New Orleans bei Nacht – Kapitel 9: La bête de la Nouvelle-Orléans

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Freitag, der 23.09.1921: Als ich in dieser Nacht durch die Bayous streife, um mit meinen neuen Ghul-Alligatoren zu trainieren, kommt es zu einer seltsamen Beinahe-Begegnung. Ein junger Mann, bekleidet mit Gummistiefeln und einem teuren Anzug, scheint das Sumpfland zu durchwandern und etwas zu suchen. Es gelingt mir, ihm in Schutze der Verdunkelung zu einer Baumwollplantage zu folgen.
„La Plantage du Chastel“ steht auf einem Schild zu lesen. Zwei Hunde in einem Zwinger wittern mich, und ich muss die Tiere mit Süßem Flüstern beruhigen. Dadurch verliere ich den junge Mann, der hauptsächlich Französisch spricht, kurz aus den Augen. Ich sehe gerade noch, wie ihm Einlass in das Hauptgebäude gewährt wird. Durch ein Fenster sehe ich, dass der junge Wanderer in einen Salon geführt wird, dann zieht er die Vorhänge zu. Misstrauisch lege ich mich auf die Lauer. Fast eine Stunde vergeht, da erklingt plötzlich ein schriller Frauenschrei im Innern des Anwesens. Die Türen öffnen sich und bewaffnete Arbeiter verlassen die Plantage. Einer der Männer deutet auf das Baumwollfeld, in dem rasche Bewegung zu erkennen ist. Die Hunde werden aus dem Zwinger gelassen und nehmen die Verfolgung des Flüchtenden auf. Drei Bewaffnete folgen ihnen, zwei bleiben auf dem Hof zurück.
Ich hingegen dringe verdunkelt in das Hauptgebäude ein. Im Salon finde ich die Leiche eines weißen Mannes in den Vierzigern. Er ist über zugerichtet worden, Kehle und Bauch wurden wie von einem rasenden Tier zerfleischt.
Von dem Wanderer ist keine Spur zu sehen. Dafür werden draußen Rufe laut, dass etwas im Baumwollfeld die Wachhunde getötet hat. Ein Automobil wird nach New Orleans geschickt. Die übrigen Bewohner der Plantage wollen sich im Hauptgebäude verbarrikadieren. Rasch verlasse ich unbemerkt das Anwesen und kehre in die Stadt zurück, wo ich im Nosferatu-Büro einen ausführlichen Bericht hinterlasse.

Samstag, den 24.09.1921: Auf dem Weg ins Hauptquartier erfahren ich im Nosferatu-Büro zu den gestrigen Ereignissen noch, dass Detektiv Robert Carter mit der Klärung des Falles beauftragt wurde. Das schmeckt mir nicht, da Carter bereits zu viel über übernatürliche Vorkommnisse weiß und der Prinz uns angewiesen hat, den Mann zu meiden. Bislang haben die Zeitungen nicht über die Bluttat berichtet. Vermutlich wurde eine Nachrichtensperre verhängt. Wem die Plantage gehört, wird durch Holding-Unternehmen verschleiert.

Als wir uns im Hauptquartier treffen, berichtet M. Demond, dass gestern Nacht einer seiner Generalbevollmächtigten auf einer Plantage in den Bayous brutal erschlagen wurde, der Mörder konnte fliehen.
Ich berichte von meinen Beobachtungen und Eli, der sich zufällig ebenfalls in der Nähe der Baumwollplantage aufgehalten hatte, vervollständigt den Report. Der Gangrel erzählt, dass den Wachhunden das Genick gebrochen wurde. In Wolfsgestalt verfolgte er die Fährte eines weiteren hundeartigen Wesens zu einer Straße. Dort riss die Duftspur ab, als wäre das Tier in ein Auto gesprungen und fortgefahren. Aber welcher Hund bricht Artgenossen das Genick?

