Geplagte Seelen Teil 2 – Auf der Suche nach der Lösung

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13. Mai im Jahre des Herrn 1733  – Lindenhof, Baden

Gretje erzählte uns weiterhin, dass die Großmutter Heinrichs, Waltrudis, „böse“ war und „Menschen geschadet“ haben soll. Heinrich Gutental hatte gerade erst als 20-jähriger den Verwalter-Posten des Lindenhofs übernommen und in dieser Funktion das Einmauern seiner Großmutter befohlen. Genaueres ließ sich ihr allerdings nicht entlocken, dabei hatten wir den Eindruck, dass das noch nicht die ganze Geschichte ist.

Des Weiteren erfuhren wir, dass die Bewohner von einer Gruppe von zwölf Schwarzfedern in verschiedenen Räumen gefangen gesetzt während Heinrich in die Stube gebracht wurde. Hier brachte man nach und nach auch die Bewohner hin, weil dort offensichtlich die dunklen Experimente vollzogen wurden.

Zwölf minus vier Schwarzfedern aus dem Gesindehaus machte immerhin noch acht Schwerbewaffnete. Wir überlegten, was wir nun tun sollen. Die Schwarzfedern bekämpfen? Das Grab von Waltrudis suchen? Wir entschlossen, uns aufzuteilen.

Roland und Don Ignacio befragten Gretje, vielleicht rückte sie ja doch noch mit dem Rest der Geschichte heraus. Heinrich machte Nägel mit Köpfen und fing an, das Grab zu suchen. Karl und ich inspizierten die Wege nach oben.

Von denen gab es drei: zunächst die Treppe, die von den Bewohnern eilig mit Möbeln zugestellt wurde. Dann gibt es noch zwei Falltüren. Über der ersten vernahmen wir einige Geräusche, bei der zweiten nicht. Karl entschied sich für letztere, die dann in die Küche des Hauses führte. Hier sah es chaotisch aus: Küchenutensilien und Nahrung lagen kreuz und quer im Raum verteilt, ansonsten war es aber ruhig. Eine Tür mit einem kleinen Fenster führte in den Garten und war verrammelt, eine weitere war angelehnt und führte in einen weiteren Raum. Ich wartete hier, während Karl sich durchs Haus schlich.

Gerade als Roland und Don Ignacio die alte Gertje überzeugt hatten, ihnen das Grab zu zeigen, hatte Heinrich es gefunden. Im Waschkeller war eine Wand etwas neuer als die anderen, hier sollte das Grab sein. Allerdings war die Wand gemauert und ließ sich nur mit roher Gewalt öffnen. Ein Fall für Heinrich: er schnappte sich eine Spitzhacke und begann, die Wand zu bearbeiten. Es blieb zu hoffen, dass der Lärm bei dem Unwetter draußen im Haus nicht bemerkt wurde.

Derweil schlich Karl durch das Erdgeschoss, in dem Ruhe herrschte. Zumindest waren keine Menschen zu sehen, nur ein Schwein und ein paar Hühner liefen frei herum. Im Eingangsbereich lag eine von Klauen und Hauern zerhackte Leiche eines Knechtes, die Eingangstür war verrammelt.

Karl schlich weiter ins Obergeschoss, wo wiederum niemand außer einem Schwein und weiteren Hühnern zu sehen war. Auf der Suche nach der Leiter zum Dachboden stolperte er über eine weitere Leiche, diesmal war es einer der Schwarzfedern. Auf dem Dachboden waren keine Tiere zu sehen, dafür standen viele Kisten herum. Karl suchte einen Spalt im Boden, um einen Blick in die unter ihm liegende Stube zu werfen. Er sah dort nicht viel, hörte aber ein paar Stimmen. Die Schwarzfedern schienen angespannt, doch ihr Anführer befahl, auszuharren. Viel mehr konnte Karl nicht erfahren.

Derweil stand ich etwas unschlüssig in der Küche. Als es wieder hell blitzte, fiel mein Blick auf die Tür nach draußen. Hier blickte ich plötzlich in das untote Gesicht von Adeltrud, das mich kalt anstarrte! Ich wollte gerade meinen Degen ziehen, doch das Gesicht war mit dem nächsten Blitz schon wieder verschwunden. Mit Schweißperlen auf der Stirn betete ich, dass Karl schon wieder käme. Den Gefallen tat er mir allerdings nicht.

Ich hörte ein Geräusch – zum Glück war es nur ein Schwein, dass in die Küche kam und im Essen wühlte. Ich nahm ein Tuch, um damit das Fenster der Tür zu verhängen. An selbiger angekommen fiel mein Blick in den Garten, wo ein weiterer Blitz am Himmel zuckte und ich wieder in Adeltruds Gesicht sah, die nur wenige Meter entfernt stand. Und mich wieder anstarrte. Aber ich sah noch etwas: ein blaues Leuchten und etwas, das aussah, als käme es aus der Erde! Ich lauschte kurz an der Tür zum Haus, konnte Karl nicht hören und rannte in den Keller.

Derweil hatten Heinrich, Don Ignacio und Roland ein großes Loch in die Wand gestemmt. Dahinter war ein kleiner, gemauerter Raum, in dem sie, als sie hineinleuchteten, ein sitzendes Skelett erkennen konnten. Dieses Skelett hatte einen aufgerissenen Mund und spitze Zähne sowie ein Amulett um den Hals hängen, auf dem Symbole zu erkennen waren. Ein blutendes Auge war zu sehen, laut Roland ein Götzenzeichen und ein Dornenkranz, eigentlich eher ein Schutzsymbol. Ob es die Hexe schützen sollte und vor was, war unklar.

