Die Teufelsratten von Kronau II – Mord und Verrat

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20. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronau

Wir saßen beim Bier und beratschlagten, wie wir weiter vorgehen sollten. Die Stimmen im „Greifen“ waren eher gedämpft, so dass ich draußen entfernt Geräusche wahrnahm, die sich wie Ratten anhörten. Aktiv waren sie also. Vom Wirt organisierten wir uns zwei stabile Säcke, mit denen wir die Ratten fangen oder zumindest zu transportieren gedachten und verließen das Gasthaus.

Wir schlugen den Weg Richtung Armenviertel ein und erblickten auch einen schwer bewachten Eingang zu ebenjenem Gelände. In eine Seitengasse abgebogen vernahmen wir aus einem vernagelten Gebäude deutliche Rattengeräusche. Wir brachen die Kellertür auf, da diese um die Häuserecke lag und weniger Entdeckungsgefahr durch Patrouillen versprach.

Drinnen standen wir in einem größeren, sehr unordentlichen Raum, die Rattengeräusche vernehmen wir aus einem weiteren Raum. Don Ignacio schlich um die Ecke und sah einige der Teufelsratten sowie ein Erdloch. Gleichermaßen behände wie beherzt sprang er in das Zimmer und blockierte das Loch, damit die Ratten nicht entkommen konnten. Diese empfanden das offensichtlich als Bedrohung und griffen sofort an. Wir anderen rückten natürlich sofort nach. Schnell erschlugen wir alle bis auf eine, die noch zuckte. Wir stopften alle in die mitgebrachten Säcke und wollten den Keller gerade verlassen als wir leise Musik vernahmen. Diese kam merkwürdigerweise aus dem Rattenloch. Vielleicht aus dem Armenviertel? Gab es hier Tunnel? Das wollten wir aber erst später näher erkunden und schlichen ungesehen aus dem Haus in Richtung Seifenbergs Turm.

Dort klopften wir an, er öffnete die Tür und zeigte sich erfreut über unsere Beute. Er zahlte uns aus und wollte sein Gegengift bis zum morgigen Tag fertig stellen. Wir sollten uns Nachmittags oder gegen Abend wieder melden.

Wir gingen zurück zum „Greifen“ als Heinrich in einer dunklen Seitengasse einen humanoiden Schatten aber nichts Genaueres wahrnahm. Wir sahen genauer nach, da war aber nichts. Doch plötzlich sah ich einen großen humanoiden Schatten auf allen vieren über ein Hausdach springen doch hören konnte man nichts! Das ging nicht mit rechten Dingen zu. Da wir nur noch etwa 30 Minuten bis zur Sperrstunde hatten, sahen und hörten wir uns etwas um, konnten aber nichts weiter bemerken. Also gingen wir zurück zum „Greifen“.

Wir tranken noch ein Bier und begaben uns dann auf unsere Zimmer. Ich öffnete noch die Fensterläden, konnte aber nichts Ungewöhnliches wahrnehmen. Die Nacht verlief sehr ruhig.

21. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Kronau

Ausgeruht frühstückten wir ausgiebig. Da wir noch einige Zeit hatten, bis wir zu Doctor Seifenberg kommen sollten, beschäftigten wir uns anderweitig. Karl braute einige Tränke, ich stellte etwas Pulver her und Roland begab sich auf den Markt, um ein paar Informationen zu erhalten, erfuhr aber nichts von Interesse.

Gegen Abend gingen wir zu Doctor Seifenbergs Turm, wo wir zwar Rauch aus dem Schornstein aufsteigen sahen, uns aber trotz wiederholtem Klopfen niemand öffnete. Wir passten einen Moment ab, in dem die Straße leer war und brachen das Schloss auf.

Drinnen wurden unsere Befürchtungen bestätigt: alles war durchwühlt. Im Obergeschoss in seinem Labor lag der Doctor tot in einer Blutlache, er war offensichtlich erdolcht worden. Und er schien überrascht worden zu sein; Kampf- oder Abwehrspuren entdeckten wir keine. Dafür einen schlanken Dolch mit Giftkanal, wie der eines Assassinen. Wären wir früher erschienen, hätten wir ihn wohl auch nicht retten können; er war schon kalt und etliche Stunden tot.

Das Labor war ebenfalls durchwühlt, viele Aufzeichnungen und Tränke im Kamin verbrannt. Wahrscheinlich rauchte es deshalb immer noch.

Alle Fenster und die Tür waren merkwürdigerweise verschlossen. Wie war der Mörder hinein- und vor allem wieder herausgekommen? Wir durchsuchten den Turm und Don Ignacio stieß im Keller auf eine versteckte Luke mit einem Gang darunter.

Wir verschlossen die Tür des Turms und ließen uns in den Tunnel hinab. Der Gang war ausreichend hoch und breit und gabelte sich nach kurzer Zeit auf. Hier handelte es sich nicht nur um einen Tunnel, sondern um ein Labyrinth, das ziemlich groß schien und möglicherweise unter der ganzen Stadt verlief. Wir setzten Markierungen, um uns nicht zu verlaufen.

Nach ein paar Minuten vernahmen wir Stimmen und hielten still. Don Ignacio schlich voran und lauschte; es handelte sich offensichtlich um einen Trupp Schmuggler. Wir blieben unbemerkt und der Trupp ging seiner Wege.

Wir beratschlagten, wo wir wohl am besten hingehen sollten. Da alle Fäden unserer Ansicht nach im Armenviertel zusammenliefen, wollten wir dort hin. Wir orientierten uns so gut es ging und erreichten nach gar nicht langer Zeit einen Ausgang, der in einem verlassenen Haus endete. Dieses Haus stand in einer Seitengasse, die sehr nach Armenviertel aussah.

Zumindest war jetzt klar, dass das Armenviertel mitnichten abgeriegelt war, sondern wahrscheinlich ein florierender Schwarzhandel stattfand.

Als wir das Haus vorsichtig verließen, ertönte eine Stimme: „braucht ihr einen Führer?“. Ein kleiner, abgerissen aussehender Junge stand vor uns. Wir nahmen sein Angebot an und befragten ihn ausgiebig. Er berichtete von zwei Banden, die hier aktiv waren: den Schwarzfedern und Nachtfaltern. Des Weiteren gab es hier keine Epidemie mehr, anders, als man es uns draußen weismachte. Jeden Abend kam ein Mann, „Medizinmann“ genannt, in ein Gasthaus namens „Stier“ und verteilte kostenlos ein Gegenmittel, das „Engelsmilch“ genannt wurde. Und es gab im „Stier“ kostenloses Essen für alle, die es brauchten, so dass hier auch niemand ernsthaft Hunger litt. Wer das alles bezahlte oder wie das Essen in das Armenviertel kam, wusste er nicht.

Er schien ein kompetenter Führer zu sein, bewegte sich vorsichtig und schlug ein paar Haken. Wirklich vertrauenswürdig war er dann aber doch nicht. In einem Hinterhof ging er ein paar Schritte vor, verschwand plötzlich, ein Pfiff ertönte und mehr als ein Dutzend Gestalten lösten sich aus den Schatten.

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