Von Viereggs verlorene Vermerke, Berlin 1957, 8. Januar

Schreibe eine Antwort Beitrag drucken

Das Schloss des Fuchsbaus war aufgebrochen worden, und Arnold von Siemens inspizierte den Schaden am frühen Abend höchstselbst. Niemand hielt sich dort auf, und nichts war gestohlen worden, so dass er es abhakte und seinen Ghul Johann anwies, das Schloss reparieren zu lassen. Er beschloss zu Fuß zurückzugehen – in einer Seitengasse traf er auf Alan Mackenzie, der den Einbruch fingiert hatte, um ihn zu sprechen. Er bat um Asyl bei der Carmarilla und warnte vor dem Sabbat, der plante Westberlin einzunehmen. Noch in derselben Nacht würde etwas geschehen und er wollte seinen Bruder sprechen. Sie verabredeten sich für 22 Uhr am Fuchsbau.

Arnold rief Angus an, und lud ihn zu sich ein, um das Treffen vorzubereiten. Lord Byron und ich waren so kurzfristig nicht zu erreichen. Der Kapellmeister Otto Hähnlein hatte mich zuvor einbestellt, um meinen allnächtlichen Streifzügen etwas Abwechslung zu verpassen. Für 23:42 Uhr wurde ein Flugzeug aus Wien erwartet, dessen Ladung von sieben Kisten mit je sieben magischen Steinen aus Obsidian ich entgegen nehmen und prüfen sollte. Allerdings mussten die Kisten am Zoll vorbeigeschleust werden.

Ich besorgte mir Seile, Knebel, ein kleines Brecheisen und bewaffnete mich. Gegen 23:00 Uhr kam ich zum Flughafen Tempelhof. Die Nosferatu hatten ein Fahrzeug und ein Lager organisiert, und warteten auf mich auf dem Parkdeck, Eingang H. Karl von Gutenberg hatte kurzfristig den Vampir Simon seinem Ghul Lüdenscheidt unterstellt, weil ersterer sich als ungeeignet für den Einsatz dargestellt hatte.

Bei der Zufahrt war ein kleines Zollhaus mit zwei Beamten, die es zu überlisten galt. Um 23:35 Uhr bat ich um Feuer, was einen arglosen, dicken Zöllner dazu brachte, herauszukommen. Ich hatte auch keine Zigaretten dabei. Wie ich vorgab meine Taschen abzusuchen, holte er seine heraus. Das nutzte ich, um die Waffe zu ziehen. Mit dem verdunkelten Simon gingen wir in die Wachstube und fesselten und knebelten beide. Damit sie uns nicht identifizieren konnten, spielte ich mit ihrer Angst. Was sie nur zu unbrauchbaren Zeugen machen sollte, führte bei dem Dicken zu einem Herzinfarkt. Das tat mir leid – nicht nur wegen des vergeudeten Blutes.

Das Flugzeug setzte pünktlich zur Landung an. Mit Lüdenscheidt hinter dem Steuer eines Dr. Oetker Lastkraftwagens, fuhren wir auf das Rollfeld. Dort wurden wir schon erwartet. Wie wir ausstiegen, riss mir ein Gewehrschuss meinen Hut vom Kopf. Irgendwo hatte ein Scharfschütze auf uns gelauert.

Zuvor um 22 Uhr am Fuchsbau – Angus verlangte von seinem Zwillingsbruder, dass dieser mithelfe das Unglück, das in dieser Nacht geschehen sollte, abzuwenden. Alan wandte ein, dass er danach untertauchen müsste, wenn klar würde, dass er übergelaufen war, aber Angus bestand darauf. Sie fuhren zum Flughafen, brachen ein abseitiges Versorgungstor auf und warteten in der Dunkelheit, dass etwas geschah.

Vom Terminal fuhren zwei Bullis auf das Flugzeug zu. Während der Scharfschütze auf uns schoss, verluden wir die Kisten auf den Lastkraftwagen. Neben uns tauchte der Jeep von Angus auf, und Alan und Arnold luden drei der sieben Kisten bei sich auf. Ich setzte mich ans Steuer unseres Fahrzeugs, und Angus stellte sich auf einen Angriff ein. Sobald die Bullis herangekommenen und dessen Insassen ausgestiegen waren, entleerte er ein ganzes Magazin aus seinem Sturmgewehrs auf diese. Wer getroffen worden war, stand schnell wieder auf und zog ein Schwert. Mit Blaulicht fuhr die Flughafenpolizei über das Rollfeld auf uns zu.

Unser Lastkraftwagen war zuerst beladen, und ich gab Gas in Richtung der Einfahrt, durch die wir gekommen waren. Drei der Angreifer schnitten uns zu Fuß den Weg ab. Zwei kletterten zu Simon auf die Ladefläche, und der dritte griff mich an. Arnold von Siemens machte mit den Zwillingen kehrt – Angus konnte es kaum ertragen, aus der Kampfzone herausgefahren zu werden.

Simon suchte sein Heil in der Flucht; unsere Ladung wurde heruntergeworfen; ich schoss während der Fahrt auf den Ghul(?), der die Fahrertür aufgemacht hatte, um auf mich einzustechen; drei Polizeiautos kaum auf uns zu und unsere Flucht drohte zu scheitern. Da erschoss der Scharfschütze den Fahrer des mittleren Polizeiwagens, so dass der Fahrer das Steuer verriss und sich der Wagen vor uns überschlug.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutzhinweise: Die E-Mailadresse wird an den Dienst Gravatar übermittelt (ein Dienst der Wordpress Entwickler Auttomatic), um zu prüfen, ob die Kommentatoren dort ein Profilbild hinterlegt haben. Zu Details hierzu sowie generell zur Verarbeitung Deiner Daten und Widerrufsmöglichkeiten, verweisen wir Dich auf unsere Datenschutzerklärung. Du kannst gerne Pseudonyme und anonyme Angaben hinterlassen.

49 − 43 =