New Orleans bei Nacht – Kapitel 2: Schrecken an den Docks

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Freitag, der 07.04.1916: Als wir uns heute im „Saints and Sinners“ treffen, berichten Eli und ich den anderen von dem Mord an dem Seemann, der sich in dem Bordell ereignet hat, in dem Candy anschaffen ging. Ben Walker hatte Bissspuren am Körper, sein Leichnam wurde von der Polizei sichergestellt. Hieraus könnte sich ein größeres Problem für die kainitische Gesellschaft ergeben. Ich erkläre den anderen, dass ein Freudenmädchen namens Lucy einen Kerl mit Glatze und Boxernase als Täter beschrieben hat. Dieser hätte sich an ihr vergehen wollen. Der Matrose kam hinzu, griff ihn an und die Männer kämpften gegeneinander, bis der Fremde Walker aus dem Fenster schleuderte. An Father Josef reiche ich das Taschentuch mit den Blutspritzern, das ich in Lucys Zimmer sichergestellt habe. Doch der Tremere erklärt nach kurzem Abschmecken, dass aus dem eingetrocknetem Blut keine Erkenntnisse mehr zu gewinnen sind. Eli schlägt vor, weiter in Storyville auf Patrouille zu gehen, da der fremde Vampir das Rotlichtviertel offensichtlich als Jagdrevier erkoren hat.

Father Josef hat noch eine Überraschung für uns parat: Bei ihm ist ein Tremere von außerhalb aufgetaucht, Raymond. Er leidet an Amnesie und wurde von einem Magus namens Aaron Carson in New York aufgesammelt. Da er einen alten Stadtplan von New Orleans bei sich hatte als er gefunden wurde, schickte ihn der Magus in unsere Stadt und nannte ihm die Kirche, in der sein Clan hier eine Kapelle unterhält.
Bei Raymond handelt es sich um den Kerl, der Eli in Storyville über den Weg gelaufen ist. Aber er ist rothaarig und passt nicht zu der Beschreibung, die wir von Lucy haben. Father Josef wird Raymond vorerst bei sich aufnehmen und versuchen, mehr über dessen Hintergrund herauszufinden.

Ich mache mich noch auf den Weg ins Büro des Sheriffs, vielleicht kann ich von Mr. Martin noch Unterstützung im Fall Candy erhalten. Doch als ich dessen Räumlichkeiten über dem alten Hafenmeistereigebäude erreiche, in dessen Erdgeschoss sich eine gleichnamige Spelunke befindet, erfahre ich keine Unterstützung. Mr. Martin ist kurz angebunden und meint, wir hätten genug Ressourcen, um den Fall aufzuklären. (Darüber hinaus ist er voll und ganz damit beschäftigt zu sein, Tee zu trinken, wieder zu erbrechen und die Zeit zu messen. Scheint eine Art Training zu sein.)

Ich treffe mich mit Etienne in Storyville und wir gehen auf Patrouille. Doch in dieser Nacht passiert nichts mehr.

Samstag, der 08.04.1916: Eli schlägt vor, dass wir unsere Kräfte aufteilen. Der fremde Vampir hatte jetzt zweimal Schwierigkeiten in Storyville.
Wer weiß, ob und wann er dort wieder auf die Pirsch gehen wird.
Wir beschließen, auch das Hafenviertel im Auge zu behalten.
Die Beschreibung, die wir haben, könnte auch einen der dortigen Arbeiter zutreffen. Father Josef will sich weiterhin um Raymond kümmern, Etienne hat die Hoffnung, von Lucy mehr zu erfahren. Ich mache mich nochmal auf den Weg zu Deputy Leroy. Er lässt mich rein, nachdem ich versichert habe, dass es nicht um Inspektor Carter geht. Doch auch zu dem zweiten Vorfall kann er nichts sagen. Ich hatte gehofft, dass aufgrund von Lucys Beschreibung eine Phantomzeichnung des Angreifers an die Streifenpolizisten ausgehändigt worden ist, doch dem ist nicht so. Mauert etwa die Taskforce um Inspektor Carter in dem Fall? Jedenfalls wirkt Leroy ziemlich ungehalten und nervös…

Sonntag, der 09.04.1916: Bei unserem abendlich Treffen berichtet Etienne von seinem Abend mit Lucy. Von ihr hat er die Auskunft, dass der Matrose sie angegriffen und niedergeschlagen hat. Sie will das Bewusstsein verloren haben. Wie Walker aus dem Fenster stürzen konnte, wisse sie nicht.
Das passt nun gar nicht zu der Aussage, die Lucy gegenüber der Polizei abgegeben hat! M. Demond will sich über den Zuhälter Mr. Anderson mit Lucy treffen und ihr auf den Zahn fühlen. Wir müssen wissen, was sich wirklich in jener Nacht ereignet hat.

