Der Jäger III

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Noch in derselben Nacht packten wir unsere Sachen und brachen auf in Richtung Rohald, wo wir auch Odin sei Dank, umbehalten ankamen. Natürlich gingen wir zu aller erst in das große Langhaus von Rohald um Jarl Hrolf Knudson zu berichten. Viele der Bewohner von Rohald waren zu dieser späten Stunde nicht mehr zugegen und vielleicht auch deshalb oder weil ihn unsere Worte wirklich beunruhigten, war Hrolf sehr schweigsam. Am nächsten Tag wollte er zuerst einmal mit den Ältesten sprechen um dann zu schauen was weiter zu tun sei. Gnor Ygnarson wurde ein Platz am wärmenden Feuer Rohalds angeboten und ihm ein Lager im Gästehaus zugewiesen, sowie einiges an frischer Kleidung gebracht. Ihn wollte Hrolf ebenfalls am nächsten Morgen befragen.

Während wir anderen uns am wärmenden Feuer lang machten, brachte Magnus Gnor noch zum Gästehaus. Auf dem Rückweg, so berichtete er wenig später, habe er wieder diesen kalten dichten Nebel durch die Gassen von Rohald kriechen sehen. Auch meinte er erneut blaue Augen erkannt zu haben, nur dieses Mal keinen Wolf, sondern eine Ziege.

Zugegeben, bis dahin war ich noch stark angespannt aufgrund der Begegnung mit dem Wesen welches aus dem Feuer stieg an unserem letzten Lagerplatz am Weiher. Aber der Gedanke daran das, dass Wesen nun keine Bestien mehr für seine Dienste finden konnte, ließ mich etwas aufatmen. Vielleicht hatten wir ja bereits alle Wölfe in dieser Gegend erschlagen. Nun und eine Ziege konnte vielleicht einem Jüten gefährlich werden, aber einem Mann aus Rohald bestimmt nicht. Mit diesen Gedanken fand ich und wohl auch die anderen endlich Ruhe und wir verbrachten die erste erholsame Nacht seit langem.

Kurz nach dem ersten Hahnenschrei tauchte der Gehilfe von Volva Hild im Langhaus auf, um uns zu ihr zu führen. Als ob wir den Weg nicht selbst kennen würden. Aber vielleicht hatte Hild auch nur Angst, das wir nicht schnell genug bei ihr erscheinen würden. Wie recht sie dabei gehabt hätte machte mein Magen mir wenig später unmissverständlich klar. Aber sei es drum, Hild begrüßte uns mit ihrer üblichen Freundlichkeit und kam gleich zur Sache.

Das Wesen welches uns immer wieder verfolgte und uns zu guter Letzt in der Nacht am Weiher direkt angegriffen hatte, sollte eine Kreatur aus Hels Reich sein. Es suchte nach Rache für eine schwere Sünde. Vielleicht für das Erschlagen der drei Söhne des Jarl von Gunnvor oder aber auch für etwas ganz anderem. Klar war nur und das ist in den alten Weisen der Skalden überliefert, dass wenn ein solches Wesen drei Mal erschlagen wird, dann wird Hel persönlich auf Midgard wandeln und die Schuldigen suchen. Um dies aber genauer zu untersuchen, benötigt sie Gnor, um ihn noch einmal über die Geschehnisse in Gunnvor zu befragen.

Aber als Björn ins Gästehaus ging um ihn zu holen, war dieser bereits schon nicht mehr dort. Er hatte sich wohl noch in der Nacht unbemerkt eines der Pferd genommen und war ohne etwas dabei zu haben aus Rohald verschwunden. Selbst seine ursprünglichen Kleidungsstücke hatte er zurückgelassen, welche auch das einzige waren was Björn an diesem Morgen von Gnor zu Hild bringen konnte. Gespannt warteten wir was Hild damit noch herauszufinden vermochte.

Sie nahm die Stofffetzen, denn viel mehr war ohnehin nicht mehr übrig und murmelte allerhand unverständliches Zeug. Malte mit Kohle göttliche Runen auf das Leder und tropfte zu guter Letzt etwas Wasser aus einem kleinen Tonkrug darauf. Wasser von dem sie behauptet es selbst aus der Quelle Mimirs geschöpft zu haben. Nur Heimdall selbst wird wissen ob dies stimmen mag. Aber nach einer gefühlten Ewigkeit blickte sie zu uns auf… „Ihr müsst ihn finden, schnell! Er weiß mehr als er euch bislang erzählt hat. Sein Lebensfaden ist enger mit den Geschehnissen und dem Wesen aus der Unterwelt verwoben als er euch weiß machen wollte.“

Schnell packten wir unsere Sachen, luden Verpflegung und warme Kleidung auf eilig gesattelte Pferde und verließen Rohald gegen Mittag in Richtung Odense. Dies schien für uns der logische Ort zu sein, zu dem Gorn zurückwollte, zurück in seine Heimatstadt. Auch wenn er wohl ohne warme Kleidung und etwas zu essen nie dort ankommen sollte. Aber wer weiß was er noch alles im Schilde führte oder welche Mächte ihm halfen.

