Winternacht V – Ein Berg Leichen

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Aus Styrvakes Journal – 2. Ingerimm 1022 BF – Nachts – Das Mädchen Eikala, oder um bei der Wahrheit zu bleiben der Dämon, faselte noch irgendetwas, aber ich hörte nicht mehr zu und mir wurde schwarz vor Augen. Ich wusste nicht wieviel Zeit vergangen war, doch als ich wieder zur mir kam , spürte ich am gesamten Körper Schmerzen. Nichts wirklich ernst zunehmendes doch überall hatte ich kleinere Blessuren und ich war so ausgelaugt, als hätte ich einen Gewaltmarsch hinter mir. Ich öffnete meine Augen und sah mich um. Ich stand bis zu meinen Knien in warmem Wasser vor einer Felswand, hatte eine Spitzhacke in der Hand und war gerade im Ausholen begriffen. Meine Ausrüstung war fort, dafür hatte ich ein neues Accessoire bekommen. Meine Beine waren in Ketten gelegt. Es gibt nichts widerlicheres auf ganz Dere als Sklaverei!

Irgendjemand in meinem Rücken rief, „Mach weiter Du dummer Thorwaler!“ und ich führte die Bewegung mit der Spitzhacke zu Ende. Es war unverkennbar wo ich die letzten Stunden oder Tage drauf eingedroschen hatte. Nichts weiter passierte und alsbald hörte ich das Geplapper von zwei Wächtern wieder einsetzen. Vorsichtig sah ich mich um. Meinen Gefährten ging es nicht anders als mir. Wir standen allesamt in einem kleinen See, der anscheinend von einer warmen Quelle gespeist wurde. Um uns herum waren weitere Gefangene, die stumpf irgendeine Arbeit verrichteten. Darunter auch ein paar von den Nivesen mit denen wir in den Norden gezogen waren, aber interessanterweise auch ein paar Thorwaler. Es schien so als würden wir einen Staudamm errichten, sicher war ich mir allerdings nicht. Bei Tsaekal, Lyosho, Fenew und Balthasar konnte ich ebenfalls feststellen, dass sie aus dem Albtraum entkommen waren. Aber Rowin schlug weiterhin apathisch auf die Felswand ein.

Ich sah mich weiter um. Außerhalb des Sees standen zwei Wachen. Beide in Leder gerüstet, der eine mit Schwert der andere mit einer Armbrust bewaffnet. Keiner von beiden behielt wirklich die Gefangenen im Auge, sondern sie schwafelten belangloses Zeug. Anfänger, so viel war klar. Hinter ihnen türmte sich ein Riesenhaufen Leichen. Dutzende um Dutzende Leiber stapelten sich in den Himmel. Allesamt wahrscheinlich Sklaven die zu Tode geknechtet und dann entsorgt worden waren. Aufgrund der Eiseskälte würden sie dort vermutlich noch lange so liegen. Auf einer anderen Seite des Sees öffnete sich die Felswand und gab den Blick auf ein Tal preis. Durch das Tal schlängelte sich ein Bach, der ebenfalls von der warmen Quelle gespeist wurde. Eine kleine winterliche Oase nur irgendwie andersherum. Karene standen überall im Tal herum und weideten. Und irgendwo mitten drin standen ein paar Hütten. Unterkünfte für die Sklaven waren deutlich zu unterscheiden von denen der Wachen.

Es war Zeit die Lage in den Griff zu bekommen. Da die Wachen so unaufmerksam waren, zerschlug ich die Kette zwischen meinen Beinen. Das war kein Problem, da sie eh immer unterhalb des Wasserspiegels lag. Meine Reisegenossen taten es mir nach. Bevor wir uns allerdings den Wachen widmen konnten, ließen diese uns auf etwas anderes aufmerksam werden. Über das Tal hinweg flog ein Riesenalke auf uns zu. Auf seinem Rücken saß eine kleine Gestalt. Und als ich dies so beobachte, konnte ich ebenfalls sehen, dass ringsum das Tal Nester dieser Geiervögel waren. Der Alke landete und von seinem Rücken stieg der Kobold ab, den ich schon im Lager der Nivesen überrascht hatte. Auf einem Balkon über mir ertönte eine Stimme, der Kobold solle sich beeilen. Da stand er also auf einmal, Jaren Feuermal. Eine Feuernarbe verunzierte sein Gesicht, daher wohl der Name. Der Kobold verschwand in einem Durchgang in dem man eine Treppe erkennen konnte. Zeit zu warten, zu viele Zauberwirker an einem Ort.

Es dauerte eine kleine Weile, da kam der Kobold wieder herunter, stieg auf den Geier und flog davon. Tsaekal blickte mich an und zog eine Augenbraue hoch. Ich nickte leicht. Tsaekal nahm noch einmal einen tiefen Luftzug und kippte dann wie ein gefällter Baum ins Wasser. Die Wachen stöhnten. Nicht schon wieder. Sollen wir ihn liegen lassen? Aber, Swafnir sei Dank, kamen sie dann doch ins Wasser, um Tsaekal heraus zu fischen. Als sie näher kamen, sah ich aus dem Augenwinkel Lyosho eine Hand heben. Aufhalten ließ ich mich aber nicht mehr. Die Wachen waren nahe genug ran. Ich drehte mich mit der Spitzhacke in beiden Händen um und schlug zu. Ich traf, volles Pfund sei bemerkt, und Blut spritzte. Der Wachmann riss Augen und Mund auf, doch hören konnte ich nichts. In der Tat, ich konnte rein gar nichts hören. Perfekt Lyosho!

