Winternacht VI – Das Ifirnsrudel

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Aus Styrvakes Journal – 2. Ingerimm 1022 BF – Morgendämmerung – Ich behielt recht. Die befreiten Sklaven machten kurzen Prozess mit den wenigen Wachen, die sich doch allzu sehr auf den Zauber des Morcanen verließen. Wir plünderten die Gemächer von Jaren Feuermal. Unsere Beute waren einige Tränke und ein paar Münzen. Wir gingen den Weg zurück den wir gekommen waren und fanden Rowin an der Stelle wieder wo wir ihn zurück gelassen hatten. Sein Zustand hatte sich nicht wesentlich verbessert. Der Zauber war offensichtlich auch von ihm gefallen, aber er stand unter Schock und faselte von gemordeten Kindern.

Wir gingen hinab in das ehemalige Lager der Sklaven. Auf dem Weg herunter kamen uns schon die Schamanin Nikalja und der Häuptling Ninaljok entgegen. Sie freuten sich uns zu sehen aber wunderten sich natürlich wo sie denn hin geraten waren. Wir berichteten von dem Dämon und dem Paktierer und was wir erfahren hatten. Und endlich, endlich kamen weise Worte über die Lippen von Ninaljok, der immer weiter seinen Karenen in den Norden folgen wollte: „Wir müssen hier weg! Zurück nach Ouvenmas!“

Wir machten eine Bestandsaufnahme. Unsere Ausrüstung war auch in den Barracken der Wachen nicht zu finden. Verdammt. Von den ehemals 100 Stammesmitgliedern mit denen wir in den Norden gezogen waren, hatten nur rund 30 überlebt. Trotzdem waren wir hier im Tal etwa 100 Männer, Frauen und Kinder. Unter ihnen auch die ein oder andere interessante Person. Zum Beispiel Amuri, die Häuptlingsfrau einer weiteren Sippe der Nivesen und eine Bekannte von Rowin und Tsaekal, die sich sogleich um das Heil des Rondrageweihten kümmerte. Liska, eine Wolfsjägerin wie Tsaekal, die davon berichtete, dass sie mit Tongja, Tsaekals Schwester, reiste bevor beide gefangen aber anscheinend in verschiedene Lager verbracht wurden. Vlad, Banja und Hashandra Jenko, also Vermisste aus Fenews Sippe, waren von Söldnern gefasst und hierher verschleppt worden. Allacarya Gletscherfreundin, eine Elfe, die man Jaren als Gespielin geschenkt hatte. Die Bornländer Telmo von Fjorinswohld, der Sohn des Freiherren aus eben jenem Ort, und Rondrian von Vallusa, ein Mitstreiter aus Rowins Orden.  Und darüber hinaus sogar drei Thorwaler. Steuermann Faenwulf Askirson, Skaldin Swafnild Windzwinger und Thorulfs Sohn der Fjarninger Ulfgard waren mit Thorulf ins Eis gereist. Sie wollten Askil den göttlichen Keil finden, doch sie gerieten in eine Falle des Frostwurms Shirr’Zach.

Die Unterhaltung mit meinen Volksgenossen wurde jäh unterbrochen, als nämlich etwa ein Dutzend von diesen Riesenalken über den Klippen des Tals erschienen. In ihren Krallen trugen sie Felsbrocken und steuerten in geordneter Formation auf uns zu. Der Angriff hatte keine ernst zu nehmenden Konsequenzen, trotzdem hatte Ninaljok recht. Wir mussten hier weg. Aber erstmal mussten Kleidung und Waffen her. Die Nichtwehrfähigen schickten wir zu deren Sicherheit in die Räume von Jaren und der doch recht übersichtliche Rest begann nach einem Ausgang zu suchen. Wir hatten bereits einen Zuweg auf einer Seite des Tals entdeckt, doch der war versperrt aber nicht bewacht. Also musste man irgendwie anders hier auch heraus kommen. Nach einiger Suche fand tatsächlich jemand eine geheimen Gang, der anscheinend von den kleinen Grolmen genutzt wurde. In gebückter Haltung führte Tsaekal uns durch ein kleines Gewirr von Gängen bis wir vor einem flatternden Vorhang standen. Dahinter, so bedeutete Tsaekal, standen 2 Wachen.