Aber an dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen was uns Gudrid Hrolfsdottir, die älteste Tochter von Jarl Hrolf Knudson, kurz vor der Abreise noch schenkte. Sie gab jedem von uns einen dieser Anhänger aus reinem Silber. Aus Dankbarkeit, dass wir sie und ihr ungeborenes gerettet hatten. Ja eure Augen trügen nicht, es sind sehr feine Runen in dem Anhänger zu sehen. Nun und auch richtig, so sieht Mjölnir der Hammer Thors aus. Ein feines Stück nicht wahr?

Aber was es mit diesen Anhängern noch auf sich haben sollte, das ist eine andere Geschichte für ein anderes Feuer und einen neuen Humpen Met. Einen viel Größeren als diesen winzigen hier, natürlich.

Wir ritten also auf dem verschneiten Weg Richtung Odense. Für Magnus war es nicht schwer die frischen Spuren eines Pferdes zu finden und kurz nach Einbruch der Dunkelheit das kleine Feuer welches unweit des Weges entzündet wurde.

Wir stiegen also von den Pferden ab und versuchten uns vorsichtig näher heran zu schleichen um Gorn, wenn er es denn war, nicht zu einer erneuten Flucht zu bewegen. Aber das schleichen sollte nur wenige Augenblicke andauern, denn schon hörte man das laute aufheulen von Wölfen und wir sahen wie sich gut ein Dutzend von ihnen aus der Dunkelheit schälten und auf das Feuer zu liefen. Schnell griffen auch wir unsere Waffen und stürmten zum Lager.

Den kurzen, aber überaus heftigen Kampf erspare ich euch an dieser Stelle. Unterschied er sich doch weder im Verlauf, noch bei seinem Ende von den zu vorherigen Kämpfen mit den Wölfen. Am Schluss waren sie doch alle tot und ihr Lebenssaft färbten Ullers weiße Pracht dunkelrot. Niemand von uns hatte Schaden erlitten und Thor selbst führte unser Klingen. Lediglich Gnor, der es wirklich war, hätte diesen Kampf wohl nicht überlebt. Denn auch jetzt hatte er etliche tiefe Wunden davongetragen und nur durch unsere und Friggas heilende Kräfte überlebt er diese Nacht.

Als sich die erste Aufregung gelegt hatte, erblickte ich erneut zwei tief schwarze Raben auf einem Ast sitzend, hoch oben in einem der nahe stehenden Bäume. Saßen sie doch dort, wie als ob sie das ganze Geschehen wohlwollend beobachteten. Die anderen darauf aufmerksam gemacht, war es Björn der erneut die Arme ausbreitete und unter den Ast mit den beiden Raben trat. Er brüllte und dankte Odin für diesen Kampf und ihren Sieg. Jeder andere Vogel wäre wohl davongeflogen, aber diese beiden saßen dort und beobachteten in aller Ruhe was geschah. Erneut klangen Hilds Worte in meinem Kopf, „Odin selbst hat ein Auge auf euch geworfen.“

Da Gorn an diesem Abend nicht mehr ansprechbar war, nutzen wir sein bereits brennende Feuer und schlugen ebenfalls unser Lager auf. Schnell waren die Pferde geholt und versorgt und etwas gegessen. Schweigend saßen wir noch einige Zeit am Feuer, dick eingepackt in Felle und starten in die Flammen. Niemand wollte so recht ein Auge zu tun, war es doch beim letzten Lagerplatz außerhalb von Rohald, dass uns dieses Wesen aus der Unterwelt heimsuchte. Aber irgendwann war die Müdigkeit stärker als die Angst vor einem erneuten Zusammentreffen. Doch unsere Angst sollte sich bestätigen, den sowohl Björn wie auch ich wurden in dieser Nacht von dem Wesen heimgesucht und durch seine unsichtbare Kraft gewürgt, ähnlich wie es Ubbo bereits vor Tagen erging als wir Gorn trafen und die drei Söhne erschlugen. Wären die anderen nicht jeweils zur Stelle gewesen, wer weiß ob ich euch heute hier diese Geschichte erzählen könnte.

Am nächsten Morgen war Gorn wieder ansprechbar, was wir ausgiebig nutzen. Aber selbst die Drohung ihn nach Muspelheim zu schleifen und ihn dort den Flamen zu übergeben, half nichts. Es war nichts aus ihm heraus zu bringen. Also schleiften wir ihn indes zurück nach Rohald, was natürlich weitaus besser war als Muspelheim, wobei er dies wohl verdient hätte.

