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Opfer eines harten Winters XII – Die Stadt der Ketten

Nun und so verließen wir zwei Tage nach unserer Ankunft in Hirsk, die selbige wieder und segelten die Küste weiter südlich entlang in Richtung des Ansitzes von Jarl Hrapp Annsson. Dabei erzählen sollte ich euch vielleicht, dass Ubbos Lanze wieder leuchtet und dies bereits am Abend zu vor begonnen hatte. Denkt euch derweil euren Teil, denn erzählen werde ich vielleicht später erst davon.

Die Götter meinten es wieder gut mit uns und so segelten wir unter blauem Himmel und Wind aus nördlicher Richtung die Schwedische Küste hinunter und kamen schnell voran. Bis der Wind plötzlich abflaute und wie aus dem Nichts eine Nebelwand vor uns auftauchte. Die ersten Männer ließen sofort Erinnerungen aus dem Norden auferstehen und sprachen von dem gleichen Nebel wie bei der Eishexe. Aber das konnte nicht sein und so wies ich alle an, die Ruder in die Hand zu nehmen und zu zusehen, dass wir schnell durch diesen grauen Vorhang kamen.

Ubbo indes versuchte sich auf seine Weise nützlich zu machen. Ihr könnt es euch denken, er murmelte komisches Zeug und vollführte irre Bewegungen. Ob die Götter ein Einsehen hatten, oder Ubbo tatsächlich die Elemente veränderte weiß ich nicht. Aber nach kurzer Zeit lichtet sich der Nebel wieder und erneut frischte eine leichte Brise auf und trieb uns weiter Richtung Ann. Zum Glück hatte ich mir in Hirsk noch von dem Dänischen Händler die besonderen Landmarken um den Ort herum erklären lassen so, dass ich gegen Abend das Boot auf einen kleinen Sandstrand laufen ließ um in aller Ruhe die nächsten Schritte zu besprechen.

Hinter dem Strand begann direkt ein Wald und laut den Informationen sollte direkt hindurch auch Ann liegen. Mit dem Boot vielleicht noch ein bis zwei Stunden bei gutem Wind, aber zu Fuß bestimmt mehr als einen halben Tag. Aber diese Stelle war vielleicht die einzig sichere Position um den Ansitzes von Jarl Hrapp Annsson auszukundschaften, ohne gleich gesehen zu werden.

Schnell war entschieden, dass Magnus sich auf den Weg machen sollte und wir am Strand auf ihn warten. Immerhin war er der Erfahrenste im Wald und konnte schnell und ohne viel Aufsehen hindurch und wieder zurück gelangen. Er sollte schauen wie das Dorf gesichert war, wie viele Männer unter Waffen dort lebten oder wie viele Boote im Wasser lagen. Nun und schlussendlich, ob er ein Zeichen des Jungen von Jarl Hord Beinirsson finden konnten. Wir anderen berieten indes wie wir weiter vorgehen sollten. Lieber mit Gewalt oder doch lieber mit sanften umschmeichelnden Worten?

Als es bereits weit nach Einbruch der Dunkelheit war und ein Großteil der Männer bereits schliefen, ließ uns ein gewaltiges Brüllen hochfahren. Etwas Großes und Gewaltiges schien in diesem Wald zu hausen und Magnus war mitten drin. Aber nach ihm zu suchen, machte wenig Sinn. Wir würden uns im Dunkeln nur verlaufen und womöglich unnötig Aufmerksamkeit auf uns lenken. Wir konnten nur warten bis Magnus wieder kam, wenn er den wieder kam.

Ich glaube kaum jemand von uns konnte in dieser Nacht nach dem Brüllen ein Auge zu machen. Ich weiß noch wie ich bei jedem Geräusch aus Richtung des Waldes aufhorchte und auf ein Herausbrechen einer riesigen Bestie, einem Wesen aus den Zwischenwelten wartete. Doch nichts geschah und bis auf das Rufen einer Eule oder das Bellen eines Rehes, geschah bis zum Aufgang der Sonne nichts.

Natürlich überlegten wir weiter was wir tun sollten. Doch gegen Nachmittag, die Sonne hatte den höchsten Punkt schon lange überschritten, erschien Magnus wieder auf dem Strand. Er war unverletzt und wohl auf und fing sofort von einem übergroßen Bären zu erzählen. Einem Ungeheuer, gut vier Schritt hoch, mit gelb leuchtenden Augen und Krallen so lang wie die Arme eines kleinen Jungen. Fangzähne so mächtig um einen Ochsen mit einem Biss zu fällen und sein Körper war bedeckt mit langem braunen Fell. Es schien Magnus in der Nacht gewittert zu haben, griff ihn aber nicht an, sondern stieß lediglich ein ohrenbetäubendes Brüllen aus. Vermutlich dasselbe was auch wir am Abend zuvor gehört hatten.

