Geplagte Seelen Teil 3 – Waltrudis Rache und ihr Ende

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13. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Lindenhof, Baden

Heinrich nahm seinen Schild und drückte die Klinke vorsichtig hinunter. Die Tür war verschlossen. In diesem Moment wurde drinnen eine Muskete abgefeuert, die Heinrich traf, aber zum Glück nur einen Streifschuss verursachte. Sofort warf er sich gegen die Tür, die augenblicklich nachgab. Wir blickten im Raum auf drei Musketen- und vier Pistolenläufe, die auf uns gerichtet waren.

Wir sahen auch Heinrich Gutenthal, der gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl saß, Antonius stand hinter ihm. Die anderen Schwarzfedern hatten sich hinter Sofas und Stühlen verschanzt. Wir sahen noch einen toten Knecht auf dem Boden mit den typischen Wundmalen und geschorenem Kopf, offensichtlich tot. Auf einem Tisch lag etwas mit einem blutigen Tuch bedeckt.

Wir fackelten nicht lange und stürzten in den Raum. Die erste Salve ging zum Glück glimpflich aus und mithilfe der Knechte, die mitgekommen waren, konnten wir die Pistolenschützen sehr schnell ausschalten. Die Musketenschützen waren hingegen deutlich schwerere Gegner, die wir aber ebenfalls besiegen konnten.

Antonius entpuppte sich als ziemlich zäher Bursche, der kräftig austeilte. Da seine Mörderbande aber schon tot am Boden lag, konnte er gegen unsere Übermacht nichts ausrichten. Mit wilden Flüchen, „meine Brüder werden mich rächen“ und etlichen blutenden Wunden warf er sich mit einem beherzten Satz durch ein geschlossenes Fenster. Offensichtlich wähnte er sich draußen sicherer als hier drinnen. Das war aber auch schon das letzte, was er tat; noch im Flug trafen ihn mehrere Blitze, so dass sein Körper verkohlt auf dem Boden aufschlug. Waltrudis Rache. Eine gerechte, wenn meiner Meinung nach auch recht milde Strafe, die er bekommen hatte.

Offensichtlich waren wir im Haus nicht vorsichtig genug gewesen, daher waren sie vorbereitet. Aber wir hatten den Kampf mit kleineren Blessuren überstanden und auch die Knechte und Siegfried lebten noch.

Nun banden wir Heinrich Gutenthal los und nach einer halben Flasche Wein erzählte er uns alles. Wirklich Neues erfuhren wir aber nicht. Er musste zusehen, wie eine Person nach der anderen hineingeführt und rasiert wurde und dann ein merkwürdiges Konstrukt auf den Kopf gesetzt bekam. Es wurden Schrauben an den Schläfen und in die Stirn gebohrt und die Maschine aktiviert. Unter lautem Geschrei der Opfer wurde so die Seele entzogen. Abstoßend. Ich ärgerte mich jetzt doch, dass Antonius nur kurz gelitten hatte.

Als Adeltrud an der Reihe war, lief es wie bei den anderen, nach der Prozedur fiel sie zu Boden. Doch plötzlich stand sie wieder auf und stieß mit übermenschlichen Kräften eine der Schwarzfedern gegen die Wand. Irgendwie muss Waltrudis in den toten Körpers Adeltruds eingefahren sein. Was danach passierte, wissen wir nicht; irgendwie müssen es die Schwarzfedern geschafft haben, sie aus dem Gebäude zu bekommen und saßen fest.

Unter dem blutigen Tuch lag eine schauerlich anmutende Maschinerie, die eindeutig der Seelenextraktor war. Daneben lag eine Tasche mit zwei gefüllten und einer halbvollen Phiole Seelenlicht. Antonius hatte Heinrich erzählt, dass sie vorher schon andere Höfe überfallen hatten. Mit den fünf Opfern hier hatten sie wohl nur eine halbe Phiole gefüllt. Karl interessierte sich für das Konstrukt und sah sich alles genau an.

Ich blickte zwischendurch aus dem Fenster und sah Waltrudis/Adeltrud auf mich starren. Neben ihr standen eine brennende Ziege, mehrere Schweine mit Hauern und ein Muli mit Echsenhaut. Gruselig.

Wir berichteten Heinrich über unsere Entdeckungen und Vermutungen, aber außer, dass Heinrich sichtlich betroffen war, brachte das keine neuen Erkenntnisse.

