Opfer eines harten Winters VIII

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Es fing bereits an zu dämmern, als die ersten Wachen, Bewegung im Wald um die Lichtung herum ausmachen konnten. Es schien als ob Jarl Ivar eingetroffen war. Aber was hatte er als nächstes vor? Wollte er ein erneutes Blutbad in Ydalir anrichten? Wie sollte er gegen die Kämpfer von drei Dörfern, einem Haufen erfahrener Söldnern aus Gautland, zwei Volvas wovon eine sogar die Tochter Ullrs war und natürlich uns den mutigsten Kämpfern aus Rohald bestehen?

Doch erst einmal blieb alles ruhig, Ivars Leute blieben am anderen Ende der Lichtung und man sah, wie sie begannen dort ihr Lager auf zu schlagen. Damit war zumindest mit einer vorschnellen Handlung von Ivar nicht zu rechnen. Nun und so beobachteten nicht nur wir ganz ruhig das Treiben auf der anderen Seite, sondern auch die Raben Hugin und Munin, welche wieder einmal über uns in einem der kleineren Bäume auf der Lichtung saßen. Tja und auch Harbard kam etwas später auf die Lichtung, wie eh und je fröhlich und wohl gelaunt und doch so redselig wie ein kleiner Haufen Schafsdung in einer kalten Winternacht. Eigentlich fehlte nur noch Bjovulf und all die wir in den Tagen zuvor kennen gelernt hatten, wären dort in Ydalir versammelt gewesen.

Nachdem die Neuankömmlinge sich eingerichtet hatten und die ersten Feuer brannten, gingen wir natürlich zu Jarl Ivar hinüber. Immerhin mussten wir erfahren was er plante, bzw. was er überhaupt hier suchte. Schnell stellte sich heraus, dass er immer noch nicht gedachte seinen Eid einzulösen. Vielmehr wollte er in Ydalir ein neues Dorf errichten, sein neues Dorf. Deswegen waren auch Frauen, Kinder und die Alten aus Fensalir mitgereist. Ihr könnt euch vorstellen das wir sehr erstaunt waren über diese Worte aber auch, dass wir nach wie vor davon überzeugt waren das Ivar seinen Eid erfüllen musste, auf die eine oder andere Weise. Nun und dabei war es vollkommen egal wie viel wirre Gedanken Loki ihm ins Ohr gesetzt haben mochte. Ivar musste entweder zu Ullr oder zu Njord gehen und das bald.

So kamen wir nach einigem hin und her darüber ein, dass nur noch ein Götterurteil selbst helfen und entscheiden konnte. Es sollten nicht die Männer der einzelnen Dörfer unnötig ihr Blut geben, wenn es doch eigentlich nur Ivar war, der Schuld zu begleichen hatte. Aber was, wenn Ivar gewinnen würde? Dürfte er dann einfach so auf den Ruinen Ydalirs sein neues Dorf errichten? Aber was wäre, wenn er im Kampf hinüber gehen würde, hätte er dann nicht auch gewonnen? Würden wir dann den Göttern nicht auch ihren Preis vorenthalten? Nein, Ivar selbst durfte nicht kämpfen und so wurde beschlossen, dass am nächsten Morgen jede Seite einen Kämpfer schicken musste, die für ihn kämpfte.

Ihr könnt euch denken, dass wir lange darüber berieten wer für uns kämpfen sollte. Astrid, Ivars Tochter oder Osrec den wir noch einmal für seine Dienste bezahlen hätten müssen, oder sollte es einer von uns Männern aus Rohald sein? Am Ende viel die Wahl auf Björn, auf unseren Björn. Immerhin war er der stärkste von uns und somit die Chancen für einen Sieg nicht schlecht, auch wenn er immer noch mit den Wunden seines letzten Kampfes zu tun hatte, so war er doch der Richtige. Außerdem, was sollte Ivar schon schicken? Seine Männer waren kräftig und sicherlich Kampf erprobt, aber gegen Björn hätten sie keine Chance gehabt, dass wussten selbst die Götter.

Als das geklärt war kehrte endlich ruhe ein in unserem Lager und ich könnte euch nun eine Geschichte erzählen, die eines eigenen Abends am Feuer bedürfte. Eine Geschichte, die euch mehr als diese Humpen Met kosten würde, eine Geschichte die ihr noch euren Kindern erzählen würdet, wenn ich sie euch denn kundtun würde. Ha nein, so viel Zeit haben wir nicht. Ich berichte euch nun schon viel zu lang von unseren Erlebnissen in der Traumwelt in die uns die Herrin vom Eis geschickte hatte. Seht her, dies ist mein achter Humpen Met und einen neunten vertrage ich nicht. Doch so viel will ich verraten, Björn war nicht nur der Mann der am nächsten Tag die Götter glücklich machen sollte, sondern auch an diesem Abend die Frauen.