Heinrich erinnerte sich, dass er ein blutendes Auge im Grab bei Jakobsheim gesehen hatte. Und auch Siegfried erinnerte sich an etwas. Diese Symbole hatte auch er schon gesehen: auf einem achteckigen Stein mit noch mehr Symbolen im Garten hinter dem Haus. Ich war inzwischen hinzugekommen und berichtete von Adeltrud und dem blauen Leuchten. Nach Siegfrieds Beschreibung könnte das Leuchten vom Stein kommen.

Roland und Heinrich heizten den Ofen an, um die Leiche samt Kette zu verbrennen. Es dauerte etwas, bis das Feuer brannte und die Knochen langsam zerfielen. Doch das Amulett bekam keinen Kratzer. Derweil ging ich wieder in die Küche, wo alsbald Karl auftauchte. Zusammen gingen wir in den Keller und besprachen uns mit den anderen. Karl holte das Amulett aus dem Ofen, es war kalt.

Karl erinnerte sich an die Symbole auf dem Amulett. Das blutende Auge war das Symbol von Akephalos und in Verbindung mit dem Dornenkranz könnte es bedeuten, dass die Hexenkräfte über den Tod hinaus wirkten. Die Dornen könnten auch für Schutz stehen.

Karl nahm das Amulett und ging hinaus, er wollte Amulett und Stein zusammenbringen, um vielleicht Adeltrud / Waltrudis zu besänftigen oder den dunklen Zauber zu brechen. Ein Versuch war es wert. Karl ging durch die Küchentür in den Garten, ich wartete an der offenen Tür. Waltrudis stand fünf Meter entfernt mit schief gelegtem Kopf, kein gutes Zeichen.

Mit umgehängtem Amulett ging Karl zum Stein, Waltrudis machte nichts, sah ihn aber an. Als Karl den Stein erreichte, war zu sehen, dass dieser vom Moos befreit war und einige Symbole zu erkennen waren: Triskele, Pentagramm, ein blutendes Auge und die Symbole leuchteten blau. Waltrudis sprach nun mit einer unsympathischen, kratzigen Stimme: „Danke, dass du mir mein Amulett bringst!“.

Sie bewegte sich in Richtung Karl, worauf ich auf sie schoss. Keine Reaktion, außer, dass ich großen Hass spürte. Karl sprang zum Stein und legte das Amulett darauf. Leider passierte- nichts. Waltrudis sprang nun Richtung Karl und stieß ihn um. Er fragte, was sie wollte und was ihr Plan sei. Sie antwortete, dass sie ihre Sippe auslöschen wollte. Sie wirkte völlig kalt und kompromisslos.

Irgendwie schaffte Karl es, sich von ihr zu lösen und sich in die Küche zu retten. Wir verrammelten die Tür und gingen zurück in den Keller. Wir sprachen mit Siegfried, aber über das Amulett oder den Stein wusste er nichts. Dafür redete nun endlich Gretje und erzählte uns Waltrudis Geschichte.

Die beiden waren früher Freundinnen und Waltrudis war ein guter Mensch. Sie verstand sich auf Kräuter und Heilungen. Aber eines Tages kam eine merkwürdige Frau vorbei, die mit ihr sprach. Sie wollte Waltrudis in irgendeinen Zirkel holen, genaues wusste Gretje aber nicht. Waltrudis nahm das Angebot wohl nicht an, sagte aber in einem anderen Fall Hilfe zu, wo es um die Heilung einer sehr kranken Frau ging. Diese war auf einen abgelegenen Hof gebracht worden. Waltrudis tat ihr Bestes, aber es half nichts. Diese Frau war wohl besessen und starb letztendlich. Leider stellte sich heraus, dass es die Frau des Grafen von Kronau war und dieser war außer sich vor Zorn. Er verlangte, dass Waltrudis bestraft werden sollte und da hatte Heinrich wohl keine Wahl. Er ließ sie nach alter Sitte einmauern.

Siegfried bemerkte, dass er Gerüchte aus Kronau gehört hatte. Der Graf hatte eine Ausgangssperre verfügt, warum, wusste Siegfried nicht. Dort lag wohl einiges im Argen. Die merkwürdige Frau kam wohl aus einem Kloster im Burgunderwald und das Buch sowie das Amulett kamen wohl von ihr. Das Kloster hieß Rabenfels und war ein verlassenes Benediktinerkloster.

Gretje fiel noch ein, dass Waltrudis Habseligkeiten in eine Kiste gepackt und auf den Boden gebracht wurden. Und dass sie die Symbole des Steins auch in der Scheune im Holz gesehen hatte.

Karl schlich nun wieder auf den Boden, um Waltrudis Sachen zu suchen. Er fand die Sachen, unter anderem Schmuck, einen Kräuterbeutel und ein ledergebundenes Buch. Darin standen merkwürdige Dinge, Symbole des Akephalos, hebräische Schriftzeichen und mehr, laut Karl auf jeden Fall übelste dunkle Kunst.

Wir beratschlagten, was nun zu tun war und waren uns einig, dass wir zunächst die Schwarzfedern ausschalten mussten.

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