Karl stürmte hinaus und wollte nun unbedingt wieder mit dem Amulett zum Stein im Garten. Ich konnte ihn an der Küchentür gerade noch anfangen. Zurück im Wohnzimmer rätselten wir, was wir tun sollten. Karl untersuchte das Kräuterbuch der Hexe und als er eine Seite an eine Kerze hielt, fing die Seite plötzlich an zu bluten. Was absonderlich war, uns aber wiederum nicht weiterhalf.

Inzwischen waren Blitze nicht nur in die Scheune eingeschlagen, die sofort lichterloh brannte, sondern auch ins Haupthaus, das ebenfalls Feuer fing. Wir versuchten, das Amulett zu zerstören, aber selbst mit Rolands gesegneter Waffe gelang das nicht.

Inzwischen waren wir sicher, dass Waltrudis Stärke mit dem Stein im Garten zusammenhing. Da die Zeit knapp wurde und wir uns dem Eindruck nicht erwahren konnten, dass Waltrudis uns ohnehin aus dem Haus treiben wollte, fassten wir einen kühnen Plan.

Wir beschafften uns Hacken aus dem Keller und wollten dann nach draußen stürmen. Einem oder zweien von uns sollten den Stein zerhacken und der Rest von uns sollte Deckung geben.

Gesagt, getan, wir stürmen nach draußen, wo uns fünf mutierte Schweine, zehn übergroße Hühnermonster sowie die brennende Ziege und das echsenartige Muli erwarteten. Und natürlich Waltrudis.

Mithilfe der Knechte konnten wir das grässliche Federvieh und die Mutantenschweine schnell erschlagen. Karl erreichte den Stein und begann, ihn mit einer Spitzhacke zu bearbeiten. Das gelang sogar denn mit jedem Treffer auf den Stein schrie Waltrudis laut auf, als wenn ihr das Schmerzen verursachte. Leider wurde sie auch ziemlich sauer und fing an, mit Blitzen und Feuer um sich zu werfen. Wir trugen schwere Wunden davon, denn auch Muli und Ziege teilten kräftig aus. Am Ende gelang es Karl, den Stein endgültig zu zerstören, während wir die Ziege erschlugen. Um das Muli kümmerten wir uns nicht mehr, sondern rangen gemeinsam Waltrudis nieder. Als sie endlich zusammenbrach, verwandelte sich das Muli wieder zurück, woraufhin Roland bemerkte, dass es seins war. Aber auch die Blitze hörten urplötzlich auf und der Regen löschte die Feuer ziemlich schnell.

Offensichtlich war es doch so, dass Waltrudis nur durch die Macht des Amulettes noch an diese Welt gebunden war. Die Experimente mit dem Seelenextraktor hatten ihr offensichtlich Kraft verliehen, so dass sie Adeltruds Körper übernehmen konnte. Die Kraft wiederum ging vom Stein aus, mit dem das Amulett verbunden war. Als der Stein zerstört war, hatte das Amulett keine Wirkung mehr und Waltrudis konnte endgültig besiegt werden. Wann Waltrudis böse geworden war, konnten wir so nicht herausfinden. Aber vielleicht führte uns der Weg einmal am Kloster vorbei.

Geschafft, aber durchaus zufrieden ruhten wir uns bis zum nächsten Morgen aus. Die Schwarzfedern wurden verbrannt, die anderen Toten ordnungsgemäß bestattet. Wir halfen auch so gut es ging bei den notdürftigsten Reparaturen am Haus. Die überlebenden Bewohner waren uns sehr dankbar und Heinrich Gutenthal übergab uns ein Dankesschreiben für den Grafen von Kronau.

Die Hüte der Schwarzfedern nahmen wir mit; vielleicht war ja irgendwo ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Inzwischen ging es dem Schwarzfedern-Mechaniker besser. Sein vollständiger Name lautete Pjotr Kulikow und wie sich herausstellte, war er keine Schwarzfeder. Seine Frau und Tochter waren entführt worden und damit wurde er in ihren Dienst gepresst und den Seelenextraktor bauen. Das wollten wir natürlich überprüfen, aber er wirkte sehr ehrlich.

Wir blieben noch zwei Tage vor Ort, ruhten uns aus und reisten dann weiter. Zum Glück hatte Rolands Muli überlebt, sodass wir unsere Beute mitnehmen konnten.

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