Ungerüstet und nur mit einer Spitzhacke bewaffnet, sah ich nur eine Möglichkeit. Ich bedeutete Swafnild natürlich mit mir nach links und den anderen beiden Thorwalern nach rechts zu gehen und schon sprang ich als erster heraus. Noch ein wenig weiter und es wäre um mich geschehen gewesen, denn hinter dem Vorhang war nur ein schmaler Sims. Und zu meiner großen Überraschung standen die beiden Wachen auch gar nicht direkt am Höhleneingang sondern etwas weiter weg den Sims entlang. Beide glotzten nun doof in meine Richtung. Noch war mein Vorteil nicht ganz weg, denn ihre Waffen steckten noch in ihren Scheiden. Ich stürmte unter lautem Geschrei auf den einen zu und traf ihn voll mit meiner Spitzhacke in die Brust. Mit gebrochenen Rippen und einer durchbohrten Lunge, hatte diese Wache noch nicht mal die Zeit gehabt ihre Waffe zu ziehen. Der andere Wächter gab sofort auf. Ulfgard ging langsam und bedächtig auf ihn zu, hob ihn hoch und ließ ihn kurz über der Klippe baumeln bevor er los ließ.

Tatsächlich waren auf dieser Seite zwei Hütten in denen wir neben all unserer Ausrüstung auch noch Schlitten und sogar Hunde fanden. Der eigentliche Weg für Karren und normal große Menschen war schnell von einem seltsamen brennenden Efeu befreit. Wir berieten mit den Menschen die was zu sagen hatten das weitere Vorgehen. Zwei Stunden wollten wir uns Zeit nehmen uns alle zu rüsten und die Reise, um nicht Flucht zu sagen, gen Süden vorzubereiten. Karene wurden geschlachtet und in Windeseile waren die zwei Stunden um. Aber der Track machte sich tatsächlich auf den Weg.

Anscheinend waren die zwei Stunden noch zu großzügig gewesen, denn bald nach unserem Aufbruch tauchte erst ein Eissegler in der Ferne auf und nach kurzer Zeit noch ein zweiter und dritter. Wir sputeten uns so sehr wir konnten, doch es war hoffnungslos. Unbeirrlich kamen die Segler näher und näher. Wir suchten eine passable Verteidigungsposition, bauten aus den Schlitten einen kleinen Wall und zückten unsere Waffen. Außerhalb der Bogenreichweite hielten die Segler. Von Bord sprangen Söldner aber auch Hünen mit großen Keulen und nicht zu vergessen der ein oder andere Dämon. Als einer der letzten sprang Halman von Gareth, der Söldnergeneral der Eishexe, von Deck. Wahrscheinlich war es der armselige Anblick den wir ihm boten, denn er machte sich nicht mal die Mühe seine Truppen zu organisieren sondern gab direkt den Befehl zum Angriff. Dies sollte also der Tag sein an dem ich sterbe. Mein Blut sollte teuer verdient werden.

So unerbittlich wie das Meer brachen sie über uns herein. Wir hackten, stießen und stachen mit allem was wir hatten, doch eines war schnell klar. Entweder würden wir sterben oder wieder in die Sklaverei kommen. Doch mit einem Mal ließ der Druck nach denn ein gewaltiges Rudel Wölfe griff unsere Angreifer an. Das Ifirnsrudel, geführt von Iloinen Schwanentochter, war gekommen und stand uns zur Seite. Mit gemeinsamen Kräften erschlugen wir Söldner, Hühnen und Dämonen. Nur leider entkam Halman von Gareth mit einigen seiner Getreuen auf seinem Eissegler. Völlig entkräftet wurde die Nacht an Ort und Stelle verbracht.

3. – 10. Ingerimm 1022 BF – Mit 2 gekaperten Eisseglern machten wir uns auf den Weg gen Süden. Innerhalb von einer Woche erreichten wir die Eisgrenze. Das Ifirnsrudel begleitete uns. Während der Reise gab es vor allem Erholung aber auch Zeit sich mit den ganzen neuen Bekannten auszutauschen. So erfuhren wir, dass Lyoscho und Balthasar Halbbrüder waren und ich erfuhr von Thorulfs Schicksal. Er war mit Gefährten zur Grimmfrostöde aufgebrochen, da Shirr’Zach vermutlich wusste wo Askil zu finden sei. Er wurde aber vom Wurm hinterhältig getäuscht, es kam zum Kampf  in dem er zur Eisstatue gefror. Er gab seinen Mannen aber eine Nachricht an mich mit. Wenn er den göttlichen Keil nicht finden könne, so würde ich das schaffen. Ein schwarzes Schwert wäre mein Fluch. Eine tulamidische Frau aus eigen Fleisch und Blut im Zeichen der 12 mit Kelch und Stute wäre ein Schlüssel dazu.

2 Gedanken zu „Winternacht VI – Das Ifirnsrudel

  1. Orhan Sturmfels

    War auf der Suche nach Material und habe dabei Eure Mitschriften zu Winternacht entdeckt.
    Vor allem gegen Ende hin waren sie super spannend zu lesen und auch einige Ideen für das Abenteuer habe ich dabei entdeckt :)

    Danke :)

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