Montag, der 10.04.1916: Die Patrouille gestern Nacht verlief wieder ereignislos. Dafür berichtet Father Josef, dass ihm ein Durchbruch bei Raymond gelungen ist. Zwar bestehe dessen Amnesie weiterhin, aber dafür ist nun sichergestellt, dass er nicht unter der Beherrschung des Magus Aaron Carter stehe. Auf die Frage, wie er da sicher sein kann, erklärt der Priester, er habe Raymond seinerseits einer starken Beherrschung unterworfen. Nun will Father Josef im Büro des Prinzen nachfragen, ob ein Kontakt zu den Magiern in New Orleans hergestellt werden kann. Vielleicht wissen die etwas über ihren Genossen Aaron Carson in New York?
Bei Eli scheint sich auch was Neues ereignet zuhaben: Er bittet M. Demond um ein angemessenes Hotelzimmer für eine Lady. Der Gangrel will sie offenbar beeindrucken…
M. Demond willigt ein und berichtet, dass er nachher noch ein Treffen mit Lucy haben wird. Vielleicht bringt es ja was. Ich mache mich wieder ans observieren des Hafenviertels und lasse meine Tierghule die Grenze zu den Bayous überwachen.

Dienstag, der 11.04.1916: Heute treffen wir uns nicht im „Saints and Sinners“ oder im Hotel Lafayette sondern endlich in unserem neuen Hauptquartier im Hafen. Sicher, hier und da fehlen noch ein paar Handwerksgriffe, aber nutzen können wir das Objekt auf jeden Fall schon.
Das Gebäude liegt direkt am Kai, an dem auch zwei Boote vertäut sind.
Bald kann die Scheinfirma (Irgendwas mit In- und Export) ihren Betrieb aufnehmen. M. Demond erzählt von seinem Treffen mit Lucy, die von ihm sehr angetan gewesen sein muss. Ihr „Vermieter“ Mr. Anderson hat ihr sogar eine Phantomzeichnung des Mörders von Ben Walker mitgegeben, die den Polizisten im Bordell aus den Händen gerutscht sein muss. Welch glücklicher Zufall! Zudem soll eine andere Hure, Rosie, gesehen haben, wie der selbe Mann in der Nacht, in der Candy starb, aus dem Bordell flüchtete.

Wir machen uns wieder auf Patrouille. Als ich im Hafenviertel verdunkelt umherschleiche, kommen mir plötzlich panisch schreiende Männer, Frauen und Kinder entgegen. Da scheint was los zu sein! Als ich mich der Ursache des Tumults nähere, kann ich den Schrecken der Leute verstehen. Ein Stück vor mir auf dem Boden liegt ein Matrose, auf dem Mann hockt eine Frau im Nachthemd. Blutbesudelt und wie von Sinnen beißt sie auf den Sterbenden ein. Auf den in der Nähe ankernden Schiffen werden Alarmglocken geläutet. Bald wird die Polizei hier sein, verdammt! Die rasende Vampirin wird nicht mit sich reden lassen, also zücke ich mein Messer und stürze mich auf sie.
Nach einem kurzen, blutigen Kampf habe ich sie niedergestochen und zerre ihren Körper hinter ein paar Frachtkisten. Während ich beobachte, wie Polizisten und Passanten um die Leiche des Matrosen zusammenlaufen, erhebt sich die Vampirin und greift mich an. Doch es gelingt mir erneut, sie niederzustechen. Diesmal heilt sie ihre Wunden nicht. Verdunkelt schleppe ich sie zum Hauptquartier. Im Vorbeigehen höre ich noch, wie unter den Gaffern die Erzählung von einem schwarzen Albinoaligator die Runde macht, der für das Blutbad verantwortlich sein soll.