M. Demond will herausfinden, wer den Bevollmächtigen über seine Plantagen getötet hat. Father Joseph bietet an, die Leiche zu untersuchen, wenn der Ventrue dafür sorgen kann, dass die Bestattung auf seinem Friedhof stattfindet. Eli merkt an, dass der fremde Wanderer, sollte er reich sein, in zwei Hotels in New Orleans abgestiegen sein könnte; dem „The Roosevelt“ oder dem „Waldorf Astoria“. Beide Hotels gehören zum verzweigten Firmenimperium von M. Demond. Es gelingt mir, die Gestalt des Wanderers zu imitieren und Etienne fertigt gekonnt eine Zeichnung von dem Mann an.

Zwischenzeitlich ersucht M. Demond bei Prinz Doran eine Audienz, um ihn von den Vorfällen zu informieren. Auf dem Rückweg gibt er seinem Personal Arbeitsanweisungen bezüglich des Plantagenvorfalls. Dann fährt er mit Eli zum „The Roosevelt“, um mit dem dortigen Manager, einem weiteren Generalbevollmächtigten, zu sprechen. Doch als sie von einem Pagen in das Büro des Mannes geführt werden, bietet sich den Vampiren ein Bild des Grauens: vor ihnen liegen die zerfleischten Überreste des Mannes. Von seinem Mörder ist keine Spur zu finden.
M. Demond beauftragt den Pagen, die Polizei zu rufen, aber seine und Elis Anwesenheit zu verschweigen. Dann treffen sie sich kurz mit Father Joseph in dessen Kapelle. Sie beschließen, die Leichenschau des ersten Opfers auf die nächste Nacht zu verschieben. Dann macht sich M. Demond zusammen mit Eli auf zu seinem Sekretär, Mr. Leon Alfred Barvio. Der Ghul leitet für M. Demond das Firmenimperium und ist seine wichtigste Human Ressource. Damit ist er auch ein potentielles Opfer des Bestie, welche die Untergebenen des Ventrue tötet. M. Demond erklärt Mr. Barvio die Lage, dann legen er und Eli sich auf die Lauer. Sollte der Mörder in dieser Nacht versuchen, auch noch Mr. Barvio zu töten, so sind sie nun vorbereitet …

Plötzlich wird Detektiv Carter angekündigt. Der Ermittler ist in Begleitung eines weiteren Polizisten und untersucht die rätselhaften Mordfälle auf der Plantage und in dem Hotel. Es ist Eli, der ihm die Tür öffnet. Irgendwas an ihm scheint Caters Misstrauen zu wecken und er macht sich Notizen in ein Büchlein. Dann fordert Cater Eli auf, ihn in das Büro von Mr. Barvio zu begleiten.
Carter offenbart, dass er bereits festgestellt hat, dass die Plantage und das Hotel, in dem sich die schrecklichen Morde ereignet haben, zu ein und der selben Holding gehören. Er liefert eine dilatierte Übersicht des Firmenimperiums von M. Demond, der alles im Nebenzimmer mitanhört. Forsch erkundigt sich Carter bei Mr. Barvio, ob dieser „Spiritist“ sei und ob Eli an „Gestaltwandler und Voodoo“ glaube. Beiden gelinkt es mit Mühe, die Fassung zu wahren und sich in Ausflüchte zu retten.

Nachdem Carter gegangen ist, warten M. Demond, Father Joseph und Eli noch bis 6:00 Uhr morgens. Doch der fremde Wanderer taucht nicht auf.
Die Ghule Barvio und Baba werden in einem sicheren Haus untergebracht. Die Kainskinder ziehen sich rechtzeitig vor Sonnenaufgang zurück.

