Was ist Rollenspiel?

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Unter Rollenspiel versteht man grundsätzlich die Darstellung einer Person, allgemein als Charakter bezeichnet. Dieser Charakter wird im Spiel vom Spieler verkörpert. Insofern hat das Spiel schon etwas mit Theater zu tun. Der Spieler vermittelt mit seiner Gestik, Sprache und Handlungen seiner Spielfigur etwas über den Charakter. In jüngerer Zeit haben sich zwei große Gebiete des Rollenspiels etabliert. Das Rollenspiel am Tisch (das eigentl. Rollenspiel) und das Live-Rollenspiel. Da das Live-Rollenspiel aus dem ersten entstanden ist wollen wir zunächst das Tischspiel betrachten und dies als Rollenspiel bezeichnen.
Rollenspiele werden üblicherweise in Gruppen von 3-6 Personen gespielt. Es handelt sich hierbei um ein völlig eigenes Spielkonzept, das sich klar von anderen Spielen hervorhebt. Ein wesentliches Merkmal ist die Unterteilung der Spielgruppe in einen Spielleiter/Meister und Spieler (der Rest). Spieler erkunden mit ihren Charakteren die Spielwelt, der Spielleiter stellt alle anderen Lebewesen dar und vermittelt den Spielern Eindrücke aus der Umgebung ihrer Charaktere. Dazu gehört zuerst eine Beschreibung der einzelnen Charaktere. Körperliche und erlernte Fertigkeiten werden meist durch ein entsprechendes Regelsystem festgelegt, nach einem bestimmten Schlüssel oder einem Zufallssystem mit Würfeln bestimmt. Aussehen und Charakterzüge werden von den Spielern selbst bestimmt und sollen im Rollenspiel herausgearbeitet werden. Anschließend versuchen die Spieler meist als Gruppe die Hindernisse und Aufgaben die der Spielleiter stellt mit ihren Charakteren und den damit verbundenen Fähigkeiten und Eigenheiten der Charaktere zu überwinden bzw. zu erfüllen.
Dabei sind Rollenspiele keine Brettspiele. Ihre Handlungen laufen größtenteils über Gespräche zwischen den Spielern/Spielleiter am Tisch ab. Dabei macht sich jeder Spieler eine eigene Vorstellung von der Umgebung seines Charakter und erzählt einfach, was er (in Form seines Charakters) tun möchte. Daraufhin entscheidet der Spielleiter was genau passiert. Danach haben die Spieler wieder die Gelegenheit ihre Handlungen anzukündigen.
Bsp.: Der Spielleiter sagt: „Die Gruppe befindet sich vor einem Turm.“ Dies kann durchaus ein Anfang eines Abenteuers sein, wer weiß schon was sich in dem Gemäuer verbirgt? Daher wird sich jeder Spieler unbewußt ein Bild vom Turm machen, sei es ein sonnenbeschienener schlanker Turm aus weißem Gestein oder ein irischer Wohnturm. Solange keine weiteren Informationen gegeben werden ist alles möglich. Dem entsprechend werden die Spieler dem Spielleiter Fragen stellen. Wie breit ist er, wie hoch, welche Farbe, gibt es Fenster? Immer noch steht kein Spielstein auf dem Tisch und kein Spielbrett ist zu sehen dennoch formen die Spieler sich ein neues geistiges Bild. Um solchen Fragen zuvorzukommen, kann der Spielleiter schon von Anfang an weitere Informationen herausgeben. „Ihr steht vor einem 5m durchmessenden Turm mit vermutlich 5 Stockwerken.“ Und er kann eine Skizze anfertigen, aus der Vogelperspektive und den Umfang des Turmes einzeichnen. Damit hat sich die Gruppe ein eigenes Spielbrett geschaffen und weitere Änderungen vornehmen, indem sie ihre Standpunkte mit Spielfiguren markieren. Je nach Situation schafft sich die Gruppe also das benötigte Brett.
Die Spieler entscheiden sich zum Tor im Turm zu gehen. Dazu ist es nicht unbedingt notwendig die Position der Spielsteine zu verändern, jeder weiß daß die Charaktere vor der Tür stehen werden. Erst wenn ein Spieler Bedenken hat und sich lieber etwas abseits halten will, sollte er das Ansagen und sich u.U. auf dem Plan positionieren. Dies hat zur Folge, daß die Spieler gänzlich unterschiedliche und auch mehrere Handlungen durchführen können. Ein Spieler der bestimmt, daß sich sein Charakter 30 Minuten Spielzeit (nicht Realzeit) ausruht, läßt den anderen Spielern 30 Minuten Zeit so viele Handlungen auszuführen wie sie wollen. Und der vorsichtige Charakter ist bestimmt der einzige, den die herausstürmenden Räuber nicht überraschen.

Ziel und Ende des Rollenspiels: Im Rollenspiel stellen sie ein lebendiges Wesen dar und daraus ergeben sich die stärksten Unterschiede zu anderen Spielen. Auch Sie gewinnen nicht im richtigen Leben, wenn die 100 imaginäre Punkte zum Sieg gesammelt sind. Nach einer Turmbesichtigung fahren Sie nach Hause oder gehen vielleicht noch etwas essen. Endgültig „verloren“ haben sie nur nach ihrem Tod. Dasselbe gilt auch für einen Charakter. Solange der Spieler Lust hat, kann der Charakter beliebig viele Abenteuer erleben und abgelegenste Winkel der Spielwelt erkunden. Dies werden sie nicht in fünf Stunden Spielzeit schaffen. Deswegen können sich Charaktere auch an die Geschehnisse des letzten Spielabends erinnern und alle Handlungen haben Auswirkungen auf die folgenden Spielrunden. Wenn sie beim letzten Mal ihr gesamtes Geld verloren haben, können sie auch nichts mehr bezahlen. Vielleicht werden sie als Sklave verkauft und müssen sie ihre Freiheit erkämpfen. Und schon sind Sie im nächsten Abenteuer gelandet.

Also ein Spiel ohne Sieg und Ende, wie soll das Spaß machen? Natürlich gibt es auch im Rollenspiele Abschnitte die Sieg oder Niederlage entscheiden. Ein bestandenes Abenteuer stellt in gewisser Hinsicht das Ende eines Spieles dar, erst am nächsten Spielabend wird ein neues Abenteuer beginnen und Erfolg haben die Spieler auch gehabt. Die haben schwere Rätsel gelöst und wertvolle Gegenstände gefunden. Solche Erfolgserlebnisse machen einfach Spaß. Was viel wichtiger ist, man hat viele Stunden mit Freunden verbracht, geredet, gelacht und mit seinem Charakter mitgefiebert. Genau daraus entsteht der Spielspaß, der Rollenspiele so besonders macht.

(Quelle: Allgemeiner deutscher Rollenspielverein)

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