War es Astrid Ivars Tochter, Gudny die Schwester von Jarl Bjarni oder gar die Alte Ida? Na na, vielleicht war es auch Skuld, ihre hübsche Tochter Valthjona oder gar am Ende Ubbo? Na ihr lieben Leute, ich kann schweigen und sage euch, Björn ließ am Ende unserer Reise sein Schwert zurück bei dem Weib, auf das, dass Kind welches aus dieser Nacht entspringen könnte, die Waffe seines Vaters tragen sollte. Die Waffe eines mächtigen Kriegers aus Rohald, eines Kriegers der Rachegeister, Wölfe und Frauenherzen zur Strecke gebracht hat.

Am nächsten Morgen wurden wir durch frühe Unruhe im Lager geweckte. Alle machten sich bereit, dass Götterurteil zu sehen. Nun und wir staunten nicht schlecht, als wir sahen, wen Ivar ausgesucht hatte um an seiner statt zu kämpfen, es war Osrec. Dieser Mann war käuflicher als ein jütischer Skalde, dem man einen alten Hering für eine abendfüllende Geschichte anbieten konnte. Bei Loki, dieser Mann war der einzige, der neben Ivar selbst unserem Kämpfer aus Rohald gefährlich werden konnte.

Doch es war zu spät, es war bereits alles gesagt, alles besprochen und nun war die Zeit gekommen wo die Waffen das Wort hatten. Beide Männer gingen hinauf zum Steinkreis und Ullrs Altar. Schnell bildete sich ein Ring von Zuschauern um die beiden, doch alle blieben still. Nicht einmal das rauschen der Blätter war zu hören, bis Osrec als erster sein langes Breitschwert, zur Bereitschaftsbekundung, auf seinen Rundschild schlug. „Tock, Tock, Tock“, machte es und dann war wieder alles still. Gleich darauf reckte Björn seine Arme samt Schild und Schwert zum Himmel und rief, „Odiiiin“ und im selben Augenblick hörte man das laute Aufheulen von etlichen Wölfen rings um uns im Wald. Wenn die Götter auch nicht mehr eingreifen sollten, Björns Vergangenheit war unverkennbar und gab ihm Mut und Kraft.

Was dann aber geschah war so schnell, dass ich nicht schnell genug sprechen könnte, um euch auch nur ein wenig an dem teil haben zu lassen, was wir damals erlebten. Osrec ging auf Björn zu und hieb mit voller Wucht auf ihn ein und dieser war nicht im Stande dem Schlag stand zu halten. Er wurde kräftig getroffen und fing sofort an zu Bluten und schwer zu atmen. Ein Ausfall von Björn hingegen, blockte Osrec mit Leichtigkeit, um seinerseits den Schwung zu nutzen und seinem Gegner ein zweites Mal sein Schwert in die Seite zu hauen. Björn ging auf die Knie und wäre es Ivar an Stelle von Osrec gewesen, Björn Naddr aus Rohald würde heute nicht mehr leben.

Doch Osrec drehte sich um zu Jarl Ivar und sprach mit lauter kräftiger Stimme, „Ivar, es ist vorbei! Ich habe gewonnen und Ich fordere dich auf, deinen Eid den Göttern gegenüber zu erfüllen.“ Ivar war sichtlich erstaunt und trat einen Schritt auf Osrec zu, in den Steinkreis hinein und Osrec trieb ihm das Schwert durch die Brust. Ivar sackte zusammen und lag wenig später auf dem Boden in Ullrs Steinkreis.

Es war getan und im selben Augenblick flogen Hugin und Munin von ihrem Ausguck herunter und setzten sich links und rechts auf Osrec Schulter. Dieser trat auf Björn zu, legte ihm seine Hand auf den Kopf und glaubt es mir oder nicht, seine Wunden schlossen sich und Björns Schmerz im Gesicht war von einem Moment auf den Nächsten verflogen. „Kjartan, es ist nun an dir, auch deinen Teil des Eides zu erfüllen“, sagte Osrec und blickte ihn eindringlich an. Nun und damit wandte sich Osrec um, gab seinen Männern ein Zeichen und sie verschwanden von der Lichtung die da Ydalir hieß.

Keiner von uns konnte etwas sagen, etwas fragen oder gar etwas unternehmen. Mit großen Augen bestaunten wir das gerade geschehene und selbst Ubbo war ganz still. Manchmal wünsche ich mir diesen Moment in Gedanken zurück, wenn Ubbo wieder, ja wenn Ubbo wieder einmal… Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Wenig später machten wir uns fertig für den Aufbruch in Richtung Thrymheim und dem Meer. Jarl Kjartan hatte entschieden, ins Meer zu gehen, in der Bucht wo wir die Jüten überfielen und seiner Tochter das Herz brachen. Um es vor weg zu nehmen, der Gott Njörd nahm ihn auf. Als Kjartan bis zur Brust im Wasser stand, brach eine Welle über ihn hinweg und vom einen auf den anderen Moment war er verschwunden. Die Eide waren erfüllt und die Schuld getilgt. Nun und das war die Geschichte um Folkvang, Thrymheim, Breidablik, Fensalir, Ydalir und dem Eidbruch mit den Göttern.