Montag, den 25.09.1921: Als M. Demond, Eli und ich uns im Hauptquartier treffen, teilt uns Mr. Griffin mit, dass Etienne ihn angerufen und von dem Attentäter gesprochen hat. Das Problem ist nur, dass die Telefonistinnen alles mit angehört haben. Jedenfalls soll der junge Mann, den wir suchen, nun im „Saints and Sinners“ sein, um mit Marilyn zu sprechen. Wir brechen sofort auf.
Beim „Saints and Sinners“ angekommen, bleibt Eli draußen, ich begleite
M. Demond verdunkelt in die Bar. Es stellt sich heraus, dass der fremde Wanderer tatsächlich dort in einer Ecke sitzt und sich mit Etienne unterhält. Und im Grunde will er gar nicht mit Marilyn sprechen, sondern sucht einen Mann namens Henri Chastel, welcher der eigentliche Geschäftsführer des „Roosevelts“ sein soll, in dem Marilyn für gewissen Zeit gewohnt hat.
Der junge Mann stellt sich seinerseits als Manuel Dubruis vor, Rechtsanwalt auf Marseille und fragt M. Demond, ob er der gesuchte Henri Chastel sei.
M. Demond und Dubruis unterhalten sich auf Französisch. Der Ventrue verlangt zu wissen, ob er seine Mitarbeiter getötet hat. Dubruis erwidert, eine wichtige Geschäftsangelegenheit mit Chastel klären zu müssen. Um an mehr Informationen zu kommen, gibt sich M. Demond als Henri Chastel aus.
Doch als Dubruis verlangt, die Angelegenheit an einem anderen Ort zu besprechen, lehnt M. Demond dies ab und erklärt das Gespräch für beendet. Der junge Franzose verlässt daraufhin das „Saints and Sinners“. Auf dem Weg nach draußen läuft er fast Marilyn in die Arme, jedoch schenkt er der Sängerin keine große Beachtung.
Etienne warnt M. Demond und Marilyn vor Dubruis. Mittels Telepathie habe er seltsame Eindrücke von dem Mann aufgefangen. Hinter der harmlosen Fassade seines menschlichen Gesichtes scheint sich noch etwas Anderes zu verbergen, etwas Wildes und Blutrünstiges …
M. Demond hingegen ist beunruhigt darüber, dass Dubruis den Namen Henri Chastel kennt. Denn dies war der Name, den er vor vielen Jahren in Frankreich als Sethskind trug …

Während wir noch beratschlagen, ist Eli in Fledermausgestalt Dubruis bis zu einem kleinen Bootshaus gefolgt. Nach kurzer Zeit tritt er wieder heraus und begibt sich zu einem Mittelklassehotel, dem „Golden Ancor“ . Der Gangrel kehrt zum „Saints and Sinners“ zurück und erstattet Bericht.
Wir machen einen Zwischenstopp im Hauptquartier, wo wir Father Joseph antreffen und alle auf den neuesten Stand gebracht werden. Dann lassen wir uns von Eli zu dem Bootshaus führen. Drinnen finden wir einen blutigen Lappen in einem Holzeimer. Anscheinend hat Dubruis sich hier gesäubert. Wechselkleidung ist nicht zu finden. Father Joseph untersucht das Blut und stellt fest, dass es das eines Menschen ist, vermutlich vom zweiten Opfer des Manuel Dubruis.

Wir ziehen weiter zum „Golden Ancor“. Father Joseph verteilt an uns spitze Holzpflöcke, die mit den Ritual „Schaft der verspäteten Ruhe“ verzaubert wurden. Wir vereinbaren das Codeword „FEUER“ sollte die Situation im Hotel eskalieren. Während Father Joseph, Etienne und Eli draußen warten, begleite ich M. Demond verdunkelt in den „Golden Ancor“. Nachdem er die Portier bestochen hat, erhält der Ventrue die Information, in welchem Zimmer Dubruis nächtigt. M. Demond klopft an die Tür. Der etwas verschlafen wirkende Anwalt öffnet ihm überrascht, gewährt M. Demond dann aber Einlass. Verdunkelt lausche ich an der Tür, drinnen wird Französisch gesprochen, das ich nicht verstehen kann.

