch für den Klüngel Räumlichkeiten hergerichtet. Thomas O´Ceallaigh erkundigt sich, ob sie nicht einfach ausgewählt worden sind, weil sie als jüngste Vampire „entbehrlich“ sind. Lady Ann reagiert darauf leicht verstimmt. Aber selbstverständlich nehmen die Vampire den Auftrag an.
Der Klüngel nimmt das Anwesen noch in derselben Nacht in Augenschein. Mr. Smitty kutschiert sie zum Remington House, einem freistehenden, doppelgeschossigen Haus mit Erkern, Wasserspeiern und Giebeldach. Das gotische Anwesen ist von einer zwei Meter hohen Mauer umschlossen und verfügt ringsum um eine kleine Gartenfläche. Ein Bobby hält vor dem Tor Wache. Der Haushalt wird geführt von dem älteren Ehepaar Myra und Alfred, die den Klüngel willkommen heißen. Alfred führt die Kainskinder durch das Haus. Im Keller sind vier Zimmer für sie vorbereitet worden, für den Gesandten wurde im Obergeschoss Räumlichkeiten hergerichtet. Von Alfred erfahren sie, dass das Remington House einst einem Adelsgeschlecht gehörte, die den Jakobitenaufständen zum Opfer fielen. Nach deren Auslöschung gingen die Liegenschaft an die Krone. Seither wird das Anwesen immer wieder für Gäste des Regenten genutzt. Der Klüngel berät sich kurz. Die Zeit reicht nicht, um in der Stadt ernsthafte Nachforschungen nach Bedrohungen für den Gesandten zu betreiben. Daher beschließt der Klüngel, dass sie McAndrew morgen in Empfang nehmen und abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Für den Tag kehren die Kainskinder wieder in ihre eigenen Zufluchten zurück. Smitty soll sie morgen wieder per Kutsche abholen.
Sir Cedrick Camberborough sucht die Kapelle der Tremere auf, um mit seinem Meister zusprechen. Edward Bainbridge, Primogen der Tremere und Kapellmeister, macht sich gerade ausgehfertig. Unwirsch wimmelt er das Gesuch von Sir Cedrick ab. Er habe derzeit schließlich keine wichtigeren Aufgaben, daher hat Bainbridghe ihn für die Interessen der Gesellschaft zur Verfügung gestellt.
Thomas O´Ceallaigh hingegen bekommt im „Old Lady“ noch unangekündigten Besuch von seinem Ahn, Mr. de Cllifford. Der Brujah wirkt angespannt. Er hatte ein unerfreuliches Gespräch mit Lady Ann Bowesley. Die Senneschal war verärgert darüber, dass O´Ceallaigh ihr unterstellte, dass sie den Klüngel mit dieser ehrenvollen Aufgabe nur deshalb betraut hat, weil die vier Kainskinder entbehrlich seien. Obwohl der Ire längst freigesprochen worden ist, sieht sich Mr. de Clifford gezwungen, erzieherische Maßnahmen anzuwenden. Um solchen Eskapaden entgegenzuwirken, zwingt er Thomas O´Ceallaigh zu einem minderen Blutsband.