Aber Magnus konnte uns noch mehr berichten, dass Ann an einer kleinen Bucht lag deren Zugang ähnlich wie Hirsk durch Felsen geschützt war. Diese waren natürlich nicht so mächtig und auch nicht durch eine Kette gesichert, aber immerhin konnte so niemand ungehindert ins Dorf gelangen. Zum Wald und in die zur See abgewandte Seite, war Ann durch eine große Holzpalisade geschützt die durch einige Türme bewacht war. Weiterhin schlossen sich Felder an diese Palisade an und weiter die Küste hinunter, schien irgendwann wieder ein Wald zu beginnen.

Kurz, von Land und von See war Ann für uns nicht zu überwältigen. Schon alleine, weil wir zuvor vermutlich noch gegen das Monster im Wald hätten kämpfen müssen. Ein Monster welches direkt in der Nähe von Ann lebt und nicht von Jarl Hrapp Annsson getötet wurde. So beschlossen wir, am nächsten Tag einfach friedlich nach Ann zu fahren, um mit freundlichen Worten unser Ziel zu verfolgen. Immerhin konnte Magnus auch nichts über den Jungen erzählen. Es gab zwar einige Sklaven, aber ob der eine darunter war, ließ sich nicht so einfach sagen.

Am Abend sollte noch einmal das Met seine Runde durch die Mannschaft machen und Ubbo wollte die Runen über unsere Zukunft und das Monster im Wald befragen. Nun und es mag am Met gelegen haben, aber selten zuvor waren seine Worte danach so klar und verständlich. Die Runen zeigten ihm Bilder, wie jemand im Blute der Bestie badete, die erschlagen im Wald lag und neben der sich ein großer roter See gebildet hatte. Er sah wie eine große Schlacht in Hirsk tobte und alles in Flammen stand, die Menschen tot in den Gassen lagen oder sich brutal bekämpften. Die Runen zeigten Bilder vom Rabenspeer und wie dieser die Jotunketten im Hafen von Hirsk sprengte.

Allerdings war es da dann auch schon wieder vorbei mit Ubbos Verständlichkeit, weil was dies alles zu bedeuten hatte und wie unsere möglichen nächsten Schritte aussehen sollten, dass konnte er uns auch nicht sagen. Nun und so legten wir unser Schicksal wieder in die Hände der Götter. So fuhren wir, wie abgesprochen, am nächsten Morgen nach Ann. Die Winde standen günstig und wir kamen zügig voran. Bei der Einfahrt in die kleine Bucht, legte gerade eines der drei Drachenboote die man sehen konnte, ab und fuhr direkt an uns vorbei.

Tja und Ratatøskr hätte keine schlechteren Nachrichten verkünden können, auf dem Boot stand Stigandi Tryggverson, jüngerer Bruder von Herjolf, der als Vogelfrei erklärt und aus Rohald verbannt wurde. Was bei allen Göttern hatte er hier zu suchen und warum lebte er immer noch? An diesem Tag schwor ich, diesen Umstand so schnell wie möglich zu ändern. Doch erst einmal gab es wichtigeres. Immerhin waren wir in die Höhle des Bären gefahren und konnten nicht sagen was uns erwarten würde und wie Jarl Hrapp Annsson auf unsere Anwesenheit reagieren würde.

Doch ich bringe es schnell auf den Punkt, Annsson war aufbrausend und jähzornig und immer wieder musste sein Thulr Hermod ihn ein wenig beruhigen, aber am Ende gewährte er uns seine Gastfreundschaft und wollte am Abend bei einem kleinen Fest mit uns über alles weitere sprechen. Bis dahin konnten wir uns im Dorf umschauen und tun und lassen was wir wollten. Was wir auch taten und so sprachen Ubbo und ich mit allerlei Dorfbewohnern. Dabei fiel uns ein blonder mit Muskeln bepackter Hüne auf, der auf den Namen Dusk hörte und ursprünglich aus Finnland zu kommen schien. Er wohnte in einer kleinen Hütte direkt außerhalb der Palisaden. Aber außer, dass er die Bestie im Wald jagen würde, kam nicht viel aus ihm heraus. Er konnte uns nicht viel mehr über Jarl Annsson oder den Verbleib eines gefangenen Jungen erzählen. Doch uns war klar, dieser Mann sollte noch wichtig für uns werden.

So und nun lasst mich einmal kurz hinaus gehen, vor die Hütte und mein Met an einen Baum bringen. Während ich das tue, rate ich euch nicht auf die Worte von Magnus oder Ubbo zu hören. Die beiden haben bereits mehr Hörner gekippt als der Drache Nidhøggr Schuppen hat. Was also sinnvolles könnten sie der Geschichte beitragen?

So, ist er raus? Dann will ich Magnus Gunnarsson euch einmal erzählen wie es weiter ging. Irgendwann fanden wir uns wieder in Ann zusammen und tauschten uns darüber aus, was wir gesehen und gehört hatten. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort, war es uns jedoch nicht erlaubt das Dorf zu verlassen. Offiziell natürlich nur zu unserer Sicherheit – aber uns war klar, dass wir unter dem Deckmantel der Gastfreundschaft nicht viel mehr waren als unwillkommene Fremde.

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