Später erfahren wir von M. Demond, was sich in dem Hotelzimmer abgespielt hat. Erfreut, dass M. Demond, bzw. Henri Chastel, sich nun anhören will, was er zu sagen hat, entfaltet Dubruis einen alten Vertrag. Der Kontrak wurde im Jahre 1767 zwischen seinem Vorfahren Alois Dubruis und dem Vater von
M. Demond im französischen Gévaudan geschlossen. Im jenem Jahr erlegte Jean Chastel, ein Onkel von M. Demond, eine blutrünstige Bestie, die zwischen 1764 und 1767 rund 99 Menschen in Gévaudan getötet haben soll.
Soweit die offizielle Geschichte. Dubruis hingegen erklärt, dass es damals eine Fehde zwischen den Familien Chastel und Dubruis gegeben und die Chatels mit den Morden begannen. Um das gegenseitige Töten zu beenden, wurde der vorliegende Vertrag geschlossen.
Der Kontrakt bestimmt, dass das gesamte Vermögen der Familie Chastel nach dem Tode des letzten Sprosses Henri Chastel oder spätestens 99 Jahre nach Vertragsabschluss auf die Familie Dubruis übergehen soll.
Im Gegenzug erklärten die Dubruis, dass sie das Leben von Henri Chastel verschonen, nachdem sie bereits seine beiden älteren Brüder getötet hatten. Das Leben des Vaters von Henri Chastel hingegen sei schon damals verwirkt gewesen, als dieser den Vertrag mit einem blutigen Daumenabdruck unterzeichnete.
Manuel Dubruis erklärt, vor ½ Jahren in Marseille davon erfahren zu haben, dass Henri Chastel oder einer seiner Nachfahren noch in New Orleans am Leben sei. Da die Frist von 99 Jahren längst abgelaufen war, machte er sich auf den Weg über den Ozean, um auf die Erfüllung des Vertrages zu bestehen. M. Demond kann kaum glauben, was er da zu hören bekommt.
Zu den Morden an seinen Angestellten erklärt Dubruis, dass dies geschehen sei, weil „der Vertrag so lange unerfüllt“ geblieben sei und er selbst „keine vollständige Kontrolle über die Dinge habe“. Er bittet M. Demond darum, nun seine Vertragsverpflichtungen nachzukommen und sein Firmenimperium auf ihn, Manuel Dubruis, zu überschreiben. Empört lehnt der Ventrue dieses Ansinnen ab und wendet sich zum Gehen. Wie unter heftigen Kopfschmerzen verzieht Dubruis das Gesicht. M. Demond setzt dem jungen Anwalt einen Frist von zwei Tagen, um New Orleans für immer zu verlassen, ansonsten werde er Dubruis jagen und töten.
Plötzlich windet sich Dubruis unter Schmerzen und er verwandelt sich ein hyänenartiges Biest mit rötlichem, gefleckten Fell. Knurrend fällt das Wesen M. Demond an. Durch den Tumult und dem Ruf „FEUER“ werden auch Father Joseph, Etienne und Eli alarmiert. Gemeinsam bekämpfen wir das rasende Unwesen mit Silbermunition. Doch schließlich ist es Eli, der ihm die Kehle herausreißt und somit tötet. Der Kadaver es Monsters verwandelt sich in die Leiche von Manuel Dubruis.
Father Joseph untersucht das Blut des seltsamen Mannes. Es scheint menschlich zu sein, hat aber einen seltsamen, bitteren Nachgeschmack. Wer oder was auch immer Dubruis gewesen ist, jedenfalls war er kein Werwolf wie die Uktena oder die Tänzer der Schwarzen Spirale…
M. Demond nimmt noch den verhängnisvollen Kontrakt von Gévaudan an sich. Bevor wir das Hotel verlassen, manipuliert der Ventrue noch den Portier mittels Beherrschung, damit er eine falsche Aussage gegenüber der Polizei macht. Denn sicher wird es zu Ermittlungen wegen dem gewaltsamen Tode von Manuel Dubruis kommen. Etwa ein Jahr soll der Bann anhalten.
Hoffen wir, dass Detektiv Carter uns nach dieser blutigen Episode nicht noch näher auf den Pelz rückt.

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