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Edira bleibt bei ihresgleichen

Temedos wahrheitsgemäßer Abenteuerbericht

19.4.21
Edira schlug sich in die Büsche, während wir anderen uns den Räubern stellten. Die Falle, die sie uns gestellt hatten, erwies sich rasch als fatal für sie. Wer nicht verbrannt war, einen Pfeil im Herzen stecken hatte oder mit eingeschlagenem Schädel zu Boden sank, der rannte in Windeseile fort. Ein Mann namens Mathais, dessen Geist ich kontrollierte, ergab sich. Er bestätigte, dass sie hier Reisenden auflauerten, und ihnen niemand gesagt hat, dass wir kommen würden. Wir ließen ihn laufen, und waren guter Dinge, dass man uns abholen käme. Derweil plünderten wir die Toten.

20.4.21
Eigentlich war es Gesetz, die Leichname zu verbrennen, damit sie nicht als Wiedergänger ein neues Dasein fänden, aber dafür war keine Zeit. So brachten wir sie tiefer in den Wald und versteckten sie in einer Kuhle unter viel Laub, damit sie dort verrotten oder von den Tieren gefressen werden konnten.

Wie mit dem korrupten Soldat vereinbart, kam uns ein Segelboot abholen, setzte uns samt Herogais Pferd an einem Bootshaus am anderen Flussufer ab, und verschwand dann wieder in der Nacht. Am nächsten Morgen umgingen wir die Stadt Prios-Pass in nordwestlicher Richtung, bis wir auf die Straße nach Indaross stießen. Neben uns floss der Veloma gen Norden.

23.4.21
Floki träumte des Nachts von der Eulenfrau und wachte auf. Er verließ das Gasthaus, in dem wir untergekommen waren, und streifte durch das Dorf Flussruh, bis er das Wesen aus seinem Traum auf dem Dach des Prios-Tempels vorfand. Wie er sie ansprach, breitete sie ihre Schwingen aus, und flog weg.

Am Morgen begrüßten die Dorfleute uns Neuankommlinge mit einem mitleidigem Blick, aber sie fragten nicht nach einem Passierschein und wollten auch nicht prüfen, ob wir „gesund“ waren. Von mir aus konnten sie gucken, wie es ihnen gefiel. Jedoch wussten sie, dass das Ordenshaus des Ordo Magica nach Agrella umgezogen war. Hier in Flussruh machte der Veloma einen Knick nach Westen, und Agrella lag flussabwärts. Wir gingen an Bord eines Flusskahns – Floki hatte wieder einmal die Güte, meine Kosten zu begleichen.

29.4.21
Nach ein paar Tagen trug uns der Veloma auf den großen Ebelsee. Als man Agrella schon sehen konnte, ging ich zu Floki, und berichtete ihm, dass der Händler Edogai, den er suchte, nach Distelfeste gezogen war. Floki wurde daraufhin sehr erregt, und er erzählte, dass er es war, der Edogais Tochter als Ausgeburt auf dem Scheiterhaufen verbrannt hatte. Dieser hatte dann Rache genommen, Flokis Frau getötet und seine Tochter entführt. Meine Meinung von Edogai sank, und ich konnte Flokis Zorn nachfühlen. Dann sagte er noch, dass er eine Vision gehabt hat, in der ich ihn begleitete und letztendlich Edogai tötete. Ich erschrak – und nun wusste ich auch, was es mit seiner Großzügigkeit auf sich hatte. Abschließend drohte er mir und beschuldigte mich der Zauberei – die Abscheu stand ihm ins Gesicht geschrieben, und er schien sich sehr beherrschen zu müssen, mich nicht gleich an Ort und Stelle mit seinen Dolchen abzustechen. Noch hatte er eine Verwendung für mich. Wir waren etwas laut geworden und hatten nicht bedacht, dass andere Mitreisende an Deck zuhören konnten.

Sobald wir von Bord gegangen waren, fasste Floki den Entschluss, bereits morgen nach Distelfeste aufzubrechen. Edira fragte zaghaft, ob sie mitreisen durfte. Nachdem uns die Stadtwachen Wegzoll abgenommen hatten, kehrten wir im Schmalen Gäßchen ein. Edira und Tribor gingen zu ihrem Ordenshaus – nur um zu erfahren, dass Großmeister Seldonion sich weiterhin in Indaross befand. Die teure Flussfahrt war für die Katz gewesen, und wir einigten uns darauf, doch wieder nach Indaross zu reisen. Floki stimmte missmutig zu und ging zu Bett.

Ein prächtig gewandeter Magier betrat den Schankraum und gesellte sich zu uns – Meister Antonidas, der Maior Domus des Ordenshauses. Er wollte wissen, was wir, also die beiden Magier, vom Großmeister wollten, und Edira zeigte ihm den Sonnenstein und einen Brief. Er brach dessen Siegel und laß ihn schweigend. Er bot Edira an, hier auf Seldonion zu warten, und verabschiedete sich. Scheinbar war nur mir aufgefallen, dass er den Brief eingesteckt hatte, aber ich hütete mich etwas zu sagen, solange der Mann noch im Raum war. Sobald ich es erwähnte waren alle in heller Aufregung, doch der Magier war fort. Edira und Tribor begaben sich mit Herogai und Ianoscho nochmal zum Ordenshaus, doch es hieß, der Maior Domus wäre noch nicht zurückgekehrt.

30.4.21
Am nächsten Morgen versuchte Edira es nochmal, und diesmal empfing der Maior Domus sie und nur sie. Allerdings gab sie vorher den Sonnenstein an Ianoscho. Während Tribor, Herogai und Ianoscho die nächste Stunde warteten, machte es sich ein gelber Kater mit scharzer Musterung auf Tribors Schoß bequem und schnurrte genüsslich. Als Edira zurückkehrte, verkündete sie, dass sie beschlossen hat, hier zu bleiben. Der Stein forderte sie nicht zurück. Ianoscho gab ihn Tribor, sobald sie wieder im Gasthaus zurück waren.