Auf M. Demond, Etienne und Eli brauche ich nicht lange zu warten.
So berichte ich, was sich an den Docks ereignet hat. Wir beschließen, die in Starre liegende Vampirin zur Kapelle von Father Josef zu bringen. Da keiner von uns ein Automobil fahren kann, organisiert M. Demond einen Lieferwagen samt Fahrer. Der Körper der Frau wird in ein Transportkiste gepackt. An der Kirche angekommen hilft uns Raymond, sie in die Krypta zu tragen. Father Josef untersucht die Unbekannte und stellt fest, dass Kains Blut seltsam dünn in ihr fließt. Sie scheint der 14ten Generation anzugehören und ist soweit von Kain entfernt, dass sie nicht mehr als wahre Vampirin zählt. Gerüchte besagen, dass Angehörige der 14ten oder sogar 15ten Generation keine vollen Vampirkräfte mehr ausbilden und Sonnenlicht für sie weniger tödlich sein soll. Die Existenz solcher „halbgaren“ Kreaturen erfüllt die Alten und Mächtigen von uns mit Abscheu.
Wir beschließen, einen Zwischenbericht an den Seneschall und Prinz Doran zuschicken. Prinz Doran sucht uns noch in der selben Nacht in der Kapelle auf und nimmt die Vampirin selbst in Augenschein. Der Verdacht liegt nahe, dass sie von der selben Person gewandelt worden ist, die Candy und Ben Walker getötet hat. M. Demond zeigt dem Prinzen die Phantomzeichnung.
Prinz Doran entscheidet, dass der Fremde, von nun an als „der Boxer“ bezeichnet, vernichtet werden muss. Sollte er nicht der Ausgangspunkt dieser betrüblichen Ereignisse sein, so muss dessen Erblinie weiter zurückverfolgt werden. Zu dem ominösen Inspektor Carter berichtet uns der Prinz, dass der Mann ein bekanntes Problem für die Gesellschaft der Stadt darstellt.
Robert Carter hat gewisse Einblicke über unsere geheime Welt im Schatten der Lebenden erlangt. Zwar ist er noch nicht soweit, dass man ihn als „Erwachten“ bezeichnen könnte, aber völlig unbedarft ist er auch nicht.
Dass die Camarilla in New Orleans so wenig Einfluss auf den Polizeiapparat hat, geht ebenfalls auf Carters Einfluss zurück. Seine Taskforce beschäftigt sich mit Verbrechen, die (scheinbar) vom Nimbus des Übernatürlichen umgeben sind. Dabei muss sie sich nur gegenüber dem Polizeichef und dem Bürgermeister rechtfertigen. Der Prinz gibt uns die strickte Anweisung, uns von Carter fernzuhalten. Was den „Boxer“ angeht, so sollen wir weiter an dem Fall dranbleiben.

Doch der Kerl scheint dazuzulernen. In den nächsten Wochen gelingt es uns nicht, neue Spuren aufzudecken. Weitere Morde ereignen sich zunächst nicht, doch dann wird in einem Hinterhof in Storyville der ausgesaugte Kadaver eines Hundes gefunden. Zwei Monate später liegt in einem anderen Bordell des Viertels erneut eine tote Prostituierte. Auch sie ist blutleer, weist aber keine Bissspuren mehr auf. Zeugenaussagen deuten auf den „Boxer“ hin. Er trat als Freier in dem Hurenhaus auf und trug einen Anzug. Wieder schlüpft er uns durch die Maschen. Einige Zeit später ereignet sich ein neuer Leichenfund, der zu seinem Vorgehen passt.

Als die Vampirin der 14ten Generation aus ihrer Starre erwacht, kann sie uns keine sachdienlichen Hinweise auf ihren Erzeuger geben. Es stellt sich nur heraus, dass sie einst Näherin war und im Hafenviertel lebte.
Nach eindringlicher Befragung lässt der Prinz sie von ihrem Schicksal befreien, ohne dass ihr Clan festgestellt werden konnte.

Mit kommt zu Ohren, dass es im „God Old Boyz“ eine grandiose neue Sängerin namens Marilyn gibt. Jedenfalls ist die Bude jeden Abend brechend voll. Scheint sich um die Lady zu handeln, für die Eli das Hotelzimmer von
M. Demond haben wollte.
Dem Ventrue hingegen gelingt es, Lucy gegen einen späteren Gefallen aus dem Dienst von Mr. Anderson auszulösen.

Father Josef erhält aus Wien die Nachricht, dass dort kein Magus namens Aaron Carson bekannt ist. Eine Blutprobe von Raymond wurde von den Tremere analysiert. Dabei wurde festgestellt, dass der Mann nicht zum Clan der Hexenmeister gehört, sondern ein Caitiff ist.

Mittlerweile ist der Oktober ins Land gezogen. Hoffen wir, dass es uns gelingt, den „Boxer“ zu ergreifen, bevor Prinz Doran seine Geduld verliert …

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