Samstag, der 02.10.1880: Dicker Nebel ist aus der Themse aufgestiegen und verhüllt die Straßen und Gossen Londons. Punkt 18:00 Uhr wird Thomas O´Ceallaigh von Mr. Smitty am „Old Lady“ abgeholt. Auch der Tremere und der Malkavianer werden mit der Kutsche eingesammelt. Lediglich Ventrue Sir William Byron Percy III sucht das Remington House zu Fuß auf. Sein eigenes Anwesen liegt nur 10 Minuten entfernt. Wieder ist der Bobby auf seinem Posten, aber heute Abend ist das Haus komplett beleuchtet und alle Zimmer sind beheizt. Sir Cedrick Camberborough nimmt mit seinen scharfen Sinnen aus einem der Räume einen Geruch von Flieder war. Alfred hat hier einen „Vorrat“ an Gefäßen eingelagert, Frauen, die mit Opium ruhiggestellt worden sind. In der Küche hat Myra einige Karaffen mit Wein und Blut vorbereitet. Von dem Blut ist noch ein Rest in einer Feldflasche vorhanden. Eine traumaturgische Unter-suchung von Sir Camberborough ergibt, dass es sich um ungefährliches, reines Menschblut handelt. Während der Tremere im Remington House verbleibt, macht sich der restliche Klüngel auf dem Weg zum Hafen, um den McAndrew in Empfang zu nehmen.
An der Mole liegt ein großes Dampfschiff vor Anker. Der Nebel ist hier so dick, dass das gegenüberliegende Themseufer nicht erkennbar ist. Grau in Grau wallen die Schwaden, dicht und schwer … Tomas Moonfield starrt abwesend in den Nebel, scheint jemanden darin zu erkennen … „Sire“, flüstert er heiser. Dies bleibt Thomas O´Ceallaigh nicht verborgen. Der Brujah schlendert die Gasse ein Stück herunter, aber dort sind nur paar Kisten und Fässer. Keine Bedrohung … Einige Zeit später schält sich ein Flussdampfer aus dem Dunst und legt an. Hafenarbeiter erscheinen auf der Bildfläche, vertäuen das Schiff, die Passgiere kommen von Deck. Unter ihnen ist auch ein hochgewachsener, schlanker Mann mit durchdringendem Blick und rötlichbraunem Haar. Er mustert den Klüngel kurz, dann drückt er O´Ceallaigh wortlos seine Reisetasche in die Hand und stellt sich Sir William Byron Percy III als Mr. Rory McAndrew, Gesandter der Camarilla vor. Das O´Ceallaigh und Moonfield ebenfalls vom Blut sind, entgeht ihm zu nächst. Als der Fauxpas offenkundig wird, entschuldigt sich McAndrew sofort. Ansonsten ist der Ventrue sehr gut informiert, er kennt die Mentoren und Erzeuger der drei Vampire zumindest namentlich.
Die Kutsche erreicht das Remington House, Sir Camberborough und Hausdiener Alfred nehmen die Gruppe in Empfang. Dem Gesandten werden seine Gemächer gezeigt, dann verabredet man sich in einer Stunde im Salon. Alfred serviert Wein und Blut, man gibt sich dem Geplauder hin. Zwischendurch streift Moonfield durch den Raum, blickt aus dem Fenster. Auf der gegenüberliegen Straßenseite sieht er eine kleine Gestalt in einem Kapuzenmantel, die das Haus zu beobachten scheint. Als der Malkavianer kurze Zeit später wieder aus dem Fenster blickt, ist niemand mehr zu sehen. Das Gespräch am Tisch dreht sich nun um die Frage, ob es nicht Zeit wäre, dass London als Weltstadt endlich einen neuen Prinzen erhält. McAndrew würde dies befürworten, bei dem Wandel, den die Stadt erlebt hat…
Dann wird es Zeit für den ersten offiziellen Termin mit der Londoner Führungsebene. Hausdiener Alfred wird noch beauftragt, stets die großen Tageszeitungen bereitzulegen. Der Klüngel begleitet McAndrew auf seinem Weg nach Westminster Palace, dem Sitz des Regenten Valerius. Der Gesandte wird von Sheriff Arthur Halesworth erwartet. Der Klüngel warten draußen. Nach 1 ½ Stunden kehrt McAndrew wieder zurück, das Treffen sei höflicher gewesen als erwartet, aber doch recht langweilig. Mr. Smitty fährt die Kainskinder zurück nach Kensington.
Im Remington House zieht sich McAndrew in seine Gemächer zurück, um etwas “Papierkram” zu erledigen. Der Brujha und der Tremere beschließen, noch mal den Garten und dann den Keller in Augenschein zu nehmen. Der Ventrue sucht den Salon auf, um die vorhandenen Bücher zu studieren. Der Malkavianer hingegen bleibt etwas desorientiert vor sich hinmurmelnd in Foyer zurück. Plötzlich erscheint McAndrew oben an der Balustrade und ruft Moonfield zu sich. Auf seinem Bett liegt ein enthauptetes braunes Huhn, die Blutlache ist bereits eingetrocknet. Sie rufen die anderen Vampire hinzu. Sie untersuchen das Zimmer, können aber keine Einbruchsspuren feststellen. Auch der Kopf des Huhns ist nicht finden. Sir Percy III lässt nach Alfred rufen und fragt ihn, ob es in der Zwischenzeit Besucher gegeben hat. Der Hausdiener erklärt, dass lediglich der Bobby einmal kurz im Remington House war, um zu urinieren. Die Latrine befindet sich hinter der Küche, der Bobby wurde von Alfred und Myra gesehen. Das Zimmer von McAndrew wurde nach dem Aufbruch zur Westminster Abby von Alfred das letzte Mal kontrolliert, da war alles in Ordnung. Auf den Anblick des Tierkadavers reagiert der alte Mann geschockt.
Der Ventrue verhört sogleich den Bobby Mr. Paul Watson. Der gesteht, einmal seinen Posten verlassen zu haben, um im Remington House auf Toilette zu gehen. Vor dem Aufbruch des Klüngels habe er allerdings eine Gestalt auf der anderen Straßenseite gesehen, die das Anwesen beobachtet hat.
Sir Camberborough prüft die Kammer mit den Frauen, hier ist aber alles unverändert. Auf dem Rückweg entdeckt er auf der Treppe einen einzelnen Tropfen Blut. Mittels Magie stellt er fest, dass sich um Hühnerblut handelt. Der Tremere kann den Blutgeruch bis in den Garten verfolgen. Hier findet er den Kopf des Tieres im Hinterhof. Als die Vampire die Straße rund um das Remington House untersuchen, finden sie noch Spuren von Erde auf dem Bordstein. Für weitere Nachforschungen ist die Nacht zu sehr vorangeschritten. Doch die Morgenzeitung verrät, dass in dieser Nacht noch mehr geschehen ist: „Erneut Prostituierte brutal ermordet! Ein Serienmörder in Withechappel?“

3 thoughts on “Blut auf der Themse 1 – Der Gesandte

  1. thd

    Ich habe ein paar Kleinigkeiten geändert und Namen korrigiert, aber insgesamt eine sehr schöne Zusammenfassung!

  2. Agrawan

    Ein sehr schön zu lesendes Tagebuch, gefällt mir!

    PS: Ich habe mir erlaubt an 2 Stellen zu korrigieren und Sir Wilhelm gegen Sir William zu tauschen. :-)

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