Die 13 Bräute des Blutes

Schreibe eine Antwort

Graf Erasmus Kordovan Dessangris existierte seit unzähligen Jahrhunderten und labte sich am Blut der Landbevölkerung im Umland seines Schlosses. Für gewöhnlich fielen ihm die Vorwitzigen, Unwissenden oder Verzweifelten zum Opfer, die nach Einbruch der Dunkelheit noch im Freien unterwegs waren: Einsame Wanderer oder Bewohner abgelegener Bauernhöfe. Um dem Spuk ein Ende zu bereiten, stürmten zahlreiche Wagemutige vor einer Generation das Anwesen des Grafen und brannten es nieder. Von diesem Tag an ragten die schwarzen Ruinen des Gemäuers über das Land, und es schien zunächst, dass der Schrecken vorbei war. Doch alle sieben Jahre verschwanden von da an Einwohner größerer Ortschaften spurlos. Meist waren es junge Männer, die selbst mitten am Tag, hinter starken Mauern und mehrfach verriegelten Eisentüren nicht sicher waren. Und wenn wieder das Wehklagen einer Mutter erschallte, flüsterten die Leute voller Aberglauben, Angst und hilfloser Wut, „Dessangris hat frisches Blut für seine dreizehn Bräute besorgt“.

Fast genau sieben Jahre war der Tag des letzten Verschwindens her. Und dieses Mal traf es das kleine Dorf Ludovicum. Gerade erst hatten sie die Fesseln des grausamen Magiers Broshgar abgeschüttelt, da verschwanden ein Dutzend Dörfler spurlos über Nacht…

***

Die entführten Menschen, Elfen und Halblinge erwachten in den Tunneln und Höhlen eines lange verlassenen Bergwerks. Die Stollen waren gefährlich, denn es gab Gruben, losen Fels und Bereiche mit giftiger, abgestandener Luft. Sogar die Skelette der hier unten gestorbenen Bergleute schienen ruhelos zu sein – zumindest, wenn man sie beraubte.
Es gab nur einen Ausgang, ein steinernes Portal, auf dem Runen der Warnung geschrieben waren. Vor dem Portal stand eine drei Meter hohe Statue eines Dämons aus schwarzem Stein. Die Fratze war hasserfüllt und in den Klauen hielt sie einen Dolch und ein Schwert vor der Brust verschränkt. Der Sockel der Götze glänzte fleckig, so als hatte man dem Dämon Opfer dargebracht. Als einer der Ludovicumer ein wenig seines Blutes darauf träufelte, erwachte das Gesicht des Dämons zum Leben. Während der Rest des Steins starr verharrte, sprach der Kopf: „Sterbliche! Seid willkommen im Spiel des Ahriman. Wenn ihr meinen Diener und seine Bräute mit allem, was eure erbärmliche Existenz hergibt, unterhaltet, so kann es geschehen, dass ihr das Licht der Sonne wiederseht. Doch ich will euch keine falschen Hoffnungen machen – bisher hat das niemand geschafft.“
Und es erschallte das donnernde Gelächter des Dämons.
„Findet den Weg hinaus und vermeidet, dabei entdeckt zu werden, mehr müsst ihr nicht tun. In drei Stunden geht die Sonne unter. Findet ihr den Ausgang vor dieser Zeit, werden eure Jäger nicht in der Lage sein, euch zu folgen. Seid ihr jedoch nach Einbruch der Dunkelheit nicht in Sicherheit, wird die Jagd weitergehen, bis entweder ihr tot seid oder sie vernichtet sind.“

Die Dörfler zögerten noch ein wenig, schritten dann aber entschlossen durch das Portal. Dahinter fanden sie ein weitläufiges Gewölbe, zahlreiche Fallen, Vampire – eben besagte Bräute des Grafen – und eine düstere Kultstätte des Ahriman. Das einzige Bestreben der Entführten war es, diesen verfluchten Ort so rasch wie möglich zu verlassen. Sie hielten sich deshalb nicht lange mit sorgfältigen Erkundungen auf. Als sie einen schmalen Tunnel an die Oberfläche fanden, nutzten sie den Ausweg zur Flucht.
So schafften es sieben der zwölf Dorfbewohner ans Tageslicht. Über ihnen ragte das schwarze Gemäuer des gräflichen Schlosses auf. Die Sonne stand tief am Himmel, würde ihnen aber genug Zeit verschaffen, um von hier fort zu kommen. In knapp zwei Tagen würden sie Ludovicum erreichen. Erasmus Kordovan Dessangris war nicht besiegt, doch sie wussten nun, wo sein Versteck war. Eines Tages würden sie wiederkommen und sich dem Problem endgültig annehmen – schließlich waren sie nun die Helden von Ludovicum.

 

Über thd

1984 DSA 1 zum Geburtstag gewünscht und wider Erwarten die Basis-Box bekommen. Nachdem ich Silvana drei mal befreit hatte, merkte ich, dass ich Mitspieler brauchte, um mit der Box weiter etwas anfangen zu können. Glücklicherweise sah ein Freund aus der Nachbarschaft die Bücher bei mir herum liegen und meinte, sie würden in einer Runde etwas ähnliches Spielen, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Klar hatte ich das, und so bin ich mit Dungeons & Dragons angefangen. Zahlreiche Runden, Systeme und eine Vereinsgründung später, findet sich auf THORNET ein ziemlich großer Ausschnitt meiner Rollenspielerlaufbahn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutzhinweise: Die E-Mailadresse wird an den Dienst Gravatar übermittelt (ein Dienst der Wordpress Entwickler Auttomatic), um zu prüfen, ob die Kommentatoren dort ein Profilbild hinterlegt haben. Zu Details hierzu sowie generell zur Verarbeitung Deiner Daten und Widerrufsmöglichkeiten, verweisen wir Dich auf unsere Datenschutzerklärung. Du kannst gerne Pseudonyme und anonyme Angaben hinterlassen.