Hier angekommen durfte sich sogleich Hild um ihn kümmern. Sie versprach uns am Abend im Beisein von Jarl Hrolf zu berichten. Auch Hrolf ließ uns mitteilen, dass er uns am Abend sehen wollte um uns wissen zu lassen wie der Rat der Alten entschieden hatte. Uns war klar, dass wir nicht auf Ruhe in den nächsten Tagen hoffen durften. So säuberten wir unsere Sachen und bereiteten uns für eine erneute Reise vor.

Als es bereits lange dunkel war und wir zusammen im Langhaus bei Met und Surströmming saßen, kam die Magd von Hrolf und bat uns nach hinten ins Langhaus, wo er und Hild bereits warteten. Um es kurz zu machen, Hild teilte uns mit, das sie durch das allsehende Auge Heimdalls erfahren habe, was Gorn wirklich in Gunnvor getrieben hatte. Er war zwar aus Odense gekommen, um in Gunnvor Handel zu treiben, was aber wohl auch schon das einzig Wahre an seiner Geschichte sein sollte, den darüber hinaus hatte er dort wohl auch die Tochter des Jarls genommen und dies ohne ihren Willen.

Das man ihn dafür gefangen nehmen und töten wollte liegt auf der Hand. Doch bei Loki, irgendwie konnte er entkommen und geradewegs in unsere Arme laufen. Hrolf gab uns zum Glück nicht die Schuld daran was Ragnar zuvor immer wieder vermutete und sich vor Angst fast in die Beinkleider machte. Vermutlich hätte Hrolf selbst auch so gehandelt und die drei Männer erschlagen.

Aber nun war es geschehen und die aktuelle Lage bedurfte nicht noch eines Krieges mit Gunnvor. Auch wenn Rohald diesen sicherlich gewonnen hätte. Mehr Männer, bessere Waffen, mehr Pferde und die hübscheren Frauen, diesen Krieg hätten sie verloren, da bin ich mir sicher. Aber er hätte den Jüten im Süden alle Möglichkeiten gegeben uns anzugreifen. Hrolf musste also den Frieden bewahren. Dafür sollten wir am nächsten Morgen aufbrechen und die drei toten Söhne zurück nach Gunnvor bringen. Zusammen mit Gorn und der Erlaubnis im Namen Hrolf Knudson über entsprechende Entschädigungen zu verhandeln.

Am nächsten Morgen brachen wir zu dieser vermutlich vier Tage andauernden Reise auf. Es sollte zwei ganze Tage bis zur Grenze und weitere zwei Tag bis Gunnvor dauern. Die drei Toten wurden auf einen Karren geladen und Ubbo verabreichte Gorn gegen seinen Willen noch einige Pilze, die ihn für die nächsten Stunden schlafen lassen sollten.

Aber zumindest Uller hatte ein einsehen und so ließ das Wetter uns in Ruhe reisen. Doch je näher wir nach Gunnvor kamen, desto häufige sahen wir Hunde und andere Hoftiere, selbst einmal einen alten Mann mit blauen Augen unseren Weg kreuzen. Auch erschienen uns am ersten Abend im Lagerfeuer wieder die Gesichter der drei toten Söhne in den Flammen. Eine sehr unheimliche Stimmung stellte sich ab da ein und niemand von uns hatte mehr Lust großartig zu reden. Auch Wölfe versuchten noch einmal unser Lager anzugreifen, suchten aber schnell ihr Heil in der Flucht.

In der dritten Nacht aber, zog erneut Nebel auf und legte sich wie eine kalte weiße Wand um unser Lager. Noch ehe wir uns versahen loderten die Flammen auf und veränderten ihre Farbe hin zu einem hellen Blau. Erneut trat dieses Wesen aus Hels Totenreich aus den Flammen, um uns anzugreifen. Mit großer Mühe und Odins göttlichen Beistand konnten wir abermals das Wesen besiegen. Nur noch einmal so hatte Hild gesagt, würde uns dies gelingen, danach stünden wir Hel persönlich gegenüber. Als ob ihr Wolf Garm nicht schon Furcht einflößend genug wäre.

Aber vielleicht sollte es gar nicht so weit kommen. Wer weiß was uns in Gunnvor erwarten würde, wenn wir mit den drei toten Söhnen des Jarl auftauchen. Hoffentlich hatten die Götter wirklich ein Auge auf uns, wie Hild immer wieder betont hatte. Eine lange Reise sollte auf uns warten, meinte sie als wir in Rohald aufbrachen. Was wenn selbst fünf Tage bereits für sie eine lange Reise waren? Oh, ihr glaubt gar nicht wie meine Gedärme zwickten bei dem Gedanken daran. Wie gerne hätte ich auch ein paar der Pilze gegessen, die Ubbo immer wieder Gorn in den Mund stopfte. Aber ich vermute, ihm ging es wie mir und er wollte seinen Vorrat nicht auch noch durch drei teilen müssen.

Am Mittag des fünften Tages erreichten wir Gunnvor

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