Einige der Bewohner, der anderen Dörfer wollten in Ydalir bleiben, um dort ein neues Dorf aufzubauen. Ein Dorf welches aus allen der vier anderen bestehen würde, damit es nie wieder Krieg zwischen ihnen geben sollte. Wir hingegen gingen weiter zurück nach Folkvang, wo alles seinen Anfang genommen hatte. Alles war ruhig und friedlich, selbst Bjovulf kam als Mensch zurück aus dem Wald und konnte Weib und Kinder in seine Arme schließen. Aus Dankbarkeit für seine Rettung und dem Versprechen welches wir seiner Frau gegeben hatten, dass wir ihren Mann wieder zurückbringen würden, schenkte er Björn sein Schwert. Ein überaus gut und kostbar gearbeitetes Schwert und wenn ihr Björn fragt, wird er es euch sicherlich zeigen wollen. Nun und vielleicht war dies auch der Grund warum Björn sein eigenes damals zurück bei Valthjona ließ. Harbard hatte also nicht gelogen und auch für Bjovulf nahm es am Schluss ein gutes Ende.

Wir verabschiedeten uns von allen und gingen frohen Mutes wieder auf dem Weg zurück über den kleinen still vor sich hin plätschernden Bach, über die Wiesen auf denen die Insekten tanzten und durch den Wald durch den die Nebelschwaden zogen, nur um wenig später im Tal der Herrin vom Eis heraus zu kommen. Alles war friedlich und weniger frostig kalt wie an dem Tag an dem wir dort ankamen. Auch von den Wilden mit den weißen Augen, war nichts zu sehen oder zu hören und so gelangten wir schnell wieder in die Höhle der Eishexe.

Alles war wie bei unserem letzten Mal, wir gingen durch die langen vereisten Stollen und gelangten irgendwann in die Halle mit den beiden Kohlepfannen, die wieder oder immer noch am brennen waren. Die Herrin vom Eis erwartete uns bereits und empfing uns mit den Worten, „Nun habt ihre eure Aufgabe also erfüllt und ich werde die meine Erfüllen. Was also möchtet ihr erfahren? Welche Gefahren auf Rohald warten und wer es retten und bewahren kann? Nun, ihr kennt die Antwort bereits, ihr seid es die Rohald vor seinem Schicksal bewahren kann und nur ihr.“ Damit deutete sie auf mich und bedeutete mir ihr zu folgen, in einen Raum hinter der großen Halle. Dort stand ein großes gemütliches Bett, mit Bären und Hermelinfellen. Aber alles was dort geschah bleibt dort, auch wenn mir die Nachwirkungen dieses Rittes noch einige Zeit in den Knochen stecken sollten. Aber das erfahrt ihr noch früh genug.

Wir verließen die Höhle und machten uns zurück auf den Weg zum Schiff. Ob es Osvif und denn Männer noch gut ging? Hatten sie noch genug zu beißen oder mussten sie vielleicht ohne uns ablegen um etwas Essbares zu finden?

Auf halbem Weg entdeckte Ubbo eine Eissäule, die wenn auch alles um uns herum immer noch verschneit und eisig war, für sich alleine Stand und auf deren Spitze abermals ein schwarzer Rabe saß, welcher uns immer wieder zu krächzte. Irgendetwas musste oben auf der Spitze dieser Säule stecken, dass konnte selbst ich erkennen, aber wie dort hinaufkommen? Doch es blieb nicht viel Zeit, denn als Ubbo sich bereit machte, die Säule hinauf zu klettern, griffen uns plötzlich eine Hand voll Wölfe an. Wölfe, als ob es auf Midgard nichts anderes gäbe als Wölfe. Wenn man diese Biester essen könnte, dann wäre mein Bauch nun so Rund wie das Metfass dort, denn wir haben in unserem Leben bereits so viele Wölfe erschlagen, es dürfte keine mehr geben. Es langweilt mich schon es euch zu erzählen, aber ja, wir erschlugen sie alle und es kostete uns nicht einmal zwei Atemzüge.

Also, wo war ich, ja Ubbo kletterte hinauf und holte eine Stahllanze, welche dort oben zu stecken schien. Wie sie dort hin kam? Keine Ahnung, aber sie war gut erhalten, fast so als ob sie frisch geschmiedet worden war und sie war über und über mit Runen und anderen Symbolen überzogen. Aus Geschichten die ich gehört hatte, wusste ich, es musste der Sagenumwobene Rabenspeer sein. Aber was machte er im Tal der Eishexe? Das wollten wir auf dem Schiff besprechen und so gingen wir weiter zurück zum Boot. Dort wartete Osvif immer noch auf uns und war sehr erstaunt uns so früh schon zurück zu sehen. Er war sich sicher, wir waren gerade einmal einen Tag fort und in der Zwischenzeit war nichts, rein gar nichts passiert. Nicht einmal Fische konnten sie fangen, um die Vorräte auf zu füllen.

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