Wie gesagt, es waren Anfänger. Beide Wachen fielen schnell unter unseren Schlägen. Wir zogen sie beiseite, fledderten was es zu fleddern gab und schmissen dann die Körper ebenfalls auf den Riesenhaufen Leichen. Lyosho hatte unterdes Rowin an die Hand genommen. Der Geweihte ließ sich zwar willig führen, aber er war immer noch apathisch. Ich sah mich nach einem Fluchtweg aus dem Tal um, denn ohne gescheite Ausrüstung wollte ich mich dem Paktierer nicht stellen. Balthasar meinte aber indes, dass der Dämon gesagt hatte, dass wir Jaren diese Nacht töten müssen. Da war mir wohl was durch die Lappen gegangen. Naja, immerhin war dadurch das weitere Vorgehen klar.

Tsaekal ging wie immer voran und schlich als erster die Treppe, die auch schon der Kobold genommen hatte, hoch. Wir anderen hinterher. Es gab nicht viele Gänge und schließlich hockte Tsaekal vor einem Vorhang hinter dem sich Jaren Feuermal befand. Er konnte sogar das Gespräch, das der Paktierer scheinbar mit sich selbst führte, belauschen. Es ging um Lieferungen des Blut Sumus und irgendwelche Gegenleistungen. Ich kann nicht sagen welche Tarantel den Nivesen gestochen hatte, aber auf einmal signalisierte er Gefahr im Verzug und Angriff. Ich ließ mich nicht lang bitten und stürmte mit lauten Gebrüll durch den Vorhang, durch den Tsaekal auch schon hindurch war.

Ich gelangte in einen Arbeitsraum mit allerlei Apparaturen, Fläschen mit einer seltsamen grünlich leuchtenden Flüssigkeit und anderem typischen Magierzeug eben. Jaren mit der verbrannten Schnute stand vor einem Spiegel, doch es war kein Spiegelbild zu erkennen. Vielmehr war dort Lystramon zu sehen. Der Vielgehörnte saß auf einem Feuerthron und um ihn herum weitere Dämonen. Er unterhielt sich mit dem Paktierer durch den Spiegel hindurch. Sowohl Jaren als auch Lystramon wurden auf den nicht gerade als leise zu bezeichnenden Auftritt von uns aufmerksam. Jaren wirbelte herum und Lystramon blickte aus dem Spiegel zu uns und sprach, „Ihr schon wieder“, und streckte seine Hand aus dem Spiegel.

Mir gefror das Blut in den Adern, doch ich zwang meinen Körper zu reagieren und stürzte mich auf Jaren. Tsaekal sprang geistesgegenwärtig zum Spiegel, riss ihn von der Wand und schmetterte ihn zu Boden, wo er zersprang und eine kleine Schwefelwolke hinterließ. Jaren war nicht vorbereitet. Fenew zog ihm schließlich mit einer Schaufel eins über und unter diesem Schlag sank der Paktierer zu Boden. Er hatte vorher noch versucht 2 Leichname zu beleben, doch bevor diese gefährlich werden konnten, hatten wir uns auch schon um sie gekümmert. Zeit Atem zu holen.

Denkste. Der Leib Jarens zuckte und wand sich und aus seinem Körper schälte sich ein Dämon heraus. Wir konnten es nicht fassen. Noch weniger konnten wir es fassen, dass die Schläge, die wir auf den Dämon niederregnen ließen, nahezu wirkungslos waren. Er hatte einfach einen zu dicken Panzer. Der Kampf war aussichtslos. Ich kann nicht mehr sagen warum, aber Tsaekal nahm eines von diesen grünen Fläschchen und schmiss es auf den Dämon. Dies war das sagenumwobene Blut Sumus und bei diesem Dämon richtete es noch nie gesehene Schäden an. Es sah aus als würde ein Lavastrom den Körper des Dämons verzehren bis nichts mehr da war. Endlich war Jaren Feuermal Geschichte.

Wir sahen uns um. Unsere Ausrüstung war leider nirgends zu entdecken. Wahrscheinlich war sie im Tal im Lager der Wachen, wenn sie nicht sogar von denen bereits unter sich verteilt worden war. Doch vom Balkon konnte man beobachten, dass der Morcanen Wort hielt. Die Sklaven hatten sich befreit und kämpften mit den Wachen. Für letztere sah es nicht sehr gut aus. Sie würden wohl auch noch den Weg auf den Riesenhaufen Leichen finden. Im Gemach von Jaren fanden wir noch irgendwelchen Schriftwechsel zwischen Mitgliedern des Schattenrats in denen es um den Kauf und um die Verwendung des Bluts Sumus ging. Tsaekal machte mir noch ein ganz besonderes Geschenk. Mit den Worten, „Wir werden zwar eher alle sterben als nach Festum zurück kommen, aber trotzdem sollst Du es haben.“, überreichte er mir eine Alveranie im Feuerrot des Ingerimm blühend, gebettet auf dem Blut Sumus, so dass sie nicht innerhalb eines Tages verging. Ich freute mich sehr. Doch im nächsten Moment erbleichte ich. Die Prophezeihung der Gartimpener Schwestern hatte sich gerade bewahrheitet.

 

2 Gedanken zu „Winternacht V – Ein Berg Leichen

  1. thd

    Muss es nicht „riesen Haufen Leichen“ heißen? Oder geht es wirklich um die Exkremente eines Riesen? :)

  2. Agrawan

    Nennen wir es einfach ein Berg Leichen, dann sollte es deutlich sein. :-)
    Die subjektive Sicht des Thorwalers hatte ich fast noch drastischer erwartet. :-)

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